Die Reform des Insolvenzrechts erfolgte im Jahr 2012 durch die Einführung des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG). Damit sollte das Insolvenzrecht modernisiert und die allgemeine Einstellung zur Insolvenz weg vom „letzten Schritt“ hin zum modernen Werkzeug zur Sanierung von Unternehmen geschaffen werden.
Die hier vorliegende Abhandlung betrachtet das Ergebnis dieses Gesetzes und wie es in der Praxis umgesetzt wird. Anhand eines Praxisbeispiels wird gezeigt, wie das ESUG die Art und Weise des Herangehens an das Thema Insolvenz verändert hat. Durch Interviews mit Experten aus der Praxis werden die Erfahrungen untersucht und evaluiert. Zum Schluss werden die Meinungen der Experten und die bisherigen Erfahrungen genutzt, um zu analysieren, ob das ESUG in der Praxis angekommen ist und ob es auch ein Werkzeug sein kann um KMUs nachhaltig sanieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EINFÜHRUNG
2.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DES ESUG
2.2 AUSGANGSSITUATION
2.3 ZIEL UND ZWECK DES ESUG
2.3.1 STÄRKERER EINFLUSS DER GLÄUBIGER
2.3.2 VERBESSERUNG DER SANIERUNGSMÖGLICHKEITEN
2.4 DER VORLÄUFIGE GLÄUBIGERAUSSCHUSS
2.4.1 VORAUSSETZUNGEN
2.4.2 ZUSAMMENSETZUNG DES VORLÄUFIGEN GLÄUBIGERAUSSCHUSSES
2.4.3 EINFLUSS AUF DIE VERWALTERBESTELLUNG
2.4.4 EINFLUSS AUF DIE VERFAHRENSART
2.4.5 VERGÜTUNG UND HAFTUNGSRISIKO
2.5 BESTELLUNG DES (VORLÄUFIGEN) INSOLVENZVERWALTERS / SACHWALTERS
2.5.1 EINSATZ DURCH DEN VORLÄUFIGEN GLÄUBIGERAUSSCHUSS
2.5.2 UNBEFASSTHEIT DES (VORLÄUFIGEN) INSOLVENZVERWALTERS / SACHWALTERS
2.6 STÄRKUNG DER EIGENVERWALTUNG
2.6.1 EIGENVERWALTUNG IM ERÖFFNUNGSVERFAHREN
2.6.1.1 Antrag nach §270a InsO
2.6.1.2 Antrag nach §270b InsO (Schutzschirmverfahren)
2.6.1.3 Vor- & Nachteile der Eigenverwaltung im Eröffnungsverfahren
2.6.2 EIGENVERWALTUNG NACH INSOLVENZERÖFFNUNG
2.7 INSOLVENZPLANVERFAHREN UND DEPT-EQUITY-SWAP
2.7.1 INSOLVENZPLANVERFAHREN
2.7.2 DEPT-EQUITY-SWAP
3 EIN JAHR ESUG - EINE ERSTE BILANZ
3.1 ESUG KERNELEMENTE: EIGENVERWALTUNG UND SCHUTZSCHIRMVERFAHREN
3.1.1 DIE RELEVANZ DER VORLÄUFIGEN EIGENVERWALTUNG
3.1.2 DIE RELEVANZ DES SCHUTZSCHIRMVERFAHRENS
3.1.3 ERGEBNIS DES ZINSO NEWSLETTERS
3.2 ROLAND BERGER STUDIE - ESUG-STUDIE 2012
3.2.1 WESENTLICHE ERKENNTNISSE DER ESUG STUDIE 2012
3.2.2 STÄRKUNG DES MANAGEMENTS
3.2.3 STÄRKUNG DER GLÄUBIGER
3.3 BOSTON CONSULTING GROUP (BCG) STUDIE - DAS ERSTE JAHR ESUG
3.3.1 ALLGEMEINES
3.3.2 THESEN ZUM ESUG
3.3.2.1 Eigenverwaltungsverfahren bilden noch die Ausnahme
3.3.2.2 Adäquater Zugang zur Eigenverwaltung ist sichergestellt
3.3.2.3 Das Schutzschirmverfahren konnte sich noch nicht etablieren
