Miguel de Cervates Saavedras' "Don Quijote de la Mancha" (primera parte). Eine strukturalistische Analyse


Seminararbeit, 2014

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

I.Einführung

II.Cervantes – Kurzbiographie

III.Die Parodie und Komik von Ritterromanen

IV.Die Figur der Dulcinea del Toboso und das Konzept der höfischen Liebe

V.Las Novelas Intercaladas
1. Die Episode von Grisóstomo und Marcela
2. Die Geschichte um Cardenio, Luscinda, Fernando und Dorotea und die Novelle des „Curioso impertinente“
3. Die Novelle um den Cautivo

VI.Schlussbemerkung

VII.Bibliographie

I.Einführung:

Der 1605 erschienene erste Teil des Ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha von Miguel de Cervantes Saavedra ist der wohl bekannteste Roman des Siglo de Oro, der mit seiner Erzählung des Lebens Don Quijotes und der zeitgleichen Reflexion über jenes Erzählen, einen „Höhepunkt des literarischen Schaffens im Goldenen Zeitalter“ darstellt (Neuschäfer 2006, S.123). Durch eben jene Selbstreflexionen und zahlreiche Einschübe (in Form der novelas intercaladas) schuf Cervantes in gewisser Weise eine neue Form des Romans, da dies eine äußerst wirkungsvolle Technik ist, die dem Leser zunächst recht befremdlich erscheint. Die so entstehenden verschiedenen Ebenen des Romans sind so ineinander verwoben, dass wir die darin liegenden Tiefenstrukturen lediglich erahnen, aber „nie ganz ausloten“ können; sie lassen sich kaum greifen, da sie sich „verschieben […] und [ineinander] verschwimmen“ (Byron 1984, S.459). Hier zeigt sich besonders die Komplexität der Handlungsspielräume und die Verwobenheit der einzelnen Handlungsstränge.

Mit jener Parodie auf die novelas de caballerías hat Cervantes ein grundlegendes Stück unterhaltender Literaturgeschichte geschrieben, das sich zwar auch mit Fragen der Moral und der Belehrung beschäftigt, dies jedoch immer mit einem gewissen ironischen Unterton einhergeht, weshalb das Amüsement stets eine höhere Stellung einzunehmen scheint. Aus diesem Grund galt der Roman lange Zeit auch als frivol und wurde zur damaligen Zeit von vielen Seiten zunächst verpönt; v.a. die Inquisition bezichtigte ihn überdies heterodoxer Aberrationen[1] (Vgl.: Neuschäfer 2006, S.123).

Auf Grund eben jener Komplexität und außergewöhnlichen Form des Romans soll die hier vorliegende Arbeit eine strukturalistische Analyse des Don Quijote liefern; zunächst bietet sie daher einen kurzen biographischen Einblick in das Leben des Autors. Der darauf folgende Teil bezieht sich auf die Parodie und Komik von Ritterromanen und analysiert in diesem Zusammenhang (u.a.) die Figur Don Quijotes und seine Abenteuer, wobei u.a. auch seine Namensgebung als caballero de la triste figura behandelt wird. Abschließend widmet sich dieser Teil dem 52. Kapitel, d.h., dem Ende des Romans. Das sich daran anschließende Kapitel ist der Figur Dulcineas und dem Konzept der höfischen Liebe gewidmet. Der letzte Teil handelt von den viel diskutierten novelas intercaladas, wobei verschiedene Parallelen zwischen diesen und der Haupthandlung aufgezeigt werden. Auf diese Weise soll die Arbeit einen fundierten und tiefgehenden Einblick in die – auf den ersten Blick vielleicht verwirrende – Struktur des Romans geben.

