Frühkindliche Bildung soll Kinder in ihrer geistigen, moralischen, körperlichen und kulturellen Entwicklung fördern. Wie sieht es in Kindertageseinrichtungen mit der Förderung ästhetischer Bildung in der Kunst aus? In der vorliegenden Arbeit wird auf die Bedeutung dieses Bildungsbereiches anhand eines Praxisbeispiels fachwissenschaftlich sowie methodisch-didaktisch eingegangen und diese reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Was Kunst bedeuten kann
2. Das malerische Experiment
3. Das Gestalten mit sinnlichen Materialien
4. Das Zeichnen
5. Die Sinnlichkeit im Gestaltungsprozess
6. Die Ästhetische Bildung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Bedeutung ästhetischer Bildung im Bildungsbereich Kunst in Kindertageseinrichtungen. Ziel ist es, anhand eines Praxisbeispiels aufzuzeigen, wie Kinder durch experimentelle Gestaltungsprozesse ihre Welt erschließen und in ihrer körperlichen, geistigen sowie sozialen Entwicklung gefördert werden.
- Bedeutung des Bildungsbereichs Kunst für die frühkindliche Entwicklung
- Förderung kreativer und experimenteller Gestaltungsprozesse
- Rolle der Materialwahl und der sinnlichen Erfahrung
- Das Kind als aktiver Gestalter und Entdecker seiner Umwelt
- Reflexion der pädagogischen Begleitung im Kunstbereich
Auszug aus dem Buch
Das malerische Experiment.
Tagesprojekt „Farbe“: Verschiedenfarbige Fingerfarben, Pinsel in unterschiedlichen Größen sowie Schälchen werden den Kindern zur Verfügung gestellt. Zusammengenähte Bettlaken dienen als gemeinsamer Maluntergrund. Es ist ein schöner, warmer Sommertag, also ein Projekt für draußen. Das steht fest – was aber auch schon alles war. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben frei zu malen und mit der Farbe großflächig zu experimentieren. So gibt es keine genauere Zielvorgabe, als dem Phantasie- und Gestaltungsdrang der Kinder nachzukommen.
Die Kunst als Experiment birgt eine sinnmäßige Erkenntnis, worin der Mensch in einem aktivem Prozess einwirkt und damit „neue variable Bedingungen“ schafft. Gerade das Unbewusste und ungeplante, das Handeln des Malers ohne ein festes Ziel vor Augen, lässt in einem offenen Prozess den Sinn entstehen, der im Handeln selbst Eigenschaften, Wünsche und Empfindungen zulässt. Der Mensch ist in der aktiven Auseinandersetzung - im direkten Kontakt mit dem Material. Dieser setzt Beweglichkeit und eine eigene Offenheit dem experimentellen Prozess gegenüber voraus.
In dem freien kreativen Prozess kommt es immer wieder zu zufälligen Gegebenheiten, seitens des Künstlers oder des Materials. So kann nicht eingeschätzt werden, was als nächstes passiert. Das Kunstwerk ist dem Zufall überlassen. Je nach Auswahl des Materials, sieht der Weg des Gestaltens anders aus. Borstenpinsel beispielsweise, bieten dem zufälligen Auftreten von Formgebungen weniger Gelegenheit als andere Materialien. Ein Projektbeispiel, wie das Hundertwasser-Projekt zeigt die Bedeutung der Eigenmotivation der Kinder für experimentelle Gestaltungsprozesse auch bereits im Krippen-alter. In diesem Beispiel wird das Interesse und die Phantasie der Kinder zum aktiven Handeln und Gestalten durch das Betrachten der Gemälde Hundertwassers angeregt. Ihre eigenen Ergebnisse inspirieren die Kinder zu weiteren Ideen. Dabei waren die ästhetischen Vorerfahrungen der Kinder mit Materialien von großer Bedeutung, genauso wie die anregende, nonverbal handelnde Aufmerksamkeit und Wahrnehmung sowie das Anbieten der geeigneten, an den Fähigkeiten der Kinder orientierten, Materialien durch die Erzieherin.
Zusammenfassung der Kapitel
Was Kunst bedeuten kann: Einleitende Betrachtung über die geheimnisvolle Welt der Kunst und die pädagogische Relevanz der Förderung frühkindlicher Entwicklung durch ästhetische Bildung.
Das malerische Experiment: Beschreibung eines Praxisprojekts, bei dem das freie, prozessorientierte Malen ohne feste Zielvorgaben das kindliche Experimentieren und die Selbstbildung unterstützt.
Das Gestalten mit sinnlichen Materialien: Erörterung der Bedeutung von haptischen und „unfertigen“ Materialien für die Anregung kreativer Lösungsmöglichkeiten und die ganzheitliche leibliche Erfahrung.
Das Zeichnen: Untersuchung der Entwicklung von „Schmiertechniken“ hin zum bewussten Spurenzeichnen, welches als Ausdruckssuche und Identitätsbildungsprozess verstanden wird.
Die Sinnlichkeit im Gestaltungsprozess: Analyse der Bedeutung des Raumes und des körperlichen Erlebens bei der Arbeit mit Farbe, wobei verbale Kommunikation oft in den Hintergrund tritt.
Die Ästhetische Bildung: Theoretische Herleitung der Ästhetik als Lehre der Sinneserkenntnis und deren Notwendigkeit als unverzichtbares Kriterium für ein erweitertes Bildungskonzept.
Schlüsselwörter
Ästhetische Bildung, Frühkindliche Bildung, Gestaltungsprozess, Experimentelle Malerei, Sinnliche Erfahrung, Bildungsbereich Kunst, Materialsensibilität, Kreativitätsförderung, Kinderzeichnung, Subjektentwicklung, Selbst-Welt-Bezug, Pädagogik der Kindheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und Umsetzung ästhetischer Bildung im Bereich Kunst innerhalb von Kindertageseinrichtungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die experimentelle Auseinandersetzung mit verschiedenen Materialien, die Rolle der Sinneswahrnehmung und die Bedeutung ästhetischer Erfahrungen für die Entwicklung eines kindlichen Selbst-Welt-Bezugs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch vielseitige kreative Gestaltungsmöglichkeiten Bildungspotenziale ausgeschöpft und Kinder in ihrer freien Geistesentfaltung unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Autorin kombiniert eine fachwissenschaftliche Aufarbeitung der Theorie mit der Reflexion eines konkreten Praxisbeispiels aus dem Kunstprojekt-Alltag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil behandelt methodisch-didaktische Aspekte wie das malerische Experiment, das Gestalten mit sinnlichen Materialien und die Beobachtung von Zeichnungsprozessen sowie die theoretische Verortung der ästhetischen Bildung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ästhetische Bildung, Sinnliche Erfahrung, Experimentelle Malerei und Subjektentwicklung definieren.
Warum ist das "Freie Malen" für Kinder so wertvoll?
Es ermöglicht den Kindern, ohne Leistungsdruck oder starre Vorgaben ihre Phantasie zu nutzen und über den direkten Kontakt mit Materialien elementare Erfahrungen mit sich selbst und der Umwelt zu sammeln.
Welche Rolle spielt die Erzieherin bei der künstlerischen Förderung?
Sie hat die Aufgabe, Gestaltungsfreiräume zu schaffen, entwicklungsgerechte sowie herausfordernde Materialien anzubieten und dem Kind mit liebevoller Aufmerksamkeit als Individuum zu begegnen, statt lediglich Ergebnisse zu bewerten.
- Citar trabajo
- Johanna Kurscheid (Autor), 2013, Ästhetische Bildung in der frühen Kindheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266960