Der Balkan - Friedenszone oder Pulverfass? Das Pulverfass scheint nicht so abwegig, lässt man die Zahlen für sich sprechen: (Vgl. Suppan 1998, S. 9-13)
- Es gibt auf dem Balkan 9 Staaten (Rumänien, Bulgarien, die (europäische) Türkei, Griechenland, Albanien, Makedonien, die Bundesrepublik Jugoslawien (von Serbien dominiert), Bosnien-Herzegowina, Kroatien), sowie Gebiete mit (angestrebter) hoher Selbständigkeit wie das Kosovo.
- Im Gebiet des Balkans gibt es 19 Sprachen.
- In den meisten der Staaten leben relativ viele Minderheiten und alleine in den 90ern wurden ca. 2450000 Menschen, meistens gewaltsam, ,,umgesiedelt", ganz zu schweigen von den Abermillionen die während der letzten 200 Jahre ,,ethnischen Säuberungen" zum Opfer fielen.
Schon diese Zahlen zeigen, dass der Balkan eine Problemzone ist.
Meine Arbeit versucht dazustellen wie es zu den schweren Konflikten der 90er kommen konnte und zeigt Lösungsansätze für die verschiedenen Auseinandersetzungen auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die besondere Problematik eines Bürgerkrieges
3 Der Balkankonflikt
3.1 Die Vergangenheit
3.1.1 Zur Geschichte des ethnischen und religiösen Konflikts
3.1.2 Die Hintergründe des politischen Konflikts
3.1.3 Die wirtschaftliche Komponente
3.2 Die Kriegshandlungen in den 90ern des 20. Jahrhunderts
3.2.1 Der Krieg Serbiens und Sloweniens
3.2.2 Der Krieg Serbiens und Kroatiens
3.2.3 Der Krieg in B-H
3.2.4 Der Konflikt im Kosovo
4 Die vier verschiedenen Konfliktdimensionen auf dem Balkan
4.1 Die ethnische Konfliktdimension
4.1.1 Serben und Slowenen im Krieg
4.1.2 Serben und Kroaten im Krieg
4.1.3 Serben und Kroaten im Krieg mit den Muslimen (in B-H)
4.1.4 Serben und Albaner im Krieg
4.2 Die religiöse Konfliktdimension
4.2.1 Katholische Ausrichtung versus orthodoxe
4.2.2 Christentum versus Islam
4.3 Die politische Konfliktdimension
4.3.1 Politische Konflikt zwischen den Staaten Ex-Jugoslawiens
4.3.1.1 Der politische Konflikt zwischen Serben und Kroaten/ Slowenen
4.3.1.2 Die politische Auseinandersetzung von Moslems und Kroaten mit den Serben sowie der Kroaten mit den Moslems
4.3.2 Die Konflikte der internationalen Diplomatie
4.3.2.1 Der politische Konflikt zwischen den Diplomaten
4.3.2.2 Der politische Konflikt der internationalen Diplomatie mit Serbien
4.4 Die wirtschaftliche und geographische Konfliktdimension
5 Schluss
6 Karten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen Ursachen der Balkankonflikte der 1990er Jahre durch eine systematische Konfliktanalyse. Ziel ist es, das Zustandekommen der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu erhellen und Lösungsansätze aufzuzeigen, indem die verschiedenen Dimensionen (ethnisch, religiös, politisch, wirtschaftlich) differenziert betrachtet werden.
- Historische Herleitung des Balkankonflikts
- Analyse der vier Hauptkonfliktdimensionen
- Bürgerkriegsspezifische Dynamiken und Grausamkeit
- Rolle der internationalen Diplomatie und Organisationen
- Wirtschaftliche Faktoren und Ressourcen als Konfliktursache
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Serben und Kroaten im Krieg
Hier sieht der Fall schon ganz anders aus: Kroatien mit seinem Präsidenten Tudjman, war an dem blutigen Krieg von 1991 nicht ganz unschuldig. Zwischen Kroaten und Serben herrschten schon Jahrhunderte lang Stereotypen: „Den kroatischen Nationalisten dient also die [angeblich größere] Kultur, den serbischen das Waffengeklirr [= Heldentum, Tapferkeit, Unbeugsamkeit] als Kompensation“(Oschlies 1993, S.6). Außerdem beanspruchen beide Nationen ähnliche Gebiete jeweils für sich (Makedonien, Montenegro, B-H,...).