II.Cervantes – Kurzbiographie

Miguel de Cervantes Saavedra wurde 1547 in Alcalá de Henares, der „ciudad castellana más intelectual del siglo XVI“ als Sohn des Chirurgen Rodrigo Cervantes und seiner Frau Leonor de Cortinas geboren und war einer der wohl bekanntesten spanischen Schriftsteller (Eisenberg 1993, S.14). Sein Name taucht das erste Mal 1569 in Estudias de Madrid auf, wo er als Autor vierer Gedichte aufgelistet wird. Während seiner Flucht vor der spanischen Justiz, auf der er sich auf Grund verschiedener Vergehen befand (Vgl.: Neuschäfer 2006, S.141), trat er 1569 – kurz nach seinen humanistischen Studien bei Juan López de Hoyos, dem Herausgeber des Estudias de Madrid – der Marine bei, wo er in der Schlacht bei Lepanto durch eine Schusswunde die Beweglichkeit seiner linken Hand verlor; 1575 endete seine Zeit bei der Marine (Vgl.: Ebd.). 1585 publizierte er den ersten Teil von La Galatea – einem der wahrscheinlich bekanntesten novelas pastoriles – nur ein Jahr, nachdem sein einziges Kind, seine Tochter Isabel, geboren worden war (Vgl.: Eisenberg 1993, S.17). Kurz darauf verbrachte Cervantes seine Zeit auf Grund verschiedener Vergehen ab 1592 mehrmals im Gefängnis, wo er auch die Arbeiten am ersten Teil des Quijote, begann (Vgl.: Neuschäfer 2006, S.141); veröffentlicht wurde dieser 1609. 1613 veröffentlichte Cervantes seine v.a. moralisch geprägten Novelas Ejemplares und kurz darauf, 1615, den zweiten Teil des Quijote, nachdem er Opfer eines „Fortsetzungsschreibers, der sich den Erfolg des ersten Teils zunutze machte, um dem zweiten Teil des Originalautors zuvorzukommen“, geworden war (ebd., S.138). Nach dem Quijote schrieb er lediglich noch den Roman Los trabajos de Persiles y Segismunda, der jedoch erst ein Jahr nach seinem Tod im April 1616 erschien.

III.Die Parodie und Komik von Ritterromanen

Bereits im ersten Kapitel, „que trata de la condición y ejercicio del famoso hidalgo don Quijote de la Mancha“, erfahren wir, wer Don Quijote ist und wie es um seinen Geisteszustand bestellt ist (Cervantes 1605 (Ed. Allen 1989), S.113)[2]: Der sagenhafte Ritter ist ein Mann um die 50, aus gutbürgerlichen Verhältnissen, „de cuyo nombre“ Cervantes sich nicht erinnern kann, auch wenn er erwähnt, dass diesem verschiedenen Beinamen wie „Quijada“ oder „Quesada“ zugeschrieben werden und der „en un lugar de la Mancha“ zusammen mit seiner Nichte, einem alten Gärtner und seiner Haushälterin – die den gesamten ersten Teil über namenlos bleiben und stets nur als sobrina oder ama genannt werden – lebt (ebd.). Auch der eigentliche Name des Protagonisten wird erstmals im fünften Kapitel erwähnt, als ein Nachbar den zuvor in einer Auseinandersetzung übel Zugerichteten findet und ihn mit „el honrado hidalgo del Señor Quijana“ anspricht (146).

Auf Grund dessen, dass Don Quijote einen Großteil seiner Zeit mit der Lektüre von Ritterbüchern, wie z.B. dem Amadís de Gaula oder dem Libro del muy esforzado caballero Palmerín de Inglaterra, zugebracht hat, verlor er nach und nach den Verstand und fantasiert seither davon, ebenfalls in den Orden der fahrenden Ritter einzutreten, um Gerechtigkeit und Vergeltung zu üben und somit seinem Namen Ruhm und Ehre zu verschaffen:

„En efecto […] vino a dar en el más estraño pensamiento que jamás dio loco en el mundo, y fue que le pareció convenible y necesario, así para el aumento de su honra como para el servicio de su república, hacerse caballero andante, e irse por todo el mundo […] a buscar las aventuras y a ejercitarse en todo aquello“ (117).

Jenes Desiderat ist es auch, welches ihn letztendlich dazu drängt, zur primera salida aufzubrechen; er ist davon überzeugt, dass sein Handeln als ehrenvoller Ritter in der Welt erwartet würde und nicht länger aufgeschoben werden dürfe:

„Hechas, pues, estas prevenciones, no quiso aguardar más tiempo a poner en el efecto su pensamiento, apretándole a ello la falta que él pensaba que hacía en el mundo su tardanza, según eran los agravios que pensaba deshacer, tuertos que enderezar, sinrazones que eunmendar, y abusos que mejorar, y deudas que satisfacer“ (120).

