Die Erziehung der sozialistischen Jugend in der DDR. Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 12


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erziehung in den Jugendwerkhöfen
2.1. Entstehungsgeschichte
2.2. Einweisungsgründe
2.3. Erziehungskonzept

3. Alltag und Tagesablauf

4. Fallbeispiele

5. Situation nach der Entlassung

6. Fazit

7. Quellen und Literaturverzeichnis
I. Quellen
II. Darstellungen

1. Einleitung

Diese Seminararbeit behandelt das Konzept der Umerziehung von „schwer erziehbaren“ Jugendlichen in den Jugendwerkhöfen der deutschen Demokratischen Republik (DDR). Direkt nach Gründung des Staates 1949, galt es eine eigene DDR-Pädagogik zu entwickeln, die sich im Verhältnis an die Sowjetpädagogik anlehnen sollte. Am Beispiel der bekanntesten Einrichtung, dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau (GJWH), wird am besten verdeutlicht, wie auf drastische Art und Weise die Umerziehung von „gesellschaftlichen Außenseitern“, vollzogen wurde.[1] Daraus ergibt sich die zentrale Fragestellung: welche Mittel wurden für die Umerziehung von „gesellschaftlichen Außenseitern“ in den Geschlossenen Jugendwerkhöfen der DDR genutzt? Und welchen Erfolg hatte dieses Vorgehen?

Ausgehend von der Entstehungsgeschichte, werden die Einweisungsgründe näher beleuchtet und mit welcher Begründung die DDR-Regierung eine Einweisung veranlasste. Zudem schließt sich die Frage nach dem Erziehungskonzept an und mit welcher Methode ein Umdenken erreicht werden sollte. In Anlehnung an das Konzept des Sowjetischen Pädagogen Anton Semjonowitsch Makarenko, wurde versucht schwererziehbare und straffällige Jugendliche unter dem Gesichtspunkt der Kollektiverziehung mit aller Härte zu „neuen Menschen“ zu erziehen.[2] Aufgrund dieser These wird im Anschluss der Alltag im Jugendwerkhof betrachtet und Selbstaussagen von ehemaligen Insassen anhand von Fallbeispielen vorgestellt. Der eigentliche Hauptgedanke galt der Vermittlung der marxistisch-leninistischen Lehre, um den Jugendlichen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu bewegen.[3] Die tatsächliche Verfahrensweise mit denen die Jugendlichen konfrontiert wurden, wird im Hauptteil erläutert. Der Impuls für die Umerziehung ging nicht nur von den Erziehern aus, die mit willkürlicher Gewalt ein Umdenken im Verhalten bewirken wollten, sondern auch vom Druck innerhalb des Kollektiv, mit welchem die Insassen tagtäglich konfrontiert wurden. Ein passendes Zitat an dieser Stelle ist dies von Hermann Hesse, „jeder Mensch ist etwas Persönliches und Einmaliges, und an Stelle des persönlichen Gewissens ein kollektives setzen zu wollen, das heißt schon Vergewaltigung und ist der erste Schritt zu allem Totalitären“.[4] Am Ende der vorliegenden Arbeit, werden die Folgen nach der Entlassung beschrieben und ein Fazit gezogen.

2. Erziehung in den Jugendwerkhöfen

2.1. Entstehungsgeschichte

Auslöser für die Entstehung der Jugendwerkhöfe, waren die Spätfolgen nach Kriegsende. Die meist verwahrlosten und elternlosen Kinder wurden zu einem Problem für die Jugendämter und Jugendhilfen, sowie für die wenigen nach dem Krieg noch existierenden Kinderheime. Aus Platzmangel wurden noch erhaltene Gebäude, wie Schlösser oder Villen, zwangsweise zu Kinderheimen umfunktioniert.[5] Diese Heime, in denen Kinder zwischen vierzehn und zwanzig Jahren aufgenommen wurden, sollten nicht nur die Unterbringung und Versorgung von elternlosen Kinder gewährleisten sondern sich auch den problembehafteten Kindern annehmen. Hauptanliegen war die Erziehung zur Arbeit durch Arbeit. Für die Erziehung in den Heimen, in die auch straffällige Jugendliche aufgenommen wurden, war in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), vor Gründung der DDR, die Jugendhilfe zuständig. Zudem bestand auch kein Zusammenwirken der einzelnen Jugendwerkhöfe bezüglich der Erziehungsmethoden untereinander. Jede Einrichtung war in ihrer Organisation autonom.[6] So sollte die Hauptaufgabe der Kinderanstalten in der SBZ: „die Erziehung der Kinder in demokratischem Sinne und frei von allen Rassen, faschistischen, militaristischen und anderen reaktionären Ideen und Tendenzen sein“.[7]

