Von Rangi und Papa zum Gott der Pakeha. Der religiöse Wandel bei den Maori Neuseelands


Magisterarbeit, 2012
127 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Wer sind die Maori? Herkunft und neue Heimat
1.1 Aotearoa
1.2 Die Heimat Hawaiki
1.3 Maoritum: iwi - hapu - whanau

2 Die Mythen und Riten der Maori
2.1 Der Schöpfungsmythos - die Kinder von Rangi und Papa
2.2 Die Entstehung des Menschen
2.3 Io - das höchste Wesen
2.4 Maui - der Halbgott
2.5 Die Maori und ihre Heiligkeiten - mana, tapu und noa

3 Religiöses Handeln - karakia, mauri und tohunga
3.1 Karakia - die Zeremonie
3.2 Mauri
3.3 Tohunga

4 Die Begegnung mit den pākehā
4.1 Marsden, Williams, Selwyn - Die Missionare kommen
4.2 Der Religionswandel
4.3 Kolonisation und der Vertrag von Waitangi (1840)

5 Die Maori-Kirchen
5.1 Te Ua Haumene und Pai-Marire - die religiöse Protestbe-wegung der Maori
5.2 Der Prophet Te Kooti
5.3 Die Kirche Ringatu - Glaube und Organisation
5.4 T.W. Ratana - „the Maori Miracle Man“
5.5 Die Ratana-Kirche
5.6 Die Maori und die pākehā-Kirchen heute:

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung einer möglichen Völkerwanderung der Polynesier (Te Ara a)

Abbildung 2: Vorstellung der Maori-Heimat Hawaiki (cdn2.listsoplenty.com)

Abbildung 3: Double-hulled canoe, Tonga, 1790s (Te Ara b)

Abbildung 4: 'Ngā mātua - Māori parenting': Moderne bildliche Darstellung der Trennung von Himmel und Erde durch den Sohn Tane auf einer Briefmarke der „New Zealand Post“ von 1994 (Te Ara c)

Abbildung 5: Maui fischt Neuseeland aus dem Wasser (mp.natlib.govt.nz/)

Abbildung 6: Mauis Vater führt eine (fehlerhafte) karakia an seinem Sohn durch (Te Ara d)

Abbildung 7: Mauri-Stein: Beispiel für einen Stein, der beim Fischfang eingesetzt wurde. (Best 1977:3)

Abbildung 8: Tohunga under tapu (Te Ara e)

Abbildung 9: Samuel Marsden’s first service (New Zealand History a)

Abbildung 10: Missionary school group, Ōtāwhao, King Country: Beispiel einer Unterrichtsvorbereitung in einer der zahlreichen Missionsschulen Anfang des 19 Jahrhunderts (Te Ara f)

Abbildung 11: Der Einfluss der Missionare (New Zealand History b)

Abbildung 12: Geschnitzte Madonna mit Kind (Te Ara g)

Abbildung 13: Siegel der Ringatu Kirche (New Zealand History c)

Abbildung 14: Die aufgeschlagenen Lager der Anhänger im Ratana Pa (The Ratana Church Website)

Abbildung 15: T. W. Rātana (Te Ara h)

Abbildung 16: Der Ratana-Stern (The Standard)

Abbildung 17: Ein “Ratana-Tempel” in Ratana, Manawatu Wanganui, Neuseeland (www.flickr.com/)

Abbildung 18: Konfessionelle (christliche) Zugehörigkeit in Neuseeland (nach dem Zensus von 1996, 2001 und 2006) (http://newzealand.govt.nz/)

Abbildung 19: Karte von Aotearoa (bearbeitet) (Schlang 1989: 230)

Einleitung

Welche Bedeutung hat die eigene religiöse Tradition für ein Volk, das im Zuge des Kolonialismus missioniert und zum Christentum bekehrt worden ist?

Als die Maori zum Ende des 18. Jahrhunderts mit den weißen Entdeckern zum ersten Mal in intensiven Kontakt und Austausch gerieten, war dies der Beginn eines gewaltigen Umbruchs für die gesamte Kultur dieses indigenen Volkes. Die Vorstellungen ihrer eigenen Kultur und Religion waren bei den Maori, wie auch bei allen anderen polynesischen Völkern, mythischer Art. Aufgrund dessen entstanden schon früh die ersten Missverständnisse sowohl auf religiöser Ebene mit den Missionaren als auch mit politischen Vertretern, die allesamt ein völlig anderes Verständnis von Tradition mitbrachten und den Maori mit Unwissenheit gegenübertraten.

Um das Wesen und die Art der Maori im Hinblick auf die hier formulierte Fragestellung zu verstehen, muss stets das ganze Maoritum als Einheit betrachtet werden. Das zentrale Merkmal dieses sog. Maoritanga war aber immer die religiöse Natur des Maori. Das gesamte vorzeitliche Leben dieses Volkes war gestützt auf Säulen der Religion. Nichts wurde unternommen ohne den Rückgriff auf durch die Ahnen mitgebrachten religiösen Bräuche. Auch das gesamte Gesellschaftsleben eines jeden Maori war aufgebaut um das „Konzept des Göttlichen“ herum und der Tatsache, dass die Beibehaltung einer wesentlichen, lebendigen Religion notwendig war für das Überleben des Maoritums einschließlich der Maori-Sprache, der Maori-Künste und den Sinn der Gemeinde. Deshalb ist es bei einem Volk wie diesem nahezu unmöglich die Religion vom Rest ihrer Kultur zu trennen und diese separat zu behandeln.

Infolgedessen werden in dieser vorliegenden Arbeit die Aspekte Religion, Bräuche und Tradition in den ersten drei Kapiteln hervorgehoben und möglichst detailliert beschrieben, um im späteren historischen Verlauf und dem Wandel der Neuzeit die Problematik zu beleuchten und erkenntlich zu machen.

Da eine beträchtliche Menge an Literatur und Material einzig zur Darstellung der Maori-Mythologie existiert, habe ich in dieser Arbeit eine Eingrenzung diesbezüglich vornehmen müssen.

Hierzu muss auch erwähnt werden, dass eine Vielzahl an unterschiedlichen Mythen innerhalb der Maori-Stämme existiert, die entweder nur gering oder aber auch erheblich voneinander abweichen können. In dieser Arbeit habe ich versucht für jede Teilerzählung eine möglichst allgemein bekannte Tradition zu verwenden und habe nur an bestimmten Stellen angeführt, dass weitere Versionen oder Abweichungen bekannt sind.

Um einen Kontext herzustellen und den Diskurs verständlicher zu machen, wird im ersten Kapitel dieser Arbeit zunächst ein historischer Überblick über die Herkunft und die Stammesstrukturen der Maori gegeben, aus dem schon die ersten Einblicke in das altertümliche Gesellschaftsleben gegeben werden.

Anschließend soll die mythische Schöpfungsgeschichte mit den ersten und wichtigsten Gottheiten und ihren Heldentaten eine Vorstellung zu einer völlig anderen Weltanschauung bieten, an die auch die christlichen Missionare im späteren Verlauf anknüpfen mussten.

Die dann folgende Beschreibung der religiösen Bräuche und Gesetze ist unausweichlich, waren diese aus dem Maori-Alltag nicht wegzudenken und mitverantwortlich für den schwierigen Umgang mit den weißen Siedlern.

Nach einem weiteren historischen Abriss zur Kolonisation Neuseelands durch die Briten, widmet sich das letzte Kapitel dieser Arbeit den Konsequenzen des religiösen Wandels der Maori, den Maori-Kirchen selbst. Aus den zwei hier ausführlich beschriebenen Kirchen Ringatu und Ratana soll schlussendlich ersichtlich werden, inwieweit die Tradition der Maori im Zuge des kulturellen und religiösen Wandels nach wie vor Einklang im heutigen Gesellschaftsleben findet.

