Die Frustrations-Aggressions-Hypothese in Lehr-Lern-Situationen


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung in den Forschungskontext

3. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
3.1. Zentrale Thesen und Begriffe
3.2. Eine empirische Erweiterung

4. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese in Lehr-Lern-Situationen
4.1. Das Fallbeispiel
4.2. Schlussfolgerungen für den Lehr-Lern-Kontext

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Bereits am 20. März 2012 berichtete die Organisation Human Rights Watch von massiven Menschenrechtsverletzungen in Syrien. Demnach bedienen sich sowohl die syrische Regierung als auch die aufständische Opposition der Mittel von Bedrohung, Folter und Hinrichtungen, um ihre Ziele zu verfolgen. Nun gipfelte im August 2013 der Konflikt in Syrien im Einsatz von chemischen Waffen, hunderte Zivilisten wurden getötet und weitere hunderte verletzt. (Human Rights Watch, 2013)

Eine unfassbare Entwicklung, die leider keinen Einzelfall darstellt. In vielen Teilen der Welt finden ständig Verbrechen gegen die Menschlichkeit statt. Was aber bringt Menschen dazu, andere Menschen anzugreifen, ihnen körperliche Gewalt anzutun, sie seelisch zu verletzen, zu bedrohen, zu foltern oder sogar umzubringen? Obwohl Aggressivität zu einem der grundlegenden menschlichen Verhaltensweisen zählt, herrscht in der Wissenschaft eine intensive Kontroverse darüber, durch welche Faktoren diese überhaupt ausgelöst wird. Einer der wohl bekanntesten und einflussreichsten Ansätze innerhalb der Aggressionsforschung stellt die Frustrations-Aggressions-Hypothese dar, die in dieser Form das erste Mal 1939 von Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears aufgestellt wurde (1972). Diese Theorie, deren Kern die kausale Verknüpfung zwischen einer auftretenden Frustration und darauffolgender Aggression bildet, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Zentrale Thematik ist dabei die Bedeutung der Frustrations-Aggressions-Hypothese im schulpädagogischen Kontext, mit dem Ziel, Erklärungen für das Auftreten von aggressiven Verhaltensweisen in Lehr-Lern-Situation zu finden. Zu diesem Zweck wurde ein konkretes Fallbeispiel ausgewählt. Es handelt sich hierbei um ein reales Beispiel aus dem Schulalltag an einer Mittelschule in Dresden und ganz konkret um ein Ereignis während der Hausaufgabenbetreuung, einem Angebot innerhalb des Ganztagsschulprojekts an eben jener Schule.

Um jedoch zunächst die forschungstheoretischen Grundlagen für die folgende Analyse des Fallbeispiels zu legen, erfolgt im ersten Kapitel ein kurzer Abriss des Forschungsstands innerhalb der Aggressionsforschung. Im Anschluss daran erfährt die Frustrations-Aggressions-Hypothese eine eingehende Betrachtung, wofür auf Grund seines Pioniercharakters vor allem das Werk von Dollard et al. (1972) herangezogen wird. Darauf aufbauend wird mit dem Ziel einer zeitgemäßen empirischen Erweiterung der Frustrations-Aggressions-Hypothese die Studie von Steinmetz und Lewand (2005) „Selbst schuld und trotzdem aggressiv?“ in den Blick genommen. Das vierte Kapitel ist dann ausschließlich der praktischen Relevanz der Frustrations-Aggressions-Hypothese in Lehr-Lern-Situationen gewidmet und dient dazu, das Fallbeispiel darzulegen und zu analysieren und davon ausgehend Schlussfolgerungen für den schulpädagogischen Kontext abzuleiten.

2. Einordnung in den Forschungskontext

Eine der ersten psychologischen Ansätze zur Erklärung von Aggression beruht auf den triebtheoretischen Überlegungen von Sigmund Freud (Bierhoff & Wagner, 1998). Durchaus ist es legitim zu sagen, dass die eigentliche Aggressionsforschung mit der Triebtheorie Freuds überhaupt erst ihren Anfang nahm. Innerhalb seiner Forschung lassen sich jedoch drei zentrale Entwicklungen feststellen, in denen seine Überlegungen eine Wendung durchliefen. In seinen frühen Schriften versteht Freud Aggressivität lediglich als Begleitphänomen und besondere Ausdrucksform der libidinösen Triebe und betrachtet diese nur am Rand seiner Forschung zur Sexualität (Kornadt, 1981). Aggression trete demnach immer in Situationen auf, in denen ein Individuum an der Entfaltung seiner sexuellen Bedürfnisse gehindert werde. Später jedoch rückt die Thematik Aggression stärker in den Fokus seiner eigentlichen Überlegungen und er beschreibt diese fortan als Reaktion auf Versagungen (Kornadt, 1981). Aggression sei demnach eine Reaktion des Ichs auf Unlustempfindungen und auf die Beseitigung der Quellen eben jener gerichtet (Kornadt, 1981). In der weiteren Entwicklung seiner Theorie verändert Freud seine Auffassungen über Aggression und deren Genese jedoch noch einmal in entscheidender Weise. Auf dem Höhepunkt seiner Forschung versteht er Aggression als Abkömmling des Todestriebes (Thanatos), welchen er als neben dem Lebenstrieb (Eros) existierenden zweiten Urtrieb des Menschen bezeichnet (Kornadt, 1981). Diesen beschreibt er als einen auf Selbstzerstörung ausgerichteten Trieb – als einen angeborenen Drang gegen das eigene Ich. Da diesem jedoch der Lebenstrieb als Wille zum Leben entgegensteht und uns drängt, am Leben zu bleiben, richtet sich der Todestrieb als Aggressionstrieb auf Objekte außerhalb des eigenen Selbst (Fortman, 2005; Kornadt, 1981). Im Regelfall setzt sich der Lebenstrieb somit gegenüber dem Todestrieb durch und führt dazu, dass der Mensch die entstandene Aggression aus sich heraus trägt und nicht gegen sich selbst richtet.

