Leonardo Da Vincis „Mona Lisa“ als universales Modell für viele Porträtisten


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Mona Lisa
2.1 Das Leben des Leonardo Da Vinci
2.2 Beschreibung der „Mona Lisa“
2.3 Interpretation
2.4 Das Kunstverfahren
2.5 Identifikation

3. Fazit

1. Einführung

„Die Gestalt, die hier so seltsam neben den Wassern auftaucht, drückt die Erfüllung eines tausendjährigen Begehrens des Mannes aus. Es ist eine Schönheit […], in welche Seele mit all ihrem kranken Sinnenleide hineingeflossen ist! […] Gleich dem Vampyr hat sie schon viele Male sterben müssen und kennt die Geheimnisse des Grabes; sie tauchte hinunter in die See und trägt der Tiefe verfallenen Tag in ihrem Gemüt.“Walter Pater[1]

Die „Mona Lisa“ ist das wohl berühmteste Gemälde in Europa.[2] Ein jeder kennt das mystische Lächeln, die Augen, die einen zu verfolgen scheinen und auch der Künstler, der dieses Porträt erschaffen hat, ist weltbekannt. Leonardo Da Vinci, ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt und Wissenschaftler setzte mit seinem berühmtesten Gemälde weitgehend neue Maßstäbe für das Porträtieren und die Darstellung der Seele in einem Kunstwerk. Was aber ist so faszinierend an der „Mona Lisa“, dass Walter Pater über drei Jahrhunderte nach der Vollendung des besagten Kunstwerks, den oben zitierten Text verfasste? Diese sinnliche Begierde des Mannes, die er hier beschreibt, jene, die durch das Kunstwerk geweckt, jedoch nicht gestillt wird, ist Thema in vielen Deutungen. Théophile Gautier schrieb:

„...aber ihr Ausdruck, weise, tief, samtig und voller Versprechungen, zieht euch unwiderstehlich an und vergiftet euch, während der sinnliche, schlangenhafte [...] Mund euch mit soviel Süße, Anmut und Überlegenheit verspottet, dass man sich ganz schüchtern fühlt, wie ein Schuljunge vor einer Herzogin.“[3]

Diese Begeisterung wurde auch von einigen Zeitgenossen Leonardos geteilt. Bekanntester Vertreter hierfür ist Giorgio Vasari. Er schrieb ein Buch über die großen italienischen Künstler der damaligen Zeit, in dem er auch auf Leonardos Leben eingeht und beschreibend die „Mona Lisa“ erwähnt. Er spricht von „Wimpern, wie sie nur der feinste Pinsel auszuführen vermag“[4] und von den Augenbrauen, die so natürlich gezeichnet seien, dass man einzelne Poren erkennen könne.[5] Hier wird deutlich, dass Vasari das Porträt nie mit eigenen Augen gesehen haben kann, sondern auf Beschreibungen und Erzählungen Anderer eingeht. Denn Wimpern und Augenbrauen sind in dem Porträt nicht erkennbar. Nichtsdestotrotz ist die Beschreibung Vasaris die Älteste, die existiert und seine Fehlerhaftigkeit liegt vermutlich an mangelnden Details der Überlieferungen. Zunächst wird kurz auf das Leben des Künstlers eingegangen mit besonderem Fokus auf ihn als Porträtisten. Daraufhin wird die „Mona Lisa“ in Form einer Beschreibung und Interpretation behandelt, bei der auch die Identifikation der porträtierten Dame Platz findet. Die Hausarbeit arbeitet heraus, welche Malweise Leonardo Da Vinci verwendete, um die dargestellte Person zu einem Mysterium und sein Gemälde zu dem wohl berühmtesten Porträt in der bisherigen Kunstgeschichte zu machen.

2. Die Mona Lisa

2.1 Das Leben des Leonardo Da Vinci

„Gott ausgenommen, ist wahrscheinlich über keinen Künstler so viel geschrieben worden wie über Leonardo.“(Daniel Arasse)[6]

Hier wird ein kurzer Überblick über das Leben des Künstlers und seine wissenschaftlichen Errungenschaften gegeben. Leonardo Da Vinci wurde am 15. April 1452 als unehelicher Sohn in der Nähe von Vinci geboren. Er lebte bei seinem Vater, mit dem er mit 17 Jahren nach Florenz zog. Als unehelicher Sohn hatte er kein Recht eine Hochschule zu besuchen und entschied sich dazu, Maler zu werden.[7] Er machte eine Lehre bei Andrea del Verrocchio und verbrachte 12 Jahre lang in dessen Werkstatt, wo er wissenswertes über unter anderem Mathematik und Optik lernte. Man sagt: Kümmerlich ist der Schüler, der den Meister nicht übertrifft. Dies hat Da Vinci allemal getan. Nachdem Leonardo begann, die Arbeiten seines Lehrers zu verschönern, schmiss der ihn nicht etwa raus, sondern machte ihn zu seinem Hauptgehilfen. Verrocchio sollte kein Bild mehr malen und beschäftigte sich nun ausgiebig mit der Bildhauerei.[8] Während seiner Lehrzeit bei Andrea erfand er beispielsweise das Sfumato, auf das in der weiteren Hausarbeit noch eingegangen wird.

