Die vorliegende Arbeit versucht eine Erklärung für die Exorzismuspraktiken im gesamten kirchlichen und außerkirchlichen Konzept zu finden. Schwerpunkte sind dabei die Symbolik des Teufels, die geschichtliche Entwicklung der Dämonenlehre sowie die Kirchenlehre über Dämonen und die Systematisierung der Exorzismuspraktiken in der Reformationszeit. Es ergibt sich die Frage, ob und wie der Exorzismus mit der Machtstellung der Kirche in Verbindung gebracht werden kann. Nach einem kurzen Einblick in die möglichen medizinischen Erklärungen für die s.g. "Besessenheit" wird der bekannteste Fall in Deutschland präsentiert, nämlich der von der Pädagogikstudentin Anneliese Michel- ein erschreckendes Beispiel für die Macht der Vorurteile, die bedauerlicherweise zu Todesfällen auch in der heutigen Zeit führen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erschaffung und Symbolik des Teufels
3. Geschichtliche Entwicklung der Dämonenlehre
4. Die Kirchenlehre über Teufel und Dämonen
5. Systematisierung der Exorzismenpraktiken: Das Rituale Romanum
5.1. Typen von Exorzismen
5.2. Der Exorzismus aus medizinischer Sicht
6. Der Fall von Anneliese Michel
7. Exkurs: Die Philosophie des Bösen
8. Zusammenfassung
9. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische und philosophische Einordnung von Exorzismuspraktiken innerhalb des kirchlichen Konzepts sowie deren aktuelle Verbreitung und gesellschaftliche Akzeptanz, wobei insbesondere die kritische Problematik im Umgang mit psychischen Erkrankungen beleuchtet wird.
- Historische Herleitung des Exorzismus und der Dämonenlehre.
- Entwicklung und Systematisierung durch das Rituale Romanum.
- Gegenüberstellung von religiösem Teufelsglauben und medizinisch-psychiatrischer Sichtweise.
- Analyse des Falls Anneliese Michel als mahnendes Fallbeispiel.
- Reflexion über die Philosophie des Bösen und die Rolle der menschlichen Freiheit.
Auszug aus dem Buch
2. Erschaffung und Symbolik des Teufels
Es sind einige Thesen, die die Präsenz des Teufels in unserer Vorstellungen zu erkären versuchen. Erstens, der Manichäismus und ein Teil der Gnosis besagen, dass der Teufel vom Anfang an als Gegner Gottes existiert, bzw. sie werden zu derselben Zeit erschaffen. „Teufel“ wird somit zu einem Begriff, der das ursprüngliche Böse bezeichnet. Laut einer zweiten These wird Satan von Gott als Teufel geschaffen (Lehre von Laktanz, ca. 250-317). Demzufolge sind beide Jesus und Satan Söhne Gottes. An dritter Stelle kommt die These, dass Gott Satan als Engel geschaffen hat, der zu einem Zeitpunkt selber seine Verdammnis verursacht ( im s.g. „Fall der Engel“). Viertens wird der Teufel als Kind von Adams erster Ehe mit Lilith angesehen. Eine fünfte These bietet der Islam an: Satan ist hier kein Gegner Gottes, sondern ein Widersacher des Menschen. Die höchste Versuchung, in die der Teufel den Menschen führt, ist die Gotteserkenntnis. Wenn der Mensch Gott erkennen würde, würde er selber diabolisch. Mythen können nie auf eine Einheit reduziert werden, sie beruhen immer auf Differenz. Diese Differenzierung zielt nicht auf die Vernichtung eines von zweien, sie dient zur Bestätigung des Einzigkeitsanspruch des (guten) Gottes. Durch den Exorzismus wird die Verfolgung des Bösen zu einer Erscheinungsform des Bösen selbst.
Der Mythos vom Teufel ähnelt die Mythen des Drachen, der Schlange, des Hüters der Tor (des Ungeheuers) und nähert sich der Symbolik des Verschließens bzw. der verschließenden Achse. Wenn der Mensch diese Achse überquert, bedeutet das entweder Fluch oder Segen, er wird zum Opfer des Teufels oder zum Gottes Auserwählten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Exorzismus und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der theologischen Einordnung und aktuellen Praxis von Teufelaustreibungen.
