Medienkompetenzförderung der Generation 50plus

Praxisorientierte Handlungsempfehlungen zur optimalen Gestaltung von Lernarrangements für Senioren zum gekonnten Medienumgang


Bachelorarbeit, 2013

91 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

Danksagung

1 Einleitung
1.1 Darstellung der Forschungsfragen und Aufbau der Arbeit
1.2 Erläuterung des methodischen Vorgehens

2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Charakterisierung der Generation 50plus
2.2 Definition von Medien
2.3 Differenzierung zwischen Medienbildung und Medienerziehung
2.4 Begriffsbestimmung von Medienkompetenz
2.5 Charakterisierung von Lernarrangements

3 Bedeutung der Medienbildung im Alter

4 Besonderheiten in der zweiten Lebenshälfte
4.1 Psychogerontologische Veränderungen
4.2 Ausgewählte Alterstheorien
4.3 Eckdaten zu den Lebenswelten älterer Menschen
4.4 Mediennutzung der Generation 50plus

5 Wege zur effektiven Gestaltung von Lernarrangements zum kompetenten Umgang mit neuen Medien
5.1 Bestehende Angebote zur Förderung der Medienkompetenz Älterer
5.2 Handlungsempfehlungen zur Organisation von Bildungsangeboten
5.3 Pädagogische Anforderungen an eine Lehrperson

6 Konzeption eines Muster-Lernarrangements

7 Fazit und Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Danksagung

Ich hätte diese Bachelorarbeit ohne die seelische und moralische Unterstützung meines Ehemanns Benedikt und meiner Tochter Sofia niemals schreiben können. Danke für das unermüdliche Mut machen, für die zahlreichen aufbauenden und ideenreichen Debatten, für die Ermöglichung wissenschaftlicher Freiräume und vor allem für die kreativen und Kraft gebenden Familienpausen.

Ganz besonderer Dank gilt auch meiner restlichen Familie und Freunden. Danke, fürjedes ,du schaffst das‘ und ,wir glauben an dich‘.

Außerdem möchte ich mich ganz herzlich bei allen Menschen bedanken, die mir ihre wertvolle Zeit für die Beantwortung der Fragen geschenkt haben. Für mich waren die Interviews eine außerordentlich spannende und lehrreiche Erfahrung. Die erhobenen Daten brachten viele interessante Sichtweisen ans Licht, die ich sonst in keinem Fachbuch gefunden habe. Das Datenmaterial trägt somit deutlich zur Qualitätsbereicherung dieser Bachelorarbeit bei.

Ein weiterer Dank gilt auch meiner FernUni-Betreuerin, für die konstruktiven Tipps undjederzeit kurzfristige Beantwortung aller meiner Fragen.

„Leider lässt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken.“

(Johann Wolfgang von Goethe)

Maria Mecking

1 Einleitung

1.1 Darstellung der Forschungsfragen und Aufbau der Arbeit

Heute sind Medien im Alltag absolut allgegenwärtig. Ohne entsprechende Medienkompetenzen wird die gesellschaftliche Teilhabe in vielen Lebensbereichen zunehmend schwieriger. Ob Jung oder Alt, es fuhrt kein Weg an Medien vorbei. Jeder ist von der rasanten Entwicklung der Medienlandschaft betroffen, auch wenn die jüngeren Menschen scheinbar weniger Probleme haben, dem schnelllebigen Fortschritt zu folgen als die älteren. Bereits in der heutigen deutschen Gesellschaft sind viele Menschen über 50 Jahre alt. Der zukünftige Trend ist ansteigend. Aufgrund der demografischen Entwicklung gewinnt Medienbildung der älteren Menschen immer mehr an Bedeutung. Lange blieb die Altenbildung in der Wissenschaft unberücksichtigt. So ist Geragogik auch heute noch ein relativ junger Forschungsbereich. Zahlreiche Studien konzentrieren sich auf eine institutionelle Medienerziehung von Jugendlichen und Kindern. Medienbildung älterer Erwachsener wird jedoch in der Literatur bislang eher selten diskutiert. Auch wenn einige Autoren bereits die Wichtigkeit des lebenslangen Lernens erkannt haben, so fällt das Angebot an Fachliteratur zum Thema Medienbildung im Alter recht übersichtlich aus. Ratgeber zur konkreten Gestaltung von praxisrelevanten Bildungsangeboten zur Medienkompetenzförderung Älterer sind besonders rar. Hinsichtlich der Aktualität und Zukunftsrelevanz dieser Thematik ist das eine bedauerliche Tatsache. Diese Forschungslücke wird im Rahmen der Bachelorarbeit aufgegriffen: Generation 50plus wird hier als eine Top-Zielgruppe für pädagogische Bemühungen hinsichtlich kompetenten Medienumgangs in den Fokus gestellt. In diesem Zusammenhang werden in der vorliegenden Arbeit drei leitende Forschungsfragen untersucht:

(1) Warum ist Medienbildung und insbesondere Medienkompetenzförderung in der zweiten Lebenshälfte bedeutend?
(2) Welche zielgruppenspezifischen Besonderheiten sind bei der Gestaltung von Lernarrangements für die Generation 50plus zu berücksichtigen?
(3) Wie könnten optimale Bildungsangebote zur Förderung eines kompetenten Umgangs mit neuen Medien aussehen?

Die zentrale Herausforderung und somit das primäre Ziel der Bachelorarbeit ist also, ein fundiertes Konzept für die Praxis zu entwerfen. Dieser Leitfaden soll den Lehrpersonen konkrete Handlungstipps bieten, wie man Lernarrangements für ältere Menschen zum kompetenten Umgang mit neuen Medien effektiv kreieren kann. Insgesamt geht es also um die Gestaltung von zielgruppengeeigneten Lemangeboten fur die Generation 50plus, zur gezielten Vermittlung und Förderung der Medienkompetenz. Das bedeutet, dass im Rahmen dieser Arbeit vordergründig Lernen über Medien und nicht Lernen mit Medien thematisiert wird. Im Fokus steht daher eine pädagogische Aufbereitung von Schulungsmaßnahmen, mit dem Lernziel, dass ältere Menschen eine Handhabung mit digitalen Medien einüben, das heißt Lerngegenstand ist der Medienumgang selbst. Nicht relevant an dieser Stelle ist dagegen der sinnvolle Einsatz der Medien zur Gestaltung von Lernprozessen, wo verschiedene Medien die Inhaltsvermittlung lediglich unterstützen und nicht selbst als Lerngegenstand fungieren.