Für Leonardo ist die Natur die Lehrmeisterin der Maler und die Kunst gleichzeitig die „rechtmäßige Tochter der Natur“.[9] Leonardo als genauer Beobachter und Erforscher der Natur begnügte sich nicht damit die Dinge einfach nur zu malen, er wollte sie vorher begreifen. Dies ist der Grund für seine ganzen Studien. Bevor er einen Vogel malen konnte, musste er erst begreifen, wie dieser fliegen konnte. Um Schatten zeichnen zu können, bedarf es ihm des Wissens über die Entstehung des Schattens.[10] In seinen Prinzipien zur Malerei schreibt er: „Keine Wirkung ist in der Natur ohne Ursache; begreife die Ursache und du brauchst keine Erfahrung.“[11] Diese Prinzipien zeigen deutlich, dass Leonardo sich nicht nur als Maler sah, sondern als jemanden, der etwas schafft und schöpft. Er sagt über den Maler, dass:

„[a]lles, was als Wesen, als Dasein oder als Vorstellung im Weltall da ist, hat er zuerst in seinem Kopf und dann in seinen Händen, die sich so vor allem anderen auszeichnen, dass sie eine ebenmäßige Harmonie schaffen, die ein einziger Blick gleichzeitig erfassen kann so wie die Dinge selbst.“[12]

Er vergleicht den Maler mit Gott, der etwas erschafft und alles was er möchte, darstellen und somit real werden lassen kann.

Interesse fand er auch besonders in der Anatomie des Menschen und der Tiere und seine Studien gingen über das Wissen hinaus, welches er als Maler benötigt hätte.[13] Der einzige Aspekt, an dem Leonardo zu scheitern schien und der sein Wissen überforderte war die Erforschung der menschlichen Seele. Er konnte sie durch seine anatomischen Forschungen zwar nicht entschlüsseln, trotzdem wollte er sie in seinen Gemälden darstellen. Dies tut er beispielsweise in dem Porträt „Mona Lisa“. Die Seele war für Da Vinci in Lisas Schönheit und Anmut allgegenwärtig und greifbar.

Leonardo Da Vinci, einer der größten Maler, Wissenschaftler und Entdecker der Renaissance, starb am 2. Mai 1519 in Cloux. Er lebt dennoch in seinen Werken weiter, besonders in seiner „Mona Lisa“, die das Thema dieser Hausarbeit ist.

2.2 Beschreibung der „Mona Lisa“

Leonardo Da Vinci malte die „Mona Lisa“ zeitlichen Untersuchungen zufolge zwischen Frühjahr 1503 und Sommer 1506.[14] Das Bild ist ein Ölgemälde auf Leinwand, ist 77 cm x 53 cm groß und hängt im Louvre in Paris. Dargestellt ist eine junge, etwa 25-jährige Frau, die vor einer Brüstung auf einem Holzmöbel sitzt. Ihr Oberkörper und das Gesicht werden dem Betrachter fast vollständig zugewandt. Den Vordergrund bilden ihre übereinander gelegten, beinahe wächsern wirkenden Hände, die auf einer schlichten Lehne ruhen. Der Mittelgrund wird von dem Oberkörper der Frau und ihrem Kopf dominiert und im Hintergrund ist eine labyrinthische Bergwelt zu erkennen, die sich in der „Ferne eines blaugrünen Himmels [zu] verlieren [scheint]“.[15] Im linken Teil des Hintergrunds lässt sich ein Weg erkennen, der zwischen den Felsen verschwindet. Auf der rechten Seite wird ein ausgetrockneter Flusslauf deutlich. Der Mund der Mona Lisa deutet ein leichtes Lächeln an und ihr braunes, herabfallendes Haar wird von einem durchscheinenden Schleier bedeckt. Die Farbe ihrer leicht geöffneten, braunen Augen ist sich eins mit der ihres Haares. Durch das Fehlen der Augenbrauen wirkt ihr Gesicht sehr weich. Zudem trägt die Frau ein dunkles Gewand mit Stickereien und senkrechten Falten am Dekolleté, über dem ein senffarbener Stoff liegt, der durch die gröberen Falten an den Armen schwer wirkt.[16] Sehr kontrastreich dargestellt ist der Unterschied zwischen den Schattenwerten des Gesichtes und der Haare. Die Lichtquelle befindet sich links oben über dem Bildrand.[17]

