„Hitler muß fallen, damit Deutschland leben kann.“1
Dieses Zitat zeigt prägnant einen der Hauptgedanken von Widerstandspersonen des Nationalsozialismus auf. In dieser wissenschaftlichen Arbeit geht es darum, die unterschiedlichen Formen abweichenden Verhaltens während des Nationalsozialismus in der brandenburgischen Kleinstadt Luckenwalde zu analysieren und auszuwerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Widerstandsbegriff
2.1. Nonkonformität und Verweigerung
2.2. Dissens
2.3. Opposition
3. Luckenwalde
3.1. Einzelpersonen
3.2. Das Luckenwalder Kriegsgefangenenlager Stalag III A
3.3. Sparverein hoher Einsatz
3.4. Gemeinschaft für Frieden und Aufbau
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die verschiedenen Formen abweichenden Verhaltens gegen das NS-Regime in der brandenburgischen Kleinstadt Luckenwalde. Dabei wird untersucht, wie Einzelpersonen und Gruppen trotz der totalitären Überwachung Widerstand leisteten, und welche Abstufungen – von Nonkonformität bis hin zu aktiver Opposition – dabei erkennbar sind.
- Analyse lokaler Widerstandsformen in Luckenwalde
- Klassifizierung abweichenden Verhaltens (Nonkonformität, Verweigerung, Dissens, Opposition)
- Die Rolle und Aktivitäten der „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“
- Bedeutung des Kriegsgefangenenlagers Stalag III A als Ort des Widerstands
- Untersuchung der Motivationslage und des Risikoverhaltens der Akteure
Auszug aus dem Buch
3.4. Gemeinschaft für Frieden und Aufbau
Die ,Gemeinschaft für Frieden und Aufbau‘ bildete sich aus dem ,Sparverein hoher Einsatz‘ heraus. Hans Winkler und Werner Scharff waren die Begründer. Werner Scharff, ein Elektriker aus Berlin, war nach der Flucht aus Theresienstadt über eine Kontaktinformation durch die Samuels 1943 nach Luckenwalde zu Winklers gekommen. Beide wollten aktiv die NS-Regierung bekämpfen.
Die Gemeinschaft war eine unparteiische und heterogene Gruppe. Sie bestand aus ca. 30 Juden und ,Nichtjuden‘ in Luckenwalde sowie Berlin. Es war sogar eine Mitgliederliste geschrieben und Mitgliedsausweise ausgestellt worden, was ein riskantes Wagnis darstellte. Eine mögliche Aufdeckung der Gemeinschaft rückte durch diese Schritte, initiiert durch Hans Winkler, in Reichweite, führte aber nicht zur Gefangennahme.
Das Ansinnen des Netzwerkes lag darin, verfolgten Juden durch Lebensmittel, Geld und Obdach behilflich zu sein sowie aktiv gegen das NS-Regime vorzugehen. Um den jüdischen Mitgliedern eine neue Identität zu verschaffen, sind Pässe gestohlen und gefälscht worden. Scharff besorgte z.B. für Eugen Herman-Friede einen gefälschten Ausweis. Mit dieser gefälschten Identität und der ,HJ‘-Uniform von Winklers Sohn Horst konnte Eugen sich außerhalb der Wohnung Winklers aufhalten und mit Hans Winkler unterwegs sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des abweichenden Verhaltens in Luckenwalde während der NS-Zeit ein und erläutert die Auswahl der Lokalität sowie die Quellenlage.
2. Widerstandsbegriff: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Modelle von Nonkonformität, Verweigerung, Dissens und Opposition, um ein Gerüst für die Analyse des abweichenden Verhaltens zu schaffen.
3. Luckenwalde: In diesem Hauptteil werden konkrete Fallbeispiele von Einzelpersonen und Gruppierungen wie dem Stalag III A, dem Sparverein und der Gemeinschaft für Frieden und Aufbau analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass abweichendes Verhalten in Luckenwalde nachweisbar ist und die Grenzen zwischen den definierten Formen oft fließend verlaufen.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Luckenwalde, Widerstand, Abweichendes Verhalten, Nonkonformität, Verweigerung, Dissens, Opposition, Stalag III A, Gemeinschaft für Frieden und Aufbau, Sparverein hoher Einsatz, Hans Winkler, Werner Scharff, Judenrettung, Kriegsgefangene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Erscheinungsformen von abweichendem Verhalten gegenüber dem NS-Regime am Beispiel der Stadt Luckenwalde.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Widerstand sowie die konkrete Untersuchung lokaler Widerstandsnetzwerke und Einzelpersonen im Kontext der nationalsozialistischen Diktatur.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, die Ausprägungen abweichenden Verhaltens – von passiver Nonkonformität bis hin zu aktiver Opposition – systematisch zu analysieren und deren Einordnung zu erproben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein eigenes, aus verschiedenen Modellen konstruiertes Gerüst zur Kategorisierung von Widerstand angewandt, das eine Klimax vom privaten zum öffentlichen Handlungsraum abbildet.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Exempeln in Luckenwalde, unter anderem der Unterstützung von Kriegsgefangenen und der Tätigkeit spezifischer Widerstandsgruppen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind abweichendes Verhalten, Nonkonformität, Verweigerung, Dissens, Opposition sowie die spezifischen Luckenwalder Netzwerke.
Welche Rolle spielt Hans Winkler für die Untersuchung?
Winkler ist eine zentrale Figur, da er als Schreiber am Amtsgericht sowohl als Initiator des Sparvereins als auch als Mitbegründer der „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ fungierte.
Wie unterschied sich die „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ von anderen Gruppen?
Sie zeichnete sich durch eine besonders heterogene Zusammensetzung aus Juden und „Nichtjuden“ aus und agierte durch riskante Flugblattaktionen sowie aktive Hilfeleistungen für Verfolgte.
- Arbeit zitieren
- Lisa Blech (Autor:in), 2013, Abweichendes Verhalten im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267811