Faszination ADHS. Vom „Zappelphilipp“ bis zum „Hans-guck-in-die-Luft“


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Betrachtung

3 Symptome/Klassifikation

4 Diagnostik ..
4.1 Diagnostischer Standard
4.1.1 Anamnese/Exploration
4.1.2 Standardisiertes Fragebogenverfahren
4.1.3 Testpsychologische Untersuchungen
4.1.4 Verhaltensbeobachtung
4.1.5 Organische Diagnostik

5 Ursachen

6 Verlauf

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass bei ihrem Kind ADHS festgestellt wurde“. So oder so ähnlich könnte die Diagnose eines Arztes lauten, nachdem das Kind immer wieder negativ aufgefallen ist. Diese Diagnose scheint in der heutigen Zeit auch kein Einzelfall zu sein, denn immer mehr Experten und Krankenkassen warnen vor dem sogenannten „ZappelphilippSyndrom“, der psychischen Störung des Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS. So ergab der Arztreport der Krankenkasse der Barmer GEK, dass sich die Zahl der jungen Heranwachsenden (unter 19 Jahren) mit ADHS zwischen den Jahren 2006 und 2011 um 42 Prozent erhöht hat (vgl. Uhlmann 2013, S. o. 1).

Somit gehört heutzutage die ADHS zu den häufigsten Diagnosen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und laut einer Umfrage unter Eltern sind 3-10 % aller Kinder davon Betroffen (vgl. Heinemann/Hopf 2006, S. 9). Der Vize-Chef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schenker, schlägt deswegen Alarm und warnt vor der übermäßigen Diagnose des Syndroms, damit nicht der Anschein aufkommt, es existiere eine „Generation ADHS“ (vgl. Beikler 2013, S.1).

Der Erfinder der Krankheit, der amerikanische Psychiater Leon Eisenberg, behauptet nun jedoch, rund 40 Jahre nach seiner Entdeckung im Jahre 1968, es handle sich um eine „fabrizierte Krankheit“, da die Diagnosen auswucherten und die Medikamentenverschreibung explodierte1. Handelt es sich gar um eine Modekrankheit?

Die folgende Arbeit ist daher der Versuch, sich eingehend mit dem Phänomen ADHS auseinanderzusetzen. Dabei soll die Frage der Generation ADHS bzw. der „fabrizierten Krankheit“, also die Annahme, es handele sich um keine psychische Krankheit, geklärt werden. Es werden alle schwierigen Seiten beleuchtet, sei es die Klassifikation oder die Problematiken bei der Diagnostik.

Zu Beginn wird das Syndrom aus einem historischen Blickwinkel betrachtet, um somit einen Einstieg und Einblick in das Thema zu bekommen. Hieran schließt sich eine Definition der Symptome sowie die Klassifikation an, während danach die Diagnostik im Kinder- und Jugendalter beleuchtet wird. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Ursachen des Syndroms, wobei schließlich ein Bezug zum Verlauf einer ADHS hergestellt wird. Therapiemaßnahmen werden in dieser Arbeit außer Acht gelassen, da es hauptsächlich darum geht, das Krankheitsbild und deren Verlauf zu erläutern.

2 Historische Betrachtung

In seinem 1845 erschienenen Bilderbuch „Struwwelpeter“ beschreibt der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann wohl als einer der Ersten ein Kind mit ADHS-ähnlichen Symptomen. In diesem Buch, welches unterteilt ist in mehrere kleine Geschichten, geht es um eine Reihe von Kindern, die sich nicht an die Regeln halten und sich ignorant ihren Eltern gegenüber verhalten. Die Folge: Es passieren ihnen Missgeschicke. So zum Beispiel die „Geschichte vom „Zappel-Philipp“, der am Essenstisch nicht still sitzen kann und mit seinem Stuhl wackelt, woraufhin er letztlich mit diesem umkippt und dabei von der Tischdecke samt dem Essen begraben wird. Da dieses Buch jedoch keine medizinische Publikation ist sondern als Kinderbuch gedacht war, kann dies nicht als fachliche Schilderung bezüglich einer psychischen Störung angenommen werden. Nichtsdestotrotz ist es eine Anekdote, die noch im heutigen Sprachgebrauch zu finden ist, denn der Ausdruck „Zappel-Philipps“ ist weiträumig bekannt. Häufig werden Kinder damit bedacht, die die Symptome des ADHS, welche im Laufe der Arbeit noch ausreichend thematisiert werden, aufweisen.

In seinem im Jahre 1891 erschienen Buch „ Die Charakterfehler des Kindes“ erstellte Jean Paul Friedrich in einem Kapitel eine Psychopathologie des hyperkinetischen Syndroms in Verbindung mit ticartigen Erscheinungen (vgl. Heinemann/Hopf 2006, S. 9). Elf Jahre später, 1902, erschien ein medizinischer Bericht des britischen Arztes George Still, in dem er über von ihm behandelte Kinder berichtet, die unter anderem boshaft und trotzig sind. Anstatt dieses Verhalten auf falsche Erziehungsmethoden zu schieben, schrieb er die Probleme einer Dysfunktion des Gehirns zu (vgl. Ackermann-Stoletzky/Stoletzky 2004, S. 13).