2.3 Interpretation

Beginnend mit der Interpretation, widme ich mich zunächst dem Hintergrund des Gemäldes. Die dargestellte karge, vegetationslose Landschaft gibt dem Betrachter keinerlei Hinweise auf eine wirklich existierende Umgebung. Somit bleiben Zeit, Ort und Bedeutung dieser für die Deutung unbekannt. Diese irreal wirkende Landschaft und das Fehlen jeglicher Merkmale der Renaissance, die Epoche, in die man die „Mona Lisa“ einordnet, komplizieren die Interpretation. Zu erwähnen ist, dass Leonardo die Figur über alle urbanen Verhältnisse herausgehoben hat. Die Figur „konkurriert“ quasi mit der Höhe einer Alpenwelt, da wo sonst nur Engel thronen.[18] Leonardo setzte die Kontraste zwischen Licht und Schatten sehr vorsichtig ein, um das harte Aufeinandertreffen von Lokalfarben[19] zu vermeiden und so einen harmonischen Ausgleich zu schaffen. Oft wird diese Darstellung als perfekte Nachahmung der Natur beschrieben, allerdings benutzte der Künstler Licht und Schatten als Ausdrucksmittel und stellte so den malerischen Effekt vor die exakte Wiedergabe der Natur, wie man den Studien seines Malereitraktats von 1505 entnehmen kann:

[...]


[1] Vgl. Zöllner, Frank: Leonardo Da Vinci, Mona Lisa. Das Porträt der Lisa del Giocondo: Legende und Geschichte. Orig.-Ausg.: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1994. S. 5 f.

[2] In einer Umfrage im Februar 2000 nannten 85,8% der Befragten die „Mona Lisa“ an erster Stelle der bekanntesten Gemälde der Welt. Vgl: Sassoon, Donald: Mona Lisa: The History oft the World’s most famous painting. London, 2001. S. 8

[3] Vgl. Zöllner, Frank: Leonardo Da Vinci, Mona Lisa. Das Porträt der Lisa del Giocondo: Legende und Geschichte. Orig.-Ausg.: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1994. S. 5

[4] Vgl. David, Thomas: Leonardo Da Vinci. Mona Lisa. Orig.-Ausg.: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1997. S. 11

[5] Vgl. Vasari, Giorgio: Künstler der Renaissance. Lebensbeschreibungen der ausgezeichneten italienischen Baumeister, Maler und Bildhauer. Lizenzausgabe: Parkland Verlag, Köln, 2002. S. 356

[6] Vgl. Arasse, Danielle: Leonardo Da Vinci. Dumont Verlag, Köln, 1999. S. 9

[7] Vgl. David, Thomas: Leonardo Da Vinci. Mona Lisa. Orig.-Ausg.: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1997. S. 55

[8] Vgl. ebd. S. 60f.

[9] Chaster, André (Hrsg.): Da Vinci, Leonardo: Sämtliche Gemälde und die Schriften zur Malerei. Schirmer/Mosel, München, 1990. S. 162

[10] Vgl. David, Thomas: Leonardo Da Vinci. Mona Lisa. Orig.-Ausg.: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1997. S. 80

[11] Chaster, André (Hrsg.): Da Vinci, Leonardo: Sämtliche Gemälde und die Schriften zur Malerei. Schirmer/Mosel, München, 1990. S. 162

[12] Vgl. ebd. S. 165

[13] Vgl. David, Thomas: Leonardo Da Vinci. Mona Lisa. Orig.-Ausg.: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1997. S. 91

[14] Vgl. Zöllner, Frank: Leonardo Da Vinci, Mona Lisa. Das Porträt der Lisa del Giocondo: Legende und Geschichte. Orig.-Ausg.: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1994. S. 18

[15] Vgl. ebd. S. 7

[16] Vgl. ebd. S. 7-9

[17] Vgl. ebd. S. 73

[18] Vgl. ebd. S. 226

[19] „Lokalfarbe ist in der Malerei die Bezeichnung für die Eigenfarbe eines Gegenstandes, wie sie ohne die verändernde Einwirkung von Licht und Schatten oder durch Reflexe von anderen Farben erscheint.“ Vgl: Winzer, Fritz: Das rororo Sachlexikon der Bildenden Künste. 2. Teil. Originalausgabe, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Oktober 1986.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Leonardo Da Vincis „Mona Lisa“ als universales Modell für viele Porträtisten
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V266790
ISBN (eBook)
9783656570981
ISBN (Buch)
9783656570950
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leonardo, vincis, mona, lisa, modell, porträtisten, porträtkunst, beispiel
Arbeit zitieren
Laura Peters (Autor:in), 2013, Leonardo Da Vincis „Mona Lisa“ als universales Modell für viele Porträtisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266790

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Leonardo Da Vincis „Mona Lisa“ als universales Modell für viele Porträtisten



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden