Aristoteles als Wirtschaftsphilosoph und –ethiker

Welche Perspektiven eröffnet Aristoteles Sicht auf die Wirtschaft für die heutige Theorie und Praxis?


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das gegenwärtige Verständnis von Wirtschaft

3. Die aristotelische Konzeption von Wirtschaft
3.1 Der Mensch als Zóon logon echon
3.2 Das gute Leben als letztes intrinsisches Ziel

4. Ein Gegenbeispiel zu Aristoteles´ Auffassung
4.1 Smith

5. Übertragung auf die heutige Zeit
5.1 Fehlende Aktualität
5.2 Heutige Verwendbarkeit

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dass jeder Mensch wirtschaften muss um seine elementaren Bedürfnisse zu befriedigen wusste schon Aristoteles. Ob Brot kaufen, einen Stand auf dem Markt betreiben oder mit Aktien handeln, um seine Existenz zu sichern oder darüber hinaus den größtmöglichen Gewinn zu erzielen betreibt der Mensch Wirtschaft.

Was allerdings heute unter anderem ein angesehenes Studium darstellt und mit einer sehr großen Vielzahl an Berufen verknüpft ist, erachtete Aristoteles als lästig.

Heute wird Wirtschaft allgemein als nützlich und nicht als lästig erachtet, trotzdem gibt es einige Menschen, denen die Wirtschaft aufgrund des hemmungslosen Gewinnstrebens Angst einflößt. Niemand kann die Wirtschaft als Ganzes verstehen und alle Facetten kennen. Wirtschaft ist von undurchschaubaren Entwicklungen geprägt.[1] Schon damals schien es aber die Gewinnsucht und das hemmungslose Gewinnstreben zu geben, denn schon Aristoteles formulierte:

„Die Ursache solcher Denkweise aber liegt darin, daß die meisten Menschen nur um das Leben und nicht um das vollkommene Leben sorgen, und da die Lust zum Leben ins Endlose geht, so trachten sie, auch die Mittel zum Leben bis ins Endlose anzuhäufen…. Jene Art von Leuten macht alles zu Mitteln des Gelderwerbs, als wäre dies der Zweck“[2]

In meiner Hausarbeit soll es darum gehen, herauszufinden, ob Aristoteles überhaupt etwas zum heutigen Verständnis von Wirtschaft beitragen kann und wenn ja, inwiefern.

Dazu muss ich kurz das heutige Verständnis von Wirtschaft umreißen. Als Nächstes fahre ich damit fort, Aristoteles Sicht aus damaliger Zeit zu erläutern. Danach will ich die Unterschiede zu Kant und Smith erklären und die Probleme erörtern, die eine Erklärung der heutigen Wirtschaftssituation mit Aristoteles Ansatz erschweren.

Abschließend beziehe ich Aristoteles Ansichten, soweit es der große dazwischenliegende Zeitraum möglich macht auf die Gegenwart und zeige, ob und warum Aristoteles noch etwas zum heutigen Verständnis von Wirtschaft beitragen kann.

2. Das gegenwärtige Verständnis von Wirtschaft

Nach heutiger Definition ist Wirtschaft die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs dienen. Dabei ist zu beachten, dass zwischen Existenzbedürfnissen, Kulturbedürfnissen und Luxusbedürfnissen zu unterscheiden ist. Existenzbedürfnisse beziehen sich auf Nahrung, Kleidung, Behausung und Ähnliches. Kulturbedürfnisse erstrecken sich von Museen über Bildung bis zu Medien. Luxusbedürfnisse sind sehr subjektiv. Für reiche Menschen ist eine Kreuzfahrt normal während für einen Obdachlosen eine eigene Wohnung schon Luxus bedeutet.

Im Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Wirtschaftszweige etabliert. Durch das Wachstum wird auch der Außenhandel verstärkt und somit sind Wirtschaftsbeziehungen heutzutage nicht mehr nur regional oder zwischen benachbarten Ländern zu finden sondern global. Vorteile für Verbraucher sind zum Beispiel der gesteigerte Wettbewerb oder die große Produktvielfalt, einen Nachteil stellt die Undurchschaubarkeit von wirtschaftlichen Prozessen und die Abhängigkeit dar, die sich zum Beispiel zwischen zwei Staaten ergeben kann, wenn ein Staat bestimmte Güter zu einem großen Prozentsatz von dem Anderen bezieht. Zum Beispiel besteht eine gewisse Abhängigkeit der westlichen Länder von den führenden „Ölstaaten“.

