Eine gute Ausbildung und guter Schulabschluss ist heute eine Grundvorrausetzung für den Einstieg in das Arbeitsleben und des Geldverdienens. Was aber ist, wenn diese Voraussetzungen gerade für lernbeeinträchtigte Jugendliche und junge Erwachsene nur teilweise oder gar nicht vorhanden sind? Viele leben von Sozialhilfe und bessern ihren Lebensstandard mit Schwarzarbeit auf. Mit diesem Thema soll sich diese Schrift befassen. Sie soll einen Einblick über das Sicherungssystem der Sozialhilfe und das Leben von der Schwarzarbeit geben.
2.) Armut
Sozialhilfe wird als Instrument der Armutsbekämpfung bezeichnet. Um aber in das Thema der Sozialhilfe näher einzusteigen muss erst einmal geklärt werden was man unter Armut in unserer Gesellschaft versteht.
Absolute massive existenzgefährdende Armut findet man vor allem in den Entwicklungsländern. In den westlichen Industriestaaten empfinden Arme ihre Situation im stärkeren Maße selbstgefährdend.
Eine Definition kann sein, dass Armut ein Mangel an Mitteln ist, um ein normales Leben zu führen, beziehungsweise um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Bestimmung „normal“ hängt von kulturellen und gesellschaftlichen Normen ab. Des weiteren gibt es die Bezeichnung der relativen Armut, die jemanden als arm erklärt, wenn sein Haushaltseinkommen weniger als 50% des nationalen Durchschnittseinkommens beträgt.
Der Anteil der relativen Armut hat seit Mitte der 70er Jahre zugenommen. Mögliche Ursachen können Ausbildungsmängel, Niedriglöhne, Scheidung oder Krankheit sein. Dies sind primäre Bedingungen, auf denen die Betroffenen nur wenig Einfluß haben.
Inhaltsverzeichnis
1.)Einleitung
2.) Armut
3.) Allgemeine Fakten
4.) Rechtsgrundlage
5.) Arten der Sozialhilfe
5.1) Hilfe zum Lebensunterhalt
5.2) Hilfe in besonderen Lebenslagen
6.) Formen der Sozialhilfe
7.) Träger der Sozialhilfe
8.) Ursachen de Sozialhilfebezuges
9.) Schwarzarbeit
10.) Persönliche Identität bei Sozialhilfe und Schwarzarbeit
11.) Zusammenhang von lernbehinderten Menschen und Schwarzarbeit
12.) Verhinderung von Schwarzarbeit/ Aufklärung über Sozialhilfe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen staatlicher Sozialhilfe und illegaler Schwarzarbeit, insbesondere mit Blick auf lernbeeinträchtigte Jugendliche und junge Erwachsene. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie relative Armut zur wirtschaftlichen Integration beitragen kann und welche präventiven sowie aufklärenden Maßnahmen im schulischen Kontext sinnvoll sind, um Betroffene zu unterstützen.
- Grundlagen und Definitionen von Armut sowie dem System der Sozialhilfe.
- Die Rolle von Erwerbsarbeit für die persönliche Identität.
- Ursachen für den Sozialhilfebezug und die Motivation zur Schwarzarbeit.
- Pädagogische Ansätze zur Vermittlung von Sozialkompetenz und Berufsorientierung.
- Das Spannungsfeld zwischen individueller Lebensgestaltung und gesellschaftlicher Teilhabe.
Auszug aus dem Buch
10.) Persönliche Identität bei Sozialhilfe und Schwarzarbeit
„Eine dauerhafte berufliche Eingliederung ist für Menschen mit Behinderung eine der wesentlichen Faktoren und zugleich eine wichtige Vorrausetzung für die Eingliederung in die Gesellschaft.“ (Bundesanstalt für Arbeit und Soziales, S. 191)
„Die Arbeitstätigkeit gehört zu den grundlegenden menschlichen Lebenstätigkeiten, Das heißt, die Arbeitstätigkeit ist neben der Spiel- und Lerntätigkeit eine der prinzipiellen menschlichen Lebensäußerungen. Die in diesem Zusammenhang interessierende Konsequenz heißt, dass wer die menschliche Arbeitstätigkeit grundlegend verändert, der verändert damit ein Teil der menschlichen Lebenstätigkeit. Und wer die menschliche Lebenstätigkeit verändert, verändert damit schließlich unsere Kultur.“ (Prof. Dr. Eberhardt Ulich, 1987, S.29)
Die berufliche Identität ist sehr wichtig für die persönliche Identität, da die Bedeutung der Erwerbsarbeit heute über die Existenzsicherung hinausgeht. Erwerbsarbeit bedeutet unter anderem auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder einfach auch das Gefühl gebraucht zu werden. Erwerbsarbeit hat somit nicht nur eine materielle Funktion sonder auch eine soziale- (z.b. soziale Kompetenzerweiterung) und eine symbolische Funktion (z.B. Anerkennung). Zugleich dient die Erwerbsarbeit für die Selbstverwirklichung und für die individuelle Lebensplanung. Die Erwerbslosigkeit kann zur Schwächung des sozialen Lebens bis hin zum Bruch mit der Gesellschaft führen. Ein Verlust von Erwerbsmöglichkeit kann gleichzeitig einen Verlust des gesellschaftlichen Austausches darstellen. Auch ist die vorgegebene Norm der Gesellschaft in der Strukturierung der Lebenszeit in der Reihenfolge von Schule, Ausbildung, Beruf und Rente ein verinnerlichtes System, dem der Großteil der Bevölkerung gerecht werden möchte um schon allein den gesellschaftlichen Ausschluss zu vermeiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.)Einleitung: Diese Einführung erläutert die Problematik von lernbeeinträchtigten jungen Menschen, die aufgrund mangelnder beruflicher Perspektiven auf Sozialhilfe und Schwarzarbeit angewiesen sind.