Inwieweit konnte also die Maori-Kultur und die ursprüngliche Religion überleben und welche Einbußen musste sie einnehmen? Grob aufgeteilt ist die hier vorliegende Arbeit folglich in alte und neue Zeit des Maori-Volkes in Bezug auf Religiosität und Tradition.

Für den mythologischen und religiösen Teil dieser Arbeit waren die Arbeiten von Sir George Grey und insbesondere die von Elsdon Best hilfreich. Die Quellensammlung für die grundlegenden Maori-Legenden ist der Klassiker Polynesian Mythology von Sir George Grey. Diesen verfasste der ehemalige Gouverneur von Neuseeland bereits im Jahr 1855 im Original in der Maori-Sprache. Viele Autoren, die seitdem zu diesem Thema Texte und Bücher verfasst haben, bedienten sich seiner Darstellungen. So auch etliche Autoren des Journal of the Polynesian Society, welches mir u.a. in Bezug auf die neueren Maori-Kirchen wie die Ringatu hilfreich zur Seite stand. Im Gegenzug leistete Elsdon Best einen beachtenswerten Beitrag zu der Ethnologie der Maori. Nach jahrelangem engem Kontakt mit den Maori aus der Urewera-Region (Nordinsel), verfasste er in den letzten 20 Jahren seines Lebens vor allem Studien zum gesellschaftlichen Leben, den Bräuchen und dem Glauben des Maori-Volkes. Dementsprechend erwiesen sich alle seine Ausführungen für viele Bereiche meiner Arbeit als unverzichtbar.

Für den historisch neueren Teil zum Beginn der Christianisierungsprozesses waren u.a. Primärquellen von Priestern und Missionaren aus dieser Zeit sehr nützlich, wie bspw. die Ausführung The Conversion of the Maoris von Pastor Donald MacDougall.

Zur Maori-Sprache:

Einige Bemerkungen möchte ich noch zur Schreibweise der Maori-Wörter machen. In dieser Arbeit werden alle Maori-Begriffe kursiv im Schriftbild hervorgehoben. Davon ausgenommen bleiben Eigennamen und Ortsnamen sowie in Zitaten eingebaute MaoriBegriffe, die bei diversen, überwiegend englischsprachigen, Autoren nicht hervorgehoben werden. Des Weiteren verzichten viele Autoren auf das Anzeigen der langen Vokale in Maori-Wörtern, wie bspw. das „ā“ in pākehā oder in Māori. Auch ich verzichte ebenfalls auf diese Schreibweise, mit der Ausnahme des Titels sowie den entsprechenden Kapitelüberschriften dieser Arbeit.

Da die Maori-Sprache keine Pluralendungen kennt, verwende ich bei Maori-Wörtern kein Plural-s und spreche zum Beispiel von den „Maori“ und nicht von den „Maoris“. Auch kennt die Maori-Grammatik keinen Unterschied von Groß- und Kleinschreibung (einzig Eigennamen werden großgeschrieben), so dass ich bei traditionellen MaoriBegriffen wie tapu die Kleinschreibung, trotz dem Entsprechen eines Substantives im Deutschen, bevorzuge und auch anwende.

1 Wer sind die Maori? Herkunft und neue Heimat

Die Frage nach der Herkunft der Maori-Bevölkerung von Neuseeland bezieht sich zwangsläufig auf die des gesamten polynesischen Volkes, denn die Maori bilden nur eine der zahlreichen Sparten dieser ethnischen Gruppe im südpazifischen Raum. (Smith 1910: 9)

Eine konkrete (einstimmige) Antwort auf den Ursprung der neuseeländischen Polynesier, der heutigen Maori, findet man jedoch nicht. Es herrschen seit je her unzählige Theorien, die sich nach geographischen Gegebenheiten, Sprachverwandtschaft und Kultur richten. Die Mehrheit der Forscher sieht jedoch Melanesien1 um etwa 1000 v. Chr. als Ausgangspunkt einer großen Völkerwanderungswelle, die sich über einige Jahrtausende hin erstreckte. Die später auch in der polynesischen Kultur vorzufindenden Naturpflanzen, Haustiere oder kulturellen Gegenstände melanesischer Herkunft bestärken die Forscher in ihrer Annahme. Weiterhin lassen sich die historischen Wurzeln der polynesischen Lebensart auf den Fiji Inseln, Tonga und Samoa finden. Die Vorfahren der Maori waren Fischer und Bauern und zudem fachkundige Segler, die beträchtliches astronomisches Wissen besaßen, das ihnen bei ihren zahlreichen Wanderungen sehr wertvoll und hilfreich gewesen sein muss. (Pybus 1954:12) So führte die Wanderung von Melanesien Richtung Osten zu den Cook,- Gesellschafts,und Marquesas-Inseln, wo sie sich in alle Richtungen aufteilte. Hier im Osten waren die Inseln viel verstreuter und im Allgemeinen auch kleiner, vulkanische Inseln und Korallenatolle waren reich an Wasserausdehnungen. Ein Teil der Migranten fuhr in Richtung Norden nach Hawaii, ein anderer Teil nach Osten zu den Oster-Inseln, so dass diese Gegend fast komplett besiedelt wurde. Ein dritter Teil aber erreichte mit der letzten großen Migrationswelle ca. 1000 n. Chr. schlussendlich Neuseeland - die letzte bewohnbare Region auf der Welt. (Orbell 1995:7)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Darstellung einer möglichen Völkerwanderung der Polynesier (Te Ara a)

1.1 Aotearoa

Die Maori nennen ihr Land, ihre neu besiedelte Heimat, Aotearoa. In ihren eigenen Überlieferungen zur Entdeckung des Landes erscheint Kupe, der Seefahrer, welcher das Land als erster vor langer Zeit entdeckte. Laut Tradition habe seine Frau als erste jene „Wolke“ gesehen, die ihnen das Land ankündigte:

Ao bedeutet „Wolke“,

tea bedeutet „weiß“ und

roa bedeutet „lang“.

Somit ergibt sich die bis heute überwiegend verwendete Übersetzung Neuseelands als „große, weiße Wolke“.2 (Greschat 1980:7)

Das Land unterhalb dieser „Wolke“ erschien ihnen nämlich um einiges länger, als jede andere ihnen bis dahin bekannte Insel. Kupe entdeckte den Übergang von einer Insel zu der anderen, doch die einzigen wirklichen Bewohner dieser Inseln, von denen er je nach seiner Rückkehr gesprochen hatte waren nur eine Krähe (kokako) und eine Taube (tiwaiwaka). Nachdem ihm dort keine Menschen begegnet waren fuhr er wieder heim. Kupes Verdienst für die Maori war es aber, dass er diese Inseln sowie einige der Öffnungen (Übergänge), Häfen und Flüsse als solche entdeckte. Einigen von ihnen gab er eigene Namen, die bis heute in Neuseeland erhalten geblieben sind. Ein weiterer Kapitän, Toi, entdeckte die Inseln Neuseelands aufs Neue, als er die See nach verschollenen Verwandten absuchen wollte.3 Als Toi an Land ging, fand er im Gegensatz zu Kupe erstmals Eingeborene. Seither sollen mehrere Seefahrer aus den Heimatgegenden Aotearoa als Reiseziel angesteuert haben.4 (Alpers 1964:138-139) Mit Kupe und Toi haben wir nun zwei verschiedene Entdeckungsreisen der beiden Inseln Neuseelands gehört. Insgesamt wird jedoch von drei Entdeckungen innerhalb der Maori-Tradition gesprochen. Der dritte Entdecker Maui, der so gesehen an den Anfang gesetzt werden müsste, da es sich bei ihm um eine Art „Ursprungsentdeckung“ handelt, besitzt einen weitaus mythischeren Charakter und wird daher im nächsten Kapitel zu den „Mythen und Riten der Maori“ behandelt und ausführlicher erklärt. Doch wie auch für die Entdeckungen der neuen Heimat Aotearoa so existieren ebenfalls für das Verlassen ihrer alten polynesischen Heimat Hawaiki Überlieferungen.