Erste Gehversuche der Medizin in der Pathologie - dem Studium von unnormalen und krankhaften Zuständen und Symptomen im Körper - fanden aber nicht erst bei Jean Paul Friedrich, sondern bereits ab 1850 statt. Man begann unter anderem mit dem Versuch, psychische Phänomene von Kindern und Jugendlichen zu erforschen bzw. zu erklären. Die erste Beschreibung von Kindern mit Symptomen ähnlich der des ADHS bezog sich auf diejenigen, die ein abweichendes Verhalten bezüglich erwünschter Verhaltensnormen aufwiesen und dies als Ergebnis von geistiger Unruhe eingestuft wurde (vgl. Stiehler 2007,S. 26). Im 19. Jahrhundert waren die Tätigkeitsfelder von Medizin und Pädagogik noch klar getrennt und in den USA entwickelten sich die ersten neurologischen Untersuchungen. Zu dieser Zeit und zu Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde die Feststellung gemacht, dass als Auslöser für eine psychische Störung, wie der des ADHS, nicht zwischen erzieherischen Defiziten und körperlichen Defekten unterschieden werden konnte (vgl. ebd., S. 30). In der heutigen Zeit wird das Symptom auf neurologische Schäden zurückgeführt, auch wenn die Ursachen weiterhin unbekannt sind.

Ab den 1930er Jahren wurden neurologische Krankheiten mit Psychostimulanzien behandelt. Fortan bekamen verhaltensauffällige Kinder entsprechende Mittel zur Beruhigung verabreicht (vgl. ebd., S. 37).

In den 70er Jahren begann dann die Behandlung mit Ritalin bzw. dem Wirkstoff Methylphenidat, um die ADHS-typischen Syndrome herabzusetzen, wenngleich der Wirkstoff schon in den 50er Jahren als Appetitzügler und Antidepressiva auf dem deutschen Markt erschien war (vgl. vgl. Ackermann-Stoletzky/Stoletzky 2004, S. 167).

Anhand dieser Ausführung lässt sich schon in etwa die Tendenz erkennen, dass das Phänomen ADHS schon über einen längeren Zeitraum in der Medizin existiert, auch wenn die Hintergründe und Ursachen lange Zeit im Dunkeln lagen und teilweise noch immer liegen.

Die folgenden Kapitel sollen nun detaillierter beschreiben und Aufschluss darüber geben, was genau ADHS eigentlich bedeutet, wie diese Krankheit definiert ist und wie sie in Erscheinung tritt.

3 Symptome/Klassifikation

Anhand des gängigen Klassifikationssystems DSM-IV der WHO wird die Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zusammen mit der Störung des Sozialverhaltens in der Gruppe der „Störungen der Aufmerksamkeit, der Aktivität und des Sozialverhaltens“ zusammengefasst. Ersteres wird hierbei zweigeteilt: Zum einen in Definitionskriterien von Impulsivität bzw. Hyperaktivität und zum anderen in Aufmerksamkeitsstörungen. Daraus ergibt sich eine Unterscheidung von drei Subtypen: 1.) der Vorwiegend Unaufmerksame Typ, 2.) der Vorwiegend Hyperaktiv-Impulsive Typ und 3.) der Mischtypus.

Doch um überhaupt zu der Sparte der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung zu zählen, ist es notwendig, bestimmte diagnostische Kriterien zu erfüllen: So zum Beispiel eine Störung der Aufmerksamkeit mit einer geringen Frustrationstoleranz, sowie die Neigung, Tätigkeiten vor deren Beendigung zu wechseln. Ebenfalls kann es zu einer gewissen Impulsivität in Form von verbalen oder motorischen Aktionen kommen, die sich außerhalb des sozialen Rahmens befinden. Die folgende Graphik zeigt nochmal detailliert, welche zugehörigen Merkmale und Störungen laut DSM-IV innerhalb der einzelnen Definitionskriterien auftreten können und müssen:Diagnostische Kriterien für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

online unter: http://www.medfuehrer.de/cms/getimage.php?u3854 (Stand: 16.05.13)

[...]


1 Online unter: http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=690 (Stand: 15.05.13)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Faszination ADHS. Vom „Zappelphilipp“ bis zum „Hans-guck-in-die-Luft“
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V267881
ISBN (eBook)
9783656590514
ISBN (Buch)
9783656590521
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
faszination, adhs, zappelphilipp, hans-guck-in-die-luft
Arbeit zitieren
Andreas Backendorf (Autor), 2013, Faszination ADHS. Vom „Zappelphilipp“ bis zum „Hans-guck-in-die-Luft“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267881

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