Die Klärung der leitenden Forschungsfragen wird wie folgt angestrebt:

Nach der Darlegung von Zielen der Bachelorarbeit sowie Skizzierung der Methodik im einleitenden Teil, werden im Kapitel 2 die zentralen Begriffe wie Generation 50plus, Medienbildung und Lernarrangements erläutert. In Zuge dessen wird im Kapitel 3 die erste Forschungsfrage beantwortet, indem der Zusammenhang zwischen diesen Begriffen hergestellt und somit die Bedeutung der Medienbildung im Alter herausgearbeitet wird.

Um vernünftige Lernarrangements für ältere Menschen entwickeln zu können, müssen die Besonderheiten der Zielgruppe sowie pädagogische Gegebenheiten erkannt und berücksichtigt werden. In diesem Kontext ist insbesondere wichtig: was genau die Generation 50plus ausmacht; warum bei dieser Zielgruppe überhaupt andere Instrumente als bei jungen Menschen einzusetzen sind; welche psychogerontologische Veränderungen im Alter stattfinden; welche Alterstheorien es gibt; wie die älteren Menschen heute leben; was für Interessen sie haben; wie deren aktuelle Medienwirklichkeit und -nutzung aussehen; wo genau Nutzungshemmschwellen liegen und welche Wünsche sie hinsichtlich des künftigen Medienumgangs haben. Alle diese Aspekte tragen zur Lösung der zweiten Forschungsfrage bei und werden im Rahmen des Kapitels 4 beleuchtet.

Die beiden folgenden Hauptkapitel setzen sich mit der dritten Forschungsfrage auseinander. So werden im Kapitel 5 auf der Grundlage der theoretischen Ergebnisse aus den bisherigen Ausführungen die Möglichkeiten einer effektiven Gestaltung von Lernarrangements zum mündigen Umgang der Generation 50plus mit neuen Medien aufgezeigt. Dabei werden die bereits existierenden Angebote zur Medienkompetenzförderung vorgestellt, Handlungsempfehlungen für die Organisation künftiger Bildungsangebote formuliert sowie die Anforderungen an eine optimale Lehrperson diskutiert. Als eine Art praktischer Exkurs erfolgt dann im Kapitel 6 eine Konzeption von einem Muster-Lernarrangement zum Umgang mit einem ausgewählten Medium. Dieses Praxisbeispiel stellt einen Versuch dar, die im Kapitel 5 formulierten allgemeinen Handlungsempfehlungen zu konkretisieren.

Im Schlusskapitel 7 werden alle Erkenntnisse der Bachelorarbeit im Rahmen einer zusammenfassenden Diskussion der Forschungsfragen reflektiert und kritisch bewertet.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird in der Abhandlung überwiegend die männliche Form verwendet. Diese wird als geschlechtsneutral aufgefasst, womit sowohl Frauen als auch Männer gemeint sind. Des Weiteren beziehen sich die Ausführungen auf die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse der Bundesrepublik Deutschland.

1.2 Erläuterung des methodischen Vorgehens

Die Beantwortung der Forschungsfragen erfolgt primär anhand einer Literaturanalyse. Dabei werden Daten aus Fachbüchern sowie aus Internetrecherchen vorgestellt und bewertet. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Aktualität der Daten gelegt, was allerdings aufgrund nur weniger differenzierter Studien nicht immer möglich ist. Die Ableitung der Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Lernarrangements erfolgt hauptsächlich aus den neu gewonnenen Erkenntnissen der Literaturanalyse.

An dieser Stelle erscheint ein Hinweis zum verwendeten Datenmaterial angebracht: in unterschiedlichen Studien wird die Phase des Alterns jeweils anders abgegrenzt. So finden sich Zahlen, die sich auf Menschen ab 40 oder ab 60 beziehen. Da zum untersuchten Gegenstand nur wenige repräsentative Studien vorhanden sind, werden diese Daten hier trotzdem präsentiert, auch wenn die Zahlen die Zielgruppe ,Generation 50plus‘ zum Teil ungenau abbilden. Grobe Trends werden dadurch dennoch ersichtlich.

Um die Daten aus der Fachliteratur zu stützen und somit der Zielgruppe hinsichtlich ihrer Wünsche bezüglich der Lernangebote Gehör zu verschaffen, wurden im Zeitraum von Juli bis August 2013 halbstandardisierte Interviews mittels Fragebogen durchgeführt. An den Interviews haben 77 Personen aus der Umgebung der Autorin teilgenommen. Die Auswahl der Probanden erfolgte dabei zufällig, nach dem Schneeballprinzip. Aufgrund des formalen Rahmens dieser

Bachelorarbeit wurde bewusst eine kleine Stichprobe gewählt, so dass die Ergebnisse nicht wissenschaftlich repräsentativ sind. Für den Zweck dieser Arbeit erscheint das Vorgehen jedoch legitim, da die Befragung dennoch wichtige Tendenzen aufzeigt, die für die Gestaltung der Lemarrangements relevant sind. Die im kleinen Rahmen erhobenen Daten dienen als Ergänzung zu den offiziellen Zahlen, sie füllen diese sozusagen mit Leben, damit die jeweiligen Hintergründe besser verständlich und greifbar werden.

Neben allgemeinen Fragen zur Person, wurde Datenmaterial zu Medienerfahrungen und -kompetenzen sowie Erwartungen an Lernarrangements erhoben. Zur Orientierungszwecken bot der Fragebogen den Probanden einige Antwortalternativen an. Um die individuelle Vielfalt besser abbilden zu können, war im Fragebogen jedoch auch für qualitative Statements genügend Raum reserviert. Etwa die Hälfte der Befragungen erfolgte mündlich. Um die Probanden dabei nicht zu verunsichern, verzichtete die Autorin bewusst auf ein Diktiergerät. Um den ungestörten Gesprächsverlauf zu sichern, wurden die gemachten Äußerungen von einem Schreibhelfer im Bogen festgehalten, während die Interviewerin sich gänzlich auf die Testpersonen konzentrierte.

