Inwiefern enthalten die sogenannten Weisheitspsalmen Elemente der alttestamentlichen Weisheit? Was sind zentrale Motive und in welchen Metaphern und in welchen sprachlichen Bildern kommen diese zum Ausdruck? Welche weisheitlichen Momente lassen sich aus den Psalmen 37 und 73, die exemplarisch hierfür bearbeitet werden, herausstellen? Gibt es Parallelen zu anderen weisheitlichen Texten des AT, sowohl in formaler, als auch in inhaltlicher Hinsicht? Was sind die Gemeinsamkeiten? Wo gibt es Unterschiede? Die vorliegende Arbeit lässt sich von diesen Fragen leiten und bietet eine Exegese der Psalmen 37 und 73 unter dem Gesichtspunkt von Forschungskontroversen und Forschungsdesiderata.
Inhaltsverzeichnis
1 „Weisheitspsalmen“ oder „Psalmen und Weisheit“?
2 Exegese von Psalm 37
3 Exegese von Psalm 73
4 Fazit und Vergleich der Psalmen 37 und 73
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die als Weisheitspsalmen bezeichneten Texte weisheitliche Elemente, Motive und Metaphern enthalten, wobei die Psalmen 37 und 73 als exemplarische Fallstudien dienen, um Forschungskontroversen und methodische Ansätze kritisch zu beleuchten.
- Analyse des Weisheitsbegriffs im Alten Testament
- Vergleichende Exegese der Psalmen 37 und 73
- Diskussion von Gattungsfragen und Datierungskontexten
- Untersuchung des Tun-Ergehens-Zusammenhangs
- Reflexion über die Entwicklung der Weisheitsliteratur im Psalter
Auszug aus dem Buch
Exegese von Psalm 37
Dass der Psalm 37 eine große Affinität zur alttestamentlichen Weisheitsliteratur besitzt, darüber besteht ein breiter Konsens bei den Exegeten. Erich ZENGER beispielsweise bezeichnet den Psalm als „eine in Spruchform gebündelte weisheitliche Lebenslehre“ und ordnet ihn damit der Gattung der Weisheitspsalmen zu. Diese Gattungsbestimmung basiert auf mehreren Beobachtungen, wie etwa dem Aufbau des Psalms, der darin entfalteten Motive und der Theologie, die diesen Psalm bestimmt. Auch Manfred OEMING ordnet Psalm 37 zu den Weisheitspsalmen, wenn er zu Beginn seines Kommentars zu diesem Psalm enthusiastisch schwärmt: „Psalm 37 ist ein erstaunliches Gedicht! Eigentlich ist es gar kein Psalm, jedenfalls kein Gebet; es handelt sich vielmehr um eine reine Belehrung, ohne eine Anrede an Gott.“ Seine Zuordnung geschieht auch aufgrund der für die alttestamentliche Weisheitsliteratur spezifischen Motive und Bilder, die in Psalm 37 zum Vorschein kommen, aufgrund des formalen Aufbaus als Akrostichon und der typischen weisheitlichen Gattungen, welche die Verse dieses Psalms vereinen. Aufgrund dieser Zuordnung könnte Psalm 37 auch in anderen Büchern alttestamentlicher Weisheitsliteratur stehen, wie etwa im Buch der Sprüche oder in Jesus Sirach.
Zusammenfassung der Kapitel
1 „Weisheitspsalmen“ oder „Psalmen und Weisheit“?: Dieses Kapitel führt in den alttestamentlichen Weisheitsbegriff ein und definiert die Einordnung der sogenannten Weisheitspsalmen sowie deren Abgrenzung vom sakralen Bereich der Psalmen.
2 Exegese von Psalm 37: Das Kapitel bietet eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Gattung, Datierung und dem Aufbau von Psalm 37 als Akrostichon unter Berücksichtigung verschiedener exegetischer Forschungsansätze.
3 Exegese von Psalm 73: Hier steht die Krise des Individuums im Fokus, wobei der Psalm als Hybrid-Gattung analysiert wird, die trotz eines leidvollen Einzelschicksals zu einem neuen Gottesverständnis führt.
4 Fazit und Vergleich der Psalmen 37 und 73: Abschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Psalmen in Bezug auf ihre Thematik, Bildsprache und den Tun-Ergehens-Zusammenhang gegenübergestellt.
Schlüsselwörter
Weisheitspsalmen, Altes Testament, Psalm 37, Psalm 73, Weisheit, Exegese, Tun-Ergehens-Zusammenhang, Gottlose, Gerechte, JHWH, Akrostichon, Lebenslehre, Glaubenskrise, Theologie, Psalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie weisheitliche Elemente in spezifische Psalmen integriert sind und welche Rolle diese Psalmen innerhalb der alttestamentlichen Literatur spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Gattungsbestimmung der Weisheitspsalmen, die Analyse des Tun-Ergehens-Zusammenhangs sowie der Umgang mit der Theodizee-Problematik und der Krise des Einzelnen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Forschungskontroversen zur Gattung der Psalmen 37 und 73 aufzudecken, kritisch zu bewerten und die weisheitlichen Motive in diesen Texten herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine exegetische Methode, die formale Aspekte (wie den Aufbau als Akrostichon) mit inhaltlich-semantischen Analysen und dem Vergleich mit anderen weisheitlichen Schriften verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Psalmen 37 und 73 einzeln einer tiefgehenden Exegese unterzogen, wobei insbesondere die Gliederung und die theologischen Aussagen der Verse detailliert untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Weisheitspsalmen, Tun-Ergehens-Zusammenhang, Exegese, JHWH-Vertrauen und die Gegenüberstellung von Frommen und Gottlosen charakterisiert.
Warum wird Psalm 37 als „Akrostichon“ bezeichnet?
Die Verse des Psalms folgen einer alphabetischen Anordnung des hebräischen Alphabets, was auf ein mnemotechnisches Kunstwerk hindeutet, das das Auswendiglernen und den mündlichen Vortrag erleichtern sollte.
Welchen Stellenwert hat das „Heiligtum Gottes“ in Psalm 73?
Der Vers wird als Wendepunkt der Glaubenskrise interpretiert, wobei die Forschung zwischen einem tatsächlichen Tempelbesuch und einer mystischen, inneren Gotteserfahrung als Ausweg aus der Krise diskutiert.
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- Johannes Sift (Author), 2008, Weisheitspsalmen. Psalmen und alttestamentliche Weisheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266715