Modellgutachten zur Psychodiagnostik.
Störung, die begutachtet wird: Lebenszufriedenheit, Flugangst.
Wiedergegeben ist der anonymisierte vollständige Wortlaut: Anschreiben, Fragestellung, Vorgeschichte, Untersuchung /Untersuchungsbericht, biographische Anamnese, Exploration, Vorstellung verwendeter Tests und Verfahren incl. Ergebnis, Befund, Stellungnahme, Kurzgutachten.
Inhaltsverzeichnis
Anschreiben an den Auftragnehmer (Arzt/ Psychologe)
Vorgeschichte
Untersuchungsbericht - Angewandte und durchgeführte Untersuchungsverfahren
Aufnahmegespräch – Krankheitsanamnese
Beschwerdefragebogen (BFB), durchgeführt am 21. 03. 1994
CIDI – Composite International Diagnostic Interview ( Sektion D)
Biographische Anamnese
Rücksprache mit dem Ehemann
Exploration der Patientin zu Umgebungsvariablen, Organismusvariablen
kognitiven und zur Leistungsfähigkeit
E-P-I Eysenck Personality Inventory
Aufmerksamkeits- und Belastungstest d2
Tempoleistung und Merkfähigkeit Erwachsener (TME)
Differentieller Interessentest ( DIT ), durchgeführt am 08.04.1994
Leistungsprüfsystem (LPS), durchgeführt am 15.04.1994
FLL – Fragebogen zu Lebenszielen und zur Lebenszufriedenheit
Befund
Stellungnahme
Kurzgutachten
Zielsetzung & Themen
Das vorliegende Modellgutachten hat das primäre Ziel, die psychologische Eignung und Voraussetzungen der Patientin Ilona S. für eine berufliche Umorientierung zu evaluieren sowie den Schweregrad ihrer Flugangst im Kontext ihrer Lebenssituation und ihres Selbstwertgefühls zu diagnostizieren.
- Diagnostik einer spezifischen Flugangst (Phobie) sowie Ansätze einer sozialen Phobie.
- Einschätzung der kognitiven Leistungsfähigkeit durch testpsychologische Verfahren.
- Analyse der biographischen Hintergründe und aktuellen Lebenssituation.
- Berufliche Beratung unter Berücksichtigung von Neigungen, Interessen und Belastbarkeit.
- Empfehlung therapeutischer Interventionsmöglichkeiten zur Stabilisierung.
Auszug aus dem Buch
Aufnahmegespräch – Krankheitsanamnese
Im Aufnahmegespräch ging Frau S. bereitwillig auf die gestellten Fragen ein, erweiterte die Fragestellung und sprach persönliche Probleme offen an. Hinweise auf Abwehr und Aggravation ergaben sich nicht.
Die Patientin verspüre seit Jahren Angstgefühle in spezifischen Situationen. So im Kino, im Theater oder auf Busfahrten. Die Angst beziehe sich darauf, nicht schnell genug eine Toilette aufsuchen zu können. Um diese Befürchtung minimieren zu können, habe sie eine Routine derart entwickelt, daß sie die Toilette vor dem Ereignis aufsuche, sonst günstige Gelegenheiten, den Raum zu verlassen, nutze, das Problem offen anspreche oder entsprechende Situationen gar ganz meide.
Weiterhin gibt die Patientin Flugangst an. Die Entstehung habe ihrer Meinung nach eine lange Vorgeschichte. So sei sie zum Beispiel stark beeindruckt von Katastrophenberichten, die sie in den Medien verfolge. Das Schicksal der Betroffenen rühre sie stark an. Ihre Angst bestehe darin, im Falle einer Flugzeugkatastrophe selbst eingeschlossen und hilflos zu sein. In der letzten Zeit seien seitens der Familienmitglieder Gedanken an eine Flugreise immer öfter zur Sprache gekommen. Habe sie zu Vorwendezeiten noch gegen eine Flugreise argumentieren und einer solchen ausweichen können, sehe sie sich jetzt seitens der Familie mit dem Argument konfrontiert, daß ihre Flugangst nur eine Erwartungsbefürchtung sei und sie das Fliegen ja noch nie praktisch versucht habe.
Zusammenfassung der Kapitel
Anschreiben an den Auftragnehmer (Arzt/ Psychologe): Formelle Einleitung und Definition des Gutachtenauftrags zur Flugangst und beruflichen Umorientierung.
Vorgeschichte: Zusammenfassung der Überweisungsgründe durch den Neurologen, insbesondere die Flugangst und Sorge vor Arbeitsplatzverlust.