Im Rahmen eines Interviews mit einer 81-jährigen weiblichen Testperson wurde ein Spontan-Experiment durchgeführt, indem der Dame die Vorteile des Internets anhand einer Vorführung erläutert wurden, um somit ihr Interesse für das Medium zu wecken.

Ferner besuchte die Autorin als stille Beobachterin eine Verbraucherkonferenz ,Forum 60+ Ins Internet - mit Sicherheit4, die von dem lokalen Seniorenbeirat sowie der Verbraucher Initiative organisiert wurde. Auch im Rahmen der Veranstaltung wurden einige Fragebögen verteilt. Des Weiteren konnte die Autorin sich während der Pausen mit vielen Teilnehmern sowie Veranstaltern und Referenten austauschen.

Die gewählte Erhebungsform sowohl mit quantitativen als auch qualitativen Anteilen fand einen hohen Zuspruch bei den Probanden, insbesondere im Rahmen der persönlich durchgeführten Interviews. Auf diese Weise gelang es, außer statistisch auswertbaren Datenmaterials, auch zahlreiche Hintergrundinformationen in Erfahrung zu bringen, die sonst unausgesprochen bleiben würden.

Der komplette Fragenkatalog sowie dessen Auswertung sind der Bachelorarbeit im Anlagenverzeichnis als Anlagen 1 und 2 beigefügt. Die handschriftlich erhobenen Daten wurden manuell ausgezählt. Die Erfassung von qualitativen Anteilen im Auswertungsbogen erfolgte bei besonders kreativen und häufig genannten Äußerungen. Die einzelnen Papierfragebögen wurden von der Autorin archiviert. Die Interview-Ergebnisse fließen vor allem in die Erarbeitung der Handlungsempfehlungen in den Kapiteln 5 und 6 mit ein. Außerdem werden die erhobenen Daten bei der Darstellung der Mediennutzung zur Fundierung der offiziellen Zahlen herangezogen.

2 Begriffliche Grundlagen

In diesem Hauptkapitel werden die zentralen Begriffe der Bachelorarbeit theoretisch erläutert. Diese Konkretisierung dient insbesondere der Förderung des gegenseitigen Verständnisses, damit der Leser den weiteren Ausführungen besser folgen kann. Daher wird die jeweilige Begriffsbestimmung nur knapp und selektiv skizziert - im Fokus der Darstellung stehen die, für diese Arbeit relevanten Inhalte.

2.1 Charakterisierung der Generation 50plus

Im Fokus dieser Bachelorarbeit stehen ältere Menschen. Für die Bezeichnung dieser Zielgruppe wurde hier der Begriff ,Generation 50plus‘ gewählt, doch welcher Personenkreis ist damit genau gemeint? Dieser Frage wird in diesem Kapitel nachgegangen. Was beim ersten Blick recht plausibel erscheint, ist beim zweiten Blick aufgrund zahlreicher Terminologien nicht einfach zu definieren beziehungsweise einzugrenzen. Moderne Begriffe wie ,Senioren‘, ,Best Ager‘, ,Betagte‘, ,Silver-Surfer‘ oder ,Generation 50plus‘ haben Konjunktur. Hinter diesen Wortkreationen steckt oft die gesellschaftliche Bemühung eine angemessene und positive Bezeichnung für ältere Menschen zu finden. Auf eine klare Begriffsdefinition wird dabei jedoch weniger Wert gelegt.

Die Gerontologie unterscheidet zwischen den Begriffen ,Alter‘ und ,Altern‘. Mit Alter ist in der Regel das tatsächliche kalendarische Lebensalter einer Person gemeint. Als Zuordnungskriterium spielt dieser Parameter bei der Mehrzahl der Studien eine große Rolle. Da heute aber viele Unterschiede zwischen den Gleichaltrigen bestehen, ist die alleinige Betrachtung des kalendarischen Alters unzureichend. Ergänzend wird das Alter nach biologischer, subjektiver und sozialer Kategorie dargestellt. Beim biologischen Alter geht es um die menschliche Entwicklung als Gewinn- und Verlustprozess. Das gefühlte Alter wird der subjektiven Kategorie zugeordnet. Der soziale Aspekt erfasst gesellschaftliche Vorstellungen und Zuschreibungen von Alter, die sogenannten Altersbilder. Dem Begriff ,Alter‘ steht der umfassendere Terminus ,Altern‘ gegenüber. Hier geht es um den lebenslangen Veränderungsprozess des Altwerdens (vgl. Bubolz-Lutz & Gösken & Kricheldorff & Schramek, 2010, S. 28).

Die Entwicklungspsychologie kennt das Alter als eine der Lebenslaufphasen neben Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter, wobei jede Hauptphase noch separat aufgegliedert wird (vgl. Faltermaier & Mayring & Saup & Strehmel, 2002, S. 163). Allerdings grenzen verschiedene Autoren die Phasen jeweils unterschiedlich ab. So sprechen Faltermaier und Kollegen beispielsweise vom mittleren (ca. 40 - 60 Jahre) und späten (ca. ab 60 Jahre) Erwachsenenalter (vgl. 2002, S. 13). In dem von Schneider und Lindenberger herausgegebenen Standardwerk zur Entwicklungs­psychologie wird dagegen zwischen mittleren (ca. 45 - 65 Jahre) und höheren (ca. 65 - 80 Jahre) Erwachsenalter sowie hohem Alter (ca. ab 80 Jahre) differenziert (vgl. 2012, S. 261 & 284).

In zahlreichen Untersuchungen dient der Austritt aus dem Erwerbsleben als ein Abgrenzungskriterium zum Eintritt in die Altersphase. Unter dem Begriff ,Senioren‘ werden ältere Menschen zusammengefasst, die nicht mehr erwerbstätig sind und somit ihren Lebensabend genießen (vgl. Mayer, 2008, S. 5). Die gesetzliche Altersgrenze für den Übergang in den Ruhestand wird seit 2012 stufenweise von 65 auf 67 Jahre angehoben (vgl. Rente.com). Doch auch dieses Alter ist kein zuverlässiges Kriterium, da aufgrund zahlreicher flexibler Modelle (z. B. Altersteilzeit) eine frühere aber auch spätere Pensionierung möglich ist. So gibt die Deutsche Rentenversicherung an, dass 2009 die Erwerbstätigen durchschnittlich im Alter von 63 Jahren in den Ruhestand gingen (vgl. Haustein & Mischke, 2011, S. 43).

