Komplexe Erkrankungen erfordern unter Umständen eine permanente Beobachtung, pflegerische Betreuung oder eine spezialfachärztliche Behandlung von Patienten. Akutmedizinische Versorgungsleistungen werden im deutschen Gesundheitssystem primär von Krankenhäusern erbracht, die nach dem Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) einen Versorgungsvertrag mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geschlossen haben. Seit vielen Jahren ist die Qualität der stationären medizinischen Versorgung ein kontrovers diskutiertes Thema. Ohne Zweifel hat die Behandlungsqualität in deutschen Krankenhäusern – wie in den meisten Industriestaaten – ein hohes Niveau erreicht. Unbestritten ist allerdings ebenso, dass auch hier noch deutliche Verbesserungspotenziale bestehen.
Ärztliche und pflegerische Leistungen stehen seit einigen Jahren vermehrt im Interesse der Öffentlichkeit. Wettbewerb und Leistungsorientierung bestimmen zunehmend die Regeln für die Krankenhausbehandlung und stellen alle am Versorgungsprozess Beteiligten vor neue Herausforderungen. Auch vonseiten des Gesetzgebers wird eine verschärfte Kontrolle der Behandlungsqualität gefordert. Die gesetzliche Pflicht zur Beteiligung an qualitätssichernden Maßnahmen besteht für nach §108 SGB V zugelassene Krankenhäuser in Deutschland bereits seit mehr als 20 Jahren. In dem von ihm herausgegebenen Evaluationsbericht über das Demonstrationsprojekt „Qualitätsmanagement im Krankenhaus“ (DemoProQM) konstatierte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) bereits im Jahr 2003, „[d]ie Qualität der Versorgung [sei] nicht mehr nur von ideellem Wert, sondern zum Wirtschafts- und Wettbewerbsfaktor geworden“. Während diagnostische und therapeutische Behandlungsabläufe deutlich komplexer werden, erhöht sich indessen der Druck auf die Einrichtungen, effektiver und effizienter zu arbeiten. Vor diesem Hintergrund ist es inzwischen für jedes Krankenhaus maßgeblich, seine Leistungen einer einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung zu unterziehen, ein internes Qualitätsmanagement zu implementieren sowie den aktuellen Stand der Qualitätsbemühungen zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Die „Optimierung der diagnostischen, therapeutischen, pflegerischen und sonstigen Dienstleistungsprozesse“ ist dabei Sinn und Zweck von Qualitätsmaßnahmen für die Gewährleistung einer „gute[n] Patientenversorgung“. ...
Anmerkung: Die Transkriptionen der Experteninterviews sind im Anhang nicht enthalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit und Vorgehensweise
2. Die Bedeutung von Qualität in der stationären Gesundheitsversorgung
2.1 Qualität im Krankenhaus – multiperspektivisch und multidimensional.
2.1.1 Der Qualitätsbegriff im Krankenhaus
2.1.2 Struktur, Prozess und Ergebnis – Dimensionen von Qualität
2.1.3 Berufsimmanente Qualitätsansprüche und die Arzt-Patient-Beziehung
2.1.4 Beurteilung der Qualität – Anforderungen und Prüfgrößen im KH
2.2 Geänderte Rahmenbedingungen für Krankenhäuser
2.2.1 Demografie und technischer Fortschritt – Einflussgrößen des Wandels
2.2.2 Strategische Kostendämpfung – Steuerungsmechanismus Finanzierung
2.2.3 Krankenhäuser unter DRG-Bedingungen
2.2.4 Qualität als zentraler Faktor im Krankenhauswettbewerb
2.3 Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement im Krankenhaus
2.3.1 Historische Entwicklung im klinischen Bereich
2.3.2 Gesetzliche Bestimmungen zur Versorgungsqualität
2.4 Zwischenfazit und Überleitung
3. Methodischer Teil: Leitfadengestützte Experteninterviews
3.1 Die Erhebungsmethode: Experteninterviews
3.2 Interviewpartner: Experten auf dem Gebiet der Qualitätssicherung
3.3 Der Leitfaden: Relevante Themenkomplexe
3.4 Auswertung der Interviews als zusätzliche Datenquelle
4. Ansätze zur Steigerung der Versorgungsqualität im Krankenhaus
4.1 Externe vergleichende Qualitätssicherung – EQS
4.1.1 Erhebungsdaten und Qualitätsindikatoren
4.1.2 Veröffentlichung: Qualitätsberichte und -reports
4.1.3 Der Strukturierte Dialog – Auffälligkeiten prüfen
4.2 Zertifizierungs- und Bewertungsverfahren
4.2.1 Ein Überblick: Gütesiegel der Qualität
4.2.2 Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen – KTQ®
4.2.2.1 Kriterienkatalog und Selbstbewertung durch die Krankenhäuser
4.2.2.2 Fremdbewertung und Zertifizierung
4.2.2.3 KTQ-Qualitätsbericht und Öffentlichkeit
4.3 Eigene Konzepte von Krankenhausträgern und -verbünden
4.3.1 Ein Überblick: Qualitätsportale vs. Qualitätskonzepte
4.3.2 Initiative Qualitätsmedizin – IQM
4.3.2.1 Routinedaten und die IQM-Indikatoren 2.1
4.3.2.2 Veröffentlichung – Transparenz der Ergebnisse
4.3.2.3 Peer-Review-Verfahren – Beseitigung von Schwachstellen
4.4 Systematischer Vergleich der ausgewählten Ansätze
4.4.1 Vergleichskriterium I: Datenbasis für die Messung
4.4.2 Vergleichskriterium II: Darstellung und Kommunikation der Ergebnisse
4.4.3 Vergleichskriterium III: Instrumente zur Bewertung der Qualität
4.5 Abschließende Bewertung
5. Wirkungsanalyse: Ein Blick in die Praxis.
5.1 Bewusstsein schaffen durch den Strukturierten Dialog.
5.2 KTQ fördert Struktur und bereichsübergreifende Kommunikation.
5.3 IQM-Peer Reviews verringern Sterberaten und verbessern Abläufe.
5.4 Zwischenfazit und Reflexion.
6. Zukünftiges Potenzial und Handlungsoptionen
6.1 Sektoren überwinden.
6.2 Qualitätsorientierte Vergütung.
6.3 Mehr Transparenz wagen.
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht verschiedene Ansätze zur Messung, Darstellung und Bewertung von Qualitätsaspekten in der stationären Gesundheitsversorgung, um deren Wirksamkeit bei der Verbesserung der Versorgungsqualität zu analysieren.
- Multidimensionale Qualitätsbegriffe und deren Messbarkeit im Krankenhaus
- Einfluss von Rahmenbedingungen wie DRG-System und Wettbewerb
- Vergleich von EQS, KTQ und der Initiative Qualitätsmedizin (IQM)
- Rolle der externen Qualitätssicherung im Verhältnis zu internem Qualitätsmanagement
- Zukunftsperspektiven für sektorenübergreifende Ansätze und Transparenz
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Struktur, Prozess und Ergebnis – Dimensionen von Qualität
Die Qualität der medizinischen Versorgung ist unmöglich im Ganzen zu messen. Üblicherweise werden daher einzelne Qualitätsaspekte genauer betrachtet, um Ergebnisse anschließend gemeinsam zu beurteilen. Hierbei wird gemeinhin zwischen Struktur (structure), Prozess (process) und Ergebnis (outcome) unterschieden. Diese krankenhausspezifische, international gebräuchliche Einteilung zur „Qualitätsbeobachtung und -beurteilung“ geht zurück auf Avedis DONABEDIAN und wird noch heute für Verfahren der Qualitätssicherung verwendet. Die drei Dimensionen dienen der Spezifizierung von Anforderungen an die stationäre Versorgungsqualität. Sie ermöglichen die Kategorisierung von Leistungsaspekten und erleichtern so ihre Messung und Bewertung.
Die Dimension der STRUKTURQUALITÄT umfasst alle strukturellen Bedingungen im Krankenhaus, d.h. alle für den Behandlungsprozess benötigten Ressourcen. Dazu zählen sachliche, organisatorische und menschliche Potenziale, wie u.a. die medizinische und technische Ausstattung, der medizinische Sachbedarf, die Anzahl und Qualifikation des Personals, Arzneimittel und die Aufbauorganisation der Einrichtung. Die Struktur eines Krankenhauses allein sagt wenig über die realisierte Versorgungsqualität aus, beeinflusst allerdings u.U. wesentlich das Leistungsgeschehen. Eine hohe Strukturqualität ist dann gewährleistet, wenn die richtigen Voraussetzungen vorhanden sind, um etwas regelgerecht und gut zu tun. Die Dimension kann somit als notwendige, nicht aber als hinreichende Bedingung für ‚gute Qualität‘ angesehen werden, da die Analyse von Strukturkomponenten in ihrer Aussagekraft begrenzt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Forschungsfragen sowie des Aufbaus der Arbeit.
2 Die Bedeutung von Qualität in der stationären Gesundheitsversorgung: Theoretische Herleitung des Qualitätsbegriffs und Erläuterung der Rahmenbedingungen im Krankenhaussektor.
3 Methodischer Teil: Leitfadengestützte Experteninterviews: Darlegung der gewählten qualitativen Forschungsmethode und Auswahl der Experten.
4 Ansätze zur Steigerung der Versorgungsqualität im Krankenhaus: Detaillierte Analyse und systematischer Vergleich von EQS, KTQ und IQM.
5 Wirkungsanalyse: Ein Blick in die Praxis.: Untersuchung der praktischen Wirksamkeit der vorgestellten Instrumente mittels Praxisbeispielen.
6 Zukünftiges Potenzial und Handlungsoptionen: Diskussion künftiger Entwicklungen wie Sektorenüberwindung und qualitätsorientierte Vergütung.
7 Fazit: Zusammenfassende Resümee der Arbeit und Ausblick.
Schlüsselwörter
Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement, stationäre Gesundheitsversorgung, Krankenhaus, EQS, KTQ, IQM, Routinedaten, Patientensicherheit, Ergebnisqualität, Prozessqualität, Strukturqualität, Transparenz, Benchmark, Gesundheitsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Qualität in Krankenhäusern gemessen, dargestellt und bewertet wird und wie verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Versorgungsqualität beitragen.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Qualität, gesetzliche Anforderungen, Instrumente zur Qualitätssicherung (EQS, KTQ, IQM) sowie deren praktische Auswirkungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist der Vergleich ausgewählter Ansätze der Qualitätssicherung hinsichtlich ihrer Vorgehensweise bei der Messung, Darstellung und Bewertung von Qualitätsaspekten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit der empirischen Auswertung von teilstrukturierten, leitliniengestützten Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise und Methodik der EQS, der KTQ und der IQM und vergleicht diese kritisch anhand von Kriterien wie Datenbasis und Instrumentarium.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Qualitätssicherung, Krankenhaus, EQS, KTQ, IQM, Ergebnisqualität, Patientensicherheit und Transparenz.
Warum wird zwischen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität unterschieden?
Diese dreigliedrige Einteilung nach Donabedian dient dazu, das komplexe Gebilde der medizinischen Qualität in messbare Kategorien zu zerlegen.
Was unterscheidet das IQM-Konzept von anderen Ansätzen?
IQM zeichnet sich besonders durch die Nutzung von Routinedaten für das Benchmarking und den Einsatz strukturierter Peer-Review-Verfahren zur kollegialen Fehleranalyse aus.
- Arbeit zitieren
- Sandra Stöcker (Autor:in), 2013, Messbarkeit, Darstellung und Bewertung von Qualitätsaspekten in der stationären Gesundheitsversorgung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267547