3.3.2.4 Das ESUG bietet sehr gute Instrumente für einen schnellen und planbaren Verfahrensdurchlauf
3.3.2.5 Die Gläubigermitwirkung scheint zu funktionieren - keine Wechsel beim Sachwalter
3.3.3 ERGEBNIS DER BCG STUDIE
4 PRAXISFALL CENTROTHERM AG
4.1 DIE AUSGANGSSITUATION
4.2 DIE SCHUTZSCHIRMPHASE
4.3 DIE PHASE DES INSOLVENZPLANVERFAHRENS IN EIGENVERWALTUNG
4.4 DER INSOLVENZPLAN
4.5 DAS ENDE DER INSOLVENZ UND FAZIT
5 DER ESUG IN DER PRAXIS
5.1 DIE BEFRAGUNG
5.2 DIE VOR- UND NACHTEILE DES ESUGS
5.3 DIE WICHTIGSTEN VORAUSSETZUNGEN ZUR SANIERUNG NACH ESUG
5.4 DIE BEDEUTUNG DES ESUGS FÜR DIE STAKEHOLDER
5.4.1 GLÄUBIGER
5.4.2 SCHULDNER
5.4.3 VERWALTER
5.4.4 GERICHTE
5.4.5 ARBEITNEHMER
5.4.6 EIGENTÜMER
5.5 NACHBESSERUNGSPOTENZIAL
5.6 BEDEUTUNG DES ESUGS FÜR DIE SANIERUNG VON KLEINEN UND MITTELSTÄNDISCHEN UNTERNEHMEN (KMU)
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) auf die Sanierungspraxis, insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Das Ziel besteht darin, durch Analyse von Studien und Experteninterviews zu evaluieren, ob das Gesetz seine Ziele – wie die Stärkung der Gläubigerrechte und die Vereinfachung von Sanierungsinstrumenten wie Eigenverwaltung und Schutzschirmverfahren – in der Praxis erreicht hat und welche Herausforderungen dabei bestehen.
- Effektivität der neuen Sanierungsinstrumente (Eigenverwaltung, Schutzschirm, Insolvenzplan)
- Stärkung der Gläubigerrolle und der vorläufige Gläubigerausschuss
- Bedeutung und Anwendung des Debt-to-Equity-Swaps (DES)
- Praxisbeispiel: Sanierung der Centrotherm Photovoltaics AG
- Eignung der ESUG-Verfahren für KMUs und notwendige Erfolgsfaktoren
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Einfluss auf die Verwalterbestellung
Das ESUG regelt auch den Einfluss des Gläubigerausschusses auf die Verwalterbestellung, welcher auch bereits im vorläufigen Gläubigerausschuss besteht. In §56a InsO Abs. 1 wird weiter festgelegt, dass der vorläufige Gläubigerausschuss zum einen die Anforderungen an den Verwalter definieren und zum anderen Empfehlungen zur Person des Verwalters geben darf.
Wenn diese Empfehlungen einstimmig getroffen werden, sowie keine Zweifel an der Qualifikation des Verwalters bestehen, hat das Insolvenzgericht nach in §56a Abs. 2 InsO den Vorgaben des vorläufigen Gläubigerausschusses zu folgen.
Zudem kann das Gericht zur Vermeidung von Nachteilen für den Schuldner die Bestimmung eines Insolvenzverwalters vorziehen. In diesem Fall kann bereits in der ersten Sitzung des er vorläufigen Gläubigerausschuss ein neuer Insolvenzverwalter einstimmig benannt werden (§56a Abs.3 InsO).
