Gut und Böse in David Lynchs "Blue Velvet"


Seminararbeit, 2012
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Paradoxon des Guten

2. Die Konfiguration von Gut und Böse
2.1 Antagonistische Strukturen
2.2 Dekonstruktion des Dualismus
2.3 Jenseits von Gut und Böse

3. Die pornografische Ursituation

Literaturverzeichnis

1. Das Paradoxon des Guten

„Ein Tag genügt, um festzustellen, dass ein Mensch böse ist; man braucht ein Leben, um festzustellen, dass er gut ist“.[1] Dieses Paradoxon definiert das Gute indirekt als Abwesenheit des Bösen. Gleichzeitig impliziert dieses Zitat die Fähigkeit eines jeden Menschen im weiteren Zeitverlauf böse zu handeln.

Die Absicht des vorliegenden Textes ist es, Gut und Böse, sowie deren Konfiguration zueinander, in David Lynchs Blue Velvet zu analysieren.

Dass das Böse in der Betrachtung einen wesentlich größeren Anteil einnimmt, ergibt sich aus der Kunstform Spielfilm, der sich im Regelfall mit einschlägigen Ereignissen im Leben der Figuren beschäftigt, sowie aus dem systemischen Mangel das Gute unabhängig vom Bösen zu definieren. Wie im Folgenden erörtert wird, handelt es sich dabei allerdings nicht um einen Nachteil, sondern eröffnet die Möglichkeiten einer differenzierten Betrachtungsweise.

2. Die Konfiguration von Gut und Böse

2.1 Antagonistische Strukturen

Die klassische Konstellation von Gut und Böse ist traditionell eine dualistische. Auf den ersten Blick offenbart auch Blue Velvet solch eine Schwarz/Weiß-Struktur. Betrachtet man die vier Hauptpersonen, so bilden Sandy auf der hellen und Frank auf der dunklen Seite die Pole. Diese Beiden begegnen sich übrigens nie, obwohl sie „in der Tradition von Thriller und Horrorfilm, gerade die heftigste Beziehung zueinander haben müssten: Beauty and the Beast.“[2]

Jedoch ist Jeffrey die Person, die die Grenze Hell-Dunkel überschreitet und deshalb auch zentrale Figur des Films; Dorothy fungiert als sein Portal zur dunklen Welt. Sehr eindeutig ist diese Grenze auch geographisch als Lincoln Street in Lumberton verankert; eine Linie, vor deren Übertretung Jeffrey auch eindrücklich gewarnt wird.

Auf der anderen Seite liegt Franks Reich der Dunkelheit, wo es zu Drogenhandel, Erpressungen, Entführungen, Körperverletzungen, Morddelikten, etc. durch ihn und seine Vasallen kommt. Zusätzlich ist Frank fast immer komplett schwarz gekleidet und auch damit eindeutig codiert. Sein Nachname Booth referiert im Zusammenhang mit der Lincoln Street, auf den Namensvetter und Präsidentenmörder John Wilkes Booth und identifiziert ihn als Personifikation der Gefahr für Amerika und konkreter für den suburbanen, amerikanischen Traum der Gegend um Jeffreys Elternhaus.

Den Gegenpol bildet Sandy, der blonde, verträumte Engel. An manchen Stellen wird sie von choralartiger Musik begleitet und/oder in gleißendem Licht gefilmt; auch ihre Kostüme sind hell angelegt. Aufgewachsen ist sie wohlbehütet; ihr Vater ist Polizist in einem Vorort, wo Jeder den Anderen kennt. Ihre größte Sorge scheint der Tratsch an der örtlichen High School zu sein. Sie ist das „good girl“.[3]

Die Rolle des „bad girl“[4] oder der Femme Fatale fällt Dorothy zu. Der Begriff Femme Fatale ist hier jedoch nicht vollständig zutreffend. Autonomie, manipulative Elemente, sowie Handlungskonsequenz lassen sich bei Dorothy nicht feststellen. Weshalb man sie jedoch mit diesem Begriff titulieren kann, spiegelt sich in ihrer Wirkungsweise auf Jeffrey wider. Dieser verfällt ihrer attraktiven Weiblichkeit und ihrer mystischen Aura, was letztendlich fatale Folgen mit sich bringt.

Er selbst ist der unschuldige Jedermann, den laut Lynch niemand besser verkörpern kann als der Schauspieler Kyle MacLachlan. In der Bibel heißt es

„Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben zu gelangen, als mit zwei Augen in das Feuer der Hölle geworfen zu werden“.[5]

Diesen Ratschlag scheint Jeffrey konsequent zu missachten. Die Neugier den Spuren des abgeschnittenen Ohres zu folgen, hat ihn vollends eingenommen. Während es anfangs noch ein Spiel ist und er sich nur verkleidet, um als Kammerjäger in die Wohnung zu gelangen, beginnt er dort seine Reise ins Reich der Finsternis, indem er die Schlüssel stiehlt und sich am selben Abend damit Zutritt zu der fremden Wohnung verschafft. Immer tiefer wird er in den Mahlstrom der dunklen Welt gezogen. Er observiert Franks kriminelle Machenschaften, wofür er sich sogar selbst eine versteckte Kamera präpariert.

[...]


[1] Théodore Simon Jouffroy. 1796-1842; französischer Publizist und Philosoph; in: Das grüne Heft (1833) . Deutsche Übersetzung. Quellenangaben in diesem Format beziehen sich nicht auf Sekundärliteratur, sondern auf allgemeine Zitate und sind im Literaturverzeichnis ohne Publikation separat gelistet.

[2] Georg Seeßlen. David Lynch und seine Filme. Marburg: Schüren Verlag, 2007. S.88

[3] Georg Seeßlen. S.85

[4] Georg Seeßlen. S.85

[5] Die Bibel. Einheitsübersetzung. Matthäus 18,9. o.J. Gehört ebenfalls zur Kategorie der Nicht-Sekundärliteratur.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gut und Böse in David Lynchs "Blue Velvet"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Theaterwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V266749
ISBN (eBook)
9783656572602
ISBN (Buch)
9783656572503
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gut, Böse, David Lynch, Blue Velvet
Arbeit zitieren
Thomas Vasniszky (Autor), 2012, Gut und Böse in David Lynchs "Blue Velvet", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266749

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