Randphänomene im Tempusgebrauch der heutigen deutschen Sprache


Masterarbeit, 2012
104 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Abgrenzung des Themas.

3. Theoretischer Teil
3.1. Entwicklung der Tempora in der deutschen Sprachgeschichte
3.1.1. Die deutschen Tempora im Althochdeutschen
3.1.2. Die deutschen Tempora im Mittelhochdeutschen
3.1.3. Die deutschen Tempora im Frühneuhochdeutschen
3.2. Analytische und synthetische Zeitformen im gegenwärtigen Deutsch
3.2.1. Funktionen und Eigenschaften der deutschen Tempora
3.3. Randphänomene im deutschen Tempussystem
3.3.1. Die tun-Periphrase
3.3.2. Der am-Progressiv und weitere ähnliche Formen
3.3.3. Anwendungsmöglichkeiten von Futur II
3.3.4. Der (ober)deutsche Präteritumschwund
3.3.5. Die doppelten Perfektformen
3.4. Zusammenfassung des theoretischen Teils.

4. Praktischer Teil
4.1. Vorkommenshäufigkeit der deutschen Tempora in ausgewählten literarischen Werken
4.2. Untersuchung der Phänomene im Internet
4.2.1. Die tun-Periphrase und der am-Progressiv im Internet
4.2.2. Futur II im Internet
4.2.3. Der Präteritumschwund im Internet
4.2.4. Die doppelten Perfektformen im Internet
4.3. Zusammenfassung des praktischen Teils.

5. Resümee.

6. Resumé.

7. Literaturverzeichnis – primäre Literatur.

8. Literaturverzeichnis – sekundäre Literatur.

9. Anlagen

„Vor dem Lager ist noch Gras gewachsen, aber hinter dem Stacheldrahtzaun gab´s kein grünes Gras mehr, kein Blatt an keinem Baum, sie haben ´s alles aufgegessen gehabt. Das ist wahr, ihr. Den Athi hat sie zwar Jahr nicht gesehen gehabt, mit dem Bürgerkrieg und der Gefangenschaft, und mager war er sehr.“[1]

1. Einleitung

Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit den neuen Tendenzen im deutschen Tempussystem.

Die deutschen Tempora sind seit je in einem Entwicklungsprozess, die gegenwärtigen Grammatiken beschäftigen sich aber meistens nur mit dem, was als Norm, Standardsprache gilt und nicht mit den Phänomenen, die zu den sogenannten „Tendenzen“ zu zählen sind. Die Einflüsse der Mundarten, des Lebensstils, des Englischen, der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung haben jedoch die Bereicherung der schriftlichen und mündlichen Sprache zur Folge. In den ersten Kapiteln wird das klassische Sechs-Tempora-System behandelt, wobei die Bedeutungs- und Benutzungsvielfalt näher erklärt werden muss.

Das Ziel dieser Arbeit ist, die Besonderheiten der Tempusformen in der gegenwärtigen deutschen Sprache vorzustellen und deren Vorkommen in der Sprache zu zeigen und zu begründen. Es wird eine "neue“ und oft unbekannte Tempusform „das doppelte Perfekt“ beschrieben, die vor allem in der gesprochenen Sprache zu hören ist. Es soll untersucht werden, ob diese Verdoppelung wirklich eine neue Erscheinung ist, in welchem Maße es Belege dazu auch in der Literatur gibt, aus welchen stilistischen und grammatischen Gründen die SprecherInnen und SchreiberInnen diese Form wählen und ob die Tendenz zur Benutzung steigend ist.

In dem theoretischen Teil wird der Jahrhunderte dauernde Übergang der synthetischen Zeitformen auf analytische beschrieben, weiterhin neue Tendenzen der Tempora und deren Benutzung analysiert, z.B. die Bedeutungsveränderung des Futur II, die Begründungen des oberdeutschen Präteritumschwunds und dessen Zusammenhänge mit der Entstehung des doppelten Perfekts. Die sogenannte „tun-Periphrase“ bestätigt noch einmal die Tendenz zum analytischen Sprachbau genauso wie der am-Progressiv. Die ausgewählten synchronischen Grammatiken werden detailliert untersucht und es wird überprüft, ob sie diese grammatischen Phänomene tiefgreifend genug beschreiben. Da sie aber eher nicht der Standardsprache angehören, gibt es eine Annahme, dass dies nicht der Fall sein wird. Daher werden die Grammatiken auch diachron betrachtet, um festzustellen, ob die Phänomene mit der Gebrauchszunahme doch kodifiziert werden. Dabei sollte auch die regionale Ausbreitung von großer Wichtigkeit sein. Die Literatur, beziehungsweise Belletristik, hat die schöne Eigenschaft, dass sie uns die Sprache verewigt, konserviert. Anhand der Beispiele können wir sehen, in welchen Situationen, bei welchen Autoren, Gattungen, Stilen usw. die untersuchten Erscheinungen vorkommen, es werden Werke aus verschiedenen räumlichen Gebieten untersucht, um vor allem Abweichungen zwischen der Benutzung der Sprache im Süden und Norden des deutschen Sprachraums zu finden. Die Internet- oder Chatrooms-Sprache ist eine nützliche Quelle, die sich der gesprochenen Sprache sehr nähert, daher werden die behandelten Themen auch in diesem neuen Medium untersucht, um festzustellen, aus welchen Gründen die BenutzerInnen diese Phänomene wählen.

2. Abgrenzung des Themas

Im ersten Teil wird die Geschichte der deutschen Tempora beschrieben, um die Basis für das spätere Kapitel über den Übergang vom synthetischen zum analytischen Sprachbau zu bilden. Dieses Thema sollte eigentlich die ganze Arbeit begleiten, wir führen die Vor- und Nachteile der synthetischen und analytischen Formen vor. Die Bildung und Konjugation der Tempora sind für diese Arbeit nicht von Belang, eher deren Bedeutung und Verwendung. Man behandelt gründlicher das doppelte Perfekt (dessen Erwähnungen in den ausgewählten gegenwärtigen Grammatiken, sein Gebrauch in der Umgangs- und Standardsprache). Die Vorkommen in der Belletristik beweisen die Zitationen aus der Arbeit der russischen Forscher Litvinov/Radčenko. Im Werk „Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll wird das doppelte Perfekt gesucht, gleichfalls wollen wir zeigen, durch welche Mittel der Übersetzer Vratislav Slezák die doppelten Perfekte ins Tschechische übersetzt hat. Die weiteren sich gegenseitig beeinflussenden Themen werden in den einzelnen Kapiteln behandelt, dies ist der Präteritumschwund, die tun-Periphrase, der am-Progressiv, die Verwendung von Futur II und wieder ihre regionalen, soziologischen oder situativen Varietäten. Die Internet-Belege und ihre Häufigkeit werden teilweise auch aus der diachronen Sicht präsentiert. Die Literatur-Belege zeigen das Vorkommen der behandelten Themen in der Belletristik. Das Ziel der Arbeit ist, die Gründe des Übergangs vom synthetischen Sprachtyp zum analytischen zu erklären, womit die Benutzung der Randphänomene im Tempusgebrauch eng zusammenhängt.

3. Theoretischer Teil

Bevor wir die einzelnen Phänomene behandeln, soll die diachrone Entwicklung und Benutzung aller deutschen Tempora erörtert werden, damit man die Zusammenhänge erkennt und versteht, warum und wann die einzelnen Erscheinungen entstanden sind.

3.1. Entwicklung der Tempora in der deutschen Sprachgeschichte

Wir teilen die deutsche Sprachgeschichte in vier Epochen[2] und bedienen uns nicht der einfachen klassischen Teilung nach je drei Jahrhunderten[3], sondern der komplexeren Gliederung von Sonderegger[4], räumlich unterscheiden wir das niederdeutsche, mitteldeutsche und oberdeutsche Gebiet. Die Sprachgebiete, in denen die zweite Lautverschiebung nicht stattgefunden hat, dh. das Niederdeutsche, werden wir detailliert nicht untersuchen, da sich das Niederdeutsche nach Untergang der Hanse im 17. Jahrhundert dem Mitteldeutschen angepasst hat und der Hauptzweck dieser Arbeit ist es, den Stand der Tempora im gegenwärtigen Deutsch zu beschreiben. Die Beispiele aus dem Englischen und Niederländischen werden uns jedoch später helfen, die Gründe der Existenz z.B. der tun-Periphrase zu erörtern.

3.1.1. Die deutschen Tempora im Althochdeutschen

Die zeitliche Einordnung – das Althochdeutsche, also das Deutsch des Frühmittelalters, hat sich nach dem Ende des Weströmischen Reiches um das Jahr 480, ggf. nach der Völkerwanderungszeit allmählich aus dem Germanischen ausgespaltet. Schmidt erwähnt wie Sonderegger die vordeutsche Phase seit dem 5. Jh. und beide erlauben die zeitliche Einordnung erst ab Abrogans, das mit der Niederschrift 765 in Freising für das erste deutsche Buch gehalten wird.[5] Für Braune beginnt die Periode mit dem Anfang der Überlieferung der Sprache im 6. Jh.[6], am Ende des Althochdeutschen einigen sie sich am ausgehenden 11. Jh. Räumliche Grenzen des althochdeutschen Sprachgebietes sind Folgen der 2. Lautverschiebung, vom Süden erstreckt sich das Oberdeutsche zum Mitteldeutschen bis zur Grenze zum niederdeutschen Gebiet.[7] Das Deutsche kennt bei den Verben im Althochdeutschen zwei Numeri, Singular und Plural und drei Personen. Tempus vertraten zwei synthetische Formen – Präsens und Präteritum.[8] Das Präsens konnte auch für den Ausdruck von Zukunft verwendet werden, für das Futurum gibt es keine eigene Form zu dieser Zeit.[9] Futur konnte mit sculan „sollen“ oder wellen „wollen“ umschrieben werden, der Auftritt sei aber nach Schmidt[10] selten. Präteritum oder Imperfekt genannt vertritt die Vergangenheit und ersetzt das noch nicht entwickelte Perfekt, das sich schon seit dem 9. Jh. durchzusetzen versuchte, dabei wurden Hilfsverben habēn, eigan, heute haben oder wësan, heute sein benutzt. Anstatt Plusquamperfekt wurde noch das einfache Präteritum benutzt.[11] Was Genus angeht, kennt das Althochdeutsche nur das Aktiv, Passiv wird regelmäßig erst ab dem 9. Jh. mit Hilfsverben wësan und wërdan + Partizip Präteritum gebildet. Modi kennen wir zwei, wobei Indikativ synthetisch und Konjunktiv schon auch analytisch durch Umschreibungen mit muoz „ muss “, scal „ soll oder wil „ will + Infinitiv gebaut wird.[12] Wie in anderen indoeuropäischen Sprachen funktioniert das System der starken und schwachen Verben.

3.1.2. Die deutschen Tempora im Mittelhochdeutschen

Mittelhochdeutsch wird in den Zeitraum von etwa 1050 bis 1350 gelegt, manchmal auch später bis zum Auftreten Luthers.[13] Es wird aber auch traditionell unterteilt in die frühmittelhochdeutsche (1050-1150), die klassische mittelhochdeutsche (1150-1250) und die spätmittelhochdeutsche (1250-1350) Periode. Der Sprachraum umfasst wieder das oberdeutsche und mitteldeutsche Gebiet, das Niederdeutsche ging zu der Zeit noch einen anderen Weg.[14]

Im Mittelhochdeutschen gibt es beim Verb wieder drei Personen, zwei Numeri (Singular und Plural) und zwei synthetische Tempora – Präsens und Präteritum. So wie im heutigen Deutsch findet man hier schon alle drei Modi (Indikativ, Konjunktiv und Imperativ) und ein Genus Verbi – Aktiv. Viel üblicher werden nach und nach Umschreibungen mit unterschiedlichen Bedeutungen und Benutzungsmöglichkeiten. Dazu wurden Hilfs- und Modalverben haben, sîn, wërden, suln, müezen, wellen (haben, sein, werden, sollen, müssen, wollen) verwendet.[15]

3.1.3. Die deutschen Tempora im Frühneuhochdeutschen

Das Frühneuhochdeutsche wird meistens ab der Kanzleisprache Karls IV. in der Mitte des 14. Jhs. bis etwa 1650 datiert, als sich das Ostmitteldeutsche im niederdeutschen Sprachraum langsam durchsetzte, trotzdem wird der niederdeutsche Sprachraum noch nicht einbezogen.[16]

Im Frühneuhochdeutschen gleichen sich die Funktionen der einzelnen synthetischen und analytischen Formen dem Neuhochdeutschen sehr an.[17] Sonderegger macht darauf aufmerksam, dass sich die analytischen Formen wegen einer genaueren Kennzeichnung des Geschehens herausgebildet haben.[18] Laut den Ergebnissen von Polenz´ Untersuchungen waren die analytischen Verbformen im mittelalterlichen Deutsch (12.-15. Jh.) vorbereitet, sie nahmen aber erst im Frühneuhochdeutschen (15.-18. Jh.) stark zu und wurden grammatikalisiert.[19] Das Perfekt fand schon seine feste Stelle in der Grammatik, es schwankt aber der Gebrauch von Hilfsverben sein und haben. Luther bevorzugte die oberdeutsche Variante mit sein - bin gestanden bei Verben räumlicher Ruhe, wie wir es noch heute im Süden des deutschen Sprachraums kennen. Es konnte schon das Präteritum durch das erzählende Perfekt ersetzt werden, das nächste Beispiel zeigt uns, dass das Perfekt schon eine regelmäßige Anwendung fand, wenn es noch komplexere Varianten erlaubte:

„Zur Erzielung besonderer Deutlichkeit […] werden beim Perfekt und Plusquamperfekt Doppelumschreibungen durch die Partizip Präteritum gehabt und gewesen benutzt: ´Es wird zuweilen das Hulfswort bey seinem Haubtworte doppelter Weise gebrauchet/ als: Ich habe geschrieben gehabt: ich hette gelesen gehabt: nach dem er gestorben gewesen war´“[20]

Die Doppelumschreibungen (Ultraperfekt und Ultraplusquamperfekt) datiert Sonderegger auch erst in die frühneuhochdeutsche Phase, jedoch nur mit dem Auxiliar haben:

„Präs./ Prät. von haben + 2. Part. + gehabt (normativ nicht voll anerkannt) […]“[21]

Dieses sogenannte doppelte Perfekt wird noch später gründlicher behandelt.

Das Plusquamperfekt drückt den Abschluss des Vorgangs in der Vergangenheit aus, laut Schmidt konnte Präteritum mit Präfix ge- in gleichen Situationen wie Plusquamperfekt benutzt werden:

„Vnd als wir einander gesegneten, tratten wir ins schiff“[22]

Futur I wird seit dem 15. Jh. angewendet, bedeutete Anfang einer Handlung und erst später zukünftiges Geschehen. Die Konstruktionen mit wollen oder sollen + Infinitiv statt werden + Infinitiv bleiben bis ins 16. Jh. Futur II drückte schon im Frühneuhochdeutschen die Wahrscheinlichkeit aus.[23] Die analytischen Umschreibungen des Passivs mit werden sind schon seit dem 13. Jh. ziemlich üblich, doch kann es immer noch das ergänzende Teil fehlen, vergl. er [..]. ist funden worden und er [...] ist widder funden[24]

3.2. Analytische und synthetische Zeitformen im gegenwärtigen Deutsch

Wie die obigen Zeilen gezeigt haben, gehen wir von einer langen Entwicklung der Sprachgeschichte aus, wo ein Umwandlungsprozess vom synthetischen zum analytischen Sprachtyp stattfindet, der übrigens noch nicht beendet wurde. Bekanntlich existieren im Deutschen 6 Tempora, jedoch alle mit vielseitiger Benutzung.[25] Im Folgenden soll detailliert untersucht werden, wie die Gebrauchsweise der einzelnen polysemen Formen in der heutigen deutschen Sprache aussieht. Die nächsten Zeilen sollten bestätigen, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen den Benennungen der Tempora und den wirklichen Handlungszeiten gibt. Braun empfiehlt die Unterscheidung in die Formen (Präsens, Präteritum, Futur, usw.) und Inhalte (Gegenwart, Dauer, Gewohnheit, Zukunft, Vermutung, Befehl), laut des Autors ist jede Zeitform mehrdeutig.[26]

Mit der Erforschung der analytischen und synthetischen Formen befasst sich Roelcke gründlicher, die größte Vorkommenshäufigkeit haben nach ihm die synthetischen Zeiten Präsens und Präteritum, obwohl ihr Anteil zugunsten der analytischen Tempora (Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I, Futur II) zurückgeht. Die Wahl zwischen den einfachen und zusammengesetzten Bildungen entspricht den historischen, regionalen und funktionalen Bedingungen.[27] So sind bei den älteren Sprechern aus dem Süden in alltägigen Situationen andere Formen zu erwarten als z.B. bei Studenten aus dem Norden des Sprachraums beim Schreiben einer Klausur. Die Möglichkeiten der Tempora sind nicht unbegrenzt und falls uns die reine Tempusform zum Ausdruck der objektiven Zeit nicht ausreicht, können wir z.B. Adverbien zur Hilfe nehmen:

„Wenn sie jetzt nicht noch die Richtung ändern (GEGENWART), müssen sie an der Spur auf hundertzwanzig Meter (ZUKUNFT) vorbeifahren.“[28]

„Ich gehe jetzt nach Hause“

„Wir gehen morgen ins Kino“,

„Wir sind gestern in der Stadt und plötzlich ...“ [29]

Die Beispiele drücken ein gegenwärtiges, zukünftiges und auch ein vergangenes Geschehen aus. Mithilfe von Tempusformen bilden wir nicht nur Sätze in verschiedenen Zeitperioden, sondern können auch modale Bedeutungen und Vermutungen äußern.

Die Tempusformen drücken keine objektive Zeit aus, sondern die Zeit in Bezug auf den Sprechzeitpunkt, also den Moment, an dem der gegebene Satz mündlich oder schriftlich produziert wurde. Es wird also die grammatikalische Vergangenheit, Gegenwart, oder Zukunft thematisiert.[30]

Ich habe gestern die Hausaufgabe gemacht – ich mache jetzt die Hausaufgabe – ich werde morgen die Hausaufgabe machen.“

Damit wir die Besonderheiten im Tempusgebrauch tiefer behandeln können, müssen die Anwendungsmöglichkeiten aller Tempora vorgestellt werden, wo schon einige Randphänomene in den Funktionen und Bedeutungen entdeckt werden.

3.2.1. Funktionen und Eigenschaften der deutschen Tempora

Präsens

Das Präsens ist eine der zwei synthetischen Formen, es ist das am häufigsten gebrauchte Tempus überhaupt,[31] das in allen drei Zeitstufen (Vergangenheit/ historisches Präsens, Gegenwart, Zukunft) und im allgemein Gültigen auftreten kann, es enthält in sich keinen Modalfaktor.[32]

Zwei Soldaten nehmen Forell in Empfang und führen ihn weg. (GEGENWART)“[33]

„Seit dem Frühjahr 1972 besitze ich (Vergangenheit) einen Volkswagen, Baujahr 1968, den mir der bei der Firma Kloft beschäftigte Koch Werner Klormer günstig überließ.“[34]

Das Präsens mit Bezug auf Gegenwärtiges kann in der Vergangenheit anfangen und muss in der Gegenwart gegebenfalls im Sprechzeitpunkt nicht abgeschlossen sein.

Das Geschehen kann im Falle des Bezugs auf die Zukunft erst nach dem Sprechzeitpunkt anfangen, siehe nächstes Beispiel:

„[…] sie rechnet damit (Gegenwart), dass sich ihr Kapital bis zu ihrer Entlassung erheblich verzinst (Zukunft) und will dann irgendwo, natürlich nicht hier ein Restaurant mit Traiteurservice aufmachen (Zukunft).“[35]

„Nur dies glauben sie bestimmt zu wissen, dass einer der Bären zumindest am Morgen oder am Abend den Wechsel begeht, […] Und es kommt am Abend kein Bär. Die Nacht bringt nichts. Am Morgen wird man wieder ins Zelt gehen, ohne auch nur einen Bären gesehen zu haben.“[36]

In diesem Falle wird entweder der Kontext verraten, dass es sich um ein zukünftiges Geschehen handelt oder wird der Satz in der Regel um eine Temporalangabe ergänzt wie morgen, nächstes Jahr, später.[37]

Es können auch mehrere Geschehnisse gleichzeitig vorkommen, alle mit dem einfachen Präsens:

„Während der Arzt, auf den blanken Fels niedergekniet, Mattern zu untersuchen beginnt, steht Forell auf, steigt über schlafende Kameraden hinweg und postiert sich so nahe, dass Stauffer ihn sehen muss. Der Posten weicht nicht von der Stelle.“[38]

Das Präsens des Vergangenen, historisches Präsens genannt, wird anstatt Präteritum verwendet, wenn man dem Text Lebendigkeit und Gegenwärtigkeit bringen will. Typische Gattungen dafür sind Geschichtsschreibungen, Biographien und literarische Texte, die der Autor lesbarer und lebendiger machen will.

„Da vier Tage vergehen, bis über die Gesandtschaft die Formalitäten erledigt sind, haben die beiden Männer Zeit, sich einander zu gewöhnen. Onkel Baudrexel lächelt zum erstenmal, als er im Hotel beobachtet, wie sein Neffe sich wie ein gutwilliges Kind abmüht, Gabel und Messer so zu benützen, wie es europäischer Sitte entspricht.“[39]

Präsens des allgemein Gültigen „Und sie bewegt sich doch!“ (Galileo Galilei) hat keine objektive Zeitbegrenzung, es ist typisch für Sprichwörter, Gesetzbücher usw.:

Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss seh'n, was übrig bleibt.“

„Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

"Haste was, dann biste was." - nach Friedrich Schillers Gedicht Das Werthe und das Würdige[40]

„(1) Mit dem Tod einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über.“[41]

Das deutsche Präsens vertritt alle messbaren Zeiten, es sollte also als das flexibleste Tempus überhaupt betrachtet werden. Obwohl es eine sichere Stelle im Zeitsystem hat, gibt es wieder Besonderheiten im oberdeutschen Raum. Die analytische tun-Periphrase[42] aus dem Englischen (to-do-Konstruktion) stellt eine Motivation für die Klammerbildung dar. Das konjugierte Hilfsverb tun verschiebt das Vollverb in die betonte satzfinale Position und ersetzt mit Umschreibung somit das allseitige fest verankerte Präsens, siehe später das Kapitel über die tun-Periphrase.

Frank tut sowas bestimmt nicht sagen.“ [43]

„Heute tut es sehr stark schneien.“ [44]

Präteritum

Das Präteritum[45] (Imperfekt) hat nur eine Funktion, drückt nur abgeschlossene Vergangenheit aus und wird oft als Erzähltempus der geschriebenen Sprache bezeichnet:[46]

„Die vierte Rubrik enthielt Einnahmen und Ausgaben, die mit den Extrabeschäftigungen der Blum zusammenhingen, betrafen Anschaffungs- und Reinigungskosten für Berufskleidung, anteilige Unkosten für den Volkswagen.“[47]

Sein Auftreten auch in Tatsachenberichten ist sehr häufig[48], obwohl es nur eine einzige Bedeutungsvariante hat.[49] In manchen Texten oder Gebieten wurde es aber völlig abgebaut.[50] Der Vorteil des Präteritums vor allem aus der Sicht der Ausländer, die Deutsch lernen, ist dessen Kürze, es wird immer noch sehr oft in Überschriften, Schlagzeilen und Zeitungsartikeln verwendet. Allgemein wird im Norden und Osten des deutschen Sprachraums Präteritum, im Süden Perfekt vorgezogen, siehe Kapitel 3.3.4 über den oberdeutschen Präteritumschwund.

„Vor der Kaufhalle verkauften wir Samen und Blumen aus dem Schulgarten und spendeten den Erlös für die Kinder in Vietnam. Wir säuberten die Rabatten vor der Turnhalle, sammelten alte Milchtüten aus den Gebüschen ...“ [51]

In Ausnahmefällen steht das Präteritum anstelle des Präsens: „Wie war noch Ihr Name?“ Trotzdem wird Präteritum mit seiner mangelnden Benutzungsvielfalt immer mehr bedroht und durch das analytische satzklammerbildende Perfekt häufig ersetzt.

Perfekt

Das Perfekt ist eine klammerbildende Zeitform[52], deren Vorteile in der gesprochenen Sprache zu einer immer häufigeren Benutzung[53] führen.

„Jedenfalls habe er auf der Toilette ständig Selbstgespräche geführt und sei dann ohne Abschied verschwunden.“[54]

Es bezeichnet ein vergangenes Geschehen mit Bezug auf die Gegenwart, oft mit einem resultativen Charakter, die Handlung gilt als abgeschlossen.

„Am Morgen, wenn alles gut gegangen ist, wird er einen kleinen, einen ganz kleinen Streifen Speck abschneiden.“[55]

Diese Konkurrenzform zum Präteritum wird besonders im Süden des deutschen Sprachraums als Erzähltempus verwendet.

Laut Schmidt wurde das Präteritum schon im Frühneuhochdeutschen oft durch das "erzählende Perfekt" ersetzt.[56] Der Duden im Jahre 1966 hält das Perfekt für gefährdet, das Präteritum wurde dank dessen Kürze als prägnanter charakterisiert.[57] Schon in der 4. Auflage aus dem Jahre 1984 schreibt Duden über die mehrdeutige Verwendung des Perfekts (Vollzug, Abgeschlossenheit,…), das Präteritum dagegen wird als ein einfaches Vergangenheitstempus verstanden, das keine Nebenbedeutungen hat.[58] In der neuesten Ausgabe des Duden gilt das Präteritum als vom Perfekt langsam verdrängt, was eine ganz neue Sichtweise präsentiert. Das Perfekt kann im Unterschied zum Präteritum Vergangenes mit Auswirkung auf die Gegenwart ausdrücken.[59] Das Perfekt kann mit Temporalangabe auch ein zukünftiges Geschehen darstellen, steht so als eine Konkurrenzform zu Futur II.[60]

„Bis zum nächsten Jahr hat er seine Dissertation vermutlich abgeschlossen. Bis zum nächsten Jahr wird er seine Dissertation (vermutlich) abgeschlossen haben.“[61]

Das Perfekt wird in der Belletristik und in der gesprochenen Sprache sowohl als Erzähltempus als auch in Gesprächen und in der Gesprächswiedergabe verwendet, siehe das nächste Beispiel:

„Wieviel Schule hast du denn besucht, Forell? Kann einer denn mit soviel Unwissenheit Oberleutnant werden? Wer hat bei euch denn Geographieunterricht gegeben? Wie oft hast du das Klassenziel nicht erreicht?“[62]

Plusquamperfekt

Die Bildung des Plusquamperfekts besteht aus der präteritalen Form des Hilfsverbs und Partizip II des Vollverbs.[63] Das Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) drückt Vollzug oder Abschluss mit Bezug auf ein vergangenes Geschehen aus[64] und ermöglicht zusammen mit Präteritum oder Perfekt eine zeitliche Abstufung des Ereignisses. Häufig wird der Zeitpunkt durch eine zusätzliche Adverbialbestimmung ergänzt. Helbig/ Buscha bemerken, dass das Plusquamperfekt lediglich eine Bedeutungsvariante hat, es bezeichnet nur vergangene Sachverhalte mit Erzählmerkmalen[65] und tendiert zum Ausdruck von einfacher Vergangenheit.[66]

