Effektives und zeitgemäßes Klassenmanagement. Wege zu einem erfolgreichen Lernen im Schulalltag


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle von Klassenmanagement in der Schulforschung
2.1. Begriff des Klassenmanagements
2.2. Einordnung in den Forschungskontext

3. Mehr als Strafen und Ermahnen moderne Ansätze des Klassenmanagements
3.1. Der Ansatz von Kounin
3.2. Erweiterung durch Evertson

4. Die Bedeutung von Klassenmanagement im Schulalltag

5. Schlussfolgerungen

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Lehrer sind wie Fixer: sie denken immer nur an den Stoff!

Dieser Ausspruch mag amüsant oder auch makaber erscheinen, weist jedoch auf ein in der Gesellschaft weit verbreitetes Bild vom Lehrer hin, welches vermutlich auch in vielen Fällen zutreffen mag. So lässt bereits dessen Berufsbezeichnung eigentlich nur einen logischen Schluss zu: Der Lehrer ist der, der lehrt. Dies beinhaltet jedoch lediglich die halbe Wahrheit. So hat der Lehrer nicht nur die Aufgabe, Wissen und Informationen zu vermitteln, sondern zudem einen wichtigen Teil zur Erziehung und Sozialisation des Kindes zu leisten, etwa indem er gesellschaftliche Normen und Werte vermittelt und etabliert. Um diese ihm zugewiesenen Aufgaben jedoch angemessen zu erfüllen, muss er zunächst die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen. Nun ist es eben so, dass eine Schulklasse aus bunt durcheinander gewürfelten, einzigartigen und höchst verschiedenen Individuen besteht. Das Resultat ist eine heterogene Ansammlung von jungen Menschen, die jedoch dazu bestimmt ist, gemeinsam einen Großteil ihrer Zeit zu verbringen, gemeinsam zu lernen und dabei auch noch möglichst effektiv und erfolgreich zu sein. Um dies zu gewährleisten, braucht es den Lehrer als „Führer“, der dafür sorgt, dass Gruppenbeziehungen innerhalb der Klasse aufgebaut werden, der Ziele vorgibt, die unterschiedlichen Aufgaben und Tätigkeiten koordiniert, Maßstäbe für das gemeinsame Arbeiten vorgibt und deren Einhaltung überwacht.

Auf diese Notwendigkeit wies bereits Aristophanes hin, indem er die Zustände an Schulen im antiken Griechenland beklagte: „die jungen Athener [seien] verweichlicht und verwöhnt. […] Das einzig Hervorstechende an ihnen sei das große Mundwerk. Sie schwänzten häufig die Schule. Die Unterrichtsdisziplin lasse sehr zu wünschen übrig.“ (Helmke, 2010, S. 172).

Probleme mit der Disziplin im Unterricht sind also keineswegs ein Phänomen der Neuzeit. Gerade weil die Schule für die Kinder und Jugendlichen in der Regel kein bevorzugter Ort ist, an dem sie ihre Zeit verbringen wollen, hat der Lehrer es nicht immer leicht, die für das erfolgreiche Lernen notwendige Arbeitsatmosphäre herzustellen. Dies mag zum einen an den Schülern oder der jeweiligen Klasse an sich liegen, zum anderen jedoch auch an der Lehrkraft selbst. Mangelnde Führungsqualitäten, aber vor allem Unwissen über Strategien der Klassenführung münden nicht selten in schwerwiegenden Problemen in Bezug auf die Arbeitsatmosphäre und den Lernerfolg innerhalb einer Klasse.

Die Suche nach dem richtigen Weg und den effektivsten Methoden, um im Unterricht für Disziplin zu sorgen und Konflikten vorzubeugen, beschäftigt die Schulforschung bereits über Jahrhunderte hinweg. Doch erst in den letzten Jahrzehnten hat sich aus dieser Suche ein systematisches Forschungsfeld herausgebildet, welches sich ganz konkret mit Strategien und effektiven Mitteln der „Klassenführung“ beschäftigt.

Dieser heute überwiegend als „Klassenmanagement“ bezeichneter Zweig der Schulforschung ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Ziel ist es dabei nicht, das gesamte Forschungsfeld darzulegen, denn dieses ist hoch komplex und multiperspektivisch. Vielmehr steht im Fokus, durch welche Faktoren sich ein zeitgemäßes und effektives Klassenmanagement auszeichnet und welche Rolle dieses im Schulalltag einnimmt. Um eine fundierte Antwort auf diese Frage geben zu können, erfolgt im ersten Hauptkapitel eine genaue Definition des Begriffs „Klassenmanagement“ und ein kurzer Abriss des aktuellen Forschungsstands bezüglich der Thematik. Darauf aufbauend werden im folgenden Kapitel zwei ausgewählte aktuelle Ansätze zum Klassenmanagement und deren Bedeutung innerhalb der Schulforschung erläutert. Das letzte Hauptkapitel wirft anschließend noch einen genauen Blick auf die Praxis und dient dazu, vor allem mit Rückgriff auf die Ergebnisse empirischer Studien, die Bedeutung des Klassenmanagements im Schulalltag darzustellen.

