Struktur des privaten und institutionellen Vermögens in Europa


Seminararbeit, 2012

52 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

MANAGEMENT SUMMARY

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK DER VERMÖGENSVERTEILUNG IN EUROPA
1.1 Definition Vermögen und Vermögensverteilung
1.2 Vermögensarten
1.3 Einflussfaktoren auf das Vermögen
1.4 Historische Entwicklung des Wohlstands in Europa
1.5 Gini-Koeffizient als Maßzahl für die Verteilungsgleichheit
1.5.1 Bedeutung des Gini-Koeffizienten
1.5.2 Liste europäischer Länder nach Vermögensverteilung anhand des Gini-Index

2 STRUKTUR DES PRIVATEN VERMÖGENS IN EUROPA
2.1 Die Vermögenspyramide
2.2 Zusammensetzung des privaten Vermögens
2.2.1 Sparquote, Vermögensklassen und Verschuldung
2.2.2 Bedeutung des Immobilienvermögens
2.2.3 West-Europa
2.2.4 Ost-Europa
2.3 Millionäre in Europa

3 STRUKTUR DES INSTITUTIONELLEN VERMÖGENS IN EUROPA
3.1 Institutionelle Investoren
3.2 Entwicklung des institutionellen Vermögens
3.3 Verteilung des institutionellen Vermögens

4 DAS VERMÖGEN EUROPAS IM INTERNATIONALEN VERGLEICH

5 AUSBLICK AUF DIE KÜNFTIGE VERMÖGENSENTWICKLUNG IN EUROPA

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

ANLAGEN

Management Summary

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Vermögensstruktur des privaten und institutionellen Bereichs in Europa. Allgemein gilt Europa als sehr vermögend. Dennoch gibt es hier starke Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Ländern, die besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Euro-Schuldenkrise zu Tage treten. Im Folgenden sollen die landestypischen Vermögensunterschiede herausgearbeitet werden. Näher thematisiert werden vor allem die gravierenden Unterschiede hinsichtlich der Vermögensstruktur in Westeuropa und Osteuropa.

Bei der Themenbearbeitung wurden unter anderem Vermögensberichte von fünf verschiedenen Unternehmen ausgewertet:

- ÄAllianz Global Wealth Report 2012“
- ÄGlobal Wealth 2012“ der Boston Consulting Group
- ÄWorld Wealth Report 2012“ von Capgemini und RBC Wealth Management
- ÄGlobal Wealth Report 2011“ der Credit Suisse AG und
- “The Wealth Report 2012” von Knight Frank und Citi Private Bank.

Zum Einstieg werden im ersten Kapitel Begriffe rund um Vermögen und Vermögensverteilung geklärt. Betrachtet werden insbesondere die Arten und Einflussfaktoren von Vermögen, die historische Vermögensentwicklung in Europa und der Gini-Koeffizient als Verteilungsmaß.

In den Kapiteln 2 und 3 wird ausführlich auf das private und institutionelle Vermögen eingegangen. Kapitel 2 erläutert die Vermögenspyramide, die Verteilung des Geldes auf die Vermögensklassen, insbesondere in Immobilienvermögen, sowie die Sparquoten und Verschuldung der privaten Haushalte. Außerdem werden die Vermögensstruktur in West- und Osteuropa sowie die europäischen Millionäre thematisiert. In Kapitel 3 werden institutionelle Investoren und deren Vermögen vorgestellt. Dabei werden die Entwicklung und die Struktur dieses Vermögens beleuchtet.

Das vierte Kapitel zeigt das Vermögen Europas im internationalen Vergleich.

