Gewaltfreie Kommunikation in der Praxisanleitung

GFK in der Pflege einführen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
23 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation
2.1 Die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation
2.2 Blockierung des Einfühlungsvermögens durch Kommunikation

3. Die Gewaltfreie Kommunikation in der Pflege

4. Die Gewaltfreie Kommunikation in der Praxisanleitung

5. Diskussion und Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist keine neue Kommunikationstechnik um Menschen zu überzeugen, sondern eine Sprache der Einfühlsamkeit. Der Begriff Gewaltfreie Kommunikation ist vielleicht nicht ganz glücklich gewählt, sind die meisten Menschen doch überzeugt, dass ihr Kommunikationsverhalten frei von Gewalt ist, doch führen unsere Worte oft zu Leid und Verletzung. Dies sowohl bei uns als auch bei anderen Menschen. Überdies ist es die sprachliche Übersetzung des von Rosenberg geprägten Begriffes der Nonviolent Communication.

„Die GFK gründet sich auf sprachliche und kommunikative Fähigkeiten, die unsere Möglichkeiten erweitern, selbst unter herausfordernden Umständen menschlich zu bleiben. Sie beinhaltet nichts Neues; alles was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war. Und es geht auch darum, uns gegenseitig bei einer Lebensweise zu helfen, die dieses Wissen wieder lebendig macht.“ [1]

Rosenberg spricht selbst in seinen Veröffentlichen auch von Einfühlsamer oder Empathischer Kommunikation[2]. Dietz verbindet die GFK mit den Naturgesetzen „Du kannst nur ernten, was Du säst“ und „Die Energie in einem abgeschlossenen System bleibt konstant“ und prägt in diesem Zusammenhang den Begriff „Gesundes Kommunizieren“. [3]

Das Thema dieser Hausarbeit habe ich gewählt, weil ich der festen Überzeugung bin, dass die meisten Pflegekräfte helfen wollen, ihnen jedoch die Kommunikationswerkzeuge fehlen, um den emotionalen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen gerecht werden zu können.[4]

2. Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation

Die Gewaltfreie Kommunikation ein Kommunikationsmodell, dass die Bedürfnisse und Gefühle in den Vordergrund stellt.

Sie geht zuerst von der Klärung der eigenen Bedürfnisse aus, bevor sie sich deren der Anderen widmet. Es scheint für viele unverständlich zu sein, dass eine Pflegekraft zuerst die eigenen Bedürfnisse wichtig nimmt, bevor sie sich um die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen kümmert.

Dies scheint für die Pflege in Krisensituationen noch stärker zu gelten. Doch so befremdend es klingen mag, sie hat dann mehr Energie um für andere Menschen zu sorgen. [5]

2.1 Die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation

Bevor ich mich näher mit der GFK beschäftige, muss folgende Grundannahme als gegeben vorausgesetzt werden. „Niemand sagt oder tut etwas um anderen zu schaden, sondern um sich ein Bedürfnis zu erfüllen.“ [6]

Wenn wir also alle nur unsere Bedürfnisse erfüllen möchten, den Wunsch haben, von Herzen zu geben, so betrachten wir zunächst die vier Komponenten des GFK – Modells [7].

1. Beobachtungen:

Im ersten Schritt teile die reinen Fakten, meiner Beobachtung, mit. Dies ist eine einfache Beschreibung dessen, was ich wahrnehme und zwar ohne Beurteilung oder Bewertung. Eine einfache Beschreibung was jemand macht, die jeder andere neutrale Beobachter ebenso sehen würde.

2. Gefühle

Im zweiten Schritt spreche ich meine Gefühle zu diesem Faktum aus. Was macht das mit mir? Fühle ich mich genervt, verletzt, amüsiert, etc.?

3. Bedürfnisse

Als nächstes sage ich meinem Gegenüber, welche Bedürfnisse bei mir hinter diesen Gefühlen stehen. Diese könnten beispielsweise die Bedürfnisse nach Authentizität, Wertschätzung, Respekt, Ruhe, Freude oder Harmonie sein.

4. Bitten

Die vierte Komponente setze ich direkt daran an. Nur wenn der Gesprächspartner weiß, was ich von ihm möchte / erwarte, kann er seine Handlung daran ausrichten. Dabei ist zu bedenken, dass die Bitte keine höfliche Form der Anordnung ist, dass die Ablehnung nicht zu Sanktionen, Schuldgefühlen oder Strafe führt.

Einerseits besteht die Gewaltfreie Kommunikation darin, dass ich diese vier Teile der Information ganz klar ausdrücke. Andererseits trete ich in Kontakt, in dem ich versuche diese vier Informationsteile von meinem Gegenüber auzufnehmen. Ich versuche mich darauf einzulassen, was er beobachtet, fühlt und welche Bedürfnisse dahinterstehen. Durch das Hören der Bitte erkenne ich dann, wie sich seine Lebensqualität verbessern würde. Auch die GFK findet nicht nur auf verbalem Wege statt. Mimik, Gestik, Bewegungen treten wie alle Kommunikationswege auch in der Empathischen Kommunikation auf.

