Der 1605 erschienene erste Teil des Ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha von Miguel de Cervantes Saavedra ist der wohl bekannteste Roman des Siglo de Oro, der mit seiner Erzählung des Lebens Don Quijotes und der zeitgleichen Reflexion über jenes Erzählen, einen „Höhepunkt des literarischen Schaffens im Goldenen Zeitalter“ darstellt (Neuschäfer 2006, S.123). Durch eben jene Selbstreflexionen und zahlreiche Einschübe (in Form der novelas intercaladas) schuf Cervantes in gewisser Weise eine neue Form des Romans, da dies eine äußerst wirkungsvolle Technik ist, die dem Leser zunächst recht befremdlich erscheint. Die so entstehenden verschiedenen Ebenen des Romans sind so ineinander verwoben, dass wir die darin liegenden Tiefenstrukturen lediglich erahnen, aber „nie ganz ausloten“ können; sie lassen sich kaum greifen, da sie sich „verschieben […] und [ineinander] verschwimmen“ (Byron 1984, S.459). Hier zeigt sich besonders die Komplexität der Handlungsspielräume und die Verwobenheit der einzelnen Handlungsstränge.
Mit jener Parodie auf die novelas de caballerías hat Cervantes ein grundlegendes Stück unterhaltender Literaturgeschichte geschrieben, das sich zwar auch mit Fragen der Moral und der Belehrung beschäftigt, dies jedoch immer mit einem gewissen ironischen Unterton einhergeht, weshalb das Amüsement stets eine höhere Stellung einzunehmen scheint. Aus diesem Grund galt der Roman lange Zeit auch als frivol und wurde zur damaligen Zeit von vielen Seiten zunächst verpönt; v.a. die Inquisition bezichtigte ihn überdies heterodoxer Aberrationen (Vgl.: Neuschäfer 2006, S.123).
Auf Grund eben jener Komplexität und außergewöhnlichen Form des Romans soll die hier vorliegende Arbeit eine strukturalistische Analyse des Don Quijote liefern; zunächst bietet sie daher einen kurzen biographischen Einblick in das Leben des Autors. Der darauf folgende Teil bezieht sich auf die Parodie und Komik von Ritterromanen und analysiert in diesem Zusammenhang (u.a.) die Figur Don Quijotes und seine Abenteuer, wobei u.a. auch seine Namensgebung als caballero de la triste figura behandelt wird. Abschließend widmet sich dieser Teil dem 52. Kapitel, d.h., dem Ende des Romans. Das sich daran anschließende Kapitel ist der Figur Dulcineas und dem Konzept der höfischen Liebe gewidmet. Der letzte Teil handelt von den viel diskutierten novelas intercaladas, wobei verschiedene Parallelen zwischen diesen und der Haupthandlung aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Cervantes – Kurzbiographie
III. Die Parodie und Komik von Ritterromanen
IV. Die Figur der Dulcinea del Toboso und das Konzept der höfischen Liebe
V. Las Novelas Intercaladas
1. Die Episode von Grisóstomo und Marcela
2. Die Geschichte um Cardenio, Luscinda, Fernando und Dorotea und die Novelle des „Curioso impertinente“
3. Die Novelle um den Cautivo
VI. Schlussbemerkung
VII. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine strukturalistische Analyse des ersten Teils von Miguel de Cervantes’ „Don Quijote“ vorzunehmen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie die Komplexität der erzählerischen Ebenen, die Parodie von Ritterromanen und die Interaktion zwischen den Hauptfiguren zur einzigartigen Struktur des Romans beitragen.
- Strukturalistische Untersuchung der Romanarchitektur und Ebenen
- Parodie der Gattung „novelas de caballerías“ und „novelas pastoriles“
- Dynamik und Dialektik zwischen Don Quijote und Sancho Panza
- Funktion und Einbettung der „novelas intercaladas“ in das Gesamtwerk
Auszug aus dem Buch
III. Die Parodie und Komik von Ritterromanen
Bereits im ersten Kapitel, „que trata de la condición y ejercicio del famoso hidalgo don Quijote de la Mancha“, erfahren wir, wer Don Quijote ist und wie es um seinen Geisteszustand bestellt ist (Cervantes 1605 (Ed. Allen 1989), S.113): Der sagenhafte Ritter ist ein Mann um die 50, aus gutbürgerlichen Verhältnissen, „de cuyo nombre“ Cervantes sich nicht erinnern kann, auch wenn er erwähnt, dass diesem verschiedenen Beinamen wie „Quijada“ oder „Quesada“ zugeschrieben werden und der „en un lugar de la Mancha“ zusammen mit seiner Nichte, einem alten Gärtner und seiner Haushälterin – die den gesamten ersten Teil über namenlos bleiben und stets nur als sobrina oder ama genannt werden – lebt (ebd.). Auch der eigentliche Name des Protagonisten wird erstmals im fünften Kapitel erwähnt, als ein Nachbar den zuvor in einer Auseinandersetzung übel Zugerichteten findet und ihn mit „el honrado hidalgo del Señor Quijana“ anspricht (146).