Abschließend wird in Kapitel 5 ein Ausblick auf aktuelle und mögliche künftige Entwicklungen des Vermögens in Europa gegeben.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Länder in Europa

Abb. 2: Lorenz-Kurve

Abb. 3: Die Vermögenspyramide

Abb. 4: Sparquoten europäischer Länder in 2011 (in % des verfügbaren Bruttoeinkommens)

Abb. 5: Entwicklung der privaten Schulden im regionalen Vergleich

Abb. 6: Vergleich des durchschnittlichen Pro-Kopf-Vermögens von Westeuropa und Osteuropa im Jahr 2011

Abb. 7: Struktur des Vermögens privater Haushalte der großen Euro-Ländern im Jahr 2010 in %

Abb. 8: Entwicklung des Netto-Geldvermögens und der Schulden pro Kopf in der Gesamtregion (Westeuropa) und speziell in Südeuropa (in EUR)

Abb. 9: Das schwache Vermögenswachstum der osteuropäischen Mitgliedsstaaten

Abb. 10: Durchschnittliches jährliches Wachstum der Netto-Geldvermögen pro Kopf im weltweiten Vergleich (in %)

Abb. 11: Von institutionellen Investoren verwaltetes Vermögen nach Regionen in den Jahren 1980, 1990 und 2005 (in USD)

Abb. 12: Struktur der Kapitalanlagen eines deutschen Versorgungswerks in 2011

Abb. 13: Aufteilung des institutionellen Vermögens auf die Anlageformen in 2010 (in %)

Abb. 14: Aufteilung des institutionellen Vermögens in 2010 auf die Institutionen (in %)

Abb. 15: Durchschnittliches jährliches Vermögenswachstum im internationalen Vergleich (in %)

Abb. 16: Prozentuale Vermögensanteile in 2011 nach Region

Abb. 17: Regionale Vermögensverteilung 2011 nach Bevölkerungsdezilen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wertschöpfung, Arbeitsinput und Produktivität im Vergleich zu den USA

Tabelle 2: Gini-Indizes europäischer Länder

Tabelle 3: Die 15 Länder mit den meisten Millionärshaushalten im Jahr 2011

Tabelle 4: Investierte Summen europäischer Institutionen 2010 (in EUR)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in die Thematik der Vermögensverteilung in Europa

1.1 Definition Vermögen und Vermögensverteilung

Das Vermögen stellt die Summe aller Güter und Ansprüche auf Güter dar und leistet einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen Wohlfahrt. Vermögen sind in Geld bewertbare Güter und Rechte, z.B. Bargeld, Forderungen, Wertpapiere oder Grundeigentum, und zwar einer Person, eines Unternehmens, aller privaten Haushalte, des Unternehmenssektors, des Staates oder der Volkswirtschaft. Vermögenszuwachs ergibt sich aus den Ersparnissen, d.h. den nicht verbrauchten Teilen des Einkommens. Im Unterschied zum Einkommen ist das Vermögen eine Bestandsgröße. Schulden bilden eine Belastung des Vermögens.1

Das Vermögen der privaten Haushalte setzt sich aus dem Sachvermögen, Grundeigentum im In- und Ausland, Beteiligungsvermögen und dem Gebrauchsvermögen zusammen. Zum Gebrauchsvermögen zählen unter anderem Gold, Schmuck, wertvolle Sammlungen, Hausrat und Kraftfahrzeuge. Neben dem Sachvermögen zählt auch Geldvermögen in Form von Forderungen gegenüber dem Staat, Unternehmen, Finanzinstitutionen und dem Ausland zum Vermögen der privaten Haushalte. Eine weitere Komponente ist das Beteiligungsvermögen. Dieses ist gekennzeichnet durch börsengehandelte Aktien oder Betriebsvermögen2 im In- und Ausland. Alle genannten Komponenten stellen das Bruttovermögen der privaten Haushalte dar, welchen Verbindlichkeiten wie Hypotheken oder Konsumentenkredite gegenüberstehen. Der Saldo von Bruttovermögen und Verbindlichkeiten ergibt das Nettovermögen des Haushaltssektors.3

Das Vermögen einer offenen Volkswirtschaft wird von den privaten Organisationen ohne Erwerbszweck, dem Staat, den privaten Haushalten und dem Ausland gehalten. Hier kann man bei der Ermittlung zwischen dem Inlandskonzept und dem Inländerkonzept unterscheiden. Beim Inlandskonzept wird das Volksvermögen innerhalb der Landesgrenzen gezählt, beim Inländerkonzept hingegen wird das Vermögen der in einem Land Ansässigen berücksichtigt.4