„Die Deutsche Demokratische Republik war einfach noch nicht verschwunden. Sie hatte mit dem Fall der Mauer, wie viele glaubten, ihren Hut genommen, sie war nicht weggegangen und hatte die Menschen an den nächsten, schon vor der Tür Wartenden abgegeben. Sie hatte sich nur verwandelt und war von einer Idee zu einem Raum geworden, einem kontaminierten Raum. [67]

Das Plusquamperfekt kommt sehr oft in der Belletristik vor:

"Sie hatten auch nicht über Liebe gesprochen, das hatte sie ihm ausdrücklich - schon als sie mit ihm im Auto nach Hause fuhr - verboten.“[68]

„Hanna konnte nicht lesen und schreiben. Deswegen hatte sie sich vorlesen lassen. Deswegen hatte sie mich auf unserer Fahrradtour das Schreiben und Lesen übernehmen lassen und war am Morgen im Hotel außer sich gewesen, als sie meinen Zettel gefunden, [...] hatte.“[69]

In den süddeutschen Regionen, wo kein Präteritum mehr vorkommt[70], wird außer den Verben sein/ haben auch kein Plusquamperfekt benutzt und nach Erben durch das Doppelperfekt ersetzt.[71]

Futur I

Die zweiteilige Verbform Futur I ist ihrer Hauptform nach eine Tempusform, die Zukünftiges ausdrücken soll. Das bedeutet nicht, dass Futur I das Haupttempus der Zukunft ist, diese Funktion übernimmt in den meisten Fällen Präsens mit häufigen Zeitadverbien. Laut Helbig/ Buscha hat Futur I zwei Bedeutungsvarianten.

„Er liegt im Sterben. […] Erschrocken sah Michael zum Bett hinüber. Er wird dich hören, flüsterte er.“[72]

„Der Winter ist gut gewesen. Die Zeiten, die kommen werden, erfordern noch Mühen genug. Zwei Männer halten alles leichter durch und sind in soviel Verlassenheit eine Macht."[73]

Das erste Beispiel ist jedoch nicht temporal, sondern modal. Das meistens in der 3. Person vermutete Geschehen in der Gegenwart wird oft durch das Präsens ersetzt.[74] Der Sprecher nimmt an, dass das Gesagte wahr ist, dies beweisen die Modalwörter wie wohl, etwa, wahrscheinlich, vermutlich. Das zweite Beispiel drückt unvollendete Zukunft mit oder ohne Modalfaktor aus, das Geschehen fängt erst nach dem Sprechzeitpunkt an. Die temporale Bestimmung ist hier im Unterschied zu der Ersatzform Präsens fakultativ.[75] Futur I kann auch meistens in 1. Person Singular oder Plural eine feste Absicht oder in 2. Person eine Aufforderung zum Ausdruck bringen.

„Zwölfhundert Gramm. Soso. Den Erlös für die Felle werden Sie in zwei Hälften teilen.“ [76]

Futur II

Das Futur II als ein „dreiteiliges Verbalkomplex“[77] drückt vollendete Zukunft, Vergangenheit und einen hohen Grad an Modalität (Unsicherheit, Vermutung) aus.[78]

„Er wird (wohl) die Lösung gefunden haben.“ „Bis Monatsende wird er die Lösung gefunden haben.“[79]

Futur II äußert das vermutete Vergangene, das im Moment der Aussage für abgeschlossen gehalten wird. Der zeitliche Aspekt entspricht dem Perfekt und kann auch dadurch ersetzt werden. Um die Modalität auszudrücken, braucht man bei Perfekt jedoch die Modalwörter wohl, etwa, vermutlich, wahrscheinlich usw.

Die zu erwartende Funktion des Futur II für die Äußerung von zukünftigen Geschehen ist nur mit Ergänzungen durch Temporalangaben erfüllt.[80]

Sowohl Futur I als auch Futur II werden für die "würde-Konstruktionen" des Konjunktivs II verwendet. Duden erwähnt die einfache würde-Form (man würde lieben/ fliehen) und das würde-Perfekt (man würde geliebt haben/ geflohen sein)[81]:

„ […] und Unrat fühlte, daß jene ihn schwerlich bis hierher gebracht haben würden, bis zu den ungewöhnlichen Handlungen, die er nun beging, und dahin, daß er in einem Hotelzimmer […] bei der Künstlerin Fröhlich saß.“ [82]

In den obigen Zeilen wurden die klassischen sechs Tempora behandelt, in den nächsten Zeilen und Kapiteln werden Hypothesen gestellt und Gründe gesucht, ob diese schon ziemlich alte Gliederung noch aktuell ist. Die in den meisten Grammatiken als regional und umgangsprachlich bezeichneten Vergangenheitstempora „doppeltes Perfekt“ und „doppeltes Plusquamperfekt“ sollen in den Augen von Rödel das Standardsystem erweitern. Er findet keine Erklärung, warum das Futur II standardisiert wurde und die oben genannten Formen dagegen nicht.[83] Auch Hug erwähnt, dass die DPF statistisch häufiger auftreten als Futur II, wobei bei den doppelten Perfektformen die temporale Bedeutung viel nützlicher ist gegenüber der eher modalen Funktion bei Futur II.[84]

Aus den obigen Untersuchungen ergibt sich, dass die analytischen Tempusbildungen im Gegenteil zu den synthetischen nicht nur eine temporale Bedeutung haben, sie können auch Aspekt, Modalität, Abgeschlossenheit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit usw. ausdrücken. Immer stärker werden dank der Benutzungs- und Bedeutungsvielfalt analytische Tempusformen verwendet, was einer der Gründe des Präteritumschwunds ist[85], siehe Kapitel Präteritumschwund 3.3.4.

3.3. Randphänomene im deutschen Tempussystem

3.3.1. Die tun-Periphrase

Dieses Kapitel befasst sich mit der sogenannten „tun-Periphrase“, dieses syntaktische Phänomen erlaubt die analytische Bildung der Tempora durch Umschreibung des Vollverbs mit dem auxiliaren Verb tun. Als einfaches Beispiel erwähnen wir I ch tue essen. Der ursprüngliche Gebrauch des Vollverbs tun wird vernachlässigt und immer häufiger als Hilfsverb verwendet wie das englische do. Die deutsche Form wird gegenüber der englischen jedoch nicht standardisiert, sie wird nur in der gesprochenen Alltags- und Umgangssprache verwendet. Es sollte im Weiteren untersucht werden, wie sich die tun-Periphrase entwickelt hat, es ist daher eine diachrone Sicht erforderlich. Die Ergebnisse der Entwicklung sollten teilweise die Gründe dafür bringen, in welchen Situationen, Kontexten, Gebieten, dialektalen Räumen und bei welchen Sprechern die Erscheinungen vorkommen.

3.3.1.1 Der aktuelle Stand der tun-Periphrase in deutscher Sprache

Die gegenwärtigen Grammatiken bewerten die tun-Periphrase als negativ, sie gehört nach ihnen nur der Umgangssprache an, obwohl Duden eine Variante mit Vollverb im Vorfeld doch erlaubt, wenn die Konstruktion zur Betonung dienen soll:

„Die Verbindung von tun mit einem reinen Infinitiv in Sätzen wie ´Sie tut gerade schreiben´ oder ´Er tut das schon erledigen´ ist eine umgangssprachliche überflüssige Erweiterung des Prädikats. Sie gilt in der Standardsprache nicht als korrekt. Nur bei vorangestelltem Infinitiv, also wenn das Verb besonders nachdrücklich hervorgehoben werden soll, ist die Erweiterung mit tun zulässig, weil dann das tun die syntaktische Funktion des Verbs übernehmen muss: ´Singen tut sie gern.´ ´Gesehen habe ich sie schon, aber kennen tue ich sie nicht.´“[86]

Nach Deuber werden durch tun nur synthetische Zeiten ergänzt – Präsens Indikativ (er tut schreiben), Präteritum Indikativ (er tat schreiben), Präteritum Konjunktiv (er täte schreiben) und Imperativ (Tu schreiben!). Analytische Tempora können derart nicht umschrieben werden. Ein wichtiges Merkmal der Form sollte nach ihr wieder die Betonung des Vollverbs sein, dazu aber auch eine Möglichkeit, wie man kompliziertere Verbformen umgehen kann. Man konjugiert nur das Hilfsverb, das Vollverb kann im Infinitiv bleiben.[87] Ihre Kollegin, Frau Dürscheid erwähnt die Vorteile für die sich erst entwickelnde Kindersprache und Sprache der Ausländer.[88]

In den neuhochdeutschen Grammatiken wird tun ausreichend behandelt, jedoch meistens nur als reines Vollverb. Die Zählung zu den Hilfsverben sein, haben und werden fehlt in den wichtigsten Grammatiken völlig, siehe die Duden. Grammatik von Eisenberg und Helbig/ Buscha aus der nächsten Edition.[89]

Tun als Vollverb kann unter anderem in folgenden Situationen auftauchen .[90] Das Verb charakterisiert eine Handlung oder Tätigkeit: „Er tat, was ihm befohlen wurde“. „Sie tut ihre Arbeit“. Im Satz „Er tut so, als ob er angle.“ wid eine vorgetäuschte Aktivität ausgedrückt. Es kann im zusammengesetzten Satz das Verb oder die ganze Verbalphrase ersetzen: „ Ich riet ihr zu verschwinden, was sie auch schleunigst tat.“, „Wenn Sie in Ihr Unglück laufen wollen, dann tun Sie es doch.

Wie oben erwähnt, wird tun als Auxiliar im Standarddeutschen nicht anerkannt, als ungrammatisch bezeichnet, immer nur deskriptiv, keinerlei präskriptiv beschrieben. Nach Engel dient es auch der Hervorhebung des Verbs und wird in der Alltags- und Kindersprache vorwiegend mit dialektaler Färbung im Mittel- und Norddeutschland verwendet,[91] obwohl das Phänomen eher dem Süden zugeschrieben wird. Die Untersuchung der Universität Augsburg zeigt sehr übersichtlich die vielfältige Ausbreitung der tun-Periphrase in ganz Deutschland, die meisten SprecherInnen finden wir jedoch im Mittel- und Süddeutschland.[92]

[...]


[1] Brecht, 1968, S. 111

[2] siehe Anlage Nr. 1,2, Sonderegger

[3] Masařík, 2005, S. 10fff.

[4] siehe Anlage Nr. 1,2, Sonderegger

[5] Schmidt, et al., 1970, S. 159; siehe Anlage Nr. 1,2, Sonderegger

[6] Braune, 1955, S. 1

[7] siehe Anlage Nr. 3, Polenz

[8] Wolff, 2004, S. 62, 63, 115

[9] Braune, 1955, S. 277

[10] Schmidt, et al., 1970, S. 184

[11] Ebd.,

[12] Ebd., S. 184f.

[13] siehe Anlage Nr. 1,2, Sonderegger

[14] Schmidt, et al., 1970, S. 219f.

[15] Schmidt, et al., 1970, S. 240

[16] Ebd., S. 281

[17] Ebd., S.310

[18] Ebd., S. 62, 115

[19] Polenz, 1991, S. 198

[20] Schmidt, et al., 1970, S. 325

[21] Sonderegger, 1979, S. 270

[22] Schmidt, et al., 1970, S. 325

[23] Ebd., S. 326

[24] Ebd.

[25] Helbig/ Buscha, 1993, S. 142

[26] Braun, 1993, S. 130

[27] Roelcke, 1997, S. 104ff.

[28] Bauer, 1996, S. 209

[29] eigenes Beispiel

[30] Helbig/ Buscha, 1996, S.53

[31] siehe Anlage Nr. 4 (Duden, 1984, S. 144)

[32] siehe Anlage Nr. 5 (Schulz/ Griesbach,1996, S.44)

[33] Bauer, 1996, S. 79

[34] Böll, 1979, S. 24

[35] Ebd., S. 113

[36] Bauer, 1996, S. 286

[37] Götze/ Lüttich, 2002, S. 99

[38] Bauer, 1996, S. 126

[39] Ebd., S. 423

[40] http://de.wikiquote.org/wiki/Deutsche_Sprichw%C3%B6rter#W

[41] Bürgerliches Gesetzbuch, Fünftes Buch 5, Erbrecht, § 1922 BGB Gesamtrechtsnachfolge

[42] Roelcke, 1997, S. 109

[43] Rödel, 2006, S. 179

[44] selbst gehört in der Nähe von Salzburg, 8.2.09

[45] siehe Anlage Nr. 6 (Schulz/ Griesbach, S. 48)

[46] Duden,1984, S.148

[47] Böll, 1979, S. 42

[48] siehe Anlage Nr. 4 (Duden, 1984, S. 144)

[49] Helbig/ Buscha, 1993, S. 148

[50] siehe Kapitel 3.3.4

[51] Hensel, 2004, S. 84

[52] Weinrich/ Thurmair, 1993, S. 223

[53] siehe Anlage Nr. 7 (Schulz/ Griesbach, S. 46)

[54] Böll, 1979, S. 59

[55] Bauer, 1996, S. 198

[56] Schmidt et al., 1970, S. 324

[57] Duden, 1966, S. 101

[58] Duden, 1984, S. 150

[59] vgl. Duden, 2009, S. 453ff.; Duden, 2005, S. 519ff.; Duden, 1984, S. 148

[60] Helbig/ Buscha, 1993, S. 152f

[61] Ebd.

[62] Bauer, 1996, S. 14

[63] Weinrich/ Thurmair, 1993, S. 227

[64] siehe Anlage Nr.8 (Schulz/ Griesbach, S.48)

[65] Helbig/ Buscha, 1993, S. 153

[66] Rödel, 2006, S. 124

[67] Hensel, 2004, S. 155

[68] Böll, 1979, S. 51

[69] Schlink, 1997, S. 126f.

[70] Rothstein, 2007, S. 48

[71] Erben, 1980, S. 98

[72] Gordon, 1987, S. 84

[73] Bauer, 1996,S. 319

[74] Schulz/ Griesbach, 1996, S. 49

[75] Helbig/ Buscha, 1993, S. 155

[76] Bauer, 1996, S. 316

[77] Duden, 2005, S. 473

[78] siehe Unterkapitel 3.3.3 Anwendungsmöglichkeiten von Futur II

[79] Götze/ Hess-Lüttich, 1992, S. 88

[80] Götze/ Hess-Lüttich, 2002, S.103

[81] Duden, 2005, S. 474

[82] Mann, 1968, S. 41

[83] Rödel, 2006, S. 26

[84] Hug, 2008

[85] siehe Kapitel 3.3.4 Präteritumschwund

[86] Duden, 2001, S. 667

[87] Deuber et al., 2007

[88] Ebd.

[89] Duden. Grammatik, 1998; Duden.Grammatik, 2001

[90] die Beispielsätze entnommen aus: Scholze-Stubenrecht, 1999, S. 3993ff.

[91] Engel, 1996, S. 476

[92] siehe Anlage Nr. 10

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Randphänomene im Tempusgebrauch der heutigen deutschen Sprache
Hochschule
Univerzita Palackého v Olomouci  (Katedra germanistiky)
Note
2
Autor
Jahr
2012
Seiten
104
Katalognummer
V267301
ISBN (eBook)
9783656573944
ISBN (Buch)
9783656573937
Dateigröße
5683 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit werden hauptsächlich folgende Themen behandelt: - die Entwicklung aller Tempora seit dem Althochdeutschen - synthetische und analytische Formen der Tempora - die tun-Periphrase - der am-Progressiv - Anwendungsmöglichkeiten von Futur II - der oberdeutsche Präteritumschwund - die doppelten Perfektformen (Doppelperfekt, Doppelplusquamperfekt usw.) - Funktionen und Eigenschaften der Tempora - Untersuchung der genannten Phänomene im Internet - Vorkommenshäufigkeit der Phänomene in der Belletristik
Schlagworte
randphänomene, tempusgebrauch, sprache
Arbeit zitieren
Marek Bárta (Autor), 2012, Randphänomene im Tempusgebrauch der heutigen deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267301

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