Familiendynamik - Scheidung als Prozess?


Seminararbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Weg zur Scheidung - Ein Prozess
2.1. Ehekrisen: Ursachen einer Scheidung
2.2. Scheidungsbereitschaft: Anlass einer Scheidung

3. Ein-Eltern-Familien
3.1. Mutter-Kind-Familie
3.2. Vater-Kind-Familie

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

Warum werden heutzutage immer mehr Ehen geschieden? Rosemarie Nave-Herz (1997) sagt dazu: „Die Zunahme der Ehescheidungen ist nicht die Folge eines gestiegenen Bedeutungsverlustes der Ehe; nicht die Zuschreibung der ‚Sinn’losigkeit von Ehen hat das Ehescheidungsrisiko erhöht und lässt Ehepartner heute ihren Eheentschluss eher revidieren, vielmehr ist der Anstieg der Ehescheidungen Folge gerade ihrer hohen psychischen Bedeutung und Wichtigkeit für den einzelnen, so dass die Partner unharmonische Beziehungen heute weniger als früher ertragen können und sie deshalb ihre Ehe schneller auslösen können. Zuweilen in der Hoffnung auf eine spätere bessere Partnerschaft.”

Die Ehe als Institution tritt mehr in den Hintergrund. Grund dafür ist ein allgemeiner Wertewandel und ein anderes Rollenverständnis. Traditionen und Konventionen verlieren allmählich an Wertigkeit. Das neue Rollenverständnis bezieht sich auf die Emanzipation der Frau, d.h., die Rolle der Frau innerhalb der Familie hat sich erweitert, indem sie in die Berufswelt einsteigt wie auch der Mann in das familiäre Leben als sogenannter Hausmann mit eingebunden wird. Früher war es das Ziel, seine Familienmitglieder und die Reproduktion der Generationen zu sichern.[1] Außerdem wurde eine Ehe auch zur Überlebenssicherung und Weitergabe des Erbes geschlossen.

Heute hingegen ergeben sich aufgrund des Wertewandels in der Gesellschaft ganz andere Funktionen einer Ehe: Scheller spricht von „emotionaler Zuwendung und Realisierung privat-hedonistischer Ziele“.[2]

Auch die Auflösungsursache einer Ehe hat sich in den Jahren geändert. Vor 50 Jahren verlor man seinen Partner eher durch den Tod, als dass es zu einer Partnerschaftstrennung kam (Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ursachen der Eheauflösung im Zeitvergleich

Quelle: Nave-Herz 1990:15.

Seit dem II. Weltkrieg ist die Zahl der Scheidungen in Deutschland trotz einiger Schwankungen gestiegen (Abb.2). Die Abbildung zeigt, dass die Zunahme von Ehescheidungen seit Mitte des Jahrhunderts nicht kontinuierlich verlief. Ende des Krieges gab es einen erhöhten Anstieg der Ehelösungen, der dann wieder um die Hälfte sank. Dieser kurze Anstieg ist infolge der kriegsbedingten Abwesenheit der Männer entstanden. Das Rollenbild der Frau – und somit die Autoritätsstruktur - hatte sich kurzzeitig durch den Erwerb in der Rüstung und der alleinigen Verantwortung für die Kinder verändert.[3]

Vergleicht man das Reichsgebiet mit den letzten fünfzig Jahren, so erkennt man einen schnellen und stetig Anstieg.

Ein bedeutender Anstieg von Scheidungsfällen begann in den letzten zwanzig Jahren, sowohl in Ost- und Westdeutschland. Insgesamt kann man sagen, dass heute jede dritte Ehe geschieden wird.[4] Mit anderen Worten kann man aber positiv sagen, dass zwei Drittel aller Ehen nicht geschieden werden.

Soziologisch gesehen, wird die Eheauflösung als „Ventilinstitution“ gesehen, „um unerträgliche Spannungen in der Partnerbeziehung, die bis zur gegenseitigen Zerstörung beider führen könnten, zu eliminieren. Nur Form und Art der Auflösung sind sozialhistorisch und kulturell unterschiedlich“.[5]

In der folgenden Ausarbeitung möchte ich zuerst näher auf die Familiendynamik, insbesondere der beiden Partner, eingehen. Es sollen Ursachen angesprochen werden, die eine Scheidung herbeirufen können. Im zweiten Teil wird die Situation von Ein-Eltern-Familien, sogenannten Alleinerziehenden, genauer dargestellt.

2. Der Weg zur Scheidung – Ein Prozess

„Für Gruppen wie für Individuen bedeutet leben unaufhörlich sich trennen und wieder vereinigen, Zustand und Form verändern, sterben und wiedergeboren werden. Es bedeutet handeln und innehalten, warten und sich ausruhen, um dann erneut, aber anders zu handeln.“ [6]

Der Weg zu einer Scheidung ist ein Prozess, in welchem an das Individuum die unterschiedlichsten Anforderungen gestellt werden. Es ist ein wechselhafter Prozess, „in dem sich der Wunsch zur Trennung mit dem des Zusammenbleibens immer wieder ablösen“.[7] Zunächst existieren gemeinsame stabile Einstellungen und Gewohnheiten, die dann in Frage gestellte und nicht mehr gemeinsam vertreten werden.

Wichtig ist es, bei diesem zeitlich ausgedehnten Prozess Ursachen und Anlass zu unterscheiden.