2. Die Rolle von Klassenmanagement in der Schulforschung

2.1. Begriff

Der englische Begriff Classroom Management findet bereits seit den 1990er Jahren Verwendung und wird in Deutschland meist mit Klassenraummanagement oder Klassenmanagement übersetzt (Schmidt, 2009). Jedoch existiert keineswegs eine einheitliche Vorstellung davon, was unter dem Begriff genau zu verstehen sei. Andreas Helmke führt beispielsweise vier verschiedene Begriffsdeutungen an. So könne man Klassenmanagement einmal mit der Aufgabe, Klassenlehrer zu sein, gleichsetzen, man könne es schlichtweg als das erfolgreiche Unterrichten verstehen, als Reaktion auf Störungen oder aber als Gesamtstrategie von präventiven, proaktiven und reaktiven Maßnahmen gegen Disziplinprobleme in der Schule (2010). Diese Differenzierung ist jedoch zum Zweck einer tiefergehenden Beschäftigung mit der Thematik wenig hilfreich. So erscheint es vielmehr sinnvoll, sich auf eine spezifische Begriffsdefinition festzulegen, um damit den Grundstein für die weiteren Betrachtungen zu legen.

Was zeichnet also einen Lehrer aus, dem ein gutes Klassenmanagement gelingt? Die Linzer Studien zum Klassenmanagement (2004) kommen zu dem Ergebnis, dass es schlichtweg darauf ankommt, aus dem breiten Spektrum an Handlungsmöglichkeiten ein maßgeschneidertes Führungsverhalten zu entwickeln, das zum jeweiligen Kontext und zur Schülerschaft passt (Schmidt, 2009). Jede Klasse variiert in ihrer Zusammensetzung, ihren Eigenheiten und gemeinsamen Erfahrungen und der Unterricht in eben jener steht wiederrum im Einfluss zahlreicher äußerer Determinanten – ein individuell angepasstes Klassenmanagement ist also unumgänglich. Ganz konkret sollen darunter im Folgenden alle Maßnahmen des Lehrers verstanden werden, die dazu führen, dass Lehr-Lernprozesse möglichst reibungslos ablaufen (Wellenreuther, 2008). Damit wird ganz bewusst ein sehr weites Verständnis von Klassenmanagement gewählt, welches mit den Vorstellungen von Hilbert Meyer übereinstimmt. Dieser sieht die Aufgabe von Klassenmanagement sowohl darin, den Umgang mit den Schülern zu erleichtern und Störungen und Disziplinprobleme zu begrenzen, als auch ein Klassen- und Unterrichtsklima herzustellen, in dem erfolgreiches Lernen möglich ist und das so zur Erhöhung echter Lernzeit beiträgt (2011).

Diese Vorstellung grenzt den Begriff Klassenmanagement ganz klar von dem der Klassenführung ab. Letzter war in der deutschen Schulforschung über lange Zeit hinweg vorherrschend, räumt dem Lehrer jedoch eine äußerst dominante Rolle ein und ist folglich mit dem modernen Verständnis von Klassenmanagement nicht vereinbar. So stellt Klassenführung bereits dem Namen nach die „Führung“ der Schüler durch den Lehrer in den Mittelpunkt und räumt diesem einen alleinigen Führungsanspruch ein, welcher durch einen Vorsprung an Alter, Wissen und Erfahrung und letztendlich durch das Berufsverständnis des erziehenden und disziplinierenden Lehrers begründet wird (Glöckel, 2000). Klassenmanagement dagegen meint vielmehr ein „gegenseitiges einander in die Hände Spielen“ (Schmidt, 2009, S. 2) und zeichnet sich durch ein kooperatives, auf das Miteinander und die Verständigung ausgerichtetes Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern aus. Gerade wenn Klassenmanagement dazu führen soll, dass ein erfolgreiches, gemeinsames Arbeiten innerhalb des sozialen Systems Klasse möglich ist, kann dies nur durch Kooperation erfolgen und nicht, indem ausschließlich eine Seite die andere führt und beherrscht. Ein funktionierendes, auf Vertrauen und Respekt gegründetes Arbeitsbündnis zwischen Lehrer und Schülern ist somit konstitutiv (Ophardt & Thiel, 2013).