Untersuchungsbericht - Angewandte und durchgeführte Untersuchungsverfahren: Auflistung aller durchgeführten psychologischen Testverfahren und anamnestischen Gespräche.
Aufnahmegespräch – Krankheitsanamnese: Detaillierte Schilderung der Angstphänomene und Bewältigungsstrategien der Patientin.
Beschwerdefragebogen (BFB), durchgeführt am 21. 03. 1994: Ausschluss einer funktionell neurotischen Störung durch geringe Beschwerdebelastung.
CIDI – Composite International Diagnostic Interview ( Sektion D): Diagnostische Erfassung der Phobien nach ICD-10 Kriterien.
Biographische Anamnese: Darstellung der Lebensgeschichte, prägenden Kindheitserfahrungen und des familiären Hintergrunds.
Rücksprache mit dem Ehemann: Einholung der Perspektive des Ehepartners zur Flugangst und häuslichen Situation.
Exploration der Patientin zu Umgebungsvariablen, Organismusvariablen kognitiven und zur Leistungsfähigkeit: Erhebung der aktuellen Lebenssituation und Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit.
E-P-I Eysenck Personality Inventory: Bestimmung der Persönlichkeitsstruktur hinsichtlich Extraversion und Neurotizismus.
Aufmerksamkeits- und Belastungstest d2: Überprüfung der visuellen Konzentrationsfähigkeit und Arbeitsgenauigkeit.
Tempoleistung und Merkfähigkeit Erwachsener (TME): Analyse der lernabhängigen kognitiven Veränderungsprozesse.
Differentieller Interessentest ( DIT ), durchgeführt am 08.04.1994: Erfassung der Interessenprofile und beruflichen Neigungen.
Leistungsprüfsystem (LPS), durchgeführt am 15.04.1994: Ermittlung der allgemeinen intellektuellen Leistungsfähigkeit.
FLL – Fragebogen zu Lebenszielen und zur Lebenszufriedenheit: Auswertung der subjektiven Lebenszufriedenheit und Zukunftserwartungen.
Befund: Synoptische Darstellung der Untersuchungsergebnisse und Diagnosestellung.
Stellungnahme: Zusammenfassende Einschätzung und Empfehlung zu Therapie und beruflicher Ausrichtung.
Kurzgutachten: Kompakte Beantwortung der zentralen Fragestellungen des Gutachtenauftrags.
Schlüsselwörter
Flugangst, Phobie, Berufliche Umorientierung, Psychologische Diagnostik, Leistungsfähigkeit, Selbstwertgefühl, Verhaltensauffälligkeit, Psychotherapie, Anamnese, Lebenszufriedenheit, Testpsychologie, Eysenck-Persönlichkeitsinventar, Soziale Phobie, Arbeitsmarktlage, Interessenprofil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Dokument ist ein psychologisches Modellgutachten, das im Rahmen einer Ausbildung erstellt wurde, um eine Patientin hinsichtlich Flugangst und beruflicher Perspektiven zu begutachten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die klinische Diagnostik von Phobien, die Erhebung kognitiver Leistungsdaten und die Beratung zur beruflichen Neuorientierung einer 50-jährigen Patientin.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Gutachten soll den Schweregrad der Flugangst klären und die psychischen Voraussetzungen für eine berufliche Umorientierung der Patientin fundiert einschätzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommen standardisierte psychologische Testverfahren (u.a. BFB, CIDI, E-P-I, d2, TME, DIT, LPS, FLL) sowie klinische Explorationen und anamnestische Gespräche zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil dokumentiert detailliert die Anamnese, die Ergebnisse der psychometrischen Tests und die Befunderhebung zur aktuellen psychischen und sozialen Lebenssituation der Patientin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Phobie-Diagnostik, psychologische Testverfahren, berufliche Eignung und psychische Stabilisierung charakterisieren.
Wie bewerten die Tests die kognitive Leistungsfähigkeit der Patientin?
Die Testergebnisse attestieren der Patientin eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche kognitive Leistungsfähigkeit, insbesondere in der visuellen Merkfähigkeit und Konzentration.
Welche therapeutische Empfehlung spricht das Gutachten aus?
Es wird eine verhaltenstherapeutische Behandlung zur Konfrontation mit angstauslösenden Situationen sowie eine begleitende Gesprächspsychotherapie zur Stärkung des Selbstwertgefühls empfohlen.
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- Dipl. Psychologe Jörg Hartig (Author), 1998, Psychodiagnostik "Modell-Gutachten", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26705