Das Essay befasst sich mit dem komplexen Feld der Rezeptionsästhetik und zeigt Möglichkeiten der Umsetzung im Literaturunterricht auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Rezeptionsästhetik ISERS und ihre Umsetzung im Literaturunterricht
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay verfolgt das Ziel, die Theorie der Rezeptionsästhetik nach Wolfgang Iser grundlegend zu erläutern, theoretisch einzuordnen und Wege für deren didaktische Umsetzung im Literaturunterricht aufzuzeigen.
- Grundlagen der Rezeptionsästhetik und deren Bezugswissenschaften
- Analyse zentraler Begriffe wie Leerstellen, Negationen und der implizite Leser
- Abgrenzung der Rezeptionsästhetik zur Werkinterpretation und zum Dekonstruktivismus
- Methoden der handlungs- und produktionsorientierten Umsetzung im Literaturunterricht
- Förderung literarästhetischer Kompetenzen und Ziele des Literaturunterrichts
Auszug aus dem Buch
Die polyphone Harmonie und die Rolle des Lesers
Für INGARDEN besteht ein Kunstwerk aus zwei Polen, dem Kunstobjekt und dem ästhetischen Objekt bzw. dem künstlerischen Pol und dem ästhetischen Pol. Ersteres ist das Werk, das vom Künstler geschaffen wird. Letzteres meint das Werk, das sich durch den Rezipienten im Akt der Konkretisation verwirklicht. Anders als ISER ging INGARDEN davon aus, dass sich Kunstwerk und ästhetisches Objekt zusammen auf eine „richtige“ Aktualisierung herauslaufen, was den Rezipienten stark einschränkt.
INGARDEN nennt dies eine „polyphone Harmonie“. Metaphorisch ist die Kommunikation zwischen Subjekt (Rezipient) und Objekt (Kunstobjekt) eine Einbahnstraße, bei ISER hat sie dialogischen Charakter. INGARDENS Überlegungen lassen sich auf folgende Formel bringen: Kunstwerk = Kunstobjekt + Konkretisation. Das bedeutet, dass das Werk, welches der Künstler schafft (Kunstobjekt) nicht das Kunstwerk im eigentlichen Sinne ist, da es der Konkretisation, der Aktualisierung, beim Rezipienten bedarf. Um es mit ARISTOTELES zu formulieren: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teilchen.
Aus diesem Grund hat für ISER jedes literarische Werk virtuellen Charakter. Er ist der Ansicht, dass sich der ästhetische Wert eines Textes proportional zur Anzahl der Konkretisationen erhöht, d.h. je mehr verschiedene! Konkretisationen entstehen, desto ästhetisch wertvoller ist ein Text. Betrachtet man die obige Gleichung, ergibt dies durchaus Sinn.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Rezeptionsästhetik ISERS und ihre Umsetzung im Literaturunterricht: Das Kapitel bietet eine theoretische Einführung in die Rezeptionsästhetik, erläutert die Interaktion zwischen Leser und Werk sowie die praktischen Möglichkeiten, diese literaturtheoretischen Konzepte durch Handlungs- und Produktionsorientierung in den Schulalltag zu integrieren.
Schlüsselwörter
Rezeptionsästhetik, Wolfgang Iser, Roman Ingarden, Literaturunterricht, Leerstellen, impliziter Leser, Konkretisation, Handlungs- und Produktionsorientierung, literarästhetische Kompetenz, Textstruktur, Appellstruktur, Interpretationsprozess, Gestaltenbildung, Werkinterpretation, Dekonstruktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Theorie der Rezeptionsästhetik, insbesondere nach Wolfgang Iser, und untersucht deren didaktische Anwendbarkeit im Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Text und Leser, die theoretische Verortung der Rezeptionsästhetik im Kontext anderer Literaturtheorien sowie die methodische Umsetzung im Unterricht durch handlungsorientierte Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der Rezeptionsästhetik zu klären und darzulegen, wie diese Theorie genutzt werden kann, um den Literaturunterricht aktiver und schülerorientierter zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturdiskussion, um Begriffe zu definieren, Theorien abzugrenzen und praktische didaktische Vorschläge für den Literaturunterricht zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die zentralen Begriffe wie Leerstellen und Negationen, die Rolle des impliziten Lesers, die Abgrenzung zur Werktreue und Dekonstruktion sowie die praktische Verknüpfung mit der Handlungs- und Produktionsorientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rezeptionsästhetik, Leerstellen, Konkretisation und literarästhetische Kompetenz charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Iser von Ingarden in Bezug auf die Konkretisation?
Während Ingarden von einer „richtigen“ Aktualisierung des Werkes durch den Leser ausging, betont Iser einen dialogischen Prozess, bei dem der Leser den Sinn erst konstituiert, was eine höhere ästhetische Freiheit zulässt.
Warum ist das Konzept der Leerstellen für den Unterricht wichtig?
Leerstellen fordern den Leser zur aktiven Sinnkonstitution auf; im Unterricht zwingt dies die Schüler zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Text, da sie die Lücken mit eigenen Vorstellungen füllen müssen.
Welchen Beitrag leistet die Rezeptionsästhetik zu den Zielen des Literaturunterrichts?
Sie unterstützt die Individuation, Sozialisation und Enkulturation der Schüler, indem sie die Ich-Entwicklung fördert, die Übernahme von Fremdperspektiven ermöglicht und zum kulturellen Verständnis beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Die Rezeptionsästhetik Isers und ihre Umsetzung im Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266817