So kommt ein Kommunikationsfluss zustande, in dem letztlich Beide ihre Bedürfnisse erfüllen können, denn der vierte Schritt heißt nicht Auffordern, Anordnen oder Befehlen, sondern Bitten. Gewaltfreie Kommunikation kann nur funktionieren, wenn sich Menschen auf Augenhöhe begegnen. Dominanz und Hierarchie konterkarieren den Prozess der Einfühlsamen Kommunikation. Eine echte Bitte kann mein Gesprächspartner aber ablehnen. Da er dies aber laut der obigen Grundannahme nicht tut um mir zu schaden, sondern um eigene Bedürfnisse zu befriedigen, ist es meine Aufgabe den Kommunikationsfluss aufzubauen, empathisch zuzuhören und die Bedürfnisse hinter seinen Äußerungen zu erfühlen. Nur wenn es gelingt, dass beide Partner ihre Bedürfnisse erfüllen können, erhöht sich letztendlich beider Lebensqualität.

Rosenberg beschreibt es als die beiden Teile der GFK. „Sich mit Hilfe der vier Komponenten ehrlich ausdrücken“ und „mit Hilfe der Vier Komponenten empathisch zuhören.“ Dies legt er in einem kurzen Satz klar und prägnant dar: „Das Wesentliche der GFK findet sich in unserem Bewusstsein der vier Komponenten wieder und nicht in den Worten, die gewechselt wurden.“ [8]

2.2 Blockierung des Einfühlungsvermögens durch Kommunikation

Wenn dieses so trivial, also leicht nachvollziehbar und dabei noch einfach zu handhaben ist, stellt sich die Frage, warum wir nicht alle diese Form der Kommunikation verwenden. Hier steht uns unsere Sozialisation als Gesellschaft und als Mensch im Wege. Wir alle haben Kommunikation bereits seit frühester Kindheit von Eltern, Peergruppen, Vorbildern, etc. erlernt. Dabei sind verschiedene Arten der Kommunikation, sowie das Verständnis von uns und anderen Menschen so tief in uns verwurzelt, dass wir dies oft nicht einmal bemerken. Rosenberg nennt dies „lebensentfremdende Kommunikation“ [9] Die wichtigsten erläutere ich in diesem Abschnitt.

Moralische Urteile.

Die meisten Menschen sprechen eine Sprache, indem sie bewerten und verurteilen. Sie versuchen Fehlverhalten zu erkennen, zu analysieren und zuzuordnen. Wenn ich einen Kollegen bitte, eine Arbeit für mich zu erledigen, und er dies ablehnt, ist er faul oder nicht hilfsbereit. Bittet ein Kollege mich, und habe absolut keine Zeit dafür, dann ist er fordernd, unkollegial und kann nichts alleine lösen. Möchte meine Partnerin mit mir sonntags was unternehmen, ist sie selbstsüchtig, fordernd und kann mir nicht mal die nötige Ruhe gönnen. Andersherum ist sie ichbezogen, langweilig und desinteressiert. Dies tritt aber nicht nur nach außen zutage, sondern auch in der Selbstbeurteilung. Letztendlich sind moralische Urteile immer individuell, sie betreffen zum einen den eigenen Wertekanon und den momentanen Standpunkt, von dem ich bewerte.

Vergleiche anstellen.

Dies ist eine andere Art von Verurteilung und die beste Art um Unzufriedenheit herzustellen. Rosenberg beschreibt dies anhand des vom amerikanische Autor Dan Greenburg verfassten Buches How to make yourself miserable. Dieser zeigt auf humorvolle Weise, wie machtvoll diese Art des Denkens die Einfühlsamkeit mit sich selbst und anderen blockiert.

Leugnen der eigenen Verantwortung

Eine Sprache, welche die eigene Verantwortung leugnet, hindert uns ebenfalls daran unsere Verantwortlichkeit für eigenes Handeln und eigene Entscheidungen wahrzunehmen. Die Verwendung des Wortes <müssen> (Ich muss dies tun, weil..) zeigt deutlich, dass hier die Verantwortung des eigenen Handelns von sich weg auf andere übertragen wird.

Gerade hier gibt es viele Möglichkeiten, die Verantwortung auf andere zu transferieren. Beispielsweise:

Institutionen (Gesetze, Regeln, Vorschriften): Der MDK sagt, dass muss so gemacht werden.

Gruppendruck: Ich habe mich dem Bewohner gegenüber so verhalten, weil das hier alle so tun.

Durch Handlungen anderer: Weil mein Kollege dies in der Frühschicht auch nicht gemacht hat, habe ich es ebenfalls nicht für notwendig erachtet.

[...]


[1]Rosenberg, S. 22

[2]Ebenda. S. 23

[3]Dietz, S. 44f

[4]Vgl. Sears, S. 160f

[5]Vgl. Ebenda S. 143f

[6]Dietz S. 26

[7]Vgl. Rosenberg S. 25

[8]Rosenberg S. 26

[9]Ebenda S. 35ff

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Gewaltfreie Kommunikation in der Praxisanleitung
Untertitel
GFK in der Pflege einführen
Hochschule
Caritas-Akademie St. Vincenz Altenpflegeschule Wiesbaden
Veranstaltung
Weiterbildung Praxisanleiter
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V267778
ISBN (eBook)
9783668000087
ISBN (Buch)
9783668000094
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gwaltfreie Kommunikation, GFK, Pflege, Praxisanleitung, Praxisanaleiter, Altenpflege, Krankenpflege, Empathie
Arbeit zitieren
Stefan Theiß (Autor), 2013, Gewaltfreie Kommunikation in der Praxisanleitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267778

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Titel: Gewaltfreie Kommunikation in der Praxisanleitung


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