Hierzu orientiert er sich an den zahlreichen Geschichten, die er über die caballeros andantes gelesen hat und begibt sich sogleich ans Werk, „proyecta[ndo] todos los valores de la andante caballería“ (Endress 2000, S.15), beginnend damit, dass er sich aus verschiedenen Rüstungsteilen einen angemessenen Harnisch zusammenstellt, sich mit einem Schwert bewaffnet und in seiner Euphorie auch sein schon recht altes Pferd – das ihm natürlich als ein edles Ross erscheint – in Rocinante benennt und sich selbst den edlen Namen Don Quijote de la Mancha gibt, ganz nach Manier der fahrenden Ritter, die als Beinamen oftmals die Bezeichnung der Ortschaft trugen, aus der sie stammten (Vgl.: 119f). Zu guter Letzt erwählt er sich noch Dulcinea del Toboso als Dame seines Herzens, wie es für einen fahrenden Ritter nach dem Prinzip der hohen Minne (die unter den fahrenden Ritter Gang und Gebe war) Pflicht ist, wie wir es auch schon im Lazarillo der Tormes und auch im mittelhochdeutschen Iwein von Hartmann von Aue vorfinden (den man in der Literatur oftmals als deutsches Pendant zum Don Quijote findet)[3]. Hierdurch wird auch deutlich, dass, obwohl er nicht mehr der Jüngste ist, sein Temperament dennoch „el de un joven“ ist; unterstrichen wird dies weiterhin durch den Elan, mit dem er seine (sich selbst auferlegte) Aufgabe antritt (Eisenberg 1993, S.31). Dieser Aspekt seines ungewöhnlichen Alters ist weiterhin auch ein wichtiger Bestandteil der Parodie, da Cervantes mit ihm eine Ritterfigur geschaffen hat, die sich von den Konventionen der (klassischen) libros de caballerías dadurch abhebt, dass er im Grunde das genaue Gegenteil eines typischen Protagonisten aus Ritterromanen darstellt: Im Gegensatz zu diesen ist er weder ein starker Jüngling, noch ein Königssohn, sondern im Grund genommen eher eine Antithese des Rittertums (Vgl.: Ebd., S59). Wir sehen also, dass Cervantes mit der Schaffung eines solchen „héroe loco, […] rompió definitivamente con el romance“, da er das Prinzip der „caballería artúrica“ durch die Figur des Don Quijote insofern parodiert, als dass er die Prinzipien der Arthus-Ritter in eine Welt der Albernheiten, Imaginationen und Fantasien transformiert, „que choca contra una realidad definida por el sentido commún y la experiencia normal“ dieser Zeit, v.a. durch die zahlreichen Überraschungen und ungeahnten Wendungen, die mit seiner Figur einhergehen (Vargas Llosa 1991, S.133f). In der zahlreichen Literatur zum Quijote finden sich die divergentesten Interpretationen und Analysen zum Verlust seines Verstandes; die Majorität läuft jedoch darauf hinaus, dass er eine Metapher nicht nur „de […] una cosa en concreto“, sondern „totalmente [de] sui generis“ darstellt (ebd., S.136). Abgesehen davon ist zu beachten, dass Cervantes die Besonderheiten seiner Figur v.a. auch durch die Deskription ihrer physiognomischen Erscheinung ausdrückt; so beschreibt er ihn beispielsweise bereits im ersten Kapitel als „[hombre] de complexión recia, seco de carnes, enjuto de rostra, gran madrugador y amigo de la caza“, was nicht gerade typische Eigenschaften eines Ritters von edlem Stand sind (114).

Allerdings wird er sich bei seinem Aufbruch bewusst, dass er „conforme a ley de caballería“ die Waffen gegen keinen Ritter erheben dürfe, da er bisher selbst nicht zu solchem geschlagen ist, weshalb er umgehend (zur primera salida) aufbricht, um dies nachzuholen (120). Auf dieser (zu Anfang recht ereignislosen) Reise ist er zum Ende des ersten Tages hin sehr erschöpft und sucht nach „algún castillo […] donde [puede] recogerse y […] remediar su mucha hambre y necesidad“; letztendlich gelangt er an eine Venta, die er für ein „castillo“ hält, da „a nuestro aventurero todo cuanto […] [parece] ser hecho y pasar al modo de lo que había leído,“ (122). Er ist also in dem Irrglauben, sich im Schloss eines ehrbaren Königs zu befinden und auch die beiden leichten Mädchen, die vor der Venta stehen, scheinen ihm „altas doncellas“ zu sein, da man in einer solch edlen Burg schließlich nicht auf unlautere Dirnen treffen würde (124). Aus diesem Irrtum entwickelt sich auch ein grundlegender Bestandteil der Komik, die den Quijote ausmacht; hinzu kommt, dass der Schankwirt und alle anderen das „Theaterspiel“ Don Quijotes insoweit mitmachen, dass ihnen zwar bewusst ist, dass es nicht allzu gut um seinen Geisteszustand bestellt sein kann, sie sich dennoch über seine Reden und Albernheiten amüsieren:

„El ventero, que […] era un poco socarrón y ya tenía algunos baruntos de la falta de su huésped, acabó de creerlo cuando acabó de oírle semejantes razones, y, por tener que reír aquella noche, determinó de seguirle el humor“ (129).

Aus diesem Grund willigt er (als „Burgherr“) auch ein, Don Quijote nach vollbrachter Waffenwacht zum Ritter zu schlagen. Doch bedingt durch dessen Fantasien kommt es während der Wache des Nachts im Stall zum Kampf mit einem vermeintlichen Waffendieb: In seinem Wahn hält Don Quijote einen der in der Schenke bewirteten Maultiertreiber, der nach seinen Tieren sehen will, für einen „atrevido caballero, que llega[...] a tocar las armas del más valeroso andante“, weshalb er ihn angreift (131). Als ein zweiter Maultiertreiber in den Stall tritt, attackiert er auch diesen, woraufhin ein Tumult ausbricht, der alle Insassen der Schenke veranlasst, ebenfalls in den Stall zu kommen. Einzig der Wirt ist nun Don Quijotes Rettung, da er die Begleiter der beiden geschundenen Maultiertreiber davon abhält, Don Quijote mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, indem er ihnen erklärt, dass jener nicht Herr seiner Sinne sein kann, weshalb er auch beschließt, ihn umgehend zum Ritter zu schlagen, um dem lauteren Treiben Einhalt zu gebieten. Zu diesem Zweck nimmt er „un libro donde asneta[...] la paja y cebada“, heißt Don Quijote sich nieder zu knien und in seinem Buch lesend wie in einem Gebet, gibt er ihm „sobre el cuello un buen golpe, y tras él con su mesma espada, un gentil espaldarazo“ und schlägt ihn somit zum Ritter (133). Bereits in diesem Kapitel wird deutlich, dass ein grundlegender Bestandteil der Komik des Quijote darin liegt, dass sämtliche Figuren, mit denen er in Kontakt tritt, immer in gewisser Weise auf seine Fantasien eingehen und „mitspielen“.

Abgesehen davon ist die Venta nicht nur der Ort, an dem er zum Ritter geschlagen wird, sondern auch ein zentraler Bestandteil des ganzen Romans, da sich hier nicht nur ein Großteil der Handlung abspielt, sondern sich hier auch zentrale Wendungen im Handlungsverlauf vollziehen. So kommen hier nicht nur (fast) alle Beteiligten der Novelas Intercaladas zusammen, sondern finden diese hier bspw. auch ein „Happy End“. Im Großen und Ganzen ist die Venta also zentraler Handlungsort, an dem alle Handlungsstränge zusammenlaufen weshalb sie einen so gravierenden Stellenwert im Roman einnimmt.

