Über die Soziale Frage in Japan, 1868 - 1930


Seminararbeit, 2004

28 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

i. Ausgangspunkte (p.3) A: Hauptteil
a. Moderne (p.3)
1. Iwakura
2. Wettbewerb
3. Effizienz
b. Tradition (p.4)
1. Sakoku
2. Ie -Verantwortlichkeit
3. Familiarität
4. Workable Synthesis?

ii. Situtationen (p.7)
a. Die Ländliche Gesellschaft (p.7)
1. Konfrontation
2. Die Meiji-Landreform
3. Dekasegi
4. Markt und Wettbewerb
5. Laissez-Faire Kapitalismus
6. Pauperisierung
b. Leichte Industrie und Paternalismus (p.10)
1. „ Meijister -Kapitalismus“
2. Reservoir
3. Ausbeutung
4. Repression (?)
5. Schlechte Vorraussetzungen
c. Schwere Industrie und Paternalismus (p.13)
1. Keine Zäsur
2. Watari Shokkou
3. Oyakata -System
4. Der Mittel- Meiji -Paternalismus
5. Urbanisierung
6. Slow-Down
7. Zweischneidige Politik
8. Der Taishou -Paternalismus

iii. Reaktionen (p.19)
a. Chichibu und Fukushima (p.19)
1. Jiyuutou
2. Gekka Jikken
3. Landhalter und Protestbewegung
4. Der legalistische Weg
5. Der agitative Weg
6. Ende der Jiyuutou
b. Imperium und Arbeiterbewegung (p.22)
1. Der Russo-Japanische Krieg
2. Hibiya -Park, Ashio und Great Treason
3. Nation oder Klasse?
c. Yuuaikai, Kantou-Erdbeben, Weltwirtschaftskrise (p.23)
1. New Social Base
2. Yuuaikai und Kantou -Erdbeben
3. Yuuaikai und Weltwirtschaftskrise
4. Die Rolle der Zaibatsu
5. Zaibatsu, Yuuaikai und Touyou -Streik

B: Anhang

I. Ausgangspunkte

a) Moderne...

1871 bis 1873 befand sich eine Gesandschaft japanischer Diplomaten auf einem doppelten Weg in die Zentren europäischer Betriebsamkeit. Diese, nach ihrem Initiator, Iwakura-Mission benannte Diplomatengruppe wollte zum einen die Revision der Ungleichen Verträge von 1854 erwirken – zum anderen suchte sie aber die Klärung eines vergleichsweise undiplomatischen Sachverhalts. Sie suchten nach einer Antwort auf die Frage: Was ist die Fortschrittlichkeit des Westens?

Beide Inhalte waren auf natürliche Weise miteinander verbunden, denn es war nicht zuletzt der Fortschrittlichkeit der USA zuzuschreiben, verbildlicht in den „Schwarzen Schiffen“ Perrys, daß eben diese 1854 eine dem Bakufu überlegene Position eingenommen hatte, und so das demütigende Diktat von Kanagawa durchsetzen konnten.

Jene Gesandschaft setzte also Schiff auf eine Tournee durch Europa und Amerika, um dort die Auswüchse des Fortschrittsdenkens zu untersuchen. Festgehalten sollten diese Betrachtungen in einer „blueprint for modernization, based on a definitive ‚empirical’ exposure of the West’s secrets of success“[1] – im Reiselogbuch, dem Jikki von Kume Kunitake.

Das Jikki war aber keineswegs nur als Atlant gedacht, als Handbuch für den Westen – ganz im Gegenteil, die Erforschung des Westens geschah „zu dem erklärten Zwecke, das Beste, was sie fanden, auch in Japan einzuführen.“[2] Und so war das Jikki in gewisser Weise auch ein Bauplan.

Für die Soziale Frage in Japan interessant dabei sind die Ausführungen im Bezug auf die Industrieorganisation der westlichen Staaten, da von dieser, als Bausteine des Fortschritts und des Wohlstandes verstanden, wesentliche Anleihen genommen wurden.

Grundelement dieser Organisationsweise, im Grunde also des Systems des Kapitalismus, ist die Eigenverantwortlichkeit, der Egoismus des westlichen Menschen und sein „highly developed spirit of individual competition.“[3] Verbunden mit der Garantie des Besitzes durch den Staat – was gleichzeitig auch den Zwang zum Marktsystem, zum Handel nach sich zog – führte dieser Rivalismus zu einem individuellen Wettstreit um Macht und Wohlstand, dessen dynamisierende Wirkung den westlichen Wertschöpfungsprozess beschleunigte und somit den Wohlstand der westlichen Gesellschaft extrem wachsen ließ.

Entgegengesetzt dazu schöpft das Wirtschaftssystem des Westens eine zweite Energie aus dem Phänomen der Knappheit seiner Ressourcen und so auch seiner Güter – daß also immer nur weniger zur Verfügung stehen kann als vom Konsumenten, beziehungsweise Produzenten tatsächlich gewünscht ist. Dieses elementare Prinzip zwingt somit zu wirtschaftlich-rationalen Umgang mit jedem Gut, was den Konsumenten betrifft, und jeder Ressource, was den Produzenten angeht: Es ist die Verpflichtung zu einem „commitment to efficiency.“[4] Diese Efizienzausrichtung war es auch, die im Westen eine Sozialarchitektur entstehen ließ, die einerseits den individuellen Wettstreit, aber andererseits auch die Kooperativität zur Geltung kommen ließ: es ist das System der kapitalistischen Sozial-Techniken, dessen grobe Kategorien dem Jikki zufolge „sophistication in industrial techniques, banking, finance and management“[5] seien.

b) Tradition...

Es ist wohl, angesichts des Wohlstandsvorsprungs des Westens gegenüber dem Osten im imperialen Zeitalter, nicht falsch zu sagen, daß das japanische Wirtschafts- und Gesellschaftssystem sich wesentlich voneinander unterschieden und zudem das westliche im Wertschöpfungsprozess wesentlich erfolgreicher war, als das in Japan praktizierte.

Das japanische System hatte sich nicht paralell zum Westen von einer theozentrischen, religiösen, feudalistischen Ordnung wegbewegt, sondern war lange Zeit, bedingt vor allem durch die Sakoku -Politik (Abschottungspolitik) des Bakufu in seiner traditionellen Ordnung verharrt – während der Westen mit dem Beginn der Moderne in zunehmendem Tempo die geistigen Kleider der Feudalzeit ablegte: die Gesellschaft wurde tendenziell laizistisch anstatt ekklesiarchisch (mit der Renneissance), rationalistisch anstatt religiös (mit der Aufklärung) – und noch später kapitalistisch anstatt feudalistisch (mit der Industriellen Revolution).

In Japan allerdings, wo die Feudalzeit auch nach der Revolution 1868 noch lange Zeit greifbare Reben heiterer Erinnerungstrauben trug, war die „Präzedenz ..., der geistig-ethischen Werte über den wirtschaftlichen“[6] im Kleinen, wie im Großen Ideal. Hier war ein solcher gesellschaftlicher Paradigmenwechsel geschichtlich nicht annähernd so zwingend wie er das im Westen gewesen war.

Das Tokugawa-Ethos war unter anderem das Resultat der Notwendigkeit für das Bakufu der Tokugawa den Staat stabil und friedlich zu halten, so daß ihre Herrschaft nicht gefährdet werden würde: So, „As part of their system of control the Tokugawa shoguns ritualized and formalized class relation to a very high degree.“[7]

Während sich das westliche Gesellschaftssystem zu einer individual-dynamisierten, sozial flexibleren Struktur hin entwickelte, verharrte das japanische in einer durch die konfuzianistische Philosophie begründeten ideellen, starren Rangordnung[8]. Der Individualität der Person und ihrer Selbstverantwortlichkeit stand in Japan die Verantwortlichkeit der Ie genannten, quasi-familiären, feudalen Wirtschaftsgemeinschaft gegenüber. Ihre strikte hierarchische Ausrichtung forderte, daß wer Mitglied war „keine Eigenrechte, keine persönlich getrennte Sphäre mehr“[9] zu wünschen habe.

Auch das Eigentum war eng mit der verwandschaftlichen, biologischen Bindung verknüpft: Das Haus selber war „das von einem Ahnen gegründete, von dem Nachfahren als Aufgabe ererbte Untenehmen (Hof, Geschäft): …“[10], und dessen Besitz somit nicht unveräußerliches, individuelles Recht sondern konträr Gabe der Ahnen unter Verpflichtung zum Erhalt des Fortschreitens der Tradition.

