Bacchus und Ariadne von Pier Francesco Mola im Vergleich zu anderen Darstellungen


Seminararbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kurzbiographie des Malers

3. Beschreibung des Bildes unter Berücksichtigung des Inhalts
3.1 Die Komposition des Bildes

4. Darstellung des mythologischen Hintergrundes

5. Vergleich zu anderen Darstellungen
5.1 Vergleich zu Tizians „Die drei Lebensalter“
5.2 Besonderheiten des Werkes von Pier Francesco Mola

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsnachweis und Abbildungen

1. Einleitung

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Gemälde „Bacchus und Ariadne“ von Pier Francesco Mola, das um 1662 in Rom entstanden ist. (Abb. 1)

Das Bild zeigt eine mythologische Szene zwischen dem Gott des Weines und der Tochter des kretischen Königs Minos, Bacchus und Ariadne.[1]

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Darstellung des mythologischen Hintergrundes und die Darstellung und Umsetzung der griechischen Sage ins mittelalterliche Bild. Abschließend werden noch ähnliche Bilder oder welche mit dem gleichen Sagenkontext mit dem hier vorliegenden verglichen, um so einen kleinen Überblick über „Bacchus und Ariadne“ Darstellungen in der nachmittelalterlichen Kunst geben zu können.

2. Kurzbiographie des Malers

Pier Francesco Mola wurde im Februar 1612 in Coldrerio bei Lugano im Tessin in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Vier Jahre später ließ sich die Familie in Rom nieder, wo Mola dann auch den größten Teil seines Lebens verbrachte.

Zwischenzeitlich unternahm er längere Reisen nach Bologna, Venedig und andere oberitalienische Städte. Diese Aufenthalte, vor allem in Venedig, wirkten sich stilbildend auf sein weiteres Schaffen aus. Mit 36 lässt er sich endgültig in Rom nieder, wo er 1666 (oder 1668) auch stirbt.[2]

Mola zeichnete, malte Fresken und Staffeleibilder und war auch als Architekt tätig. Seine stimmungsvoll idyllischen Darstellungen erinnern an venezianische Renaissancemaler wie Tizian oder Veronese, doch zeigt sich auch der Einfluss der Barockmeister wie Fetti und Albani, in dessen Bologneser Werkstatt er von 1645 – 47 mitarbeitete.[3] In seiner Kunst vereinen sich die klassizistische Formenstrenge der bologneser Schule mit der warmen, bräunlichen Intonation und dem Sinn für landschaftliche Elemente der venezianischen Malerei. Als Schöpfer von Tafelbildern biblischen oder mythologischen Inhalts zählte er zu den bedeutendsten römischen Malern seiner Zeit.[4]

3. Bildbeschreibung

Das 114,4 cm x 86,4 cm große Ölgemälde (Abb.1) von Pier Francesco Mola entstand etwa um 1662 in Rom und wurde auf Leinwand gemalt. Es trägt den Titel „Bacchus und Ariadne“ und befindet sich heute im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig. Teilweise trägt es aber auch den Titel „Schäfer und Schäferin.“[5] Das Bild zeigt direkt im Zentrum ein sitzendes Pärchen unter einem Baum in dämmriger Abendlandschaft. Der junge Mann links ist bei näherer Betrachtung als Bacchus, der Gott des Weines, zu erkennen, da er einen laubumwundenen Stab, den Thyrsosstab, und einen Kranz aus Weinlaub trägt. Er ist mit einer roten Toga bekleidet unter der ein weißes Untergewand hervorschaut. Das ihm zugewandte Mädchen auf der rechten Seite ist mit einem schwarzen Trägerkleid und einer weißen Bluse bekleidet, die die Schultern unbedeckt lässt. Außerdem trägt sie noch Ketten, einen Armreif und Ohrschmuck. Ihr Haar ist zu einer geflochtenen Hochsteckfrisur frisiert. An ihrem Äußeren kann man erkennen, dass es sich um ein armes Schäfermädchen handeln kann. Das sie Ariadne, die Tochter des kretischen Königs Minos ist, lässt sich allerdings nicht ohne weiteres feststellen. Dem Titel nach ist aber davon auszugehen. Die beiden sind einander zugewandt, berühren sich aber nicht. Sie sitzen auf einem Felsen unter einem größerem Baum, welcher aber nach links aus dem Bild herausragt. Etwas dahinter, in der linken oberen Bildhälfte stehen noch zwei weitere Bäume, deren Spitzen aber auch oben aus dem Bild herauslaufen.