Mit der Gründung der DDR 1949, wurde die Organisation in den Jugendwerkhöfen zunehmend vereinheitlicht, gesetzlich verankert und unterstand als Instanz dem Ministerium für Volksbildung. Im Rahmen dieser Reformmaßnahme wurden die Heime nach Zweck differenziert und unterschieden, so gab es z.B.: Normalkinderheime, Spezialkinderheime, Jugendwohnheime, Jugendwerkhöfe (wie Torgau), und andere.[8] Die Entstehungsgeschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau geht auf die Umfunktionierung von bereits vorhandenen Gebäuden zurück. So wurde der Gebäudekomplex bereits vor dem zweiten Weltkrieg als Militärgerichtsgebäude und in der SBZ als Gefängnis benutzt. Ab 1965 wurde in diesem ehemaligen Gefängnis der Geschlossene Jugendwerkhof als Spezialheim eingerichtet. Nachdem die Ministerin für Volksbildung, Margot Honecker 1965 eine Anordnung erließ, welche die Sonderstellung dieser Anstalt herausstellte, hieß es, dass Jugendliche, welche die Heimordnung zum wiederholten Mal schwerwiegend verletzten in diesen Jugendwerkhof eingewiesen werden. Demnach sollte der Aufenthalt nicht länger als sechs Monate dauern. Nach diesem Gesetz unterlag der Jugendwerkhof dem unmittelbaren Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Volksbildung.[9]

Die Einteilung der Jugendwerkhöfe in Typen, setzte sich wie folgt zusammen.

Typ Eins galt für Jugendliche, deren Verhalten und Entwicklung, nur für einen kurzen Aufenthalt ohne Erlangung eines berufsqualifizierenden Abschluss bestimmt war.

Typ Zwei war für Jugendliche gedacht, deren Umerziehung mit einem längeren Zeitraum verbunden war und mit Hilfe eines berufsqualifizierendem Abschluss die Wiedereingliederung in die Gesellschaft erfolgen sollte.

Als Typ Drei war Torgau als Sondertyp für einen Geschlossenen Jugendwerkhof errichtet worden. Dieser unterschied sich deutlich von den anderen Typen, da er sich durch besonders harte Erziehungsmethoden auszeichnete sowie als geschlossene Einrichtung für Dauerausreiser besonders gut geeignet war.[10] Insgesamt betrug die Kapazität auf dem 4000m2 großem Areal etwa 60 Plätze.[11]

2.2. Einweisungsgründe

[...]


[1] Vgl. Lost, Christine: Sowjetpädagogik. Wandlungen, Wertungen, Wirkungen in der Bildungsgeschichte der DDR, Hohengehren 2000. S. 155.

[2] Vgl. Krausz, Daniel: Jugendwerkhöfe in der DDR. Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau, Hamburg 2010. S. 3.

[3] Vgl. Pädagogik und Erziehungsalltag in der DDR. Zwischen Systemvorgaben und Pluralität. Hrsg. v. Krüger, Heinz, Hermann/ Marotzki, Winfried. Bd. 2, Opladen 1994. S. 99.

[4] Geschlossene Heimunterbringung im Kontext sozialistischer Erziehung in der DDR, Eisenhüttenstadt 2006. S. 5.

[5] Vgl. Jahn, Ute: Jugendwerkhöfe in der DDR. Jugendwerkhöfe und sozialistische Erziehung in der DDR, Erfurt 2010. S. 10-14.

[6] Vgl. Krausz, Daniel: Jugendwerkhöfe in der DDR. S. 32.

[7] Jahn, Ute: Jugendwerkhöfe in der DDR, S. 12.

[8] Vgl. Ebd., S. 15-16.

[9] Vgl. Blask, Falk/ Jörns, Gerhard/ u.a: Einweisung nach Torgau. Texte und Dokumente zur autoritären Jugendfürsorge in der DDR. Eine Publikation des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Bd. 4, Berlin 1997. S. 100-103.

[10] Gatzemann, Andreas: Die Erziehung zum „neuen“ Menschen im Jugendwerkhof Torgau. Ein Beitrag zum kulturellen Gedächtnis. Hrsg. v. Wilke, Manfred. Bd.14, Berlin 2008, S. 63-64.

[11] Vgl. Krausz, Daniel: Jugendwerkhöfe in der DDR. S.42-45.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Erziehung der sozialistischen Jugend in der DDR. Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Historisches Institut)
Note
12
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V267729
ISBN (eBook)
9783656587149
ISBN (Buch)
9783656587132
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehung, jugend, geschlossene, jugendwerkhofes, torgau
Arbeit zitieren
Eric Kreßner (Autor), 2013, Die Erziehung der sozialistischen Jugend in der DDR. Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267729

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