[...] Kaum eine wirtschaftliche oder politische Diskussionsrunde
kommt gegenwärtig ohne diese Formulierungen aus. Dabei steht besonders der Mittelstand,
wesentliche Stütze der deutschen Wirtschaft, im Blickpunkt der Debatten.
Dies ist wenig verwunderlich, da über 99% aller Unternehmen nach der Mittelstandsdefinition
des IfM – Bonn diesem Segment zugerechnet werden, etwa 70% aller Berufstätigen
beschäftigen und 49% der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung erbringen. Diese Zahlen
sollten auf solide, bodenständige Unternehmensstrukturen schließen lassen. Allerdings
sprechen die sich ständig erhöhende Insolvenzquote und die erschreckend niedrige Eigenkapitalquote
deutscher Unternehmen im internationalen Vergleich eine andere Sprache.
Vieles deutet darauf hin, dass diese Probleme nicht alleine durch die Ertragsschwäche der
Unternehmen sondern in hohem Maße auch durch eine unausgewogene Finanzierungsstruktur
der Mittelständler verursacht werden.
Wie finanzieren sich Unternehmen derzeit und welche Alternativen sehen sie für die Zukunft?
Wie groß sind die Defizite bezüglich der Informationen und dem Verständnis von
„Alternativen Finanzierungsinstrumenten“. Welche Hürden und Hemmungen bestehen für
den Einsatz selbiger. Mit diesen Fragen beschäftigt sich die „Umfrage zur finanzwirtschaftlichen
Situation kleiner und mittlerer Unternehmen in Ostdeutschland“, die von der
Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden und dem Bundesverband Junger
Unternehmer sowie der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer initiiert wurde.
Dabei liegt das Augenmerk der Untersuchung explizit auf Unternehmen in Ostdeutschland,
da hier die Finanzierungsprobleme der Unternehmen besonders groß scheinen.
Wesentlicher Bestandteil dieser Diplomarbeit sind die Betrachtungen zu den Finanzierungsinstrumenten
Leasing und Beteiligungskapital, deren Fundamente in Kapitel 2 erläutert
werden. Nachdem in Kapitel 3 aufgezeigt wird, welche Grundlagen empirischer Sozialforschung
für die Durchführung der vorliegenden Studie essentiell waren, werden im
Folgeabschnitt wichtige Ergebnisse der Umfrage analysiert, wobei wiederum die Instrumente
Leasing und Beteiligungskapital im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Für weitere
Detailbetrachtungen, speziell zu Factoring und Fördergeldern, wird die Diplomarbeit
von Jana Schneider mit dem Titel „Finanzierungsalternativen für den Mittelstand – eine
Bestandsaufnahme“, die zeitgleich an der HTW Dresden angefertigt wurde, empfohlen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 FINANZIERUNG DURCH „ALTERNATIVE INSTRUMENTE“
2.1 LEASING
2.1.1 Leasingmarkt
2.1.2 Rechtliche Einordnung des Leasingvertrages
2.1.3 Vor- und Nachteile
2.2 BETEILIGUNGSFINANZIERUNG
2.2.1 Formen und Finanzierungsphasen von Beteiligungskapital
2.2.2 Kapitalgeber
2.2.3 Beteiligungskapitalmarkt
2.2.4 Vor- und Nachteile
3 GRUNDLAGEN DER EMPIRISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALFORSCHUNG
3.1 ENTWICKLUNG DER PROBLEMSTELLUNG
3.2 DER OPERATIONALISIERUNGSPROZESS
3.3 AUSWAHL UND ANWENDUNG VON FORSCHUNGSMETHODEN
3.3.1 Methoden empirischer Sozialforschung
3.3.2 Auswahlverfahren
3.4 ANALYSE UND AUSWERTUNGSVERFAHREN/ INTERPRETATION VON ERGEBNISSEN
3.4.1 Deskriptive Statistik
3.4.2 Induktive Statistik
3.4.3 Interpretation von Ergebnissen
4 UMFRAGE ZUR FINANZWIRTSCHAFTLICHEN SITUATION KLEINER UND MITTLERER UNTERNEHMEN IN OSTDEUTSCHLAND
4.1 AKTUELLE FINANZIERUNGSSITUATION
4.1.1 Traditionelle Finanzierung
4.1.2 Alternative Finanzierung
4.1.3 Das Planetensystem der Unternehmen
4.2 ZUKÜNFTIGER FINANZIERUNGSBEDARF
4.3 POTENTIALE UND HEMMNISSE ALTERNATIVER FINANZIERUNGSFORMEN
4.3.1 Leasing
4.3.2 Beteiligungskapital
4.4 INFORMATIONSQUELLEN
4.5 BASIS DER UNTERSUCHUNG
4.5.1 Begriffbestimmung
4.5.2 Untersuchungsbreite
4.5.3 Branchenverteilung
4.5.4 Statistische Relevanz
5 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die aktuelle Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Ostdeutschland, identifiziert Informationsdefizite bezüglich alternativer Finanzierungsinstrumente und analysiert die Hintergründe für die Zurückhaltung gegenüber Leasing und Beteiligungskapital.
