Karl der Große: Die Kaiserkrönung im Spiegel der Lorscher Annalen


Term Paper, 2013
11 Pages, Grade: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.) Ereignisse vor dem heiligen Abend
1.1 Der Aufstieg der Karolinger
1.2 Das Attentat auf Papst Leo III. und der Weg in die Kaiserkrönung

2.) Die Kaiserkrönung
2.1 Darstellung in den in den Lorscher Annalen
2.2 Besonderheiten
2.3 Kontroversen zur Kaiserkrönung

3.) Quellenkritik der Lorscher Annalen

Schluss

Quellen und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis:

Literaturverzeichnis:

Einleitung

Der Frankenkönig Karl der Große wurde am Abend des 1. Weihnachtstages 800 in der Peterskirche in Rom zum Kaiser gekrönt. Das Ereignis an sich scheint eindeutig, dennoch werfen der Vollzug und die Hintergründe dieser Krönung aufgrund der widersprüchlichen und nebelhaften Quellenlage bis heute zahlreiche Fragen und Diskussionen über die wirklichen Vorgänge auf. Die wenigen Quellen, die über die Kaiserkrönung berichten, bieten leider nur vereinzelte Informationen. Diese Arbeit soll sich damit befassen, unter welchen Umständen es zu Karls Erhebung zum Kaiser kam. Die Überlieferung des Ereignisses der Kaiserkrönung Karls soll unter Betrachtung der Darstellung in den Annalen von Lorsch untersucht werden. Dieser Text der Lorscher Annalen verdient besondere Aufmerksamkeit, da er ein einzigartiges und unabhängiges Zeugnis der fränkischen Geschichte des 8. und frühen 9. Jahrhunderts bietet. Der in ihm enthaltene Kommentar zur Kaiserkrönung bringt als einzige Quelle die Erhebung Karls damit in Verbindung, dass zu dieser Zeit eine weibliche Herrschaft („femineum imperium“[1]) durch Kaiserin Irene herrschte.

Im Folgenden soll zunächst ein kurzer Einblick in den Aufstieg Karls zum König der Franken und die Vorgänge vor dem heiligen Abend 800 beschrieben werden. Danach erfolgt ein genauerer Einblick in die eigentliche Kaiserkrönung, geschildert in den Lorscher Annalen. Unter besonderem Augenmerk bezogen auf das Argument des „Weibkaisertums“ werden so die Argumentation des Lorscher Annalisten und damit verbundene Kontroversen aufgezeigt. Zuletzt werden die Hintergründe und die Entstehung der Lorscher Annalen etwas näher beleuchtet.

1.) Ereignisse vor dem heiligen Abend

1.1 Der Aufstieg der Karolinger

Dank seiner außenpolitischen Erfolge war Karl laut Matthias Becher „der mächtigste christliche Herrscher auf Erden“[2], allerdings unter Ausnahme des oströmischen Kaisers, der in Konstantinopel (Byzanz) saß[3]. Schon bei Karls Machtantritt 768, gehörte das Frankenreich zur wichtigsten Macht in Europa[4]. Nachdem Karls Bruder Karlmann 771 gestorben war, wurde Karl auf einen Schlag zum alleinigen Herrscher des Frankenreiches[5]. Auf Bitten des damaligen Papstes Hadrian schlug Karl die andrängenden Langobarden nieder[6], und unterwarf seiner Herrschaft zuletzt das gesamte Langobardenreich 774[7]. Karl der jetzige König der Franken und Langobarden („rex Francorum et Langobardum“[8]) nahm nun den Patricius-Titel eines „patricius Romanorum“[9] an, was ihn zum Schutzherrn der römischen Kirche machte[10]. Somit vollzog sich im 8. Jahrhundert eine zunehmende Entfremdung des Papsttums von der Kaiserin in Konstantinopel und gleichzeitig eine wachsende Hinwendung zum Frankenreich[11]. Dieses bestärkte Verhältnis zwischen Karl und dem Papst ist eine grundlegende Voraussetzung für die weiterführenden Ereignisse.

