Diese Arbeit soll sich in erster Linie mit der äußeren Form des Romans befassen, zunächst die Erzählsituation analysieren, aber dann auch auf die Figur des Erzählers zu sprechen kommen. Es soll die Art und Weise untersucht werden, wie sich Oskar selbst als Erzähler sieht, welche Rolle er sich selbst in dem Ganzen zuspricht. Hier wird es dann notwendig werden, die Person und den Charakter Oskars etwas genauer zu betrachten. Der Grund für die Unzuverlässigkeit, der eventuelle Wahnsinn Oskars, soll genauer analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
Erzählsituation
Oskars Unzuverlässigkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erzählerische Struktur und die Rolle des Erzählers Oskar Matzerath in Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen fiktiver Autobiografie, bewusster Inszenierung und psychischer Instabilität beleuchtet wird.
- Analyse der Erzählsituation (Rahmen- und Binnenhandlung)
- Untersuchung der verschiedenen Erzählperspektiven nach Stanzel
- Reflektion über das Selbstverständnis des Erzählers Oskar
- Psychologische Deutung von Oskars Unzuverlässigkeit und „Masken“
Auszug aus dem Buch
Oskars Unzuverlässigkeit
Die Erzählperspekive des Ich-Erzählens verlangt von ihrer Konzeption aus eigentlich, daß sich der Leser auf den Erzähler verlassen kann, denn er ist der einzige Zugang zur erzählten Welt. Nicht so in der "Blechtrommel", hier stellt sich der Erzähler als alles andere als zuverlässig heraus. Schon in der Einleitung untergräbt er seine eigene Glaubwürdigkeit, wenn er sich als "Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt" (S. 7) outet. Zum einen etabliert er hier eine feste Erzählsituation, diese untergräbt er aber ständig im Verlauf des Romans, er macht die Unzuverlässigkeit regelrecht zu seinem Programm.
Als Leser ertappt man sich ständig dabei, eine Erklärung für Oskars Verhalten zu suchen, seinem seltsamen Verhalten und seinen Lügengeschichten auf die Spur zu kommen. Sobald man jedoch glaubt, zu wissen, was Oskar zu seinem Spiel treibt, setzt eine neue Wendung im Geschehen den Protagonisten wieder in ein ganz anderes Licht. Es ist dem Können des Erzählers (und Autors) zu verdanken, daß man als Leser nach ein paar Seiten den Roman nicht aus der Hand legt, weil einem die Lügengeschichten Oskars auf den Geist gehen. Nein, man muß bis zum Ende weiterlesen, denn Oskar macht sich dem Leser an keiner Stelle richtig faßbar oder begreiflich. Die Aura des Unbegreiflichen bleibt ihm bis zur letzten Seite.
Auf Seite 6 zum Beispiel gibt er eindeutig zu, daß seine Erzählungen Lügengeschichten sind: "..., denn sobald ich ihm etwas vorgelogen habe, ...", um sich dann auf der nächsten Seite um ein "möglichst genaues Erinnerungsvermögen" zu bemühen. Der Leser weiß also nie genau, ob er das Erzählte glauben kann oder nicht. Osakr versetzt den Leser hier geschickt in eine ziemlich unangenehme Lage: durch seine genauen und detailgetreuen Berichte, die durch die Unmittelbarkeit der Ich-Perspektive noch verstärkt werden, wird der Leser immer wieder in Versuchung geführt, Oskar zu glauben. Sobald sich jedoch ein gewisses Vertauen wieder aufgebaut hat, gibt Oskar eine weitere Lüge zu und entzieht sich somit dem Leser wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
Erzählsituation: Das Kapitel analysiert den Aufbau des Romans als fiktive Autobiografie, die aus der Rahmenhandlung einer Heil- und Pflegeanstalt heraus chronologisch und rückblickend erzählt wird.
Oskars Unzuverlässigkeit: Dieses Kapitel untersucht, wie der Erzähler durch bewusste Manipulation seiner Glaubwürdigkeit, den Einsatz von „Masken“ und seine psychische Instabilität den Leser stetig verunsichert.
Schlüsselwörter
Die Blechtrommel, Günter Grass, Oskar Matzerath, Erzählsituation, Ich-Erzähler, Unzuverlässigkeit, Rahmenhandlung, Binnenhandlung, Franz K. Stanzel, deutsche Nachkriegsliteratur, autobiografisches Erzählen, psychische Instabilität, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erzählstruktur und der komplexen Rolle des Protagonisten Oskar Matzerath in Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Erzählperspektiven, die Abgrenzung zwischen Rahmen- und Binnenhandlung sowie die bewusste Konstruktion von Unzuverlässigkeit durch den Erzähler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, wie Oskar durch verschiedene erzählerische Techniken seine Glaubwürdigkeit untergräbt und welche Rolle sein Selbstverständnis sowie seine psychische Verfassung dabei spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt narratologische Analysen, insbesondere basierend auf der Erzähltheorie von Franz K. Stanzel, um die verschiedenen Erzählsituationen im Text zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Erzählsituation, wie der Autor durch zeitliche Distanz und Perspektivwechsel Realität erzeugt, und eine tiefgehende Analyse der unzuverlässigen Erzählweise Oskars.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Analyse?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Erzählperspektive, Ich-Erzähler, Unzuverlässigkeit, Rahmenhandlung und den literarischen Kontext des Werks von Günter Grass charakterisiert.
Warum wechselt Oskar Matzerath innerhalb der Erzählung zwischen verschiedenen Perspektiven?
Oskar wechselt zwischen der Ich-Perspektive und der auktorialen Erzählweise, um Distanz zu Ereignissen aufzubauen, bei denen er sich selbst als Objekt betrachten will oder bei denen er die Unmittelbarkeit der Erlebnisschilderung durch eine objektive Beobachterrolle ersetzen möchte.
Welche Rolle spielt Oskars „kleine Größe“ für sein Erzählverhalten?
Die körperliche Kleinwüchsigkeit dient Oskar als Maske oder „Hilfsmittel“, um unbemerkt zu bleiben und sich den Konventionen der Erwachsenenwelt zu entziehen, was ihm zugleich erlaubt, den „Säulenheiligen-Blick“ auf die Gesellschaft zu werfen.
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- Marion Helmle (Author), 1999, Die Blechtrommel - Erzählsituation und die Rolle des Erzählers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2674