Ab wann ist ein Mensch also alt? Vermutlich haben die dargelegten unterschiedlichen Definitionen eher für Verwirrung statt eindeutige Klärung gesorgt. Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist, Wege aufzuzeigen, wie bei den älteren Menschen die Medienkompetenz im Rahmen von geeigneten Lernarrangements gefördert werden kann. In Folge dessen wurde die Zielgruppe bewusst als ,Generation 50plus‘ bezeichnet. Gemeint sind Menschen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. Hinsichtlich des Lebensalters kann in diesem Zusammenhang ab etwa 50 Jahren gesprochen werden. Im Fokus steht das Älterwerden als Lebensprozess und weniger die tatsächlichen Lebensjahre. Aufgrund hoher Heterogenität und Individualität in der Gruppe der Älteren erscheint diese Abgrenzung als legitim für die Herausarbeitung von Bedeutung der Medienbildung in der Gruppe der ,Digital Immigrants4. Als solche werden allgemein Menschen bezeichnet, die neue Medien erst im Erwachsenenalter als Alltagsbestandteil kennen gelernt haben (vgl. Süss & Lampert & Wijnen, 2010, S. 15). Im diesem Sinne können sowohl 60- als auch 80-jährige Personen Schwächen im Umgang mit neuen Medien aufweisen. Zusammenfassend bildet der Begriff ,Generation 50plus‘ die Besonderheiten der Menschen in der zweiten Lebenshälfte ab. Diese Betrachtungsweise impliziert eine bunte Vielfalt an unterschiedlichen Lebenssituationen, die alle unter dem Kriterium Medien­kompetenzförderung verbunden werden. Im Kapitel 4 werden die Vertreter der Generation 50plus hinsichtlich ihrer Besonderheiten detaillierter betrachtet.

Wenn im Rahmen dieser Arbeit also vom Alter beziehungsweise Altern gesprochen wird, so ist stets die oben definierte Zielgruppe ,Generation 50plus‘ gemeint. Auch die Bezeichnungen ,Senioren‘, ,Ältere‘ oder ,alte Menschen4 werden hier synonym und wertungsneutral gebraucht.

2.2 Definition von Medien

In der Einleitung wurde der Begriff ,Medien‘ bereits mehrmals aufgegriffen. Da diese uns im Alltag überall begegnen, hat im Prinzip jeder eine grobe Vorstellung davon, was gemeint ist, wenn man von Medien spricht. Wozu also eine Definition? Um ein gleiches Verständnis von Medien zwischen der Autorin und dem Leser sicherzustellen und zu Wahrung des wissenschaftlichen Anspruchs dieser Abhandlung, erscheint eine Konkretisierung dieses Begriffs notwendig.

Sesink definiert Medien als „Vermittlungsinstanzen im menschlichen Welt-, Sozial- und Selbstverhältnis“ (2008, S. 38). Bei dieser Begriffsbestimmung intervenieren die Medien also als eine elementare Brücke zwischen Subjekt und seiner Umwelt. Um Medien zu produzieren und zu repräsentieren, bedarf es aber technischer Unterstützung. So spricht Sesink in diesem Zusammenhang von Medientechnik als eine ermöglichende Bedingung (vgl. 2008, S.41). Nach dieser Definition stellt beispielsweise ein Foto ein Medium dar. Die Kamera, die eine Aufnahme jenes Bildes ermöglicht, fungiert dabei als Medientechnik.

Die von Sesink vorgenommene begriffliche Differenzierung ist jedoch nicht bei allen Autoren und auch nicht im alltäglichen Sprachgebrauch geläufig, insbesondere im Hinblick auf die neuen Medien. Dabei ist der Begriff ,neu‘ nicht eindeutig. Welche Medien es konkret sind, unterliegt der zeitlichen Dynamik, durch Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert galten beispielsweise Bücher als neue Medien. Heute dagegen werden als neue Medien vor allem digitale und mobile Medien wie

zum Beispiel Internet oder Handy bezeichnet (vgl. Süss et al., 2010, S. 32). Ob das allerdings auch in der Zukunft so sein wird, ist aufgrund der rasanten technischen Entwicklungen zu bezweifeln. „Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße esja Buchung.“1, auf diese humorvolle Weise deutet der deutsche Kabarettist Dieter Hildebrandt auf den Unterschied zwischen analogen und digitalen Medien hin. Um die Medien heutiger Zeit präziser zu bezeichnen, wird oft statt von neuen auch von digitalen Medien gesprochen und somit deren Haupteigenschaft hervorgehoben. Da die heutigen Medien aber auch weitere wichtige Aspekte haben, wurde für den Titel dieser Bachelorarbeit bewusst der Terminus ,neu‘ gewählt, da diese Wortwahl eine Balance unter allen Merkmalen herstellt und somit an dieser Stelle angemessener erscheint - ,digital‘ würde sprachlich zu kurz greifen. Ferner soll ein Transfer der hier erarbeiteten Vorschläge zur Gestaltung von Lernarrangements idealerweise auch auf künftige neue Medien gelingen. Falls die neuen Medien der Zukunft aber eine andere Haupteigenschaft als ,digital‘ haben sollten, wäre diesbezüglich die Wortwahl ,neu‘ sicher geeigneter. Diese klare begriffliche Abgrenzung betrifft allerdings nur den Titel. Im Rahmen der weiteren Ausführungen werden die Begriffe ,neu‘ und ,digital‘ synonym verwendet, wobei ,digital‘ in diesem Sinne stellvertretend auch alle anderen Eigenschaften umfasst. Schließlich entsteht diese Arbeit in der heutigen Zeit und heute spielen digitale Medien eine übergeordnete Rolle, daher zielen die Bemühungen der Bachelorarbeit vordergründig darauf ab. Die weiteren wichtigen Merkmale von den heutigen neuen Medien sind in der Abbildung 1 auf der folgenden Seite zusammengefasst.

