Norm und Normierung der gesprochenen deutschen Sprache: Haben Sie sich schon mal mit diesem Thema beschäftigt? Hat dieses Thema eine Bedeutung für Sie? Vielleicht ist es ihnen gar nicht bewusst. Wir beschäftigen uns eher implizit mit diesem Thema. Schließlich werden die wenigsten schon mal in ein Aussprachewörterbuch geschaut, aber bestimmt schon mal über einen Gesprächspartner auf Grund seiner Aussprache geurteilt haben.
Ich kann mich noch gut an meine Zeit in der Oberstufe erinnern. In unserer Klasse war ein Junge, den konnte mit Ausnahme unseres Deutschlehrers niemand verstehen. Seine Aussprache war schlicht katastrophal. Und wir haben uns immer gefragt, wie er es in der Schule so weit geschafft hatte. Und niemand von uns hat sich gewundert, als es mit dem Abitur nicht so richtig funktionieren wollte.
Ein ähnlicher Fall erweckte sogar die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Denn auf dem Zeugnis des Zweitklässlers Florian aus dem oberbayerischen Ort Otterfing wurde 1999 vermerkt, dass er Probleme habe, sich verständlich auszudrücken, weil daheim nur Dialekt gesprochen werde.1
Diese Urteile konnten nur gefällt werden, weil wir ein Gefühl für eine „richtige“ bzw. „falsche“ Aussprache haben.
In dieser Arbeit wollen wir uns nun etwas genauer mit dem Thema Norm und Normierung der gesprochenen deutschen Sprache beschäftigen. Im zweiten Kapitel dieser Arbeit soll geklärt werden, was Norm und Normierung überhaupt heißt. Im dritten Kapitel soll ein Überblick über die Geschichte der gesprochenen Sprache gegeben werden, schließlich musste sich Deutsch als Sprache erstmal durchsetzen, bevor es zu einer Normierung kommen konnte. Im vierten Kapitel sollen dann die wichtigsten Aussprachewörterbücher vorgestellt werden. Der Siebs, das Duden-Aussprachewörterbuch, das „Wörterbuch der deutschen Aussprache“ (WDA) bzw. das „Große Wörterbuch der deutschen Aussprache“ (GWDA) und das „Deutsche Aussprachewörterbuch“ (DAWB). Im fünften Kapitel soll dann nochmal allgemein auf die Bedeutung, Ziele und Methoden einer Kodifizierung der gesprochenen deutschen Aussprache eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Norm und Normierung
3. Geschichte der gesprochenen deutschen Sprache
4. Aussprachewörterbücher
4.1 Siebs
4.2 Duden-Aussprachewörterbuch
4.3 WDA/GWDA
4.4 DAWB
5. Bedeutung, Ziele und Methoden
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung, den Zielen und den Methoden der Kodifizierung der gesprochenen deutschen Sprache. Das primäre Ziel ist es, den historischen Prozess der Normbildung sowie die Entwicklung maßgeblicher Aussprachewörterbücher kritisch zu analysieren und deren Rolle für die heutige Standardsprache zu beleuchten.
- Grundbegriffe von Norm und Normierung
- Historische Entwicklung der deutschen Sprachnorm
- Analyse bedeutender Aussprachewörterbücher (Siebs, Duden, WDA/GWDA, DAWB)
- Die Rolle der Standardsprache in öffentlichen Situationen
- Methodische Aspekte der phonetischen Kodifizierung
Auszug aus dem Buch
4.2 Duden-Aussprachewörterbuch
Die 1. Auflage des Duden-Aussprachewörterbuchs, erarbeitet von Max Mangold und der Dudenredaktion, erschien 1962 und war hinsichtlich der Grundkonzeption dem Siebs verpflichtet. Die Bühnenhochlautung wurde als einzige Norm festgehalten und als ideale Norm bezeichnet, daneben wurde aber dem Einfluss von Funk, Film und Fernsehen auf den Sprechgebrauch Aufmerksamkeit geschenkt. Dies führte dazu, dass in dem umfangreichen Wörterverzeichnis fremde Wörter und Namen starke Berücksichtigung fanden. Außerdem enthielt der Einführungsteil schon relativ ausführliche Angaben zu einer gemäßigten Hochlautung. Trotzdem erschien es der Redaktion besser, von einer Hochnorm auszugehen, da sich ein Mittelmaß beim Sprechen leicht von selbst einstellt. Die Hochlautung ist die Aussprachenorm, die für das Sprechen von gehobenen sprachlichen Kunstwerken und für den Kunstgesang gilt, außerdem ist sie die ideale Aussprache für alle, die sich bemühen gehobene Sprache kunstgemäß zu sprechen. Die Hochlautung ist eine ideale Norm und erhebt keinesfalls den Anspruch, die chaotische Vielfalt der wirklich gesprochenen Sprache wiederzugeben. Sie ist überregional, einheitlich, schriftnah und zeichnet sich durch Deutlichkeit aus. Neben die Hochlautung stellt das Duden-Aussprachewörterbuch noch die gemäßigte Hochlautung, welche sich durch verminderte Deutlichkeit und größere Toleranz auszeichnet, sowie die Nichthochlautung, bei der zwischen Umgangslautung und Überlautung unterschieden wird. Die Umgangslautung herrscht in der gewöhnlichen Unterhaltung zu Hause, auf der Straße und im Betrieb vor und eignet sich für sprachlich und inhaltlich weniger anspruchsvolle Texte. Sie ist durch einen schwer übersehbaren Reichtum an individuellen, regionalen und sozialen Abstufungen gekennzeichnet, weshalb sich für sie keine Norm schaffen lässt. Die Überlautung besitzt auch keine Norm und ist noch deutlicher und näher als die Bühnenhochlautung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der sprachlichen Normierung ein und verdeutlicht anhand von Beispielen aus dem Schulalltag die Bedeutung der Abgrenzung von "richtiger" und "falscher" Aussprache.
2. Norm und Normierung: Dieses Kapitel definiert sprachliche Normen als gesellschaftliche Setzungen und beleuchtet die Unterscheidung zwischen präskriptiven und deskriptiven Normansätzen.
3. Geschichte der gesprochenen deutschen Sprache: Es wird die historische Entwicklung der Bemühungen um eine einheitliche deutsche Sprachnorm seit dem 16. Jahrhundert sowie die Rolle der Bühnenaussprache dargestellt.
4. Aussprachewörterbücher: Hier werden die wichtigsten Aussprachewörterbücher des Deutschen, insbesondere der Siebs, der Duden, das WDA/GWDA und das DAWB, detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Konzeption analysiert.
5. Bedeutung, Ziele und Methoden: Dieser Abschnitt erörtert die Notwendigkeit und die methodischen Herausforderungen einer Kodifizierung der gesprochenen Sprache sowie das Problem der Repräsentation durch Lautschrift.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung der deutschen Sprache von der dialektalen Zersplitterung hin zur kodifizierten Standardaussprache zusammen und betont die Notwendigkeit fortlaufender Spracharbeit.
Schlüsselwörter
Norm, Normierung, Standardsprache, Aussprachewörterbuch, Kodifizierung, Hochlautung, Siebs, Duden, Aussprachenorm, Sprechgebrauch, Phonetik, Bühnenaussprache, Sprachgeschichte, Standardlautung, Sprachkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung, Entwicklung und methodischen Umsetzung von Normen für die gesprochene deutsche Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Geschichte der deutschen Sprachnorm, die Bedeutung der Bühnenaussprache sowie die Analyse spezifischer Aussprachewörterbücher und deren Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung einer verbindlichen Standardsprache für den mündlichen Gebrauch und die Rolle der Kodifizierung in diesem Prozess verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der historische Entwicklungen, linguistische Theorien und die Konzepte verschiedener Aussprachewörterbücher systematisch aufgearbeitet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Normen, einen historischen Abriss der deutschen Sprachnorm, eine detaillierte Vorstellung der wichtigsten Aussprachewörterbücher sowie eine methodische Reflexion zur Kodifizierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Normierung, Standardsprache, Kodifizierung, Aussprachewörterbuch und Hochlautung charakterisiert.
Warum wurde die Bühnenaussprache historisch so stark als Norm betont?
Die Bühnenaussprache galt lange Zeit als überregionaler und besonders reiner Standard, der sich von den verschiedenen Mundarten abhob und daher als ideale Referenz für die Hochsprache diente.
Wie unterscheidet sich die Konzeption des DAWB von früheren Werken?
Das DAWB erweitert die Betrachtungsweise durch die kontrastive Phonetik, die Berücksichtigung freier Äußerungen und die Einbeziehung nationaler Standardvarietäten wie jener aus Österreich und der Schweiz.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Thorwesten (Autor:in), 2012, Normierung. Bedeutung, Ziele und Methoden einer Kodifizierung der gesprochenen deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267422