2.) Armut: Das Kapitel definiert den Begriff der Armut, unterscheidet zwischen absoluter und relativer Armut und benennt deren soziale sowie ökonomische Ursachen.
3.) Allgemeine Fakten: Hier wird das Bundessozialhilfegesetz (BSHG) als Sicherungssystem vorgestellt, das den Rechtsanspruch auf ein soziokulturelles Existenzminimum begründet.
4.) Rechtsgrundlage: Dieses Kapitel erläutert den gesetzlichen Rahmen des Rechts auf Hilfe zur Selbsthilfe und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
5.) Arten der Sozialhilfe: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen der Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU) und der Hilfe in besonderen Lebenslagen (HbL).
6.) Formen der Sozialhilfe: Die verschiedenen Leistungsarten wie persönliche Beratung, Geld- und Sachleistungen werden hier kurz dargestellt.
7.) Träger der Sozialhilfe: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Zuständigkeiten der örtlichen und überörtlichen Träger innerhalb der Sozialamtsstrukturen.
8.) Ursachen de Sozialhilfebezuges: Es werden zentrale Gründe für den Leistungsbezug wie Arbeitslosigkeit, fehlende Qualifikationen oder soziale Krisensituationen aufgeführt.
9.) Schwarzarbeit: Hier wird Schwarzarbeit als unerlaubte Erwerbstätigkeit abgegrenzt von legalen Gefälligkeits- oder Nachbarschaftsdiensten.
10.) Persönliche Identität bei Sozialhilfe und Schwarzarbeit: Die Bedeutung von Erwerbsarbeit für die Identitätsbildung und Selbstverwirklichung wird theoretisch hergeleitet und kritisch reflektiert.
11.) Zusammenhang von lernbehinderten Menschen und Schwarzarbeit: Das Kapitel beleuchtet, warum gerade Menschen mit Beeinträchtigungen vermehrt Schwarzarbeit als ökonomischen und sozialen Ausweg wählen.
12.) Verhinderung von Schwarzarbeit/ Aufklärung über Sozialhilfe: Dieser Teil schlägt schulpädagogische Maßnahmen vor, um durch Aufklärung und Berufsvorbereitung frühzeitig gegen den Teufelskreis aus Armut und Schwarzarbeit vorzugehen.
Schlüsselwörter
Sozialhilfe, Schwarzarbeit, relative Armut, berufliche Integration, lernbeeinträchtigte Jugendliche, Identität, Erwerbsarbeit, BSHG, soziale Teilhabe, Lebensunterhalt, Armutsprävention, Berufsvorbereitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen und sozialen Situation von lernbeeinträchtigten Jugendlichen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind und ihre Einkommensverhältnisse häufig durch Schwarzarbeit aufzubessern versuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition von relativer Armut, das deutsche Sozialhilfesystem (BSHG), die psychologische Bedeutung von Erwerbsarbeit für die Identität sowie Möglichkeiten der schulischen Prävention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen in das soziale Sicherungssystem integriert werden können und warum Aufklärung im schulischen Rahmen als Mittel gegen die Notwendigkeit von Schwarzarbeit fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur zur Armutsforschung, rechtlichen Grundlagen des Sozialhilferechts und soziologischen Konzepten der beruflichen Identität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Sozialhilfe, eine Analyse der Identitätskrise bei Arbeitslosigkeit sowie eine pädagogische Konzeption zur Berufsvorbereitung in der Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Sozialhilfe, Schwarzarbeit, relative Armut, berufliche Integration, Identität und soziale Teilhabe.
Warum ist Schwarzarbeit für lernbeeinträchtigte Jugendliche oft ein Ausweg?
Aufgrund mangelnder formaler Qualifikationen haben sie oft keine Aussicht auf reguläre Arbeitsplätze. Schwarzarbeit dient ihnen dabei nicht nur als materielle Aufstockung, sondern auch als Versuch, sich durch Arbeit als Teil der „normalen“ Gesellschaft zu fühlen.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Prävention?
Die Schule soll nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern durch Projekttage, Besuche bei Ämtern und praktisches Finanzwissen die Jugendlichen auf ihre Lebensrealität vorbereiten und die Risiken illegaler Beschäftigung verdeutlichen.
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- Susanne Täntzler (Author), 2003, Leben von Sozialhilfe und Schwarzarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26700