Bei einer näheren Betrachtung dieser Eigenschaften fällt auf, dass diese vor allem auf die technologischen Besonderheiten (computer- und netzwerkgestützt) hindeuten. Nach Differenzierung von Sesink müsste an dieser Stelle daher korrekterweise von neuer Medientechnik oder Kommunikationstechnologie und nicht von neuen Medien gesprochen werden. Allerdings referiert Kerres, dass durch die rasante Verbreitung der neuen Medien, traditionelle Grenzlinien allmählich verschwimmen - so werden die technischen Geräte selbst aktuell als Medien betrachtet (vgl. 2012, S. 138).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Merkmale neuer Medien.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Sesink, 2008, S. 41-45.

Daher wird auch im Rahmen dieser Bachelorarbeit der Begriff ,Medien‘, insbesondere ,neue Medien‘, als ein Sammelbegriff sowohl für die eigentlichen Medien als auch für deren technische Basis verwendet. So werden neue Medien synonym auch als Informations- und Kommunikationstechnologien bezeichnet. Diese Verallgemeinerung ist der inhaltlichen Schwerpunktsetzung dieser Arbeit geschuldet. Denn primär geht es hier um die Förderung von Medienkompetenz hinsichtlich der neuen Medien. Da diese Medien sich aber gerade durch deren technische Möglichkeiten auszeichnen, muss die Medientechnik zwingend integrativ betrachtet werden, da ein kompetenter Umgang mit neuen Medien ohne Vermittlung von technischen Kompetenzen undenkbar erscheint. Die Medienkompetenzen der älteren Menschen im Umgang mit klassischen Medien werden vorausgesetzt, wobei auch hier sicherlich bei zahlreichen Personen Nachholbedarf besteht. Als klassische Medien werden an dieser Stelle Medien wie Fernsehen, Rundfunk, Bücher oder Zeitschriften verstanden. Internet, Smartphone, Tablet-PC oder Computer sind dagegen Beispielvertreter der neuen Medien. Eine klare Abgrenzung ist allerdings heute nur schwer möglich, da inzwischen so gut wie alle klassischen Medien auch in elektronischer Form verfügbar sind, zum Beispiel als eBook oder Webradio. Daher sind für die Zuordnung zu neuen Medien in dieser Arbeit insbesondere die festgestellten Probleme hinsichtlich der Mediennutzung der hier betrachteten Zielgruppe ,Generation 50plus‘ ausschlaggebend.

2.3 Differenzierung zwischen Medienbildung und Medienerziehung

An dieser Stelle wird erläutert, in welcher Bedeutung der Begriff ,Medienbildung‘ im Rahmen dieser Bachelorarbeit gebraucht wird. Die Herleitung der Definition erfolgt dabei durch eine Gegenüberstellung zwischen den Begriffen ,Bildung‘ und ,Erziehung‘.

Betrachtet man die Begriffserklärung von Erziehung als gezielte Einflussnahme des Lehrers auf den Bildungsprozess durch das systematische Unterrichten zum Zweck der Entfaltung von Handlungsfähigkeit des Schülers, so kommt die Perspektive der Lehrperson klar zum Vorschein (vgl. Raithel & Dollinger & Hörmann, 2007, S. 21 f.). Da in der Pädagogik das Altern lange Zeit vernachlässigt wurde, spricht die einschlägige Literatur von Erziehung, insbesondere Medienerziehung, lediglich im Zusammenhang mit der Formung von Heranwachsenden zu mündigen Gesellschaftsmitgliedern (vgl. Süss et al., 2010, S. 127 f.). Medienerziehung wird als ein wichtiger Kernbereich der Medienpädagogik gehandelt. Darunter fallen alle intentionalen Bemühungen, den Kindern und Jugendlichen einen sinnvollen Medienumgang zu vermitteln. Die Förderung der Medienkompetenz ist dabei die zentrale Aufgabe der Medienerziehung (vgl. Raithel et al., 2007, S. 270).

Dem gegenüber steht der Begriff ,Bildung‘. Nach Analyse von mehreren Begriffsdefinitionen schlagen Bubolz-Lutz und Kollegen folgende Charakterisierung von Bildung im Alter vor: es handelt sich dabei um einen lebenslangen, ganzheitlichen Interaktionsprozess eines Individuums und seiner Umwelt. Das Subjekt steht dabei als ein aktiver und selbstverantwortlicher Gestalter im Vordergrund, der seine Persönlichkeit durch eine emanzipierte Auseinandersetzung mit seinem gesellschaftlichen Umfeld entfaltet (vgl. 2010, S. 24). Anders als beim Erziehungsbegriff geht es bei der Bildung, insbesondere Medienbildung, nicht vordergründig um die Erreichung von festgelegten Zielen, sondern um allgemeine Persönlichkeitsbildung als Selbstzweck. So handelt es sich bei Medienbildung um einen Prozess, wo Individuen im gesamten Lebensverlauf einen verantwortungsvollen und kritischen Medienumgang entfalten. Dabei ist Medienkompetenz nur eine Kompetenz unter vielen, die zur Persönlichkeitsbildung beitragen. Fundamental für die Medienbildung ist die Perspektive des Subjekts, welches dazu befähigt werden soll, die Medienwelt für sich zu reflektieren und somit zum individuellen Lebenslauf zu integrieren (vgl. Süss et al., 2010, S. 107 f.). Nach dieser Herleitung der Begriffsbedeutungen wurde für die vorliegende Bachelorarbeit als Titel bewusst der Begriff ,Medienbildung‘ gewählt. Denn wie hier gezeigt werden konnte, erstreckt sich die Medienbildung auf das gesamte Leben, wo natürlich auch die älteren Menschen erfasst werden. So wird im Rahmen dieser Arbeit Medienerziehung als ein Teil der Medienbildung verstanden. Da die Medienbildung definitionsbedingt wesentlich umfassender ist, erscheint dieser Begriff für die vorliegende Untersuchung angemessener zu sein als der Begriff der Medienerziehung.

2.4 Begriffsbestimmung von Medienkompetenz

Im vorangehenden Kapitel ist der Begriff ,Medienkompetenz‘ bereits an mehreren Stellen gefallen. Medienkompetenz zu vermitteln und zu fördern gehört zu den zentralen Anliegen der Medienpädagogik. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Modewort und wie ist dieser von den bereits vorgestellten Begriffen ,Medienerziehung‘ und ,Medienbildung‘ theoretisch abzugrenzen?