2. Erschaffung und Symbolik des Teufels: Überblick über verschiedene mythologische und religiöse Thesen zur Herkunft und symbolischen Bedeutung des Teufels als Verkörperung des Bösen.
3. Geschichtliche Entwicklung der Dämonenlehre: Darstellung der Verbreitung von Dämonenglauben in verschiedenen antiken Kulturen sowie die Transformation dieser Konzepte im Christentum.
4. Die Kirchenlehre über Teufel und Dämonen: Erläuterung der kirchlichen Sichtweise auf das Böse als Mittel, um die absolute Macht Gottes über das Übel zu demonstrieren.
5. Systematisierung der Exorzismenpraktiken: Das Rituale Romanum: Analyse der Entwicklung vom ungeordneten Ritus zum standardisierten kirchlichen Ritual und die Unterscheidung der verschiedenen Exorzismustypen.
6. Der Fall von Anneliese Michel: Dokumentation des tragischen Falles von Anneliese Michel als Beispiel für die Gefahren einer Vernachlässigung medizinischer Versorgung zugunsten exorzistischer Praktiken.
7. Exkurs: Die Philosophie des Bösen: Philosophische Reflexion über das Böse im Kontext der menschlichen Freiheit und der Verantwortung des Menschen.
8. Zusammenfassung: Kritische Schlussbetrachtung über die Wirkmacht von Glaubensvorstellungen und deren oft verheerende Auswirkungen auf die Realität.
9. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen, wissenschaftlichen Publikationen und digitalen Medien.
Schlüsselwörter
Exorzismus, Teufel, Dämonen, Katholische Kirche, Rituale Romanum, Besessenheit, Anneliese Michel, Theologie, Religionsgeschichte, Psychologie, Philosophie des Bösen, Glaubenspraxis, Dualismus, Geistliche, Kirchenlehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte, die kirchliche Systematisierung und die heutige Relevanz von Exorzismuspraktiken im Christentum unter Berücksichtigung theologischer und kritischer Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Dämonologie, die Entwicklung des Rituale Romanum, die medizinisch-psychiatrische Abgrenzung zur Besessenheit sowie die kritische Reflexion religiöser Praktiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Exorzismuspraktiken in das kirchliche Konzept integriert sind und welche Gefahren sich aus der religiösen Interpretation psychischer Krankheiten ergeben können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine religionsgeschichtliche und systematische Analyse von Primärquellen, kirchlichen Dokumenten und fachwissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Dämonenlehre, die Entstehung des Rituale Romanum, die Abgrenzung zu medizinischen Diagnosen sowie eine ausführliche Analyse des Falls Anneliese Michel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Exorzismus, Dämonen, Besessenheit, Rituale Romanum, christliche Dogmatik und die Philosophie des Bösen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen religiöser Besessenheit und medizinischen Diagnosen?
Die Arbeit stellt fest, dass während die Kirche an einer unsichtbaren Welt böser Geister festhält, die moderne Wissenschaft Symptome wie Epilepsie, Schizophrenie oder Tourette-Syndrom als psychische oder neurologische Krankheiten definiert.
Welche Konsequenz zieht die Autorin aus dem Fall Anneliese Michel?
Die Autorin betont die Unzulässigkeit, in der heutigen Zeit psychisch kranke Menschen exorzistischen Praktiken zu unterziehen, anstatt ihnen eine notwendige medizinische Versorgung zukommen zu lassen.
Warum ist das Rituale Romanum für die Arbeit relevant?
Es bildet den Höhepunkt der kirchlichen Systematisierung im 17. Jahrhundert und dient bis heute als maßgebliche, verbindliche Grundlage für das Vorgehen gegen das "Böse" in der Katholischen Kirche.
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- Galina Delcheva (Author), 2011, Der Exorzismus. Geschäft mit dem Glauben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266967