1.2 Die Heimat Hawaiki

Turn once again your face to the shadowy land from which we came, to the homes of our ancestors far away, to Great-Hawaiiki, to Long-Hawaiiki, to Hawaiiki-of-Great-Distance, to the Hono-i-Wairua (the Place of Spirits), the land where man was formed from the earth by Great-Tane-of-the-sky, and had life first breathed into him. So begin our genealogies (Knöbl 2006:351).

Hawaiki ist der Ort, von dem aus die dritte und größte Übersiedlung der Maori stattgefunden haben soll, nachdem Toi, als dritter Entdecker von dort aus losgesegelt ist. Deshalb gilt Hawaiki zunächst einmal als die ursprüngliche Heimat, nicht nur die der Maori, sondern die aller Polynesier, aufgrund der Entdeckung durch den Gott Maui, der, wie später im 3. Kapitel deutlich wird, im gesamten polynesischen Raum bekannt ist. Hawaiki wurde aufgrund zahlreicher Überlieferungen oft nur als ein mythischer Ort gesehen und weniger als ein tatsächlicher, geographisch vorhandener Ort. Bei den Polynesiern wurde Hawaiki zudem als die Quelle aller Menschen angesehen und die Quelle aller (Nahrungs-)Pflanzen5, aller Bräuche und allen Wissens. Aufgrund dessen handelte es sich bei dem Namen Hawaiki nie wirklich um ein historisches Heimatland, sondern vielmehr um einen überirdischen Ort, welcher eine hohe Wichtigkeit innerhalb der polynesischen Religion besaß. (Sorrenson 1979:34-35)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vorstellung der Maori-Heimat Hawaiki (cdn2.listsoplenty.com)

Der neuseeländische Geschichtswissenschaftler Michael King vertritt die Theorie, dass Hawaiki ein phantastisches Ursprungsland sei, und es sich bei dem Herkunftsmythos eher um die Wanderung der Maori innerhalb Neuseelands handele als um eine Migration ausgehend von entfernten Inseln im Pazifik. (Knöbl 2006:351) Wollte man aber dennoch versuchen, die Heimat der Maori geographisch einzuordnen, so stoße man, der Literatur nach, überwiegend auf das Gebiet der Gesellschaftsinseln. (Buck 1977:37; Goldman 1970:33)

Die Überlieferungen für das Verlassen dieser Heimat besagen, dass die Maori untereinander stritten und kämpften, einander Nahrung stahlen und ihnen die fruchtbaren tropischen Inseln für das immer mehr wachsende Volk zu klein geworden waren. Diejenigen, die vorhatten auszuwandern, bauten für sich und ihre Angehörigen seetüchtige Boote mit Masten und Segeln. Hauptsächlich werden es Doppelbote gewesen sein oder solche, die ein Ausleger im Gleichgewichten halten kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Double-hulled canoe, Tonga, 1790s (Te Ara b)

Denn erst nach Ankunft im neuen Land, in dem es Bäume von stattlichem Umfang gab, konnten die Maori jene Kanus aushöhlen, die einem inzwischen aus neuseeländischen Museen bekannt sind. (Greschat 1980:8)

Auf die Bote hatte man all den Besitz sowie Proviant für die Reise verladen, die mindestens genauso lange gedauert haben wird, wie die Fahrt von mehrmastigen europäischen Segelbooten aus dem vorletzten Jahrhundert, die von Tahiti bis Neuseeland einen Monat brauchten. Auch existierten damals schon im Laufe der Einwanderungsphase sog. „Große Flotten“, welche aus bis zu dreizehn Booten bestanden. Auch waren berühmte Schiffsnamen üblich, die bis heute bekannt sind und mittels welcher sich die heutigen Maori auf ihre Vorfahren berufen. Damals sollen fast alle Boote zuerst in jener Bucht der Nordinsel Neuseelands angelegt haben, die „Bay of Plenty“ heißt und die zu den sonnigsten Gegenden der Insel zählt. Nach Ansicht der meisten Forscher jedoch werden wohl im Zeitraum 1200 und 1400 überwiegend einzelne Boote nach und nach gelandet sein. (Greschat 1980:9)

1.3 Maoritum: iwi - hapu - whanau

He aha te mea nui, he tangata, he tangata, he tangata. [Welche ist die großartigste Sache? Es ist das Volk, es ist das Volk, es ist das Volk.] (Knöbl 2006:31).

Der gesamte Kosmos der Maori entfaltet sich als eine einzige gigantische Verwandtschaft, in welcher der Himmel und die Erde die ersten Eltern aller Wesen und Dinge wie des Meeres, der Welt, der Vögel oder auch des Menschen präsentieren. Einem Maori erscheint es daher vermutlich als ungewöhnlich, wenn er keinen detaillierten Bericht über sein verwandtschaftliches Verhältnis zu einem beliebigen Wesen, insbesondere zu einem anderen Maori, ablegen kann. Sie haben generell großes Interesse zu erfahren, in welchen Verhältnissen alle Menschen zueinander stehen. (Johansen 1954:9)

Die Maori können durchaus als die Prototypen der östlichen polynesischen Traditionsgesellschaften angesehen werden. Sie bilden klassische Beispiele für aristokratische Organisationen, in denen die grundlegenden Prinzipien von Ältestenrecht, Herkunft bedingter Vorrang (Höhere Position), abgestufte Rangordnung, Unantastbarkeit (Heiligkeit) der Häuptlinge sowie die Unantastbarkeit der männlichen Linie fest etabliert sind. (Goldman 1970: 30)

Jeder Maori leitet sich auf Ahnen zurück, die ein Boot aus Hawaiki nach Aotearoa gebracht haben soll. Stämme, die schon seit langem verwandt waren und deren Ahnen auch zusammen auf einem Boot gereist waren, schlossen sich in Aotearoa gelegentlich zu einem Bündnis zusammen.6 Dies war die, für die damaligen Verhältnisse, größte Gruppierung der Maori. Aber auch die kleineren Gemeinschaften spielen noch heute eine Rolle: es sind Stämme, Unterstämme und Großfamilien. (Greschat 1980:13)

Die Unterscheidungsmöglichkeit zwischen den einzelnen Stämmen (iwi 7 ) bzw. Unterstämmen (hapu 8 ) war für die Maori schon immer von großer Bedeutung. Der Name eines Stammes steht für den Ort, an dem der Stamm lebt, oder er definiert die Angehörigen eines Stammes als Nachfahren ihrer Urahnen. Heutzutage existieren mehr als sechzig verschiedene Stämme sowie zweihundert Unterstämme. Die Einheit innerhalb der Groß-Familie (whanau 9 ) bildet zudem einen zentralen Aspekt, denn nur durch das Pflegen dieser Verbindung werden ihre Lebenskraft und ihr Ansehen (mana 10 ) gestärkt. (Knöbl 2006:31)