Besondere Intensität gewannen die Feindseligkeiten mit der Bildung des KdSK & Sl 1918 und den schon beschriebenen Differenzen zwischen Unitaristen und Autonomisten, worauf sich 1929 unter dem Zagreber Advokaten Ante Pavelic, als Spitze des Nationalismus, die Ustascha bildete. Diese Geheimbewegung war maßgeblich an der Bildung des kroatischen Staates 1939, der weite Teile Dalmatiens, B-Hs und Syrnmiens, umfasste (also auch Gebiete die nicht rein-kroatisch besiedelt sind) beteiligt und machte sich die endgültige Zerschlagung Jugoslawiens durch Hitler 1941 und die Kooperation mit diesem, d.h. durch Massentötung von Juden, Zigeunern u.a. durch Mile Budak (s.o.) („der 1942 die Weisung gab „1/3 Serben töten, ein zweites Drittel vertreiben und das dritte durch die katholische Taufe zu Kroaten machen ““ (Oschlies 1993, S. 6)) zunutze. Die Neubildung Jugoslawiens 1946 unter Tito konnte das in Hass umgeschlagene Verhältnis nicht mindern, da keine Aufarbeitung der jüngsten Geschichte stattfand. So wurden die Probleme hinter dem Sozialismus versteckt und als die Tito-Herrschaft 1980 beendet war, tauchten diese prompt wieder auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Balkans als „Pulverfass“ ein und definiert zentrale Begriffe wie Konflikt und Volk, um den theoretischen Rahmen für die Analyse zu schaffen.
2 Die besondere Problematik eines Bürgerkrieges: Dieses Kapitel erarbeitet eine Definition von Bürgerkriegen und beleuchtet deren spezifische Grausamkeit sowie die strukturellen Eigenheiten, die das Verständnis für den Balkan-Kontext schärfen.
3 Der Balkankonflikt: Hier erfolgt eine historische und chronologische Aufarbeitung der Konfliktlinien sowie der konkreten Kriegshandlungen in den 1990er Jahren, von Slowenien bis zum Kosovo.
4 Die vier verschiedenen Konfliktdimensionen auf dem Balkan: Der Hauptteil analysiert detailliert die ethnischen, religiösen, politischen sowie wirtschaftlichen Dimensionen, die untrennbar miteinander verwoben sind und die Konfliktdynamik maßgeblich bestimmen.
5 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Gefahr der Radikalisierung durch Warlords und bewertet die Rolle der internationalen Diplomatie sowie die Notwendigkeit entschlossenen Handelns.
6 Karten: Dieses Kapitel stellt visuelle Hilfsmittel bereit, die die Gebietsansprüche und Friedenspläne illustrieren.
Schlüsselwörter
Balkankrieg, Bürgerkrieg, Konfliktanalyse, Ethnische Säuberung, Ex-Jugoslawien, Nationalismus, Religion, Diplomatie, Warlords, Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Militär, Friedensbemühungen, Ressourcenkonflikt, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer Konfliktanalyse der Kriege auf dem Balkan während der 1990er Jahre und untersucht deren vielschichtige Ursachen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die ethnische, religiöse, politische und wirtschaftliche Dimension der Konflikte sowie die Rolle von Warlords und der internationalen Gemeinschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie es zu diesen schweren Konflikten kommen konnte, und Lösungsansätze für die unterschiedlichen Auseinandersetzungen zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der historische Ereignisse, politikwissenschaftliche Theorien zu Bürgerkriegen und aktuelle Berichterstattungen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Herleitung des Konflikts, eine detaillierte Untersuchung der vier Konfliktdimensionen und eine Analyse der Rolle internationaler Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Balkankrieg, Bürgerkrieg, Ethnische Säuberung, Nationalismus, Ex-Jugoslawien und Konfliktdimensionen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der sogenannten "Warlords"?
Der Autor sieht in den Warlords eine treibende Kraft für die Verlängerung der Kriege, da diese nicht an einer Friedenslösung, sondern an persönlichen Vorteilen, Profit und Macht interessiert sind.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der internationalen Diplomatie bei?
Die Diplomatie wird kritisch hinterfragt; oft war sie durch Uneinigkeit und mangelndes Engagement geprägt, was die Konflikte eher verlängerte oder sogar begünstigte, statt sie zu beenden.
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- Philip Baum (Author), 2000, Die Konfliktdimensionen des Balkan-Krieges 90er Jahre - Eine Konfliktanalyse der Kriege auf dem Balkan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2669