- Analyse von Finanzierungsalternativen im Mittelstand
- Grundlagen und Anwendung empirischer Sozialforschung
- Untersuchung der Finanzierungsstruktur ostdeutscher KMU
- Evaluation von Hürden und Hemmnissen beim Einsatz alternativer Instrumente
- Vergleich von Bankfinanzierung und Eigenkapitalfinanzierung
Auszug aus dem Buch
Exkurs: Operate – vs. Finance – Leasing
Der Operate – Leasingvertrag steht in seinem Wesen einem herkömmlichen Mietvertrag sehr nahe. Der Vertrag zur Nutzungsüberlassung einer Sache gegen Entgelt kann jederzeit von beiden Vertragspartnern ohne Vertragsstrafe gekündigt werden. Wirtschaftlicher Sinn eines solchen Operate – Leasing ist für den Leasingnehmer dann gegeben, wenn das Wirtschaftsgut für einen kürzeren Zeitraum benötigt wird als dessen technische Lebensdauer beträgt. Einen zusätzlichen Vorteil birgt die Tatsache, dass der Leasinggeber das volle Investmentrisiko trägt, so z. B. bei wirtschaftlicher/technischer Entwertung oder bei zufälligem Untergang der Sache. Weiterhin übernimmt der Leasinggeber Wartung und Reparatur der Sache sowie die Kosten für die Versicherung. Unter diesen Voraussetzungen ist das Wirtschaftsgut beim Leasinggeber zu bilanzieren, die Leasingraten sind für den Leasingnehmer als Betriebsausgabe steuerlich absetzbar.
Schon aus diesen Betrachtungen wird deutlich, dass Operate – Leasing eine eher untergeordnete Rolle spielt, da sich Leasinggeber auf einen solchen Vertrag nur dann einlassen werden, wenn sie sicher sein können das Wirtschaftsgut mehrmals verleasen zu können um so alle entstandenen Kosten, inklusive kalkuliertem Gewinn, zu decken. Handelt es sich, wie z. B. bei Universalmaschinen, um solche Güter, die von einer großen Zahl potentieller Mieter nachgefragt werden und gibt es Leasinggeber, die Operate – Leasingverträge dafür anbieten, steht für den Leasingnehmer die Frage: „leasen oder kaufen“. Deshalb wird Operate – Leasing als Investitionsalternative bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit thematisiert die Finanzierungsproblematik des Mittelstands und führt in die Zielsetzung einer empirischen Untersuchung ostdeutscher Unternehmen ein.
2 FINANZIERUNG DURCH „ALTERNATIVE INSTRUMENTE“: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von Leasing und Beteiligungskapital als Finanzierungsalternativen sowie deren zivil- und steuerrechtliche Einordnung.
3 GRUNDLAGEN DER EMPIRISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALFORSCHUNG: Hier werden die wissenschaftlichen Methoden dargelegt, die für die Durchführung und Auswertung der durchgeführten Unternehmensbefragung notwendig waren.
4 UMFRAGE ZUR FINANZWIRTSCHAFTLICHEN SITUATION KLEINER UND MITTLERER UNTERNEHMEN IN OSTDEUTSCHLAND: Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse der Umfrage zur Finanzierungspraxis, dem Kapitalbedarf und den Hemmnissen beim Einsatz alternativer Instrumente in ostdeutschen Unternehmen.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und gibt Handlungsempfehlungen für Unternehmer hinsichtlich ihrer Finanzierungsentscheidungen und Informationsbeschaffung.
Schlüsselwörter
Finanzierung, Mittelstand, Ostdeutschland, Leasing, Beteiligungskapital, Empirische Sozialforschung, Unternehmensfinanzierung, Investitionsplanung, Bankfinanzierung, Finanzierungsalternativen, Eigenkapitalquote, Factoring, KMU, Basel II, Finanzierungsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit widmet sich der Bestandsaufnahme der finanzwirtschaftlichen Situation von kleinen und mittleren Unternehmen in Ostdeutschland unter besonderer Berücksichtigung alternativer Finanzierungsformen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Analyse von Leasing und Beteiligungskapital sowie die empirische Untersuchung von Finanzierungsmustern in ostdeutschen KMU und deren Informationsbeschaffung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die Finanzierungsstruktur ostdeutscher Unternehmen zu beleuchten und aufzudecken, warum trotz hohen Kapitalbedarfs alternative Finanzierungsinstrumente bisher nur zögerlich genutzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen, empirischen Erhebung in Form einer postalischen Befragung, ergänzt durch eine methodische Grundlagenbetrachtung zur Statistik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Umfrageergebnisse zur aktuellen Finanzierungssituation, zum zukünftigen Investitionsbedarf sowie die Potentiale und Hemmnisse alternativer Finanzierungsformen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Mittelstandsfinanzierung, Leasing, Beteiligungskapital, Unternehmensführung und Finanzierungskrise im Mittelstand charakterisiert.
Warum spielt das "Planetensystem der Unternehmen" in der Studie eine Rolle?
Es dient als graphisches Modell zur Veranschaulichung der aktuellen Finanzierungssituation, um Unternehmen einen optimalen Finanzierungsmix und den entsprechenden Handlungsbedarf aufzuzeigen.
Welche Rolle spielt der Steuerberater laut den Ergebnissen?
Der Steuerberater ist die wichtigste Informationsquelle der Unternehmen für Finanzierungsfragen und genießt ein hohes Vertrauen, was gleichzeitig eine große Verantwortung bei der Beratung mit sich bringt.
- Arbeit zitieren
- Alexander Riedel (Autor:in), 2003, Finanzierungsalternativen für den Mittelstand - Eine Bestandsaufnahme (insbesondere: Beteiligungsfinanzierung, Leasing und Grundlagen der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26755