Die Tätigkeit des schlussendlich bestimmten Gläubigerausschusses beschreibt Depré wie folgt:
„Die Aufgaben des Gläubigerausschusses liegen in der Überwachung und Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters. Er hat das Recht zu Anregungen und Stellungnahmen gegenüber dem Insolvenzgericht und kann Vorschläge hinsichtlich Auswahl vorläufiger Insolvenzverwalter/Sachwalter abgeben sowie Einfluss auf die Anordnung der Eigenverwaltung nehmen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, erläutert die Beweggründe für die Reform des Insolvenzrechts durch das ESUG und definiert das Forschungsziel sowie die methodische Vorgehensweise.
2 EINFÜHRUNG: Hier wird die historische Entwicklung des Gesetzes beleuchtet, die Ausgangslage sowie Ziel und Zweck des ESUG inklusive der neuen Instrumente wie Eigenverwaltung und Schutzschirmverfahren dargestellt.
3 EIN JAHR ESUG - EINE ERSTE BILANZ: Dieses Kapitel analysiert erste Studien (ZInsO, Roland Berger, BCG) zur Anwendung und Wirkung der ESUG-Kernelemente nach einem Jahr Markterfahrung.
4 PRAXISFALL CENTROTHERM AG: Anhand dieses prominenten Praxisfalls wird die konkrete Durchführung einer Sanierung in Eigenverwaltung unter Einbeziehung eines Schutzschirmverfahrens detailliert skizziert.
5 DER ESUG IN DER PRAXIS: Dieser Teil präsentiert die Ergebnisse einer qualitativen Befragung von Experten und Stakeholdern bezüglich der Vor- und Nachteile sowie der praktischen Anwendung des Gesetzes.
6 FAZIT: Das letzte Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet den Erfolg der ESUG-Reform sowie den notwendigen Kulturwandel in der Sanierungsbranche.
Schlüsselwörter
ESUG, Insolvenzordnung, Eigenverwaltung, Schutzschirmverfahren, Insolvenzplan, Gläubigerausschuss, Unternehmenssanierung, KMU, Restrukturierung, Sanierungskultur, Sachwalter, Debt-to-Equity-Swap, Gläubigerbeteiligung, Insolvenzverfahren, Insolvenzrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen und die praktische Umsetzung des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) auf die deutsche Sanierungskultur und Unternehmenslandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den neuen Sanierungsinstrumenten wie Eigenverwaltung, Schutzschirmverfahren und dem Insolvenzplan, sowie der Stärkung der Gläubigerrechte durch neue Gremien wie den vorläufigen Gläubigerausschuss.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu evaluieren, ob das ESUG seine angestrebten Ziele erreicht hat und inwiefern es tatsächlich als wirksames Instrument zur nachhaltigen Unternehmenssanierung in der Praxis angekommen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse bestehender Studien (Roland Berger, BCG) mit einer empirischen Auswertung durch qualitative Experteninterviews, um ein differenziertes Bild der ESUG-Praxis zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Gesetzesänderungen, eine quantitative Bilanz der ersten Anwendungsjahre durch Studien sowie eine tiefgehende Fallstudie der Centrotherm AG und eine Auswertung von Expertenmeinungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind ESUG, Eigenverwaltung, Schutzschirmverfahren, Sanierungskultur, Insolvenzplan und Gläubigerausschuss.
Warum wird die Centrotherm AG als Fallbeispiel gewählt?
Die Centrotherm AG dient als Anschauungsobjekt für ein erfolgreich abgeschlossenes, komplexes Sanierungsverfahren unter Anwendung der neuen ESUG-Instrumente, das zeigt, wie ein Börsenkonzern unter diesen Bedingungen saniert werden konnte.
Welche Rolle spielt der Debt-to-Equity-Swap (DES) laut der Arbeit?
Der DES wird als wirksames Instrument zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und Verringerung der Zinslast bewertet, wobei jedoch die steuerliche Komplexität und der potenzielle Einflussverlust der Altgesellschafter als kritische Herausforderungen identifiziert werden.
- Arbeit zitieren
- Christopher May (Autor:in), 2013, Sanierung von KMU durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267594