Vermögensverteilung ist die Aufteilung des Volksvermögens auf die Bevölkerung. Das Vermögen ist in der Regel ungleich verteilt. Die Vermö- gensverteilung ist eng mit der Einkommensverteilung verbunden, denn die Möglichkeit zur Vermögensbildung ist entscheidend von der Einkommenshöhe abhängig (vgl. hierzu Punkt 1.3).5

1.2 Vermögensarten

Der Vermögensbegriff ist nicht allgemeingültig definiert, so dass verschiedene Vermögensarten unterschieden werden können. In dieser Seminararbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Finanz- und Realvermögen, so dass auf eine weitere Unterscheidung in Anwartschaftsvermögen und Humankapital nicht näher eingegangen wird. Unter Finanzvermögen werden sämtliche liquiden Mittel und Forderungen verstanden, beispielsweise

- Aktien
- Anleihen
- Bargeld
- Fondsanteile
- Kontoguthaben
- Lebensversicherungen und andere (Alters-)Vorsorgeguthaben. Als Real- oder Sachvermögen gelten nicht-finanzielle Vermögensgegenstände wie
- Grundstücke
- Gebäude
- Fahrzeuge
- Technologien
- Maschinen und Ausstattung aller Art.

Gelegentlich unterscheidet man noch das Produktivvermögen. Darunter fällt das in der Produktion eingesetzte Vermögen, also das Anlagevermögen, wie Maschinen oder Fahrzeuge, und das Vorratsvermögen.6

1.3 Einflussfaktoren auf das Vermögen

In der Literatur wird eine Vielzahl an Einflussfaktoren zur Erklärung von Höhe und Entwicklung des Vermögensstandes genannt. Ein erster wichtiger Einflussfaktor auf das Vermögen ist der Staat, welcher das Einkommen umverteilt. In welchem Ausmaß und mit welcher Effizienz das Einkommen umverteilt wird hängt jedoch stark von institutionellen Faktoren ab, wie z.B. der Funktionsweise staatlicher Sozialsysteme und dem Steuersystem. Die staatlichen Leistungen wie z.B. Altersvorsorge oder medizinische Versorgung haben Einfluss auf das Vermögen, da diese Leistungen weniger privates Sparen erfordern. Der Staat schafft außerdem gewisse Anreize zur Vermögensbildung durch steuerliche Ver- günstigungen und Förderungen von speziellen Sparformen, z.B. Bausparen und vermögenswirksamen Leistungen.7

Ebenso wirken sich Ereignisse aus der Vergangenheit, wie beispielsweise die Schuldenkrise im Jahr 2007/08 oder andere makroökonomische Schocks auf die Vermögensbildung aus. Während Finanzmarktkrisen ist zu beobachten, dass der Einkommensanteil der Mittelschichten tendenziell zunimmt, während der Einkommensanteil von Personen mit höherem Einkommen abnimmt. Des Weiteren steigt die Armutsgefährdung und die Beschäftigungschancen verschlechtern sich, was sich wiederum auf die Vermögensbildung auswirkt.8 Eine vergangene Schuldenkrise kann sich nachhaltig auf das globale Vermögenswachstum und die Schuldenquote auswirken. Die Finanzkrise im Jahr 2007/08 wirkte sich beispielsweise positiv auf die Verschuldung der privaten Haushalte aus, so dass sich die Wachstumsdynamik der Schuldenquote seit der Finanzkrise 2007/08 deutlich abschwächte. Durch Finanzkrisen verlieren die Anleger das Vertrauen in risikobehafte Finanzanalgen und bevorzugen daher eine sicherheitsorientierte Anlagestruktur. Die privaten Anleger präferieren risikoarme Bankeinlagen, was allerdings für den langfristigen Vermögensaufbau eher kontraproduktiv ist. Angst, Nervosität und Unsicherheit der Anleger schwächen stets die Vermögensklassen.9