2.1. Ehekrisen: Ursachen einer Scheidung

Nave-Herz beschreibt, dass die „Ur-Sache“ einer Scheidung oft als „Täterdenken“ dargestellt wird. Die Verantwortlichkeit wird nämlich zu schnell nur einer Person oder nur einem bestimmten Faktor (oder einer Situation) zugesprochen. Jedoch muss, gerade beim Prozess einer Scheidung, die Ursache als Veränderung gesehen werden, die eine andere Veränderung bewirkt.[8]

Bevor man eine Ehe eingeht, setzt man gewisse Erwartungen voraus. Zentrale Erwartungen an die Ehe sind Liebe, Geborgenheit, Kommunikation und sexuelle Befriedigung.[9] Die Erfüllung dieser Bedürfnisse bestimmen die Qualität einer Ehe. Werden diese Erwartungen im Laufe der Ehe jedoch nicht erfüllt, sind Frustration und konfliktreiche Spannungen vorauszusehen.

Es muss an dieser Stelle zwischen Menschen (vorrangig Frauen) mit einer eher starken Pflichtwertorientierung und Menschen mit einem Drang zur Selbstentfaltung unterschieden werden. Diejenigen, die besonders pflichtbewusst sind, halten auch dann an einer Ehe fest, „wenn bestimmte Ansprüche an sie nicht befriedigt werden”.[10] Dies tritt besonders „bei älteren Frauen mit geringerer Schulbildung und stärkerer religiöser Bindung auf”.[11] Die Unterstützung des Partners ist für sie eine moralische Pflicht. Dagegen wird bei Frauen mit hohem Anspruch an Selbstfindung und Selbstentfaltung eine Ehe gelöst, weil sie sich unbefriedigt fühlen und „attraktivere Alternativen bestehen, besonders bei kinderlosen jüngeren Frauen mit geringer religiösen Bindung”.[12] Sie lehnen die traditionelle weibliche Geschlechterrolle ab. Außerdem haben diese Frauen eher ein Bedürfnis nach Befriedigung der eigenen Ansprüche und es besteht die Gefahr der Konfliktentstehung, da kein großes Interesse an Einordnung und Anpassung besteht.[13] Unerfüllte eigene emotionale Ansprüche sind für diese Frauen ein Grund, die Ehe zu verlassen.

Männer zeigen dagegen eher Selbstentfaltungswerte. „Für Männer dieser Zuordnung ist typisch, dass die traditionellen Geschlechtsrollen eine hohe Verbindlichkeit haben. Mit Ehe verbinden sie eine mehr oder weniger strikte Rollentrennung in eine ‚Männerwelt’ und eine ‚Welt der Frauen’ und dementsprechend entweder überhaupt keine oder keine dauerhafte Unterstützung der Partnerin bei der Kindererziehung oder bei beruflichen Problemen“.[14]

Im Folgenden möchte ich näher auf einige verursachende Bedingungen eingehen, die negativen Einfluss auf die Familiendynamik haben und letztendlich zu einer Scheidung führen können.[15]

Außereheliche Beziehungen: Findet in der Ehe keine gleichberechtigte Befriedigung der Sexualität mehr statt, wird oft nach Befriedigung „von außerhalb” gesucht. Die einen suchen nur ein „Abenteuer”, die anderen praktizieren neben ihrer Ehe eine langjährige Sexualität, häufig ohne des Wissens des eigenen Partners. „Ein Seitensprung zerstört keine gute Ehe, aber zumeist gehen wiederholte außereheliche Beziehungen einher mit einer unbefriedigten Ehe”.[16] Für beide Partner ist der außereheliche Sexualkontakt meist kein unmittelbarer Anlass für eine Scheidung. „Dennoch müsse klar bleiben, ‚wer zu wem gehört’, d.h., einmalige sexuelle Untreue wird toleriert, längerfristige Nebenbeziehungen dagegen nicht“.[17] Erst durch Konflikte in der Partnerschaft, „auch als Folge der unbefriedigenden Sexualbeziehung“, wird eine Trennung in Betracht gezogen.[18]

Alkoholkonsum: Es ist häufiger anzutreffen, dass Männer davon betroffen sind und damit ihre Ehe zerstören. Durch den Konsum von Alkohol steigt die Bereitschaft zur Aggression, Gesprächsunfähigkeit und Vergewaltigung.[19] Jedoch tritt Alkoholismus maskiert auf und wird gerade von Frauen, deren Männer trinken, oft relativiert, da sie immer auf eine Besserung der Situation hoffen und Hilfe ungern annehmen. Sie werden von ihren trinkenden Männern in Mit-Abhängigkeit („Co-Dependance”) gezwungen und leiden oft mehr als ihre Männer, denen es im Rauschzustand kurzzeitig gut geht. Somit trägt die Hauptlast die Partnerin.

[...]


[1] Limbach 1988:43.

[2] Scheller 1992:50ff.

[3] Scheller 1992:59.

[4] Nave-Herz 1994:113ff.

[5] Nave-Herz 1990:45.

[6] Van Gennep, zit. nach Herzer 1998:73.

[7] Nave-Herz 1990:37.

[8] Nave-Herz 1990:9.

[9] Loidl 1985.

[10] Scheller 1992:214.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Nave-Herz 1990: 39.

[14] Scheller 1992: 138.

[15] Loidl 1985.

[16] Loidl 1985.

[17] Scheller 1992:168.

[18] Scheller 1992:161.

[19] Loidl 1985.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Familiendynamik - Scheidung als Prozess?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar
Note
2.3
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V26680
ISBN (eBook)
9783638289481
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familiendynamik, Scheidung, Prozess, Seminar
Arbeit zitieren
Katrin Gabler (Autor), 2003, Familiendynamik - Scheidung als Prozess?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26680

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