Aus der Dominanz des Marktes im Westen enstand die „Verkapitalisierung“ der Arbeitskraft. Anders geschah es in Japan: „jedes Haus, … als kontinuierliche Wirtschaftseinheit, hatte seinen Gründer, den go-senzo, …“ er „…konnte befehlen und Gehorsam verlangen, weil er in der Linie der Kontinuität des Ahnen stand.“ Hier regierte nicht Mammon sondern der Hausgründer. Analog war nicht unbedingt derjenige Arbeiter von größtem Wert, dessen in Geldgrößen bewertete Arbeitsleistung die höchste war – ganz im Gegenteil, sein Rang war „abhängig von der Berührungsdauer zwischen Individuum und Gruppe.“[11]

Der westliche Egoismus führte zu einer Zerstörung des „Unternehmens als menschliche Gemeinschaft.“[12] Wogegen in Japan, der Auschluß aus der Gruppe eine drastische Sanktionierung darstellt: das Eingebettetsein in die Gruppe sei dagegen „(…) vor allem positiver Antrieb zu höchsten Anstrengungen, zum achievment.“[13] Dies alles sind Ausprägungen der japanischen vertikalen Gesellschaftsordnung (spätestens seit den Tokugawa), die, entgegen den legalistisch-individualen Prinzipien des Westens, eher von emotionalen Bindungen als Verträgen getragen wurde: Bezugspunkt für soziale und damit auch wirtschaftliche Beziehungen jeder Art war daher nicht der unpersönliche Vertrag, sondern die persönliche Beziehung.

Diese (Ideal-)Bildnisse der westlichen und japanischen Gesellschaft stehen wie wir sehen stark zueinander in Kontrast. Somit war aber auch die Modernisierung und ihr “(…) Öffnen nach dem Neuen hin auf der Makro-Ebene in direktem Widerspruch zu den Verpflichtungen und Werten auf der Mikro-Ebene.“[14], nämlich zu dem Erhalt der Rangordnung, der Gruppe, der historischen Kontinuität et cetera: „It was in large part the West’s …, cultural values, social structuring, and so forth, that accounted for the West’s superior status.“[15] Die Frage also, die sich auch den Meiji-Oligarchen stellte war diejenige, ob man die nötigen Bedingungen für eine endogene Entwicklung von Wirtschaftlichkeit, wie der im Westen, in Japan würde vorfinden können. Eine Frage die sich schon die Gesandschaft zweifelnd stellte: „Was it possible to transplant Western industry and technology without adopting the whole socio-political structure and value system of the West? And what then was the fate of the still lingering Japanese traditions? Could there be a workable synthesis of the two?“[16]

II. Situationen

a) Die Ländliche Gesellschaft...

Die liberal-sozialen Veränderungen, die letztlich von den Oligarchen dazu benutzt wurden ein europäisches Wirtschaftsklima zu fördern, wie die „Aufhebung der han; Aufhebung der Zünfte; Promulgation der Gewerbefreiheit, der Freiheit sich seinen Wohnsitz zu wählen, seinen Grund und Boden zu verkaufen“[17] führten zu einer für damalige japanische Verhältnisse ungwohnt hohen sozialen und ökonomischen Mobilität. Diese stand aber in grundlegendem Gegensatz zu den Ideen der Tokugawa-Zeit.

Die Konfrontation von von westlich-liberalem Wirtschaftssystem und japanisch-feudaler Ordnung zu Beginn der Meiji -Restauration hinderte so, trotz der Wegbahnung durch die Politik, zum einen die Entwicklung einer eigenständigen Wirtschaftsdynamik, andererseits führte die Auslieferung – vor allem der Landbevölkerung – an das neue Wirschaftssystem, zu sozio-ökonomischen Schieflagen.

Augenscheinliches Beispiel hierfür ist die Entwicklung auf dem Land ab der Einführung der Meiji -Landreform. Die Einführung eines liberalen Marktsystems führte im Verbund mit der Matsukata-Deflations-Politik zur Pauperisierung der Landbevölkerung. Die wiederum hierdurch ausgelösten Spannungen innerhalb der ländlichen Bevölkerungsschichten führten zu deren Spaltung; und der davon ausgelöste Zusammenbruch des engen, ländlichen Zusammenhalts, macht die letztgültige Unverträglichkeit des alten und des neuen Japan deutlich.

Gleichzeitig verschwand aber mit dieser Entfernung der Schichten voneinander auch die nach feudalzeitlicher Ethik geführte, ländliche Leichte Industrie bis 1890, und das wiederum legte den Grundstein für einen zweiten, neuen Ansatz der Wirtschaftung.

Es entstand unter anderem aus dieser Erkenntnis der vorläufigen Unverträglichkeit, dem Mangel an Eigendynamik, das Konzept der Anleitung der Bevölkerung in Wirtschaftsdingen durch die „Erleuchtete Regierung“ (Modellfabriken), beziehungsweise durch die Entrepeneurs wie Shibusawa Eiichi. Charakteristisch aber für diese Wirtschaftungsweise war die Repression des Arbeiters.

Mit dem Entstehen der frühen, ländlichen, Leichten Industrie (Sake-Brauereien, Seidenspinnereien beispielsweise) der Tokugawa-Zeit hatte sich ein eigenwilliges Arbeitsverhältnis zwischen Arbeiter und Ansteller entwickelt: das sogenannte „…dekasegi pattern of ’leaving home temporarily to work’.“[18]

Die Farm der Familie, das Ie, war dabei zu jeder Zeit die Rückzugsmöglichkeit der ländlichen Arbeiterschaft. Aus ihr bezogen die Menschen nicht nur ihren materiellen Rückhalt sondern auch die Stützung ihrer traditionellen Mentalität – solange das Land als sicherer Hafen offenstand, konnte im Grunde kein Wechsel zugunsten der „Vermarktwirtschaftung“ stattfinden.

Ein erster Bruch damit erfolgte erst als sich in der ersten Phase der Industrialisierungs-bemühungen das „… land tax system that was to meet the political and fiscal needs of the emerging state“[19] der Landwirtschaft als Geldquelle bediente (auch eine Lehre aus der Modernisierung des Westens). „Da immer noch mehr als drei Viertel der Erwerbsbevölkerung in der Landwirtschaft tätig waren und rund zwei Drittel des Sozialprodukts mit landwirtschaftlicher Tätigkeit erwirtschaftet wurden, …“[20] nutzte die Regierung den primären Sektor als primäre Geldquelle. Durch ihre Landreform ab 1873 wurde die Landwirtschaft auf Effizienz getrimmt, indem sie mit liberalen Marktelementen durchsetzt wurde.

Land konnte nunmehr – das fällt mit der durch Auflösung der han und des Ständesystems erreichten sozialen Mobilität zusammen – frei gekauft und verkauft werden. Weil somit die Grundvorraussetzung für einen Grundeigentums-Markt geschaffen worden war, war es nur schlüßig die Besteuerung der Landfläche an den Marktpreis zu koppeln: „Die Steuer wurde freilich nicht mehr in Form von Reis gefordert, sie mußte in barem Geld entrichtet werden.[21]

Daß die Besteuerung nun nicht mehr an den Ertrag gebunden war, führte zu einem „… strong incentive to increase productivity“[22], integrierte somit den Marktgedanken stärker in die japanische Wirtschaftsmentalität, die „consequently, more efficient in the use of resources (land, manpower, capital)“[23] wurde. Stieg der Reispreis, stieg auch der Gewinn des bäuerlichen Betriebes: „It shifted the risk and opportunity of commodity price changes onto the taxpaying farmer.“[24] In Folge fanden auch Investitionen in die Landwirtschaft ihren Sinn und die Ausbreitung auf den nationalen Markt und auf den internationalen.

Somit war die Landreform ein Schritt in die Richtung einer „grundsätzlich privatkapitalistischen Ordnung der japanischen Wirtschaft“ den Boden zu bereiten: „Es herrschte das Prinzip der Mobilität, des Wettbewerbs, … “[25]

Die Grundlagen für einen Laissez-faire Kapitalismus[26] des neuen Staates wurden also in der ländlichen Wirtschaft gelegt. Mit nicht nur positiven Folgen. Das paralell etablierte nationale Währungs- und Bankensystem offenbarte erste Schwächen, als eine starke Inflation aufkam.

Dafür gab es vielfältige Gründe: Die hohe Nachfrage nach Rohseide aus dem Ausland (und demzufolge steigende Preise) gleichermaßen, wie die Finanzierung der Niederschlagung der Satsuma-Rebellion 1877, und der Bezahlung von Auslagen für ausländische Berater durch neugedrucktes Papiergeld[27]. In jedem Falle aber erreichten die Farmer durch diese Entwicklung einen vorläufigen, ungeahnten Wohlstandsschub – erkauft durch die faktische Abwertung der Währung: „much of the increased wealth the countryside was enjoying was in fact illusory … , detrimental in the long run to the establishment of a solid industrial, modernizing economy.“[28]

Die Regierung erkannte dies und konterte die Entwicklung mit deflationärer Politik. Matsukata Masayoshi s Reformpolitik ab 1881 brachte die Bemühungen um wirtschaftliche Modernisierung wieder ins Lot: Sie „ressurected the Meiji economic dream.“[29] Jedoch auf der landwirtschaftlichen Basis verursachte sie sozio-ökonomische Wechsellagen: „Growing indebtness was perhaps the most pernicious effect of the Matsukata deflation, and it gave rise to scores of peasant disturbances… such as the Fukushima and Chichibu incidents.“[30]

Da ja die Einnahmen aus dem Ertrag an den Reispreis und somit an den Kurs der Währung gebunden waren, wurden durch die Aufzwingung der Marktstruktur, Landreform und Deflationspolitik die kleinen und mittleren Landwirte zu einem großen Teil ihrer Einnahmen, und damit ihrer materiellen Grundlagen beraubt.

Armut aber, die Entbehrung materieller Rücklagen, ermöglicht kapitalistische Ausbeutung. Aufgrund der Veränderungen in den sozio-ökonomischen Bedingungen und des Bruches in der ländlichen Homogenität führte zunehmende Verarmung schließlich zu steigender Verschuldung, und diese ihrerseits zur Notwendigkeit von Ausgleichstätigkeit.

Dieses Muster war zwar schon den feudalzeitlichen Japanern vertraut – wie schon angesprochen deckten die ländlichen Haushalte ihre Defizite während der Feudalzeit unter anderem mit Dekasegi -Arbeit – mit dem Bruch der ländlichen Gesellschaft jedoch verschwand diese Möglichkeit. Als die Arbeiter „could not fall back on the material and spiritual support of a stable village community or extended family“[31], und gleichsam frei in der „unfamiliar culture of free competition“[32] schwammen, gleichzeitig die reichen Landbesitzer schließlich mehr und mehr die kapitalistischen Techniken zu nutzen begannen, führte dies zu einer dem Westen ähnlichen Proletarisierung und damit zur Arbeiterproblematik: Die kapitalistische Akkumulation durch die Konsolidierung von disponibler Arbeitskraft[33], die sich im Kreislaufprozess immer weiter selbst verstärkt führte zu den für die Soziale Frage charakteristischen Bedingungen für die Arbeiterschaft.

[...]


[1] Shively; p. 10

[2] Hentschel; p. 51

[3] Shively; p. 27

[4] ebd.; p. 21

[5] ebd.; p. 21

[6] Hirschmeier; p. 61/62

[7] Halliday; p. 5

[8] Hirschmeier; p. 60

[9] ebd.; p. 63

[10] ebd.; p. 63/64

[11] Nakane; p. 185

[12] Hirschmeier; p. 89

[13] Hirschmeier; p. 67

[14] Hirschmeier; p. 72

[15] Shively; p. 32/33

[16] Shively; p. 32/33

[17] Hirschmeier; p. 75

[18] Kumazawa; p. 26

[19] Jansen; p. 382

[20] Hentschel; p. 49

[21] Hentschel; p. 49

[22] Jansen; p. 392

[23] Jansen; p. 393

[24] Gordon-Japan; p. 71

[25] Hirschmeier; p.75

[26] McClain; p. 217: „Perhaps most significantly, the enactment of the Matsukata reform program reoriented the government’s industrial policy, turning the emphasis away from direct state ownership of enterprises and toward an approach that favored the kind of laissez-faire orthodoxy popular in the industrially advanced nations of western Europe.“

[27] Gordon - Japan; p. 95/ McClain; p. 215

[28] Bowen; p. 95

[29] McClain; p. 217

[30] McClain; p. 217

[31] Kumazawa; p. 26

[32] Kumazawa; p.27

[33] Marx/Engels; p. 673/674: „Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Reservearmee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verhältnismäßige Größe der industriellen Reservearmee wächst also mit den Potenzen des Reichtums. Je größer aber diese Reservearmee im Verhältnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte Überbevölkerung, deren Elend im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je größer endlich die Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der offizielle Pauperismus. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.“

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Über die Soziale Frage in Japan, 1868 - 1930
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Japan-Zentrum des Departements für Asienstudien)
Veranstaltung
Wirtschaft und Gesellschaft Japans II - Meiji, Taishou, Shouwa
Note
2.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
28
Katalognummer
V26731
ISBN (eBook)
9783638289771
ISBN (Buch)
9783638649148
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit die ideologischen und sozio-ökonomischen Grundlagen der Wirtschaft im Modernen Japan und entwickelt daraus den besonderen, dem westlichen Muster nicht gleichenden, Charakter der Arbeiterproblematik in Japan. Gelobt wurden die ausführliche Darstellung, inhaltliche Genauigkeit, sowie der Aufbau der Arbeit. Kleinere Fehler bei der formellen Ausgestaltung.
Schlagworte
Soziale, Frage, Japan, Wirtschaft, Gesellschaft, Japans, Meiji, Taishou, Shouwa
Arbeit zitieren
Friedrich Alexander Kurz (Autor), 2004, Über die Soziale Frage in Japan, 1868 - 1930, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26731

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