Eine schwache Währung kann die Haushalte zusätzlich belasten und sich somit negativ auf die Vermögensbildung auswirken. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Hypothekenkredite in der Vergangenheit in einer fremden Währung begeben wurden und diese gegenüber der eigenen Währung aufwertet. Fällt allerdings der Wechselkurs der Währung, in welcher der Kredit begeben wurde, können die Haushalte den Kredit zu einem vorteilhafteren Wechselkurs zurückzahlen, was sich dann positiv auf das Vermögen auswirkt.10

Das BIP bzw. dessen Wachstum wird oft dazu verwendet, um den Wohlstand verschiedener Länder miteinander vergleichbar zu machen. Ein verlangsamtes BIP-Wachstum führt gewöhnlich zu einem geringeren Einkommen der Bevölkerung eines Landes. Es können daraus jedoch nicht unbedingt Rückschlüsse auf das Vermögen gezogen werden.11

Auch das Alter hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Vermögenshöhe. Je älter eine Person bzw. die Personen eines Haushalts sind, umso mehr Gelegenheiten bestanden im Laufe des Lebens Vermögen aufzubauen bzw. zu mehren. Das Vermögen kann z.B. durch Ersparnisse aus dem Einkommen, erfolgreiche Investitionen, Wertsteigerungen und Erb- schaften gemehrt werden. In der Regel ist davon auszugehen, dass der Wohlstand eines Menschen mit dem Eintritt in das Rentenalter am größten ist.12

Das Vermögen hängt zudem stark von der Einstellung und der Mentalität der jeweiligen privaten Haushalte ab. In Nationen wie Deutschland, Finnland oder Norwegen ist es üblich zu sparen, zur Mehrung des eigenen Vermögens. In südlichen Ländern wie Griechenland hingegen ist es eher untypisch Vermögen anzusparen.13

Neben Eigentumsrechten wirkt sich auch die Reife der Finanzmärkte und die vorhandenen Finanzinstrumente auf das Vermögen aus. Finanzinstrumente sind vertragliche Ansprüche und Verpflichtungen, die durch den Austausch von Zahlungsmitteln das Vermögen mehren oder mindern in dem es z.B. bei einem Unternehmen zu einem finanziellen Vermögenswert und bei einem anderen Unternehmen zu einer finanziellen Verbindlichkeit führt.14

Den größten Einfluss auf das Vermögen hat aber, wie bereits unter Punkt 1.1 erwähnt, das Einkommen. Die Möglichkeit zur Vermögensbildung ist von der Einkommenshöhe abhängig. Eine einseitige Einkommensverteilung, ausgedrückt durch den Gini-Koeffizienten (vgl. Abschnitt 1.5), führt zu einer einseitigen Vermögensverteilung. Angelegtes Vermögen wiederum stellt eine Einkommensquelle dar, z B. durch Zins- oder Mieteinnahmen. Somit besteht vor allem ein positiver Zusammenhang zwischen dem realen Haushaltseinkommen und dem Privatvermögen.15

1.4 Historische Entwicklung des Wohlstands in Europa

Die EU ist eine wirtschaftliche und politische Partnerschaft zwischen 27 europäischen Staaten, die einen Großteil des europäischen Kontinents ausmachen. Entstehungszeitpunkt der EU war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Zielsetzung der Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Im Jahr 1958 wurde zwischen den sechs Ländern Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden die EWG gegründet und 1993 in die EU umbenannt. Die aktuellen EUMitgliedsstaaten sind: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Tschechien, Ungarn, das Vereinigte Königreich und Zypern.