Auf Grund dessen, dass Don Quijote einen Großteil seiner Zeit mit der Lektüre von Ritterbüchern, wie z.B. dem Amadís de Gaula oder dem Libro del muy esforzado caballero Palmerín de Inglaterra, zugebracht hat, verlor er nach und nach den Verstand und fantasiert seither davon, ebenfalls in den Orden der fahrenden Ritter einzutreten, um Gerechtigkeit und Vergeltung zu üben und somit seinem Namen Ruhm und Ehre zu verschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die literarische Bedeutung des Don Quijote als Höhepunkt des Goldenen Zeitalters und legt den Fokus auf die komplexe, durch Selbstreflexion und Einschübe geprägte Erzählform.
II. Cervantes – Kurzbiographie: Dieser Abschnitt bietet einen biographischen Abriss über Miguel de Cervantes, inklusive seiner militärischen Laufbahn und seiner schriftstellerischen Entwicklung.
III. Die Parodie und Komik von Ritterromanen: Das Kapitel analysiert die Transformation der Ritterfigur durch Cervantes und zeigt auf, wie der Protagonist durch seine Lektüre und seinen geistigen Zustand die Gattungskonventionen parodiert.
IV. Die Figur der Dulcinea del Toboso und das Konzept der höfischen Liebe: Hier wird die Rolle der idealisierten Dulcinea als notwendiges, aber fiktives Konstrukt untersucht, das Don Quijotes ritterliches Handeln legitimiert.
V. Las Novelas Intercaladas: Dieser Teil widmet sich den eingefügten Novellen und analysiert deren Funktion als narrative Unterbrechung sowie ihre thematischen Parallelen zur Haupthandlung.
VI. Schlussbemerkung: Die Zusammenfassung resümiert die Bedeutung des Werkes als revolutionäre Literatur, deren Komik und Struktur bis heute wegweisend sind.
VII. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der strukturalistischen Analyse.
Schlüsselwörter
Cervantes, Don Quijote, Siglo de Oro, Ritterroman, Parodie, Strukturalismus, Sancho Panza, Dulcinea del Toboso, Novelas intercaladas, Realität, Fantasie, höfische Liebe, Romanstruktur, Erzählperspektive, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den ersten Teil von Cervantes' „Don Quijote“ unter strukturalistischen Gesichtspunkten, um die Verflechtung von Realität, Fantasie und parodistischen Elementen zu durchleuchten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Zentrale Themen sind die Parodie der Ritterliteratur, das Konzept der höfischen Liebe, die Bedeutung der eingeschobenen Novellen und die dialektische Beziehung zwischen den Hauptfiguren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Cervantes durch eine neuartige Schreibtechnik und komplexe Erzählstrukturen eine „Gegenwelt“ erschafft, die den Leser permanent zwischen komischer Parodie und tiefgründiger Literatur schwanken lässt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Es handelt sich um eine strukturalistische Analyse, die den Text auf seine innewohnenden Strukturen, narrativen Ebenen und motivischen Zusammenhänge hin untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Protagonisten, der kritischen Auseinandersetzung mit der Ritterliteratur, der Dulcinea-Figur sowie eine detaillierte Analyse spezifischer „Novelas intercaladas“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die „sanchificación“ und „quijotización“, die Intertextualität sowie die Funktion der „Venta“ als zentraler Handlungsort der Zusammenführung verschiedener Erzählstränge.
Warum wird Sancho Panza als eine Art „Realitätsfenster“ für den Leser bezeichnet?
Sancho Panza fungiert als Kontrastfigur, die durch ihre bodenständige, oft irrtumsfreie Wahrnehmung der Welt die Wahnvorstellungen Don Quijotes als solche für den Leser erst sichtbar macht.
Welche Bedeutung kommt der „Venta“ in der Struktur des Romans zu?
Die Venta ist der zentrale Ort, an dem sich die Handlungsstränge kreuzen, nahezu alle Hauptcharaktere aufeinandertreffen und sich die absurden Missverständnisse des Ritters mit der Realität der anderen Reisenden entladen.
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- Stefanie Weber (Autor), 2014, Miguel de Cervates Saavedras' "Don Quijote de la Mancha" (primera parte). Eine strukturalistische Analyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267500