In der folgenden Arbeit soll der Ansatz der bibeltheologischen Didaktik dargestellt und an einem konkreten Beispiel näher erläutert werden. Dazu wird zuerst die Textwelt und anschließend die Leserwelt in den Blick genommen und wie sich diesen beiden Welten angenähert werden kann. Anschließend soll auf die Begegnung zwischen Leser und Text eingegangen werden und die Bewegungen, die diese auslöst. Auf die Rolle der Lehrkraft, die einen wesentlichen Teil zu einer erfolgreichen Auseinandersetzung zwischen den Schüler/innen, als Leser, und dem Text beiträgt, wird ebenfalls einzugehen sein. Anschließend wird der Kampf Jakobs am Jabbok (Gen 32,23-33), als konkretes Beispiel, für die bibeltheologische Didaktik entfaltet. Hierzu wird in einem ersten Schritt auf die „Strategien des Textes“ eingegangen und in einem weiteren Schritt die Enzyklopädie des Textes näher dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1 Darstellung des Ansatzes der „Bibeltheologischen Didaktik“
II.1.1 Der Text und seine Welt
II.1.2 Annäherungen an die Textwelt
II.1.3 Der Leser und seine Welt
II.1.4 Annäherungen an die Leserwelt
II.1.5 Bewegungen zwischen Textwelt und Leserwelt
II.1.6 Zur Bedeutung der Lehrkraft
II.1.7 Zusammenfassung
II.2 Konkretisierung des Ansatzes der „Bibeltheologischen Didaktik“ anhand Gen 32,23-33: Jakobs Kampf am Jabbok
II.2.1 Hinführung zu Gen 32,23-33
II.2.2 Physischer Text Gen 32,23-33
II.2.2.1 Überblick über die Bibelstelle
II.2.2.2 Sinnabschnitte
II.2.2.3 Brüche
II.2.2.4 Doppelungen
II.2.2.5 Widersprüche / Ungereimtheiten
II.2.2.6 Leerstellen
II.2.3 Enzyklopädie des Textes
II.2.3.1 Gen 32,23-33 im Kontext der Jakobserzählung
II.2.3.2 Der Name Jakob negativ konnotiert – Name Israel als neuer Lebensabschnitt
II.2.3.3 Charakterisierung des Mannes und Bedeutung für Jakobs weiteren Lebensweg
II.2.3.4 Bedeutung des Segens im AT
II.2.3.5 Name des Flusses Jabbok und seine Rolle für die Erzählung
II.2.3.6 Ursprung des Ortsnamens Penuel
II.2.3.7 Wieso die Juden bis heute keinen Hüftmuskel essen
II.2.3.8 Vorbiblische Fassung des Kampfes am Jabbok
II.2.3.9. Resümee
III. Zur Tragweite und den Grenzen der Arbeit mit der „Bibeltheologischen Didaktik“ im Religionsunterricht des Gymnasiums
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den didaktischen Ansatz der bibeltheologischen Didaktik nach Mirjam Schambeck und veranschaulicht diesen durch eine detaillierte hermeneutische Analyse der Jakobserzählung (Gen 32,23-33). Das Ziel ist es, ein Modell aufzuzeigen, das die Wechselwirkung zwischen der Welt des biblischen Textes und der Welt des lesenden Subjekts (Schüler/innen) in den Fokus rückt, um einen sinnstiftenden Lernprozess im Religionsunterricht zu ermöglichen.
- Grundlagen der bibeltheologischen Didaktik
- Die Bedeutung der „Textwelt“ und der „Leserwelt“
- Methoden der Textanalyse ( prozedurale Analyse, strukturale Interpretation)
- Hermeneutische Konkretisierung am Beispiel Jakobs Kampf am Jabbok
- Die Rolle der Lehrkraft im didaktischen Prozess
- Tragweite und Grenzen des Modells im Gymnasialunterricht
Auszug aus dem Buch
II.1.1 Der Text und seine Welt
Wenn ein Leser einen biblischen Text liest, kann das zunächst so wirken, als sei dieser einfach zu verstehen. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass in einem solchen Text mehr steckt, als zunächst angenommen. Das liegt daran, dass solch ein biblischer Text – und auch jede andere Art von Text – eben nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern dass dieser eine komplexe Wirklichkeit repräsentiert, die durch ihn mit übermittelt wird. Jeder Text übermittelt seine Welt, doch Voraussetzung ist, dass er auch gelesen wird, denn ohne den Leser kann nichts mitgeteilt werden und somit auch keine Bewegung zwischen Leser und Text stattfinden.
Beim Lesen eines biblischen Textes rekonstruiert jeder Leser den Text auf seine Weise, so ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass zwei Leser genau denselben Textsinn herauslesen. Daraus ergibt sich eine Vielgestaltigkeit des Textsinns, je nachdem, welcher Leser den Text liest, und ihn durch sein Lesen rekonstruiert.
Die Enzyklopädie des Textes ist eine weitere wichtige Größe der Textwelt. Diese beschreibt das Hintergrundwissen, das ein Text übermittelt. Darunter kann - grob gesagt - geschichtliches Wissen über die Entstehungszeit des Textes verstanden werden, also Wissen, das dem Leser hilft die kulturellen und geschichtlichen Hintergründe des vorliegenden Textes zu verstehen. So können bestimmte Ausdrücke oder auch Redewendungen besser verstanden werden, die in der Entstehungszeit des biblischen Textes üblich waren. Heutzutage klingen manche Ausdrücke fremd, doch die damaligen Leser, an die der Text ursprünglich gerichtet war, kannten die Wendungen aus dem normalen Sprachgebrauch. Somit ist es für das Verstehen eines Textes von essentieller Bedeutung sich mit seiner Enzyklopädie auseinanderzusetzen, weil nur dadurch eine angemessene Auslegung erreicht werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Wandel der Bibeldidaktik hin zu einer stärkeren Subjektorientierung und führt in den spezifischen Ansatz der bibeltheologischen Didaktik nach Schambeck ein.
II. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretisch die Konzepte von Text- und Leserwelt sowie deren Interaktion und wendet diese methodisch auf die Erzählung des Kampfes am Jabbok (Gen 32,23-33) an.
III. Zur Tragweite und den Grenzen der Arbeit mit der „Bibeltheologischen Didaktik“ im Religionsunterricht des Gymnasiums: Dieses Kapitel reflektiert die praktische Anwendbarkeit des didaktischen Ansatzes, benennt die Anforderungen an die Lehrkraft sowie die Chancen und Grenzen für den Religionsunterricht am Gymnasium.
Schlüsselwörter
Bibeltheologische Didaktik, Mirjam Schambeck, Genesis, Jakobserzählung, Textwelt, Leserwelt, Rezeptionsästhetik, Hermeneutik, Religionsunterricht, Sinnschaffungsprozess, Enzyklopädie des Textes, Jabbok, biblische Exegese, Didaktik, Subjektorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Grundlegung und der praktischen Anwendung der bibeltheologischen Didaktik im Religionsunterricht, um biblische Texte für Lernende zugänglich und bedeutsam zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Interaktion zwischen der Welt des biblischen Textes (inklusive Enzyklopädie) und der Welt des Lesers, der Bedeutung von individueller Rekonstruktion sowie die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiterin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Didaktik ein fruchtbarer Prozess der Sinnerschaffung angestoßen werden kann, der sowohl den biblischen Text als auch die Lebenswelt der Schüler/innen ernst nimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz, insbesondere die bibeltheologische Didaktik nach Mirjam Schambeck, und führt eine exemplarische Analyse anhand der Genesis-Erzählung von Jakobs Kampf am Jabbok durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Darstellung der Begriffe Text- und Leserwelt sowie in eine detaillierte, textanalytische Konkretisierung an der Bibelstelle Gen 32,23-33.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bibeltheologische Didaktik, Jakobserzählung, Textwelt, Leserwelt, Sinnschaffung, Hermeneutik und schülerorientierter Religionsunterricht charakterisiert.
Warum wird für die Konkretisierung das Bild von Eva Hülsberg verwendet?
Das Bild dient als Einstiegshilfe, um bereits vor der Textlektüre eigene Eindrücke und Interpretationsansätze der Schüler/innen zu aktivieren, die nach der Textarbeit reflektiert und modifiziert werden können.
Welche Rolle spielt die „Enzyklopädie des Textes“ für das Verständnis?
Die Enzyklopädie umfasst das notwendige Hintergrundwissen (kulturell, historisch, sprachlich), das dem Leser hilft, die im Text transportierten Erfahrungen zu deuten und Missverständnisse aufgrund zeitlicher Distanz abzubauen.
- Arbeit zitieren
- Michael Rößlein (Autor:in), 2011, Bibeltheologische Didaktik am Beispiel Gen 32,23-33, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267410