Unter zahlreichen Definitionsversuchen ist die Begriffsbestimmung von Baacke sehr verbreitet und allgemein anerkannt. Unter Medienkompetenz versteht er die Fähigkeit des Individuums in einer Informationsgesellschaft mit den neuen Medientechnologien souverän umzugehen. Diese Kompetenz ermöglicht dem Subjekt eine Orientierung in der Medienwelt. Medienkompetenz stellt in der heutigen Gesellschaft eine Kulturtechnik dar und ist somit als eine elementare Lernaufgabe anzusehen (vgl. 2007, S. 97 f.). Allerdings impliziert der Begriff nicht nur das technische Know-how der Bedienung, sondern Medienkompetenz bezieht sich auf das gesamte selbstständige Medienhandeln der Menschen. Um dies näher zu erläutern, führte Baacke vier Dimensionen von Medienkompetenz ein: Aus der Perspektive der Vermittlung nannte er Medienkunde und Medienkritik; Mediennutzung und Mediengestaltung vertreten die Perspektive des Handelns. Abbildung 2 auf der folgenden Seite skizziert die Bedeutungen einzelner Dimensionen. Die dargestellten Bereiche verdeutlichen nochmals, dass das Konstrukt ,Medienkompetenz‘ nicht auf die bloße Bedienung technischer Geräte reduziert werden kann. Die Informationsgesellschaft fordert mündige Bürger, die das ganze Leben lang ihre medialen Kompetenzen entfalten. Medienkompetente Individuen sind demnach hinreichend über Medien informiert, sie kennen Risiken und Chancen der Mediennutzung, sie sind in der Lage mediale Botschaften richtig zu interpretieren und zu hinterfragen, sie setzten Medien gekonnt zur individuellen Bedürfnisbefriedigung und Selbstdarstellung ein. So fungiert Medienkompetenz als eine der Schlüsselqualifikationen für eine selbstbestimmte Teilhabe an einer Wissensgesellschaft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dimensionen der Medienkompetenz.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Baacke, 2007, S. 98-99.

An dieser Stelle wird eine Abgrenzung des Konstrukts ,Medienkompetenz‘ zu Begriffen ,Medienerziehung‘ und ,-bildung‘ vorgenommen. Bei der Medienkompetenz geht es um subjektive Dispositionen im Sinne von konkreten Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man haben sollte, um kompetent mit Medien umzugehen. Medienerziehung ist bemüht, den Heranwachsenden eine institutionelle Hilfestellung zu leisten, um diese Dispositionen in einer gesellschaftlich angemessenen Weise zu entfalten. Auch die Medienbildung zielt auf die Förderung von Medienkompetenz ab, betont aber dabei das lebenslange Lernen und die zentrale Stellung des Subjekts. So wird diese Bachelorarbeit, Wege aufzeigen, wie Lernangebote für ältere Menschen gestaltet werden können, um die Medienkompetenzen dieser Zielgruppe optimal zu fördern.

2.5 Charakterisierung von Lernarrangements

Da das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist, Tipps zur Gestaltung von Lernarrangements für ältere Menschen herauszuarbeiten sowie ein Muster­Lernarrangement zur Förderung des kompetenten Umgangs mit neuen Medien zu skizzieren, ist die Definition dieses Begriffs fundamental.

Sacher bezeichnet ein Lernarrangement als eine methodische Anordnung von Lerneinheiten. Die durchdachte Zusammensetzung der einzelnen Unterrichtsbausteine soll einer bestimmten Zielgruppe ermöglichen, definierte Lernziele zu erreichen (vgl. 2006, S. 107). Solche zu arrangierenden Komponenten können beispielsweise inhaltliche Themen, Aufgaben, Materialen, Impulse oder Medien sein (vgl. Schulministerium.nrw.de, 2011). Im Gegensatz zur Fachliteratur, wo zwischen Lernarrangement und Lernumgebung differenziert wird (vgl. Sacher, 2006), wird im Rahmen dieser Bachelorarbeit eine Lernumgebung als eine zusätzliche Komponente eines Lernarrangements behandelt. Die Einbeziehung des Lernumfelds erscheint für die hier betrachtete Zielgruppe äußerst wichtig, denn nicht nur die Lernaufgaben, sondern auch eine förderliche Lernumwelt tragen zum Erreichen der Lernziele bei. In diesem Sinne fungiert ein Lernarrangement sozusagen als ein Drehbuch oder Szenarium, wo der Ablauf der Handlungen im Unterricht sowie die jeweiligen anregenden Umgebungsfaktoren detailliert beschrieben werden. Da der Terminus ,Unterricht‘ primär im Kontext der Erziehung der Heranwachsenden gebraucht wird, wird hier eher vom Bildungsangebot gesprochen. Wobei die Begriffe ,Lernarrangement‘, ,Bildungsangebot‘, ,Unterricht‘, ,Seminar‘, ,Kurs‘ oder ,Schulung‘ im Rahmen dieser Bachelorarbeit synonym gebraucht werden.

Ein Lernziel für die vorliegende Arbeit ist die Vermittlung der Medienkompetenz bei der Generation 50plus. Allgemein geht es also darum, welche zielgruppenbestimmte didaktische Elemente im Lernangebot zu bündeln sind, um dieses Ziel zu erreichen. Die vorgeschlagenen Gestaltungsmöglichkeiten von Lehrgängen sollen dabei sowohl in institutioneller als auch privater Bildungsarbeit (VHS oder Kinder lehren Eltern) einsetzbar sein. Die Konzeption eines Muster­Lernarrangements soll ferner die konkrete Vorgehensweise in der Praxis abbilden und damit die Frage ,wie ein solches Lernarrangement genau aussehen könnte? beispielhaft beantworten.

3 Bedeutung der Medienbildung im Alter

Nach der Klärung theoretischer Grundlagen folgt an dieser Stelle die Diskussion der ersten Forschungsfrage, warum Medienbildung, und somit die Förderung der Medienkompetenz, der Generation 50plus überhaupt relevant ist und in der heutigen Gesellschaft immer häufiger thematisiert wird.