Die biologische Familie bildet die kleinste gesellschaftliche Einheit. Sie schließt üblicherweise Großeltern, ihre Kinder und Gatten sowie Enkelkinder (u.U. auch Urenkel) mit ein. Whanau ist der Teil der Verwandtschaft, der eng verbunden miteinander lebt, sich entweder ein gemeinsames oder zwei nebeneinander stehende Häuser teilt, der gemeinsam Äcker besitzt und bewirtschaftet, ein gemeinsames Kanu besitzt und vieles mehr. Mit jeder Generation aber stieg die Anzahl der Familien und erreichte derart hohe Zahlen, dass die eingrenzende Bezeichnung der whanau nicht mehr länger angewandt werden konnte.11 Der Ausdruck hapu wurde benutzt, um diese Ausdehnung der Familie zu symbolisieren, da es den Gedanken der Geburt von gemeinsamen Vorfahren ausdrückte, und dieser Gedanke hob die Blutsverbindung hervor, welche letztendlich alle Familien in allen Tätigkeiten miteinander vereinte. Ein hapu beinhaltete einige hundert Menschen, die zusammen in einem Dorf oder einem bestimmten Viertel des Dorfes lebten. Gab es eine gute Entwicklung, so dehnte sich der hapu in den nachfolgenden Generationen weiter aus und eine Trennung einiger Gruppen von der ursprünglichen Siedlung wurde notwendig. Diese Aussiedler beanspruchten somit Land in den angrenzenden Orten. Folglich erweiterte sich der ursprüngliche hapu in eine Vielzahl von einzelnen hapu, jedoch wurde ihre gemeinsame Blutsverwandtschaft zum eigenen Nutzen durchaus anerkannt, bspw. in Fällen von Krieg, wo es auf die Menge natürlich ankam. Einer vorrübergehenden Vereinigung stand bei solchen Gelegenheiten nichts im Wege. Den größten Kreis an gemeinsamen Verwandten, die in einer zweckmäßigen Beziehung zueinander stehen, bildet iwi, der Stamm. Der Begriff des iwi wurde eingeführt, um alle einem hapu entstammenden Maori, die auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen sind, zu umfassen.12 Es ist offensichtlich, dass in diesen weitaus größeren Gesellschaften, wie in der eines iwi, der Zusammenhalt der Menschen untereinander nicht mehr ganz so stark vorhanden war wie in einem hapu, geschweige denn in einer whanau. (Buck 1977:333; Johansen 1954:15)

Auch hatte jede Familie oder jeder Stamm sein festes Oberhaupt. Innerhalb der whanau heißt dieses kaumatua und wird für gewöhnlich mit „Ältester“ wiedergegeben. Ohne Ausnahme ist der Begriff zunächst verbunden mit einem weit fortgeschrittenen Alter mindestens um die 55 Jahre und für gewöhnlich auch über 60. Ein Maori mit etwaiger Anzahl an erreichten Lebensjahren wird dementsprechend schon heranwachsende wenn nicht gar erwachsene Enkel haben.13 Dieser Ausdruck bezieht sich deshalb auf Ältere im Allgemeinen, Ältere innerhalb einer Gruppe, sei es männlich oder weiblich. Doch wird kaumatua auch benutzt, um damit diejenigen älteren Männer zu beschreiben, die ausgezeichnet sind als Anführer aufgrund ihrer durch Abstammung höheren Position oder durch die Befähigung bei wichtigen Ereignissen Reden zu halten. (Metge 1967: 153)

So leitete ein kaumatua in früheren Tagen üblicherweise religiöse Riten, stand bei Kriegen an der Spitze vor seinen Soldaten oder verhandelte nach außen und sprach im Namen seiner Stammesglieder. Trotzdem hatte er keine wirkliche Befehlsfunktion innerhalb seines Stammes. (Greschat 1980:14)

Neben dieser Art und Weise Älteste zu ehren, indem man ihnen bestimmte Aufgaben aufgrund ihrer Weisheit im hohen Alter zuteilt, gibt es die Erstgeborenen, denen man den höchsten Rang zusprach. Mit der Zeit bildete sich daher ein Adel innerhalb der Maori-Gesellschaft heraus und damit der Name rangatira14 . Ein rangatira beschreibt deshalb zweierlei: einen Häuptling, dem die Aufgaben eines Anführers zukommen, und einen Adeligen. Somit genießt derjenige unter den Maori eine ganz besondere Stellung, der Kind erstgeborener Eltern ist, der sich auf eine ganze Reihe Erstgeborener innerhalb seines Stammes bezieht und der im besten Falle seine Herkunft bis auf den Stammvater des jeweiligen hapu oder gar iwi zurückführen kann.15 Maori-Familien, die in der Lage sind die längsten und reinsten Erstgeborenen-Stammbäume aufzuweisen werden ariki genannt. (Greschat 1980:15)

Eine der Hauptaufgaben eines ariki ist die Aufrechterhaltung der Tradition und der Grundwerte. Er soll in seiner Gemeinschaft das Ideal eines Maori vorleben und für das Wohl seiner Stammesangehörigen sorgen. Deshalb identifiziert sich ein rangatira ganz stark mit seinem Stamm und versucht dessen Prestige stets zu verkörpern. Man verlangt infolgedessen von einem rangatira Eigenschaften wie Mut, das Wissen eine Gruppe zu führen, mit Waffen umzugehen, Nahrungsbeschaffung, Redegewandtheit sowie das Beherrschen künstlerischer Tätigkeiten (wie Schnitzen, Tanzen oder Singen), welche innerhalb der Maori-Kultur durchaus von Bedeutung sind. (Knöbl 2006:43)

Wem einmal einer dieser Titel des kaumatua, rangatira oder ariki zugesprochen wird, den behält derjenige bis zu seinem Tod, selbst wenn er seinen Pflichten aufgrund von zu hohem Alter, Schwäche oder Krankheit nicht mehr nachgehen kann. (Metge 1967:155) Den Rest des Volkes bildeten die sogenannten „Gewöhnlichen“, die tutua16 oder ware17 .

Sie waren folglich die jüngeren Geschwister eines rangatira und deren nichterstgeborene Nachkommen. (Greschat 1980:15)

Des Weiteren bestimmten in einer früheren Maori-Gesellschaft alle Familien, Unterstämme und Stämme wer Freund und wer Feind war. Alle anderen, die nicht dazu gehörten, blieben draußen und waren entweder Fremde oder potentielle Feinde. Zu den „anderen“ gehörten auch zu frühen Zeiten Sklaven, welche meist als Kriegsbeute in die Maori-Gesellschaft hineingekommen waren. Da das lebendige Gefangenwerden eine große Scham auslöste, wünschten sich Angehörige eines Sklaven selten seine Rückkehr und so gab es auch selten Fälle, in denen ein Sklave selbst versuchte seinem Herren davonzulaufen. Vielmehr kämpften etliche Sklaven in Kriegen gegen ihre Blutsverwandten oder verrieten ihren Herren Wege oder geheime Informationen ihrer alten Heimat. Ihr Leben hing jedoch immer von dem Willen ihres Herren ab, dem sie sich mehr oder weniger fügen mussten. Trotz allem sollen viele der Sklaven verhältnismäßig gut behandelt worden sein. (Mander 1954:32) Gefoltert haben sollen die Maori ihre Gefangenen nicht. Waren sie einst gefangen und entmachtet, waren sie schließlich ungefährlich geworden. Einen lebendigen Menschen zu quälen soll die Maori nicht gereizt haben. Anders hingegen sah es bei toten Feinden aus. Zu Kriegszeiten war der Kannibalismus, der mit Hass gegenüber einem Feind verbunden war, durchaus gängig unter den Maori. In friedlichen Zeiten kam er jedoch eher selten vor und auch nur dann, wenn die Maori von Hunger getrieben ihre Sklaven töten mussten. Beim Zerlegen, Garen und anschließenden Verspeisen eines Feindes hingegen empfanden die Maori eine Art endgültigen Tötens und Genugtuung. (Greschat 1980:17)

Ein alter Häuptling soll sich an einen Feldzug im Jahr 1850 erinnert haben, den er in seinen jungen Jahren erlebte:

…diejenigen, die das Dorf besetzt hatten verweilten darin, behielten so viele Frauen wie möglich und töteten alle Männer. Den Kindern unter drei Jahren schnitten sie die Köpfe und Arme ab und kochten den Rumpf (…), den Frauen trieben sie scharf angespitzte Holzstäbe durch ihre Füße, damit sie nicht fortlaufen konnten… sie aßen die Frauen nachdem die Männer verspeist waren und das nachdem sie diese vorher „zur Frau genommen hatten…“ (Vayda 1960:92).