2.2. Einordnung in den Forschungskontext

Dass Lehrkräfte über Probleme bei der Führung von Schulklassen klagen, ist kein Phänomen der Moderne. Jedoch erfolgte über lange Zeit hinweg keine systematische Beschäftigung mit den Maßnahmen und Handlungen, welche wir heute mit dem Begriff des Klassenmanagements assoziieren. Als Schwerpunktbereich der Schulforschung nahmen konkrete Untersuchungen im englischsprachigen Raum ihren Anfang, in Deutschland begann die Beschäftigung mit der Thematik deutlich später. Auch heute noch nimmt die Forschung zum Klassenmanagement im deutschsprachigen Raum eine untergeordnete Rolle ein, während im angloamerikanischen Raum die Forschungen zu Einflüssen und Rahmenbedingungen von Classroom Management weit voran geschritten sind und eine zentrale Komponente in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften darstellen (Schönbächler, 2008).

Insgesamt lassen sich hierbei zwei zentrale Phasen der Entwicklung unterscheiden:

1. Klassenmanagement als reaktives Verfahren: Belehren und Bestrafen
2. Klassenmanagement durch Prävention, Intervention und Nachsorge (Merkens, 2010).

Die traditionellen Ansätze zum Klassenmanagement (v.a. Canter & Canter 1976) gehen davon aus, dass Disziplinproblemen am besten durch Belohnungen, Bestrafungen und damit verbundenen Belehrungen zu begegnen sei (Wellenreuther, 2009a). Ursprung dieser Denkweise ist das Verständnis von Schule als Zwangsanstalt, in der der Lehrer die Führung seiner Schüler zu übernehmen und durch direktives Einwirken unbedingte Disziplin im Unterricht herzustellen hat.

Bestrafungen und Belehrungen haben natürlich ihre Daseinsberechtigung in der Schule und sind in bestimmten Situationen gewiss auch unumgänglich. Problematisch wird es dann, wenn sich die Routine einschleicht, erst zu reagieren, wenn das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist. Eine zentrale Schwäche dieses Modells ist dabei die Vernachlässigung von Regeln, Routinen und Verfahrensweisen, die den gemeinsamen Erwartungshorizont für das erwünschte Verhalten der Schüler festlegen (Wellenreuther, 2009b). Sanktionen und Belehrungen verfehlen ihren Sinn, wenn den Schülern nicht klar vermittelt wird, welches Verhalten in welchen Situationen angemessen ist und von der Lehrkraft erwartet wird. Werden keine eindeutigen Regeln und Routinen festgelegt bzw. eingeübt und verinnerlicht, erscheinen die Sanktionen und Belehrungen den Schülern als unberechenbar und ungerecht – die Begründungsbasis fehlt (Wellenreuther, 2009b). Ein solches pädagogisches Handeln macht ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schülern nahezu unmöglich, ein gereiztes und angespanntes Lernverhältnis ist die Folge. Klassenmanagement mit dem Fokus auf Bestrafungen und Belehrungen verliert seine Berechtigung, wenn der Aufbau eines ausgeglichenen, lernförderlichen Klassenklimas Ziel von Klassenmanagement sein soll.

Eine Abkehr vom traditionellen Belehrungs- und Sanktionsmodell ist die notwendige Folge dieser Erkenntnis. Das moderne Verständnis von Klassenmanagement zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass eine Kombination aus präventiven, reaktiven und nachsorgenden Maßnahmen angestrebt wird (Wellenreuther, 2009b). Die Verantwortlichkeit für auftretendes Fehlverhalten und Störungen des reibungslosen Ablaufs des Unterrichts wird somit nicht nur den Schülern selbst, sondern zunehmend auch dem Lehrer zugeschrieben. Der Schwerpunkt moderner Ansätze liegt dabei eindeutig auf der Prävention von Störungen und Konflikten. Durch die Bildung von Klassengemeinschaften, in denen Regeln implementiert und Routinen aufgebaut werden, soll ein konstruktives Arbeitsklima geschaffen werden, welches es ermöglicht, die zur Verfügung stehende Lernzeit optimal zu nutzen (Merkens, 2010). Der Erfolg dieser Verfahrensweise konnte bereits in mehreren empirischen Studien bestätigt werden (z.B. Linzer Studien zur Klassenführung, SCHOLASTIK-Studie) (Schönbächler, 2008). Lehrer mit einem effektiven Klassenmanagement unterscheiden sich von ihren Kollegen demnach eher in ihrem aktuellen, alltäglichen Unterrichtsverhalten und weniger in der Art und Weise, wie sie auf Störungen und Fehlverhalten reagieren (Wellenreuther, 2008).

Als wegweisend für modernes Klassenmanagement stellen sich vor allem die Ansätze von Kounin und Evertson dar, welche auf Grund dessen im Folgenden näher betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Effektives und zeitgemäßes Klassenmanagement. Wege zu einem erfolgreichen Lernen im Schulalltag
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Psychologie)
Veranstaltung
Seminar Klassenmanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V267548
ISBN (eBook)
9783656586296
ISBN (Buch)
9783656694038
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
effektives, klassenmanagement, wege, lernen, schulalltag
Arbeit zitieren
Franziska Letzel (Autor), 2013, Effektives und zeitgemäßes Klassenmanagement. Wege zu einem erfolgreichen Lernen im Schulalltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267548

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