In den frühen 1970er Jahren endete aufgrund der Ölkrise und des Zusammenbruchs des Weltwährungssystems von Bretton-Woods recht abrupt das Goldene Zeitalter für Europa und die USA. Dort verlangsamte sich dadurch das Wirtschaftswachstum für zwei Jahrzehnte. Das Wirtschaftswachstum in Europa verlangsamte sich in diesem Zeitraum auf 1,7%, während in den Dekaden zuvor mehr als das Doppelte erreicht wurde. Das Stundenproduktivitätswachstum in Europa betrug lediglich 2,4%, trotzdem war es noch doppelt so hoch wie in den USA. Diese Produktivitätslücke verkleinerte sich schließlich von fast 30 Prozentpunkten im Jahr 1973 auf weniger als 5 Prozentpunkte im Jahr 1995. Trotz der vergleichsweise schnell wachsenden Stundenproduktivität konnten die EU-15 die der USA nicht erreichen. Dies ist zurückzuführen auf den deutlichen Rückgang der Pro-Kopf-Arbeitsstunden der Bevölkerung, so dass im Jahr 1995 im Durchschnitt nur noch 77,3% des US-amerikanischen Wertes an Stunden pro Kopf gearbeitet wurde. Im Jahr 1973 hingegen

wurden in den EU-15 noch mehr Stunden als in den USA gearbeitet, was die folgende Tabelle verdeutlicht. Die Tabelle vergleicht jeweils den Wohlstand ausgewählter EU-Länder bzw. der EU-15 im Gesamten mit dem der USA. Folglich gilt: USA = 100.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten19

Tabelle 1: Wertschöpfung, Arbeitsinput und Produktivität im Vergleich zu den USA20

In den fallenden Arbeitsstunden der EU-15 spiegeln sich neben den Arbeitszeitverkürzungen auch die erhebliche Zunahme an Teilzeitbeschäftigung und die steigende Arbeitslosenzahl in den europäischen Ländern wieder. Mitte der 1990er Jahre verlangsamte sich das Produktionswachstum in Europa weiter von 2,4% auf 1,4%. In den USA hingegen stieg das Wachstum der Stundenproduktivität auf 2,1% an. Zehn Jahre nachdem die Produktionslücke zwischen Europa und den USA geschlossen werden konnte, wuchs diese im Jahr 2007 wieder auf 12 Prozentpunkte an. Zwischen 1995 und 2005 wurde der Trend - weniger Pro-Kopf-Arbeitsstunden - in einer ganzen Reihe europäischer Länder umgekehrt. Durchschnittlich stiegen die Arbeitsstunden pro Kopf von 77,3% des US-Niveaus in den Jahren 1995 bis 1995 auf 83% des US-Niveaus in den Jahren 1995 bis 2007. Aus der Tabelle geht hervor, dass Schweden sein BIP-pro-Kopf von 73,7% des US-Niveaus im Jahr 1995 auf 81,4% des US-Niveaus um Jahre 2007 verbessern konnte, was ein Anzeichen für steigenden Wohlstand in Schweden darstellt. Auch Großbritannien konnte neben den Niederlanden sein Wohlstandsniveau durch Steigerung des Arbeitsinputs und Produktivitätssteigerung erhöhen. In Deutschland und Frankreich hingegen kam es zu einer Verschlechterung des Wohlstandes im Vergleich zu den USA. Deutschland hemmt im Gegensatz zu anderen EU-Ländern die Wohlstandsentwicklung Europas. Der Grund hierfür ist, dass die anderen EU-Länder das verlangsamte Wachstum der Stundenproduktivität durch einen höheren Arbeitsinput ausgleichen, was in Deutschland nicht der Fall ist. Deutschland wurde hier von Ländern wie Schweden und Großbritannien, die zuvor hinter Deutschland lagen überholt.21

Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden Deutschlands im europäischen Wohlstandsvergleich könnte in der deutschen Wiedervereinigung liegen, welche erhebliche wirtschaftliche Folgen mit sich zog. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich das Wachstum Deutschlands deutlich stärker verlangsamt als im Rest der Europäischen Union und den USA. Bis kurz vor der Finanzkrise kehrte sich die Entwicklung Europas im Vergleich zu den USA um, so dass sich die EU-15 hinsichtlich der Stundenproduktivität nur noch einen Abstand von 0,5 Prozentpunkten zu den USA verzeichnete. Bereits 2007 konnte wieder ein Rückgang des Stundenproduktivitätswachstums festgestellt werden. Im Jahr 2007 wurden im Vergleich zu 1970 in den untersuchten europäischen Ländern weniger Arbeitsstunden geleistet.22

