Zuerst werden wichtige Begriffe wie Epos, Nationalepos, Heldenepos, Held sowie Antiheld definiert. Im Anschluss daran wird kurz die Debatte von Leopoldo Lugones und Ricardo Rojas vorgestellt, die sich schon mit der Frage beschäftigt haben, ob das Werk von José Hernández ein Nationalepos und Martín Fierro ein Held ist. Danach wird anhand des Primärtextes untersucht, welche Definitionsmerkmale der Begriffe, die vorher erklärt worden sind, auf das Werk sowie auf den Gaucho zutreffen. In einem abschließenden Fazit wird dann das Resultat dieser Analyse vorgestellt und noch einmal begründet, warum man zu diesem Ergebnis gekommen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Das Epos
2.1.1. Das Heldenepos
2.1.2. Das Nationalepos
2.2. Held
2.3. Antiheld
3. Debatte zum Thema Martín Fierro - ein Nationalepos?
3.1. Standpunkt von Leopoldo Lugones
3.2 Standpunkt von Ricardo Rojas
4. Martín Fierro - ein Epos?
4.1. Äußere Form
4.2. Martín Fierro - ein Held?
4.3. Martín Fierro - ein Antiheld?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob José Hernández’ Werk Martín Fierro die literarischen Merkmale eines Epos erfüllt und ob die Titelfigur als Held oder Antiheld sowie als Nationalheld Argentiniens klassifiziert werden kann.
- Literarische Definitionen von Epos, Heldenepos und Nationalepos
- Gegenüberstellung der Begriffe Held und Antiheld
- Analyse der Debatte von Leopoldo Lugones und Ricardo Rojas
- Überprüfung formaler und inhaltlicher Epos-Merkmale am Primärtext
Auszug aus dem Buch
4.3. Martín Fierro - ein Antiheld?
Auch der Antiheld ist der Protagonist einer Geschichte, was also schon einmal nicht ausschließt, dass Martín Fierro ein Antiheld sein könnte. Dem Antihelden mangelt es oft an positiven Eigenschaften, die der typische Held normalerweise besitzen sollte. Dies trifft auch auf Martín Fierro zu: er ist jähzornig und kann sich in einem Kampf nicht zurückhalten. So tötet er auch el negro aus dem Kampf heraus. Im Gegensatz zum Helden entspricht der Antiheld nicht den Werten und Normen der Gesellschaft. Martín Fierro entspricht am Anfang den Normen und Werten der argentinischen Gesellschaft. Aber dadurch, dass er an die Front geschickt wird und somit auch sein Haus und seine Familie verliert, wendet er sich gegen die Gesellschaft und die bestehenden Regeln. Er fängt an zu trinken, tötet sogar und flieht vor der Polizei. Ein Antiheld zu sein, bedeutet nicht, keine überdurchschnittlichen Fähigkeiten zu besitzen. Martín Fierro ist überaus mutig und strebt nach Gerechtigkeit, was meines Erachtens Charakterstärken sind. Eigenschaften, die oft auf den Antihelden zutreffen, sind moralisch negativ, passiv, ziellos, physisch benachteiligt, sozial ausgegrenzt und komisch. Diese Eigenschaften treffen fast alle auf Martín Fierro zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Handlung von Martín Fierro und Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Einordnung als Epos und des Heldenstatus der Figur.
2. Definitionen: Theoretische Herleitung der für die Analyse notwendigen Begriffe wie Epos, Heldenepos, Nationalepos, Held und Antiheld.
3. Debatte zum Thema Martín Fierro - ein Nationalepos?: Vorstellung der kontroversen Interpretationen von Leopoldo Lugones und Ricardo Rojas bezüglich der nationalen Bedeutung des Werkes.
4. Martín Fierro - ein Epos?: Kritische Untersuchung der formalen Struktur sowie des Charakters Martín Fierro anhand der zuvor erarbeiteten Definitionen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, in der die Autorin zum Schluss kommt, dass Martín Fierro eher dem Typus des Antihelden entspricht und nicht als klassisches Epos zu bezeichnen ist.
Schlüsselwörter
Martín Fierro, José Hernández, Epos, Nationalepos, Gaucho, Argentinien, Held, Antiheld, Literaturanalyse, Gattungstheorie, Ricardo Rojas, Leopoldo Lugones, Heldenepos, Identität, Sozialkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Werk Martín Fierro von José Hernández hinsichtlich seiner literarischen Einordnung als Epos und dem Charakterstatus der Hauptfigur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die literaturwissenschaftliche Definition epischer Gattungen sowie die soziale und nationale Symbolik der Gaucho-Figur in Argentinien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob der Protagonist eher als klassischer Held oder als Antiheld zu werten ist und ob das Werk die strengen Kriterien eines Epos erfüllt.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Autorin definiert zunächst die literarischen Gattungsbegriffe, stellt existierende Forschungspositionen vor und gleicht diese anschließend mit dem Primärtext ab.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsarbeit, die Vorstellung der Debatte von Lugones und Rojas sowie die detaillierte Analyse von Form und Charakterzeichnung.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die zentralen Begriffe sind Martín Fierro, Epos, Nationalepos, Gaucho, Held und Antiheld.
Warum wird Martín Fierro laut der Autorin eher als Antiheld eingestuft?
Da die Figur durch äußere Umstände an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, moralische Grenzüberschreitungen wie Tötungsdelikte begeht und der klassischen heldenhaften Vorbildfunktion widerspricht.
Inwieweit spielt die soziale Situation des Gauchos eine Rolle?
Die Autorin argumentiert, dass Hernández den Charakter nutzt, um die systemische Unterdrückung und Diskriminierung der Gauchos in Argentinien sowie deren Identitätsverlust zu kritisieren.
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- Laura Weyand (Author), 2010, Martín Fierro - Ein Epos?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267016