Wenn sich jedoch die Rache durch das Essen vom Fleisch des Feindes als nicht befriedigend erwies, so wurden seine Knochen aufbewahrt, um diese dann für die Herstellung von Dingen zu benutzen, die für die Maori-Vorstellung entwürdigend schienen. So wurden beispielsweise Flöten aus solchen Knochen angefertigt sowie die Spitzen von Speeren, Ringe für die Beine von gefangenen Papageien, oder sie wurden als Stecknadeln benutzt, um damit Schnecken essen zu können. All das würde große Demütigung für den Feind mit sich bringen. So auch für einen gefangenen und getöteten Feindeshäuptling, dessen Kopf aufbewahrt und nach Hause genommen wurde, wo er anschließend geschmäht und beleidigt werden konnte. (Vayda 1960:94)

… du wolltest weglaufen, ja? Aber meine Keule holte dich ein! Und nachdem du gekocht wurdest, wurdest du zur Speise für meinen Mund. Und wo ist nun dein Vater? Er wurde gegart! Und wo ist dein Bruder? Er wurde gegessen! Und wo ist deine Frau? Hier sitzt sie, eine Frau für mich! Und wo sind deine Kinder? Dort sind sie, sie tragen Lasten auf ihren Rücken, sie tragen Nahrung, als meine Sklaven! (Yate 1835:130).

Kriege und Kriegsbeute gehörten schon immer zu der Maori-Gesellschaft. Es gab immer Feinde, die von außen einen hapu oder iwi bedrohten. Wer daher leichtfertig und nachlässig war, wurde gefangen, als Sklave gehalten oder getötet. Für die Stämme der Maori gab es mit den Jahren immer mehr Gründe einen Krieg mit Feinden oder Fremden anzufangen. Eine Verjährungsfrist für eine Tätigkeit gab es nicht und daher blieb das Recht auf Rache ewig erhalten. Mit viel Geduld und Zielstrebigkeit rüstete manch ein Stamm auf, bis schließlich auch die Enkel oder Urenkel in den Krieg gegen die Erbfeinde ziehen konnten. Man könnte behaupten, dass schon die alttestamentarische Redewendung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ bei den Maori Anwendung fand, da jede Schande, jede Niederlage oder auch jedes kränkende Wort getilgt werden musste. Der Krieg war aus dem Leben der Maori nicht wegzudenken. (Greschat 1980:18)

2 Die Mythen und Riten der Maori

Jede Kultur besitzt eine eigene Tradition darüber, wie die Welt erschaffen wurde. Die Maori besitzen etliche davon, doch sind die wichtigsten Geschichten darüber diejenigen, welche davon berichten, wie aus der Dunkelheit das Licht wurde, wie die Erde und der Himmel entstanden und wie sich die Natur daraus entfaltete. Durch die gesprochene Wiederholung und die Weitergabe dieser Geschichten wird die Welt sozusagen fortwährend wiedergeschaffen.

Hierfür einleitend die Vorstellung der Maori über den Anfang der Weltentstehung, speziell der Schöpfung, und dem ersten Erscheinen der zwei wichtigsten Charaktere Himmel und Erde:

2.1 Der Schöpfungsmythos - die Kinder von Rangi und Papa

Am Anfang war das Nichts

Te Kore - das absolute Nichts

Te Kore-te-whiwbia - das Nichts, in dem nichts bestand Te Kore-te-rawea - das Nichts, in dem nichts geschah.

Und dann war die Dunkelheit

Te Po - die unendliche Dunkelheit

Te Po-nui - die große unendlich weite Nacht Te Po-roa - die unendlich lange Nacht

Te Po-te-kitea - die Nacht, in der nichts wahrnehmbar war Te Po-uriuri - die tiefschwarze Nacht

Es herrschte Dunkelheit von der ersten bis zur zehnten Nacht von Te Po-tuatahi bis Te Po-tuangahuru.

Und Rangi-nui, der Himmel, und Papa-tu-a-nuku, die Erde lagen eng umschlungen

und zwischen ihnen lagen die Kinder, die sie gezeugt hatten und alle lagen in tiefster Finsternis.

Und aus der Finsternis kamen

Te Rapunga - das Suchende, Strebende

Te Kukune - das Wachsende, Werdende

Te Pupuke - das Schwellende, sich Weitende Te Hihiri - das Kraftvolle, Energische Te Mahara - das Denken und Sinnen Te Hinengaro - die Seele

Te Manako - das Sehnen (Jakubassa 1985:5).

Je nach Tradition fangen einzelne Überlieferungen oftmals direkt mit dem Elternpaar Himmel (Rangi) und Erde (Papa) an und behandeln die Zeit der Finsternis nebenher. Hier in diesem Beispiel wird jedoch gezeigt, dass das „Sein“ in Abschnitten heranwuchs, hier in zwei, nämlich der Entwicklung des Nichts (Kore) und danach der Finsternis (Po). In vielen Traditionen folgt noch unmittelbar ein dritter Abschnitt, die Entwicklung des Lichts (Ao). Diese drei - Nichts, Finsternis, Licht - sind Vorstufen von Himmel und Erde. Über das Heranwachsen dieser gibt es wiederum verschiedene geschilderte Traditionen, die sie zum einen als eine Art Schwangerschaft bis hin zur Geburt beschreiben oder in anderen auch als einen Reifeprozess einer Pflanze bis hin zu ihrer Erntezeit darstellen lassen. (Greschat 1980:63)

Damit haben die (meisten) Maori durchaus ein kosmogonisches Schema entwickelt, das nicht erst mit der Gestaltung von Himmel und Erde beginnt, sondern in dem der MaoriMythos viel weiter zurückreicht. (Best 1954:10) Zudem hat der Maori-Mythos von Anbeginn an alles mit einem Geschlecht ausgestattet - selbst die aufeinanderfolgenden Abschnitte von Dunkelheit und Licht bekamen ihre Rolle zugewiesen. So ist in der Maori-Sprache das Licht (Ao) männlich und damit die grundlegende, aktive und erzeugende Macht, die Dunkelheit (Po) hingegen weiblich und die passive und bildet die Funktion einer Art Gefäß für den unbekannten Anreger, der alles auf mysteriöse Weise belebt. (Cowan 1930:52)

Folglich findet sich auch bei Himmel und Erde eine Zuweisung der Geschlechterrollen: Da es sich um ein Elternpaar handelt, sind diese daher auch mit Vater und Mutter gleichzustellen. Der Himmel bekommt die Vaterrolle zugewiesen, die den Namen Rangi18 trägt. Die Mutterrolle nimmt im Gegenzug die Erde ein und nennt sich Papa19. Somit waren diese beiden Mann und Frau und zeugten auch Kinder, allesamt Söhne. Als diese sechs geboren waren, war Papa, die Mutter Erde, umhüllt von Dunkelheit und das einzige Licht, was zu sehen war, war der schwache Flimmer eines Glühwürmchens.