Es gibt jedoch auch maßgebliche Unterschiede des Wohlstandsniveaus zwischen den alten und neuen EU-Mitgliedssaaten. Gemäß einer Studie der GfK ist der Unterschied der Kaufkraft zwischen den alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten geschrumpft, trotzdem liegen im Gesamtvergleich der Länder die neuen EU-Mitgliedsstaaten noch immer hinten.23

[...]


1 Vgl. Volkert/Klee/Kleinmann/Scheuerle/Schneider (2004), S. 227 und vgl. Duden Wirtschaft von A bis Z (2009), Stichwort Vermögen.

2 Betriebsvermögen: Eigentumsrechte an Unternehmen.

3 Vgl. Dietz (2006), S. 2 und vgl. DIW (2009), S. 54.

4 Vgl. DIW (2009), S. 56.

5 Vgl. Duden Wirtschaft von A bis Z (2009), Stichwort Vermögensverteilung und vgl. DIW (2009), S. 54.

6 Vgl. Investing Answers - Financial Dictionary, Stichwort Non-Financial Assets und vgl. Duden Wirtschaft von A bis Z (2009), Stichwort Vermögen.

7 Vgl. Duden Wirtschaft von A bis Z (2009) und vgl. Credit Suisse (2011), S. 18.

8 Vgl. Deutsche Bank Research (2012), S. 9 ff. und vgl. Capgemini/RBC Wealth Management (2012), S. 10 ff.

9 Vgl. Allianz (2012), S. 9 und vgl. Capgemini/RBC Wealth Management (2012), S. 10 ff.

10 Vgl. Allianz (2012), S. 69.

11 Vgl. Capgemini / RBC Wealth Management (2012), S. 10 ff..

12 Vgl. Credit Suisse (2011), 26 ff. und vgl. DIW (2007), S. 375.

13 Vgl. Boston Consulting Group (2012), S. 9.ff..

14 Vgl. Credit Suisse (2011), S. 26 ff..

15 Vgl. Duden Wirtschaft von A bis Z (2009), Stichwort Vermögensverteilung und vgl. DIW (2009), S. 54.

18 Vgl. Bormann/Dauderstädt/Fischer/Schreyer (2009), S. 10 ff..

19 Die Daten vor 1991 beziehen sich für Deutschland auf Westdeutschland.

20 Eigene Darstellung in Anlehnung an: The Conference Board (2009).

21 Vgl. Landes (1999), S. 218 ff..

22 Vgl. Bormann/Dauderstädt/Fischer/Schreyer (2009), S. 10 ff..

23 Vgl. Credit Suisse AG Research Institute (2011), S. 19.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Struktur des privaten und institutionellen Vermögens in Europa
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
52
Katalognummer
V267006
ISBN (eBook)
9783656576112
Dateigröße
1613 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Vermögensstruktur des privaten und institutionellen Bereichs in Europa. Allgemein gilt Europa als sehr vermögend. Dennoch gibt es hier starke Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Ländern, die besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Euro-Schuldenkrise zu Tage treten. Es sollen die landestypischen Vermögensunterschiede herausgearbeitet werden. Näher thematisiert werden vor allem die gravierenden Unterschiede hinsichtlich der Vermögensstruktur in Westeuropa und Osteuropa. Bei der Themenbearbeitung wurden 5
Schlagworte
Vermögen, Vermögensverteilung, Gini, Europa, Institutionen, Immobilien, Sparquote, Verschuldung, Vermögenspyramide, Millionäre, Lorenzkurve, Haushalte, Wealth Report
Arbeit zitieren
B.A. Katja Klotz (Autor), 2012, Struktur des privaten und institutionellen Vermögens in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267006

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