Die rechte obere Bildhälfte wird von einem dämmrig-blauen Himmel ausgefüllt, in dem tief über dem Horizont eine weiße Wolke hängt, die links hinter den Bäumen verschwindet. Auf der rechten Seite hinter Ariadne sind am Horizont kleine Gebäude zu sehen. Rechts daneben steht noch ein kleinerer Baum. Die Farben des Bildes sind sehr harmonisch, die Bäume zeigen eine rege Vegetation und erscheinen in einem kräftigen grün. Der Himmel steht in einem schönen dunkelblau und ist von hellen und dunklen Linien durchzogen. Am auffälligsten ist die Toga des Bacchus in ihrem leuchtendem rot. Sie steht in einem guten Kontrast zu der schwarz-weißen Kleidung der Ariadne. Zum unteren Bildrand hin verläuft sich alles in dunkle grün und braun Töne, es erscheint fast schwarz. Die Baumstämme und die Landschaft im Hintergrund sind nur noch schwer zu erkennen. Nur die gleichmäßig gebräunte Haut des Bacchus und sein rotes Gewand stechen deutlich hervor. Die Malweise Molas ist klar, ohne hart zu wirken, mit deutlichen Lichteinflüssen. Der Lichteinfall kommt von links oben und bringt somit Bacchus rechten Arm zum „strahlen“, der nicht von der Toga bedeckt ist.

3.1 Die Komposition des Bildes

Bemerkenswert ist die Komposition des Bildes. Wenn man das Bild durch zwei Diagonalen schneidet ergibt sich der Mittelpunkt zwischen den Gesichtern der beiden Figuren und der Kreuzungspunkt schneidet den Blick der beiden. Man könnte quasi ein Oval um ihre Oberkörper zeichnen, welches sich dann genau im Bildmittelpunkt befinden würde. Die Bäume gliedern das Bild vertikal, der Felsen und der Horizont horizontal. Die Linie des Horizonts liegt auch genau in der Bildmitte und teilt es somit symmetrisch auf. Die Figuren erscheinen dem Betrachter ganz nah und ein wenig aus der Untersicht. Aber obwohl sich die Figuren so nah an der Bildoberfläche befinden werden sie durch das liegende Oval, das die Köpfe, Arme und Schenkel der Figuren einschließt vom Betrachter ausgegrenzt.[6] Durch diese Komposition wird die enge Verbundenheit zwischen Bacchus und Ariadne deutlich hervorgehoben und die dämmrig dunkle Abendstimmung verdichtet diesen Ausdruck der Vertrautheit auch noch. Die Spannung des Bildes wird gerade dadurch erhöht, dass die Figuren sich nicht berühren, aber kurz davor sind. Der Betrachter wartet förmlich darauf, dass die beiden sich näherkommen und ihre Hände zueinander finden.

[...]


[1] Vgl. Informationsblatt des Herzog Anton Ulrich - Museum, Braunschweig, zu P. F. Mola

[2] Vgl. Die Zeichnungen des Pier Francesco Mola, S. 13 ff.

3 Vgl. Informationsblatt des Herzog Anton Ulrich – Museum, Braunschweig, zu P. F. Mola

[4] Vgl. Grohn, H. W., S. 114

5 Vgl. Herzog Anton Ulrich - Museum Braunschweig, Verzeichnis der Gemälde, Braunschweig, 1969, S. 96

[6] Vgl. Informationsblatt des Herzog Anton Ulrich – Museum, Braunschweig, zu P. F. Mola

7 Vgl. Reclams Lexikon der antiken Mythologie, S. 156 - 164

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Bacchus und Ariadne von Pier Francesco Mola im Vergleich zu anderen Darstellungen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Themen der antiken Mythologie in der nachmittelalterlichen Kunst
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V26753
ISBN (eBook)
9783638289962
ISBN (Buch)
9783640389070
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Abbildungen sind in dieser Arbeit nicht enthalten - über ein detailliertes Abbildungsverzeichnis können diese nachvollzogen werden.
Schlagworte
Bacchus, Ariadne, Pier, Francesco, Mola, Vergleich, Darstellungen, Themen, Mythologie, Kunst
Arbeit zitieren
Stefanie Breitzke (Autor), 2004, Bacchus und Ariadne von Pier Francesco Mola im Vergleich zu anderen Darstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26753

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