Einer der Hauptgründe ist die demografische Entwicklung in Deutschland, die Überalterung der Gesellschaft ist in aller Munde. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2010 26,3 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt (vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, S. 31). Das ist eine Folge von rückläufigen Geburtenraten sowie einer Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung. So betrug die Lebenserwartung in 2010 bei Frauen 83 und Männern 78 Jahre (vgl. Statistisches Bundesamt 2012, S. 37). Am meisten haben hierzu medizinischer Fortschritt und eine allgemeine Verbesserung der Lebensumstände beigetragen. Die Experten gehen derzeit von einer kontinuierlichen Fortsetzung dieses Trends in der Zukunft aus, so dass die einst gewesene Bevölkerungspyramide zunehmend die Gestalt eines Pilzes annimmt (vgl. Kade, 2009, S. 19 ff.). Zusammenfassend kann man festhalten, dass ältere Menschen sich zunehmend zur stärksten Bevölkerungsgruppe in der Bundesrepublik entwickeln - eine Gruppe auf die sich die Gesellschaft zwingend einstellen muss.

Die dargestellten gesellschaftlichen Veränderungen hatten recht positive Auswirkungen auf die Wissenschaften. So wird das Altern in immer mehr Forschungsvorhaben untersucht. Gerontologie und Entwicklungspsychologie haben beispielsweise den Alterungsprozess als Gegenstand entdeckt. Und auch Geragogik ist eine neu entstandene Disziplin, die sich speziell mit Bildungsprozessen im Alter beschäftigt. Inzwischen gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen, die die Bedeutung von Bildung in der zweiten Lebenshälfte thematisieren. Dagegen ist Literatur, die sich speziell auf die Medienbildung der Älteren konzentriert, kaum vorhanden. Dieser Bereich der Bildung wird in den Fachbüchern oft nur am Rande erwähnt, auch wenn der Medienkompetenzförderung im Alter durchgängig ein hoher Stellenwert zugesprochen wird. Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wird Medienbildung als ein zentraler Aspekt der Persönlichkeitsbildung angesehen. Diese Auffassung bedeutet aber nicht, dass damit alle anderen Bildungsbereiche nicht relevant sind. An dieser Stelle wird lediglich betont, dass sie alle von Medien durchdrungen sind - einem kompetenten Medienumgang kommt daher eine Schlüsselrolle zu. Da in der Fachliteratur in der Regel nur Forderungen bezüglich der Bildung im Alter allgemein formuliert werden, wird im Rahmen der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen bei der Gestaltung von Lernarrangements kritisch geklärt, inwieweit diese Ansprüche auch für Medienbildung brauchbar sind.

Die älteren Menschen leben heute und künftig in einer Informationsgesellschaft. Die Kommunikationstechnologien entwickeln sich in einem rasanten Tempo und haben immer kürzere Lebenszyklen (vgl. Rudinger & Engin, 2012, S. 98). Medien regieren die heutige Umwelt, daher spielt vor allem die digitale Medienlandschaft für eine emanzipierte gesellschaftliche Teilhabe eine immer größere Rolle. Neue Medien eröffnen veränderte Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten (vgl. Kollewe & Ehret, 2012, S. 256). Zahlreiche Informationen sind beispielsweise bereits heute nur noch im Internet verfügbar. So verweisen die meisten Institutionen stets auf ihre Homepage. Verwundernde Blicke, als käme man von einem anderen Planeten, erntet man vermehrt beim Gestehen, man habe keine Emailadresse. Und was passiert eigentlich mit älteren Offlinern, wenn zum Beispiel die Abwicklung der Bankgeschäfte künftig nur noch online möglich sein wird - Abhängigkeit, Bildungszwang, Diskriminierung und gesellschaftliche Randstellung? Für diese neue Art der gesellschaftlichen Partizipation ist die Förderung der Medienkompetenz fundamental. Damit der künftig dominante Bevölkerungsteil die digitalen Innovationen nicht ausbremst, ist eine Heranführung an neue Medien absolut zwingend (vgl. Schorb, 2009, S. 320). Bildung steht ferner im direkten Zusammenhang mit Gesundheit - je höher das Bildungsniveau, desto geringer fallen altersbedingte Belastungen aus (vgl. Sechster Altenbericht, 2010, S. 88). Lebenslanges Lernen bietet Schutz vor gesellschaftlicher Exklusion und leistet einen erheblichen Beitrag zum aktiven Altern (vgl. Bubolz-Lutz et al., 2010, S. 126). So müssen sich auch die älteren Menschen mit den medialen Neuerungen immer wieder auseinandersetzten - Medienbildung fungiert hierbei als Integrationsfaktor, der den Älteren ein selbstbestimmtes Agieren in einer digitalen Gesellschaft ermöglicht. An dieser Stelle kommt die Perspektive des lebenslangen Lernens zum Tragen. „Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig sein.“2, stellte bereits Henry Ford fest. Auch die neueren Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie betonen, dass die Lernfähigkeit im Alter trotz einiger Einschränkungen absolut gegeben ist. Die menschliche Entwicklung erfolgt ein Leben lang, auch wenn die zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben in unterschiedlichen Lebensphasen variieren (vgl. Faltermaier et al., 2002, S. 10 ff.). Negative Altersbilder und Stereotype, die Altern als ein Abbauprozess kennzeichnen, erscheinen nicht länger angemessen. So wird älteren Menschen oft mangelnde Bereitschaft, sich mit neuen Medien zu befassen, unterstellt (vgl. Berner & Rossow & Kruse, 2012, S. 60 f.). Doch die geringe Akzeptanz von neuen Medien bei Älteren ist meist weniger durch Geringschätzung, sondern vielmehr durch fehlende Handhabungsfähigkeiten zu begründen (vgl. Pietraß, 2009, S. 85). Medienbildung muss an dieser Stelle einen Ausgleich leisten, damit im Rahmen einer altersfreundlichen Kommunikation bei der Generation 50plus jegliche Vorbehalte hinsichtlich des Umgangs mit neuen Medien ausgeräumt werden und der Nutzungsbegeisterung Platz machen. Dabei fungiert der Erwerb von Medienkompetenz selbst als eine lebenslange Entwicklungsaufgabe, um ein vollwertiges Mitglied einer Mediengesellschaft zu werden (vgl. Süss et al., 2010, S. 20).

Der Terminus ,Digital Immigrants' wurde im Kapitel 2.1 bereits definiert. So könnte die Vermutung nahe liegen, dass die Medienkompetenzförderung im Alter nur aktuell bedeutend sei. Denn die künftigen älteren Generationen sind durch ihre Sozialisation mit digitalen Medien gut vertraut, so dass der zeitliche Verlauf das Wissensdefizit beheben würde. Allerdings wäre diese Annahme nur dann begründet, wenn die zeitliche Dynamik nicht berücksichtigt wird. Neue Medien unterliegen permanenter Weiterentwicklung, sie erklimmen neue Funktionen und Dimensionen. Wer konnte sich beispielsweise noch vor zehn Jahren eine Steuerung von Handys durch Berührung oder Gesten vorstellen? Da war es noch pure Science-Fiction. Digitale Medien erschaffen eine völlig neue Welt mit vielfältigen Handlungs- und Kommunikationsspielräumen. Vielleicht werden neue Medien der Zukunft, statt ,digital‘, andere dominante Eigenschaften haben, die heute nicht absehbar oder gar unvorstellbar sind. Daher werden im Verlaufe des Lebens immer wieder Situationen auftreten, wo das vorhandene Medienkompetenzniveau nicht ausreicht und Weiterbildungsbedarf bzw. modern ausgedrückt eine Update-Notwendigkeit entsteht. Somit ist Medienbildung in der zweiten Lebenshälfte nicht nur ein aktuelles, sondern auch zukünftiges Thema.

Um Missverständnisse vorzubeugen: die Autorin vertritt keineswegs die Auffassung, dass Medienbildung vorrangig im Alter wichtig sei. Forderung nach Medienkompetenz bezieht sich auf alle Lebensphasen. Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wurde die Generation 50plus als digitale Neulinge charakterisiert, so dass bei dieser Zielgruppe im Vergleich zu jüngeren Kohorten ein höherer Nachholbedarf bezüglich Medienkenntnisse vermutet wird. Dieses Fähigkeitsdefizit resultiert vor allem aus dem fehlenden Erfahrungsschatz bezüglich des Umgangs mit neuen Medien, welches wiederum die jüngeren Generationen aufweisen (vgl. Schorb, 2009, S. 321).

Handlungsfähigkeit mit Medien bringt älteren Menschen zahlreiche Vorteile wie soziale Teilhabe, autonome Alltagsgestaltung oder Kompensation physischer und psychischer Defizite (vgl. Kruse, 2012a, S. 9 ff.). Im Kapitel 2.4 wurde dies bereits kurz angesprochen. Medien als ständige Wegbegleiter können somit die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben unterstützen und dadurch die Lebensqualität deutlich steigern (vgl. Hippel & Schmidt-Hertha & Tippelt, 2012, S. 156 f.). Die Förderung der Medienkompetenz wird im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Umbrüchen zur Hauptaufgabe von lebenslangem Lernen und Zielkategorie von pädagogischem Handeln (vgl. Süss et al., 2010, S. 105 f.). Doch diese positiven Nutzungseffekte haben nur dann Raum sich fruchtbar zu entfalten, wenn die Generation 50plus die entsprechenden Umgangskompetenzen aufweist. Nur Menschen, die bezüglich der Medien ausreichend aufgeklärt wurden, werden neue Medien als Hilfsmittel und Bereicherung zur Befriedigung eigener Bedürfnisse akzeptieren.

Damit die künftig dominante Bevölkerungsgruppe eine Chance hat, dem technischen Fortschritt zu folgen, muss die Gesellschaft unterstützend zielgruppenspezifische Bildungsangebote bereitstellen, die auf die Vermittlung der Medienkompetenzen zielen. Um eine digitale Spaltung zwischen den Generationen zu überbrücken, sollte für eine Wissensgesellschaft selbstverständlich sein, dass vor allem ältere Menschen in der Lage sind, Medien, ihren Belangen entsprechend in aller möglichen Vielfalt, aktiv zu gebrauchen. Denn nur so kann auch die reife Bevölkerungsgruppe ihren konstruktiven Beitrag zum Erhalt und Fortbestand der Informationsgesellschaft leisten. Weitere Ausführungen thematisieren Rahmenbedingungen zur Gestaltung solcher Lernarrangements.

4 Besonderheiten in der zweiten Lebenshälfte

In diesem Hauptkapitel wird die zweite Forschungsfrage geklärt. Dabei werden die Besonderheiten in der zweiten Lebenshälfte präsentiert, die bei der Gestaltung von Lernarrangements besonders berücksichtigt werden sollen.

4.1 Psychogerontologische Veränderungen

In der zweiten Lebenshälfte treten bestimmte Veränderungen im Leben der Menschen auf. Diese Besonderheiten haben wesentlichen Einfluss auf die Aneignung neuer Inhalte. Aus formalen Gründen können an dieser Stelle nur ausgewählte Einflussfaktoren auf die Lernfähigkeit der Generation 50plus vorgestellt werden. Die Auswahl geschah hinsichtlich der Relevanz bezüglich der Gestaltung von Lernarrangements zur Förderung der Medienkompetenz.

[...]


1 Quelle: http://zitate.net/bildung:2.html [abgerufen am 11.07.2013].

2 Quelle: http://www.zitate.de/db/ergebnisse.php?sz=2&stichwort=&kategorie=Lemen&autor= [abgerufen am 11.07.2013].

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Medienkompetenzförderung der Generation 50plus
Untertitel
Praxisorientierte Handlungsempfehlungen zur optimalen Gestaltung von Lernarrangements für Senioren zum gekonnten Medienumgang
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Bildungstheorie und Medienpädagogik)
Note
1,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
91
Katalognummer
V266884
ISBN (eBook)
9783656578567
ISBN (Buch)
9783656578505
Dateigröße
866 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Medienbildung, Ältere, ältere Menschen, Generation 50plus, Medienkompetenz, Medienumgang, Senioren, neue Medien, Lernarrangements, Bildungsangebot, Medienerziehung, Alter, zweite Lebenshälfte, Mediennutzung, Medienkompetenzförderung, Geragogik, Altenbildung, ältere Erwachsene, digitale Medien, Kurs, Schulung, Unterricht, Seminar
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirtin Maria Mecking (Autor), 2013, Medienkompetenzförderung der Generation 50plus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266884

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