1.2 Das Attentat auf Papst Leo III. und der Weg in die Kaiserkrönung

Die Möglichkeit zum Kaiser erhoben zu werden, verdankte Karl einem jähen Ereignis; der politischen Entwicklung in Rom. Papst Hadrian war 795 verstorben und sein Nachfolger Papst Leo III. entstammte einem bürgerlichen Haus und nicht wie sein Vorgänger aus adligen Führungsschichten der Stadt Rom. Kurz nach seinem Amtsantritt kam es zu unklaren Spannungen zwischen Leo III. und der städtischen Aristokratie[12]. Am 25.04.799 wurde Papst Leo III. während einer Bittprozession Opfer eines Überfalls. Führende Männer aus den Kreisen seines Vorgängers Papst Hadrian, wollten ihn verstümmeln und blenden, um ihn so amtsunfähig zu machen. Das Attentat schlug jedoch fehl und Papst Leo III. gelang es mithilfe von Herzog Winigis von Spoleto und Abt Wirund von Stablo nach Spoleto zu entkommen. In seiner misslichen Situation konnte er nur auf die Hilfe der Franken hoffen[13]. Nachdem Karl von den Ereignissen in Rom informiert worden war, beauftragte er seinen obersten Kapellan, Erzbischof Hildebald von Köln damit Leo III. eine Einladung zu seinem Hof in Paderborn zu überbringen[14]. Im Juli 799 traf Leo III. dann unter feierlichem Empfang seitens Karls in Paderborn ein[15]. Dies zeugte davon, dass Karl Leo III. weiterhin als rechtmäßigen Papst anerkannte, obwohl dieser sich gegen schwere Anschuldigungen (z.B. „Ehebruch und Meineid“[16]) der ebenfalls gesandten römischen Opposition behaupten musste[17]. Karl sah sich derweil vor die entscheidende Frage gestellt, ob er als „Patricius Romanorum“ befugt war, die richtende Gewalt in Rom, beziehungsweise über den Papst auszuführen. Dieser Rechtsfrage ging man aus dem Weg, indem man Leo III. Geleit zurück nach Rom bot und dort statt einem Gerichtsverfahren gegen die Attentäter zunächst eine Synode, mit eine genauere Untersuchung der Umstände und des Attentats anstellte. Die vermeintlichen Attentäter, Paschalis, einer der Neffen Papst Hadrians, und der Saccelarius Campulus und seine Anhänger wurden überführt und daraufhin ins Frankenreich abgeführt[18]. Allerdings war Leo III. immer noch auf die Unterstützung Karls angewiesen, denn die Beschuldigungen gegen den Papst blieben in der Hand des Frankenkönigs[19]. So schien es nun in Leos Augen notwendig, die gegen ihn gerichteten Beschuldigungen aus der Welt zu schaffen. Daraufhin einigte man sich drei Wochen nach der Untersuchung darauf, dass Papst Leo III. ohne richterlichen Zwang und aus freien Stücken einen Reinigungseid ablegen durfte[20]. So schwor Leo am 23.12.800 auf dem Ambo in der Peterskirche feierlich, mit erhobenen Evangelien, den Eid, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht zuträfen[21]. In Anwesenheit des fränkischen und römischen Klerus[22], waren so alle Anschuldigen bereinigt, und die Kirchenversammlung hielt direkt im Anschluss einen Dankesgottesdienst ab. Statt sich nun im Anschluss nun den Verschwörern Papst Leos III. zuzuwenden, behandelte der Gottesdienst allerdings etwas anderes[23]; im Anschluss an den Reinigungseid, erhob nun Papst Leo III. Karl den Großen zum Kaiser[24].

[...]


[1] Annales Laureshamenses a. 800, ed. Georg-Heinrich Pertz (MGH SS I), Hannover 1826, S. 22-39, S. 38

[2] Schieffer 2006, S. 100.

[3] Ebd. S. 100.

[4] Becher 2007, S. 49.

[5] Classen 1985, S. 15.

[6] Ebd. S. 16.

[7] Becher 2007, S. 76.

[8] Ebd. S. 77.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Schieffer 2004, S. 3.

[12] Becher 2002, S. 2.

[13] Classen 1985, S. 46.

[14] Schieffer 2006, S. 101.

[15] Classen 1985, S. 47.

[16] Becher 2002, S. 3.

[17] Schieffer 2006, S. 102.

[18] Classen 1985, S. 48.

[19] Becher 2002, S. 3.

[20] Classen 1985, S. 59.

[21] Becher 2002, S. 19.

[22] Classen 1985, S. 59.

[23] Becher 2007, S. 19.

[24] Becher 2002, S. 3.

Excerpt out of 11 pages

Details

Title
Karl der Große: Die Kaiserkrönung im Spiegel der Lorscher Annalen
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,3
Author
Year
2013
Pages
11
Catalog Number
V266914
ISBN (eBook)
9783656575269
ISBN (Book)
9783656575252
File size
385 KB
Language
German
Tags
Karl der Große, Geschichte, Kaiser, Deutsches Kaiserreich, Krönung
Quote paper
Stefan Schmidt (Author), 2013, Karl der Große: Die Kaiserkrönung im Spiegel der Lorscher Annalen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266914

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