Auch das sechste Kapitel, welches „del donoso y grande escrutinio“ handelt, das „el cura y el barbero […] en la librería de nuestro ingenioso hidalgo“ anstellen, ist sehr signifikant, da hier fast alle Bücher Don Quijotes dem Feuer zum Opfer fallen, weil man hofft, so seinem Wahn ein Ende zu setzen (150). Des Weiteren ist in dieser – sozusagen – Inquisition auch eine gewisse Kritik an den novelas de caballerías und auch an den novelas pastoriles zu finden: Im Gespräch des Pfarrers und des Barbiers, in welchem sie darüber diskutieren, welche Bücher verbrannt werden sollen, spiegelt sich Cervantes' Haltung gegenüber jenen Romanen, zu denen er „wie viele seiner Zeitgenossen […] ein zwiespältiges Verhältnis“ hatte, wieder (Neuschäfer 2006, S.126): Zunächst ist der Pfarrer der Meinung, alle Ritterromane müssten dem Feuer überantwortet werden, da er sie nicht nur als unnützen Zeitvertreib sieht, sondern sie auch deswegen ablehnt, weil sie rein fiktive Erzählungen sind, weshalb er auch dafür plädiert, Los cuatros libros de Amadís de Gaula zu verbrennen, da sie als allererste Ritterbücher in Spanien „principio y origen“ aller anderen sind und somit auch den „dogmatizador de una secta tan mala“ darstellen und sie die Wahrheit, sowie christliche Werte gänzlich außen vor lassen (151 und vgl.: Neuschäfer 2006, S.126). Jene Haltung gegenüber dieser Romangattung wird durch seine Aussage, er würde sogar seinen eigenen Vater dem Scheiterhaufen überlassen, wenn er ein nämlicher fahrender Ritter wäre, noch unterstrichen (Vgl.: 152). Einzig das Argument des Barbiers, dass der Amadís trotz allem „el mejor de todods los libros“ sei, veranlasst den Pfarrer dazu, ihn vor dem Feuer zu bewahren (ebd.). Neben dem Amadís finden nur noch einige wenige weiter Gnade, wie bspw. der Palmerín de Inglaterra, da dieser nicht nur das Werk eines namhaften Königs von Portugal darstellt, sondern auch – so der Pfarrer – in einer angemesseneren Art und Weise als die restlichen verfasst sei (Vgl.: 154). In den Ansichten des Pfarrers zeigt sich folglich Cervantes' dichotome Haltung gegenüber den Ritterromanen: Auf der einen Seite lehnte er sie offensichtlich ab – was ja bereits durch die Parodie des Quijote an sich deutlich wird –, auf der anderen Seite scheint er sie dennoch (oder zumindest einige wenige) als einen unterhaltsamen Zeitvertreib erachtet zu haben. Im weiteren Verlauf zeigt sich (wiederum durch den Pfarrer) dass die novelas pastoriles für ihn einen anderen Stellenwert einnahmen, „porque no hacen […] el daño de los de caballerías“, da diese vielmehr „libros de entretamiento, sin perjuicio de tercero“ seien, wie hier vom Pfarrer erklärt wird (156). Erst auf die Einwände der Nichte hin, dass man beim Verschonen dieser Bücher Gefahr laufen würde, dass ihr Onkel sich dann eventuell entschließen könnte, Schäfer zu werden, einigen sie sich darauf, diese Bücher zwar nicht zu verbrennen, sie aber dennoch insoweit zu zensieren, als dass man alles herausschneiden solle, was keine reine Realitätsdarstellung ist. Auch in Kapitel 32, in dem die gesamte Kohorte um Don Quijote in der Venta einkehrt (was sein dritter Besuch dort ist), wird diese Kritik weitergeführt als der Pfarrer zwei Ritterbücher des Wirtes, der ebenfalls glaubt, in diesen stünden wahre Tatsachen, verbrennen will: Auf dessen Unverständnis hin erklärt ihm der Pfarrer, dass solche Bücher, wie die hier vorliegenden über Felixmarte de Hircania und Don Cironiglio de Tracia, lediglich „llenos de disparates y devaneos“ seien (443). Allerdings nimmt er auch hier wieder ein Buch von seinem Urteil aus (La Historia del Gran Capitán Gonzalo Hernández de Córdoba, con la vida de Diego García de Paredes), weil es als einziges von realen Ereignissen handelt. Zuletzt betont er noch einmal, dass der Druck solch fiktiver Geschichten lediglich gestattet sei, da man davon ausgeht, dass niemand sie für wahre Geschichten hält.

[...]


[1] Abweichung von der vorherrschenden (kirchlich festgelegten) Norm.

[2] Auf Grund der Häufigkeit werden bei Zitaten und Vergleichen aus dem Primärtext im Folgenden nur noch die Seitenzahlen angegeben.

[3] Da sich das folgende Kapitel mit der Figur Dulcineas beschäftigt, wird hier nicht weiter auf sie und das Minne-Konzept eingegangen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Miguel de Cervates Saavedras' "Don Quijote de la Mancha" (primera parte). Eine strukturalistische Analyse
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Ronaisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V267500
ISBN (eBook)
9783656582014
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Teilweise Zitate auf Spanisch und Englisch.
Schlagworte
Don Quijote, dulcinea, Sancho Panza, Cervantes, Analyse
Arbeit zitieren
Stefanie Weber (Autor), 2014, Miguel de Cervates Saavedras' "Don Quijote de la Mancha" (primera parte). Eine strukturalistische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267500

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