Die große Relevanz der Wirtschaft kann man auch daran erkennen, dass sie einen großen Rechtszweig besitzt. Wirtschaftsrecht wird noch untergliedert in Wirtschaftsverwaltungsrecht (gesetzliche Rechtsnormen des öffentlichen Wirtschaftsrechts), Wirtschaftsverfassungsrecht (verfassungsmäßige Aussagen zum Wirtschaftsleben) und Wirtschaftsprivatrecht (bestimmt die Regeln des Güter- und Leistungstausches auf dem Markt zwischen Produzenten, Händlern und Konsumenten).

Auch die Politik wird von der Wirtschaft beeinflusst, so wurde zum Beispiel der Euro zum größten Teil zur Erleichterung des Handels in Europa eingeführt.

3. Die aristotelische Konzeption von Wirtschaft

Wie schon in der Einleitung erwähnt betrachtet Aristoteles Wirtschaft als etwas Lästiges, deswegen können die Menschen am glücklichsten leben, die überhaupt keine Wirtschaft betreiben müssen. In Aristoteles Sinne bedeutet Wirtschaft nichts weiter als das, was wir als Hauswirtschaft übersetzen. Es geht lediglich um die Verwaltung von Haus und Ländereien, den Erwerb und die Verwendung von Gütern, die Regelung von Familienverhältnissen und den Einsatz von Sklaven, Sklavinnen und Haustieren.[3] Wirtschaft stellt also den rationalen Umgang mit der elementaren Bedürftigkeit des Menschen dar, diese besteht vor Allem in zwischenmenschlichen Beziehungen und Abhängigkeiten, aber auch die Bedürftigkeit nach lebensnotwenigen Mitteln spielt eine Rolle.[4]

3.1 Der Mensch als Zóon logon echon

Ein erfülltes Leben bedeutet für Aristoteles, sich mit den Angelegenheiten des Staates zu befassen. In der Politik wird die menschliche Ordnung der Polis gestaltet, wobei das Ziel die Gerechtigkeit darstellt. Darum sollen die Menschen ein Leben in der politischen Öffentlichkeit führen und gemeinschaftlich nach Gerechtigkeit streben.[5] Der Mensch kann nur in der Gemeinschaft Mensch sein, denn ohne diese wäre er nicht fähig seine sittlichen Aufgaben zu bewältigen. „Der Staat ist nicht Selbstzweck, sondern besteht um der Menschen willen, deren sittliche Entfaltung er möglich zu machen bzw. zu fördern hat.“[6]

[...]


[1] Vgl. Faber, Malte & Manstetten, Reiner (2004). Zurück zu Aristoteles? Wirtschaft und Philosophie, in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Nr.5(2), S.159

[2] Vgl. Faber, Malte & Manstetten, Reiner (2004). Zurück zu Aristoteles? Wirtschaft und Philosophie, in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Nr.5(2), S.159

[3] Vgl. Faber, Malte & Manstetten, Reiner (2004). Zurück zu Aristoteles? Wirtschaft und Philosophie, in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Nr.5(2), S.160

[4] Vgl. Becker, Christian, Logos und Wirtschaft bei Aristoteles Ein dogmenhistorischer Beitrag zur Diskussion des ökonomischen Rationalitätsbegriff, S.536

[5] Vgl. Faber, Malte & Manstetten, Reiner (2004). Zurück zu Aristoteles? Wirtschaft und Philosophie, in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Nr.5(2), S.160

[6] Vgl. Röd, Wolfgang, Der Weg der Philosophie von den Anfängen bis ins 20.Jahrhundert, Bremen, 2000, S.185

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Aristoteles als Wirtschaftsphilosoph und –ethiker
Untertitel
Welche Perspektiven eröffnet Aristoteles Sicht auf die Wirtschaft für die heutige Theorie und Praxis?
Hochschule
Universität Mannheim
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V266966
ISBN (eBook)
9783656568216
ISBN (Buch)
9783656568193
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aristoteles, wirtschaftsphilosoph, welche, perspektiven, sicht, wirtschaft, theorie, praxis
Arbeit zitieren
Tamara Mödersheim (Autor), 2011, Aristoteles als Wirtschaftsphilosoph und –ethiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266966

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Aristoteles als Wirtschaftsphilosoph und –ethiker



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden