In der vorliegenden Arbeit soll nun betrachtet und begründet werden, ob und warum
„Blue Velvet“ tatsächlich einen der typischsten postmodernen Filme darstellt. Hierfür soll
zu Beginn eine allgemeine Definition der Postmoderne folgen, im Anschluss dazu werden
der postmoderne Film und seine typischen Merkmale betrachtet. Jens Eders Kriterien für
den postmodernen Film in seiner Abhandlung „Oberflächenrausch“ werden hierfür als Referenzpunkt
dienen. Diese Kriterien sollen in der anschließenden praktischen Analyse auf
den Film „Blue Velvet“ angewendet werden. Zudem soll eine kurze Betrachtung des Werkstils von David Lynch die Analyse von „Blue Velvet“ abrunden und gängige Stilmerkmale des Regisseurs aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Postmoderne – Versuch einer Begriffsdefinition
3. Der postmoderne Film
4. Merkmale des postmodernen Films
4.1 Intertextualität
4.2. Spektakularität durch Darstellung anti-ästhetischer Exzesse
4.3 Selbstreferentialität
4.4 Anti – Konventionalismus und dekonstruierte Narrativität
5. David Lynch – ein postmoderner Regisseur?
6. Postmoderne Aspekte in Blue Velvet (1986)
6.1 Handlungsübersicht
6.2 Blue Velvet – ein postmoderner Film?
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern David Lynchs Film "Blue Velvet" (1986) als prototypischer Vertreter des postmodernen Kinos gelten kann. Dabei liegt der Fokus auf der Anwendung theoretischer Kriterien des postmodernen Films auf die spezifische visuelle und narrative Struktur des Werks.
- Grundlagen der Postmoderne und ihre Definitionsschwierigkeiten
- Charakteristika des postmodernen Kinos (Intertextualität, Selbstreferentialität, Pastiche)
- Die Regieästhetik von David Lynch und ihr postmodernes Potenzial
- Dekonstruktion von Narration und Identität in "Blue Velvet"
- Kritische Auseinandersetzung mit der Americana-Ästhetik in der Reagan-Ära
Auszug aus dem Buch
4.1 Intertextualität
Jens Eder nennt in seiner Untersuchung des postmodernen Films „Oberflächenrausch“ als eines der prägnantesten Merkmale dieser Filmart die distinktive Intertextualität ihrer Aufmachung: „Intertextualität bezeichnet die Eigenschaft von insbesondere literarischen Texten, auf andere Texte bezogen zu sein.“
Intertextualität stellt per se kein postmodernes Phänomen dar, da bereits in früheren Epochen und Genres Anspielungen auf andere Medien und Werke vorfindbar sind. Jedoch sind der zitierte Inhalt, und vor allem die Art und Weise dieser Zitationen, zutiefst postmodern. Fredric Jameson führt hier an, dass Zitate anderer Werke in der Postmoderne nicht mehr lediglich als Zitate vorhanden sind, sondern völlig in die Substanz des Textes inkorporiert werden, ja ihn ganz und gar ausmachen.
Die inhaltliche Erweiterung des kulturellen Archivs durch das Internet ermöglicht dem postmodernen Film die vielfältigsten Zitate aus einer Vielzahl von Stilperioden. Die Vermischung von Trivial – und Hochkultur, die die Nouvelle Vague bereits in den 50ern initiierte, führt die Postmoderne weiter und variiert bewusst Merkmale früherer Filme. Im Unterschied zur Nouvelle Vague, die ihre subversiven Filmzitate zwar aus B-Movies, aber immer noch aus Hollywood bezog, vollzieht sich im postmodernen Film eine weitreichendere Stilmischung aus anderen Medien – und Kulturbereichen. Das Publikum, das durch das demokratische Medium Internet ebenso einen nahezu uneingeschränkten Zugriff auf das kulturelle Archiv hat, erkennt die Zitate im postmodernen Film und kann so eine weitere Interpretationsebene einfließen lassen. Dank der Doppelcodierung des postmodernen Films ist es aber auch möglich, die Filme ohne das Erkennen von den jeweiligen Filmzitaten anzusehen und zu einer alternativen Deutung des Filmgeschehens zu kommen, was eine Zusammenführung unterschiedlicher Zuschauer – und Affektwelten und eine weite Auffächerung des Publikums herbeiführt. Die Doppelcodierung, ein rezeptionsstrategischer Vorgang, gründet sich auf die Tatsache dass in postmodernen Filmen intertextuelle Bezüge vom Zuschauer je nach kulturellem Vorwissen verschieden wahrgenommen werden. So entsteht zwei Arten der Zuschauerschaft: entweder naiv oder eingeweiht – die Einen nehmen den Film im Kontext seiner Kulturzitate wahr, die anderen rezipieren die Aussagen im Film als eigenständige.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung vor, ob "Blue Velvet" als typischer postmoderner Film gelten kann und umreißt die methodische Herangehensweise anhand von Kriterien nach Jens Eder.
2. Die Postmoderne – Versuch einer Begriffsdefinition: Das Kapitel erläutert die heterogene Struktur der Postmoderne und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Definition dieses komplexen Phänomens.
3. Der postmoderne Film: Hier wird der postmoderne Film als Reaktion auf den modernen Realismus beschrieben, wobei insbesondere die Rolle der Selbstreflexivität und der Stilpluralität hervorgehoben wird.
4. Merkmale des postmodernen Films: In diesem zentralen Theoriekapitel werden die Hauptmerkmale wie Intertextualität, Spektakularität, Selbstreferentialität und die Dekonstruktion narrativer Strukturen systematisch dargelegt.
5. David Lynch – ein postmoderner Regisseur?: Dieses Kapitel analysiert, warum Lynch als einer der wichtigsten postmodernen Regisseure gilt und wie seine malerische, intuitive Arbeitsweise seine Filme prägt.
6. Postmoderne Aspekte in Blue Velvet (1986): Die Autorin wendet die theoretischen Konzepte auf den Film an, analysiert die Handlungsstruktur und untersucht die Intertextualität sowie die Darstellung von Traum und Realität.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass "Blue Velvet" durch seine Hyperrealität und die fragmentierte Erzählweise die Bedingungen einer postmodernen Welt kongenial widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Postmoderne, David Lynch, Blue Velvet, Intertextualität, Pastiche, Hyperrealität, Selbstreferentialität, Dekonstruktion, Narrativität, Americana, Filmwissenschaft, Film Noir, Bricolage, Doppelcodierung, Identitätskrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert David Lynchs Kultfilm "Blue Velvet" unter dem Aspekt postmoderner Stilmittel und Narrationsformen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung der Postmoderne, die Ästhetik des postmodernen Kinos sowie die konkrete Anwendung dieser Konzepte auf die filmische Umsetzung durch Lynch.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob und inwiefern "Blue Velvet" als typischer Vertreter des postmodernen Kinos betrachtet werden kann und wie der Film seine postmoderne Struktur erzeugt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine filmtheoretische Analyse, basierend auf Literatur von Theoretikern wie Fredric Jameson, Jean Baudrillard, Jean-François Lyotard und Jens Eder, um spezifische Merkmale des postmodernen Kinos zu identifizieren und diese am Filmtext zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Merkmale des postmodernen Films und eine praktische Anwendung dieser Kriterien auf die Figurenkonstellation, die Bildsprache und die Erzählstruktur von "Blue Velvet".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Hyperrealität", "Pastiche", "Bricolage", "Intertextualität" und "Selbstreferentialität" definiert.
Inwiefern spielt das Motiv des Voyeurismus eine Rolle im Film?
Das Voyeurismus-Motiv wird als Klammer zwischen dem Zuschauer und der Figur Jeffrey verstanden, die beide in eine "dunkle Kammer" eintreten, um das Unaussprechliche zu beobachten.
Welche Bedeutung haben die 50er Jahre in "Blue Velvet"?
Die 50er Jahre dienen Lynch als ikonischer Referenzpunkt für die "Americana" und die nostalgische Darstellung einer vermeintlich heilen Welt, die jedoch durch das Eindringen des Bösen und der Realität der 80er Jahre dekonstruiert wird.
Wie bewertet die Autorin das Ende des Films?
Das Happy End wird als rein oberflächlich eingeordnet, da der Zuschauer um die dunklen Geheimnisse und die grundlegende Instabilität der Welt weiß, die durch das Postmoderne-Konzept im Film vorherrschen.
- Arbeit zitieren
- Sema Kara (Autor:in), 2012, Postmoderne Tendenzen in David Lynch's Film "Blue Velvet" (1986), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267436