(Best 1954:12)

Die Kinder, selbst Götter, werden später, wenn es Menschen gibt, über ihre jeweiligen, also insgesamt sechs Bereiche herrschen, die zusammen die alte Welt der Maori ausmachten. Diese setzen sich zusammen aus dem Gott des Waldes und aller dort lebenden Tiere, dem Gott der essbaren Wildpflanzen, dem Gott der Naturpflanzen, des Ackerbaus und des Friedens, dem Gott des Krieges, dem Gott des Meeres und seiner Lebewesen, sowie dem Gott des Wetters, der Winde und der Stürme. (Greschat 1980:66)

Beide Elternteile lagen seit jeher eng umschlungen und gewährten somit ihren dazwischenliegenden Kindern niemals Licht. Dieser Zustand erweckte mit der Zeit eine große Unzufriedenheit bei den Kindern aus, so dass diese anfingen sich untereinander zu beraten, was sie mit Rangi und Papa anstellen könnten, um diesem Dasein ein Ende zu setzen.

„Wäre es wohl besser, die Eltern zu töten, oder sollen wir sie bloß auseinanderzwingen?“, fragten sie einander.

Unter ihnen gab es welche, die für die Tötung der Eltern waren, andere wiederum bevorzugten stattdessen nur ihre Trennung und wollten sie am Leben lassen. Vor allem der Sohn Tane, der Gott des Waldes, sprach sein Vorhaben gegenüber seinen Brüdern aus, er wolle die Eltern weit auseinander trennen, so dass der Himmel weit über ihnen bleibe und die Erde unter ihnen. Damit würde der Himmel ihnen fremd werden, die Mutter Erde hingegen solle ihnen nach wie vor nahe stehen und sie pflegen und sich um ihre Kinder kümmern, wie es eine Mutter tut. (Jakubassa 1985:7) Der einzige unter ihnen, der dem nicht zustimmte war Tawhiri-ma-tea, der Gott der Winde und Stürme.20 Da er um sein Reich fürchtete, unterstütze er das Auseinanderreißen seiner Eltern nicht und schloss sich somit auch nicht den anderen Brüdern an. Stattdessen blieb er ruhig und hielt seinen Atem an. (Alpers 1964:2) Schließlich schritten die Götter zur Tat, die Eltern auseinander zu schieben. Rangi und Papa klammerten sich währenddessen noch stärker aneinander, als sie mitbekamen, was ihre Kinder mit ihnen vorhatten. Zuerst versuchte es Rongo-ma-tane, der Gott der Naturpflanzen, die Eltern auseinander zu zwingen, doch er scheiterte. Als nächster versuchte sich Tangaroa, der Gott des Meeres, zwischen die Eltern zu stemmen. Doch auch er schaffte es nicht und so machte er Platz für Haumia-tikitiki, den Gott aller wildwachsenden Nahrung. Aber wieder zeigte sich kein Erfolg. Selbst der wilde Tu, der Gott des Krieges, der anfangs für die Tötung der Eltern war, konnte sie nicht trennen, auch wenn er es mit aller Kraft versuchte und so lange auf die Sehnen einschlug, die den Himmel mit der Erde verbanden, bis diese bluteten. Endlich war nun Tane als letzter an der Reihe. Auch er hatte es nicht einfach und unternahm zwei Versuche. Beim ersten richtete er sich ganz langsam auf und stemmte sich zwischen die Eltern, doch diese wollten sich noch immer nicht bewegen lassen. Dann machte Tane eine Ruhepause und wagte einen zweiten Versuch: er legte sich mit dem Rücken auf Papa, die Erde, und presste seine Schultern gegen sie. Seine Beine streckte er soweit es möglich war nach oben und presste seine Füße gegen Rangi. So gelang es ihm den Himmel Stück für Stück nach oben zu schieben. Die bereits durch Tu beschädigten Sehnen dehnten sich bis sie schließlich rissen und die Eltern in ihrem Schmerz aufschrien. Doch Rangi und Papa konnten noch so sehr flehen und weinen, Tane gab erst dann Ruhe, als er den Himmel dorthin gezwungen hatte, wo er sich bis heute befindet. Und somit soll aus dem Blut des Himmels der Sonnenuntergang und aus dem Blut der Erde die rote Tonerde entstanden sein, „und dieses Rot ist die heilige Farbe der Maoris.“ (Greschat 1980:67; Jakubassa 1985:8)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: 'Ngā mātua - Māori parenting': Moderne bildliche Darstellung der Trennung von Himmel und Erde durch den Sohn Tane auf einer Briefmarke der „New Zealand Post“ von 1994 (Te Ara c)

An dieser Stelle sei gesagt, dass es sich bei dieser Darstellung der Trennung von Rangi und Papa durchaus um eine der meistverbreiteten Überlieferungen der vielen Maori Stämme handelt, wobei selbstverständlich auch andere kleinere oder größere Abwandlungen existieren, die hier nicht alle genannt werden können. (Best 1954:12)

So gibt es aber selbst innerhalb der hier dargestellten Version eine weiterführende Darstellung über das Resultat und die Konsequenzen für die Kinder. Demnach sollen der Himmel und die Erde nach ihrer Trennung so stark geweint haben, dass sowohl dichte Nebelwolken von der Erde zum Himmel stiegen, als auch ein ewiger Regen vom Himmel auf die Erde tropfte. Es entstand ein ähnlicher Zustand wie er schon vor der Trennung dagewesen ist, wo kaum ein Lichtstrahl zu ihnen durchdrang, da sie in lauter feuchtem Dunst lebten. Daraufhin drehten die Kinder die Mutter Erde um, so dass sie nun auf ihrem Gesicht lag und den Himmel nicht mehr sehen konnte. Dafür ließ man ihr das jüngste Kind, Ruaumoko21, welches bei ihr tief unter der Erde blieb. Nach dieser Überlieferung ist dieses Kind bis heute verantwortlich für die Erdbeben und Vulkanausbrüche auf der Welt. Wie schon erwähnt, handelt es sich hierbei um eine weitere Teil-Tradition in der Tradition. So findet sich genauso häufig die andere Darstellung, wo nach der Trennung der Eltern, beide sich nach wie vor liebevoll anblicken und die Tränen des Himmels als Tau auf die Erde fallen, andersrum lässt die Erde ihre Sehnsucht in Form von Neben zum Himmel hinaufsteigen. (Greschat 1980:67-68)

Nach dem Akt der Trennung, wie auch immer diese bei den einzelnen Überlieferungen vonstattengegangen sein mag, folgen nun aber der Zorn und die Rache des Tawhiri-matea, des Gottes der Winde und Stürme. Denn im Gegensatz zu seinen fünf anderen Brüdern war er als einziger gegen diesen Plan und so erhob er seinen Zorn gegen sie. Während seine Brüder nun auf der Erde blieben, folgte er seinem Vater Rangi nach oben in den Himmel und besprach sich mit seinem Vater. Die beiden entsandten daraufhin die Winde, die Stürme und den schrecklichen Hurrikan auf die Erde und so zog Tawhiri mit diesen Waffen in den Krieg gegen seine Brüder. Inmitten all dieser schrecklichen Stürme und Böen stieg er selbst hinab und überfiel einen nach dem anderen. Als ersten nahm er sich Tane vor, der bis dahin seine Brüder angeführt hatte und der Herr des Waldes geworden war. Wie ein Orkan fiel Tawhiri über Tane her verwüstete diesen komplett, indem alle Bäume brachen und zerstört auf der Erde herum lagen. Als nächsten suchte sich der Gott der Stürme Tangaroa aus und peitschte ihn wütend in die Flucht in das Meer, was bis heute sein Aufenthaltsort ist. (Thornton 1989:50)