Freuds Verständnis von Aggression als grundlegenden, angeborenen Instinkt des Menschen steht die Auffassung gegenüber, Aggression als Folge von Frustration zu verstehen. Diese Vorstellung entwickelte sich ab Ende der 1930er Jahr als Gegenposition zur Freud’schen Triebtheorie und hat ihren Ursprung in der von Dollard et al. erstmals formulierten Frustrations-Aggressions-Hypothese. Das von der sogenannten Yale-Gruppe 1939 veröffentlichte Werk „Aggression und Frustration“ stellt einen Meilenstein und gleichzeitig einen Wendepunkt in der Aggressionsforschung dar und führte dazu, dass sich Sozialpsychologen seither intensiv mit der Frage auseinandersetzen, welche Bedingungen zu verbaler und physischer Aggression führen (Bierhoff & Wagner, 1998). Im Gegensatz zu Freud verstehen Dollard et al. Aggression nicht als angeborenen Trieb des Menschen, sondern als Folge auftretender Frustration. Das grundlegende Postulat hierbei lautet, dass Aggression immer die Folge einer Frustration sei und umgekehrt Frustration auch immer zu irgendeiner Form von Aggression führe (Dollard et al., 1972). Auch diese Theorie erfuhr ebenso wie jene von Freud zahlreiche Kritik und wurde mehrfach modifiziert. Bereits kurz nach dem Erscheinen des Werkes von Dollard et al. hagelte es scharfe Kritik vor allem an der absoluten These, Frustration münde unweigerlich in Aggression, und führte zu einer raschen Revision der These durch die Autoren selbst (Fortman, 2005).

In der Folge der Veröffentlichung erfuhr die Frustrations-Aggressions-Hypothese zudem zahlreiche Erweiterungen und wurde vor allem mit lerntheoretischen Überlegungen verknüpft. So konstruierte Berkowitz beispielsweise ein vermittelndes Konstrukt zwischen Frustration und Aggression, indem er das Vorhandensein von Hinweisreizen, die durch klassisches Konditionieren erlernt werden, als Bedingung für das Auftreten von Aggression definierte (Bierhoff & Wagner, 1998).

Neben den zwei Sichtweisen, Aggression als menschlichen Trieb oder als Folge von Frustration zu verstehen, existieren zudem zwei weitere Vorstellungen. So entwickelte sich aus der Kritik an der Frustrations-Aggressions-Hypothese heraus sowohl die Denkweise, jede Aggression als extern stimuliert zu betrachten, als auch die Vorstellung, Aggression sei keine natürliche, sondern eine angelernte Eigenschaft des Menschen (Fortman, 2005). Da die folgenden Ausführungen sich jedoch fokussiert mit der Frustrations-Aggressions-Hypothese befassen, finden jene beiden Vorstellungen ebenso wie die Triebtheorie Freuds keine gesonderte Behandlung.

3. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese

3.1. Zentrale Thesen und Begriffe

Im Jahre 1939 veröffentlichte die sogenannte Yale-Gruppe um John Dollard das Werk „Frustration und Aggression“, welches nach einer längeren Phase der Stagnation einen Wendepunkt in der Aggressionsforschung markierte (vgl. Kornadt, 1981). Unabhängig von der richtungsweisenden Wirkung des Werkes innerhalb der Aggressionsforschung besteht ein besonderer Wert in dessen Integrationsleistung. So verknüpft die Arbeit von Dollard et al. Erkenntnisse, Methoden und Ideen aus unterschiedlichen psychologischen Forschungsrichtungen wie der Tiefenpsychologie einerseits und der experimentellen Psychologie andererseits und bezieht darüber hinaus kulturanthropologische und sozialpsychologische Aspekte mit ein (Kornadt, 1981).

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Frustrations-Aggressions-Hypothese in Lehr-Lern-Situationen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Psychologie)
Veranstaltung
Seminar Sozialpsychologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V267550
ISBN (eBook)
9783656586357
ISBN (Buch)
9783656586326
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frustrations-aggressions-hypothese, lehr-lern-situationen
Arbeit zitieren
Franziska Letzel (Autor), 2013, Die Frustrations-Aggressions-Hypothese in Lehr-Lern-Situationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267550

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