Auch all die Meerestiere flohen vor dieser Macht davon und so blieben die Fische in der Tiefe und die Reptilien versteckten sich an Land. Von diesem Zeitpunkt an sind die an der Erde lebenden Reptilien die Untertanen Tanes und Tangaroa wurde mit seinem Meer zu einem ewigen Feind des Landes. Seit jenen Tagen herrscht daher Zwietracht zwischen den beiden Göttern, die jeweils hoffen, den anderen irgendwann einmal zu bekämpfen. Nachdem Tawhiri nun beide Götter besiegt hatte, zog er weiter zu seinen beiden anderen Brüdern, Rongo, dem Gott der Naturpflanzen und zu Haumia, dem Gott aller wildwachsenden Nahrung. Doch die Mutter Erde beschütze beide, indem sie diese bei sich so gut verbarg, dass Tawhiri sie nicht entdecken konnte und sich so auf den Weg zum letzten Bruder, zu Tu, dem Gott des Krieges machte. Als einziger konnte Tu den Stürmen und Winden widerstehen22 und blieb ungeschlagen. (Jakubassa 1985:9-11) Dieser standhafte Tu war es nach einiger Zeit, der wiederum selbst anfing gegen seine Brüder zu kämpfen, die ihn beim Angriff Tawhiris in seinen Augen hätten unterstützen sollen. Stattdessen hielten sich diese feige zurück und waren nun so seiner Rache ausgesetzt. Als erstes bekam Tane diese zu spüren. Er, als Gott des Waldes, bildete eine Einheit mit seinen dort lebenden Geschöpfen, daher galt es diese voneinander zu trennen. So fing er die Vögel und aß sie. Genauso trennte er den Gott des Meeres von seinen Geschöpfen, indem er die Fische fing und auch diese verspeiste. Die wilden als auch essbaren Pflanzen der Götter Haumia und Rongo grub er aus und verzehrte sie. Seine vier irdischen Brüder hatte Tu also nacheinander verspeist und so verloren diese ihre Freiheit an ihn. Nur Tawhiri, der Gotte der Stürme und Winde, der einst auch ihn zu besiegen versuchte und scheiterte, war auch für Tu nicht zu besiegen. (Greschat 1980:68)

Noch heute ist Tawhiri ein Feind des Menschen, die hin und wieder von ihm samt seiner Stürme und Orkane angegriffen werden. Tu hingegen symbolisiert die Menschen selbst und hat daher sehr viele Beinamen, die einzeln für die verschiedenen Eigenschaften stehen, die ihm die Kraft gaben seine Brüder zu bekämpfen. (Jakubassa 1985:12-13) Zudem waren Tus Handlungen Richtung- und ausschlaggebend für die Zukunft der Menschen: da er sehr früh in der Entstehungsgeschichte seine Brüder attackierte, können die Menschen heutzutage unbesorgt ihre „Verwandten“ Tane, Tangaroa, Rongo und Haumia töten und diese essen. Auch dürfen sie nun die Bäume, die Tane repräsentieren, fällen.

(Orbell 1996: 221)

Mit dem Krieg kam also die Rangordnung: der Mensch bleibt zwar nach wie vor Bruder von Tier und Pflanze, steht aber generell über ihnen und muss nur einen einzigen Feind, das Wetter, fürchten.

2.2 Die Entstehung des Menschen

Bei der Entstehung der ersten Menschen waren wieder alle Brüder beteiligt, denn gemeinsam fingen sie eines Tages an darüber nachzudenken, wie denn das menschliche Leben zu erschaffen sei. Da sie selbst alle männlicher Gestalt waren, beschlossen sie nach einem weiblichen Element in der Natur zu suchen und sich mit diesem zu vereinen, um aus dieser Verbindung ein menschliches Leben zu erschaffen. Bei der Suche tat sich Tane mit verschiedenen weiblichen Naturgestalten zusammen, aus deren Verbindung jedoch nur weitere verschiedene Pflanzen- oder Tierarten entstanden. Somit hatte Tane die Erde durchaus geschmückt und bevölkert, das weibliche Element konnte er jedoch nicht finden. In seiner Verzweiflung wandte er sich an seine Mutter Papa und bat sie um Hilfe. Papa gab ihm den Rat aus rotem Lehm, den er am Strand von Kuruwaka finden würde, eine Frau nach Gestalt der Götter zu bilden. (Jakubassa 1985:13-14)

Dies tat er auch und formte aus dem Lehm eine Gestalt nach seinem Vorbild. Die anderen Götter, Tanes Brüder, waren auch an der Entstehung beteiligt und so schufen sie die verschiedenen Körperteile. Als diese richtig zusammengesetzt wurden, blieb es Tane überlassen, die Frau aus Erde zum Leben erstehen zu lassen und ihr seinen Atem in die Nase zu atmen. Daraufhin begann Hine-ahu-one („erdgeformtes Mädchen“) zu atmen, nieste und wurde somit zum Leben erweckt. (Greschat 1980:70) Tane nahm nun Hine zur Frau und zeugte mit ihr die erste Tochter, welche Tag und Nacht miteinander verband und welche von Anbeginn an für ihre Schönheit bekannt war: Hine-titama, das Mädchen des Morgengrauens, das erste Wesen aus einer Verbindung zwischen Göttern und Erde. (Best 1954:17)

2.3 Io - das höchste Wesen

An dieser Stelle möchte ich einen kurzen, jedoch wichtigen Einschnitt innerhalb der Schöpfungsgeschichte und Götterexistenz der Maori machen. Bis hierhin haben wir einen durchaus guten und detaillierten Überblick über die Entstehung von Himmel und Erde sowie die des ersten Menschen auf Erden erhalten können. Wir haben von verschiedenen Gestalten, Namen und Symbolen gehört, die für jeden Teil der Erde oder des Universums zuständig sind.

Dennoch stellt sich, generell und somit auch hier bei den Maori, die umstrittene Frage nach einem höchsten göttlichen Wesen im Glauben. Anders gesagt: ist auch bei den Maori, trotz der Vielzahl von Göttern und diverser variierender Traditionen eine Art Monotheismus zu finden?

Interessant wäre an dieser Stelle einleitend die Aussage eines alten Maori, der einen seiner Priester zitiert und wiedergibt, dass „alle Götter eins seien, und diese eine Gottheit habe viele Namen“, über die jedoch nicht alle Menschen Bescheid wissen müssten. Der Name des höchsten Wesens, das die Maori verehrt hatten, sei ihnen nämlich so heilig gewesen, dass nur ein Maori-Priester ihn zu bestimmten Zeiten und besonderen Orten nennen durfte. (Lehmann 1931: 273)

Eine ähnliche und sogar noch weitaus spezifizierte Aussage machte um 1900 ein anderer alter Maori:

Es existiert ein Elternteil von allen Dingen, ein Gott aller Dinge, ein Herrscher, ein Geist; folglich sind alle Dinge eins, und alle wurden vorhergebracht von Io- taketake, „der ursprüngliche bzw. ewige Io“ (Best 1954:26).

Bevor nun aber die Erklärung der Gestalt des Io und das Wissen der Maori über diesen folgen, sei einmal vorweg der Begriff atua 24 und dessen Bedeutung erwähnt, um einen Kontrast des Gott-Begriffes zu erkennen. Wie schon die Christen ihren Gott als Schöpfer und Vater bezeichnen, der allmächtig und ewig ist, so kennen auch die Maori diese Definition und geben dieser einen Namen: atua. Jedoch machen sie den Unterschied, dass sie nicht nur einen, sondern mehrere atua kennen, von denen sie einigen gegenüber positiv gestimmt sind, vor anderen wiederum fürchten sie sich und meiden diese. Dieses Beispiel haben wir im vorherigen Teil des Kapitels sehen dürfen, als uns die sechs Söhne von Himmel und Erde begegnet sind, allesamt Götter, die über verschiedene Bereiche der Welt herrschten und denen die Menschen unterschiedlich gegenübertreten. Damals herrschte folglich das Reich der sechs atua. (Greschat 1980:88)

Diesen Unterschied zum christlichen bzw. monotheistischen Gottesglauben scheint die Gestalt des Io zu überbrücken. Auch wenn hiermit natürlich nicht bewiesen werden kann, dass die Maori jemals einen reinen Monotheismus erreicht haben, so soll zumindest anhand der Gestalt des Io eine Art Tendenz zum Bündeln all der anderen Götter gezeigt werden, die ihren Ursprung in dem einen, höchsten Gott haben. Wer ist also Io bzw. wie wird er beschrieben? Welche Herkunft hat er und wie ist sein Wesen?

Zum besseren Verständnis der Gestalt des Io sollen an dieser Stelle seine 12 Beinamen dienen:

Io nui — Io, der Höchste: Er ist größer als alle anderen Götter.

Io roa — Io, der Unvergängliche: Sein Dasein ist ewig, er wird niemals sterben.

Io matua — Io, das Elternteil: Er ist das Elternteil der Himmel, der Welten, der Wolken, der Tiere, des Kosmos. Er ist überall und ist das Elternteil aller Dinge, den Menschen eingeschlossen.

[...]


1 Dazu gehören u.a. Papua-Neuguinea, die Salomon Inseln, Neu Kaledonien und Neue Hybriden.

2 Da aber Ao auch „Tag“ und „Welt“ , da tea auch „hell“, „klar“, „licht“ bedeuten kann, übersetzt man den Inselnamen wortwörtlich wahrscheinlich richtiger mit „große lichte Welt“. Vgl. Greschat 1980:7

3 Über Toi existieren viele verschiedene Mythen, jedoch wird er sehr oft als der früheste im Land Aotearoa lebende Verfahre gesehen, bevor die anderen Boote und Siedler das Land erreichten. Vgl. Orbell 1995:220

4 Der Neuseeländer David Lewis stellte die Überlieferung der polynesischen Entdecker 1965 auf die Probe. An Bord seines Segelbootes gab es keine modernen Navigationsinstrumente, daher folgte er einzig und allein der Anweisung aus der Kupe-Überlieferung, den Kurs etwas links von der im November untergehenden Sonne zu halten. Abgesegelt war er von Tahiti aus und erreichte tatsächlich nach 35 Tagen Fahrt die Nordinsel Neuseelands. Vgl. National Geographic 1974:749

5 in erster Linie bezugnehmend auf die Süßkartoffel, als die wichtigste Nahrungsquelle und deren bis heute nicht gänzlich geklärter Herkunftsort. Vgl. Smith 1919:49

6 Solch ein Pakt hieß ebenfalls „Boot“ (waka)

7 iwi - Knochen, und weist auf gemeinsame Ahnen, die vorzeitig gelebt haben. Vgl. Greschat 1980: 13

8 h apu - schwanger. Vgl. Reed 1964: 20

9 whanau - geboren werden. Vgl. Williams 1957:487

10 Vgl. Kap. 2.5 Die Maori und ihre Heiligkeiten - mana, tapu und noa, S. 34 ff.

11 Ab ca. einer Größe von 150 bis 200 oder mehr Mitgliedern formierte sich eine Familie zu einem Unterstamm. Vgl. Makereti 1986:34

12 Eine whanau bildete im besten Falle eine Gruppe von etwa 50 bis 100 Angehörigen; ein hapu umfasste zwischen 100 und 300 Personen; ein iwi hatte die etwaige Größe von 300 bis etwa 1000 (oder mehr) Mitgliedern. Vgl. Makereti 1986:35

13 Alte Männer und Frauen waren stets in die Erziehung ihrer Enkelkinder mit eingebunden, um ihr weises Wissen weiterzugeben. Vgl. Knöbl 2006:31

14 rangatira: wohlgeboren; ein Häuptling; eine Person mit guter Erziehung (Zucht). Vgl. Armstrong 1973: keine Seitenzählung

15 Im besten Falle durch männliche Erstgeborene

16 tutua: durchschnittlich, niedrig-stämmig; eine niedrig-stämmige Person, Vgl. Tregear 1891:568

17 ware: w.: Spucke; eine Person von durchschnittlicher Abstammung; niedrig; von unehrenhafter Geburt; eine durchschnittliche gesellschaftliche Position innehaben. Vgl. Tregear 1969:595

18 Rangi selbst bedeutet Himmel. Gebräuchlich sind zudem Namen wie Ranginui (beträchtlicher Himmel) oder auch Rangiroa (umfangreicher, sich ausdehnender Himmel). Vgl. Taonui 2009

19 Papa bedeutet Fundament, flache Oberfläche und hat eine Vielzahl von erweiterten Namen, u.a. Papa-matua (Papa das Elternteil) und sehr oft verbreitet Papa-tua-nuku (weit ausgebreitete Papa). Vgl. Orbell 1995: 133

20 Es gibt durchaus andere Überlieferungen, die an dieser Stelle bspw. nicht Tawhiri-ma-tea als den Widerredner nennen, sondern den Sohn Whiro, den Herrn der Finsternis und der Unterwelt, welcher die Personifizierung des Bösen und des Todes sei. Vgl. Best 1954: 12; Greschat 1980: 67

21 Laut div. Enzyklopädien und Namensbedeutungen wird Ruaumoko als der Sohn von Rangi und Papa beschrieben, der zu dem Zeitpunkt, als seine Eltern getrennt wurden, sich noch immer in dem Schoß (auch: Mutterleib) dieser befand, wo er dem Mythos nach noch immer verharrt. Durch seine Hin- und Herbewegungen im Inneren der Mutter ist er für Erdbeben verantwortlich und auch zuständig für die Trennung der Wärme im Sommer von der Kälte im Winter. Vgl. Orbell 1995:163

22 Tu: sein Name bedeutet als Verb „stehen“, daher heißt es, er „widerstand“ Tawhiri und „stand“ mit seinen beiden Füßen fest auf Mutter Erde. Vgl. Greschat 1980:68; Jakubassa 1985:11

23 Des Weiteren ist diese Episode gleichzeitig eine Vorlage bzw. Vorbild für die Kriegsführung der Maori: von diesem Zeitpunkt an können Menschen Kriege führen, da auch Tu am Anfang einen gegen seine Brüder führte. Vgl. Orbell 1996:221

24 Das „a“ in atua bezeichnet die Gegenwart, die Zukunft und den Verlauf; es vermittelt den Gedanken von Macht und ist auch gleichzeitig die Wurzel für „lehren“ bzw. den „Lehrer“. „ Tua “ hingegen bezeichnet die Vergangenheit oder das „Hinterlassene“. Folglich vermittelt die Bezeichnung „ atua “ die Existenz eines „Sein“, welches die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft repräsentiert und dazu Wissen und Macht besitzt. Vgl. Pybus 1954:25

Ende der Leseprobe aus 127 Seiten

Details

Titel
Von Rangi und Papa zum Gott der Pakeha. Der religiöse Wandel bei den Maori Neuseelands
Hochschule
Universität Hamburg  (Asien-Afrika-Institut)
Veranstaltung
Austronesistik (Südostasienwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
127
Katalognummer
V266916
ISBN (eBook)
9783656571681
ISBN (Buch)
9783656571643
Dateigröße
3509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maori, Neuseeland, Mission, Südsee, Religion, Mythos, Mythen, Ozeanien, Kolonisation, Ritus, Polynesien, Christentum, Mythologie, Ethnologie
Arbeit zitieren
Dorota Bytner (Autor), 2012, Von Rangi und Papa zum Gott der Pakeha. Der religiöse Wandel bei den Maori Neuseelands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266916

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Von Rangi und Papa zum Gott der Pakeha. Der religiöse Wandel bei den Maori Neuseelands


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden