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Die Ehe im mittelalterlichen Artusroman zwischen Fiktion und Realität

Analyse von Hartmann von Aues "Erec"

Titel: Die Ehe im mittelalterlichen Artusroman zwischen Fiktion und Realität

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Sabrina Deckinger (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wie stand es um die Ehe im Mittelalter? Aus welchen Gründen wurde sie geschlossen, welche Arten der Ehe gab es und wie verlief das Eheleben? Diesen Fragen möchte die vorliegende Hausarbeit auf den Grund gehen. Daher wird im Folgenden aufgezeigt, was im 12. und 13. Jahrhundert eine Ehe ausmachte und unter welchen Bedingungen und Gegebenheiten sie geschlossen wurde.

Diese Ergebnisse dienen anschließend dem eigentlichen Kern der Arbeit: dem Vergleich der in der zeitgenössischen Literatur beschriebenen und konstruierten Ehe mit der damaligen Realität. Es soll herausgearbeitet werden, ob in der Literatur die Realität wiedergespiegelt wird oder ob darin – und sollte dies der Fall sein, wieso – ein anderes Bild der Ehe gewählt wird.
Hartmanns von Aue „Erec“ (etwa 1180 n. Chr.) dient hierfür als Beispiel. Sein Werk gilt als der erste Artusroman in deutscher Sprache. Als Vorlage diente der Roman „Erec et Enide“ von Chrestien de Troyes (etwa 1165 – 1170 n. Chr.).

Bevor im Folgenden weiterhin von der Ehe die Rede ist, soll zunächst eine Definition gegeben werden, damit deutlich wird, was man damals darunter in erster Linie verstand. Es werden die Gründe für eine Eheschließung und verschiedene Arten der Ehe angeführt, wie sie in Quellen zu finden sind, um im Hauptteil der Arbeit zu untersuchen, inwiefern sich die Ergebnisse der Quellenuntersuchung im "Erec" finden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Gründe für eine Eheschließung

1.1 Die Einsetzungsworte der Ehe

1.2 Die Ehezwecke in Hartmanns „Erec

2. Die Ehearten

2.1 Die Ehe zwischen Erec und Enite

3. Sexualität und Ehe

3.1 Die Sexualität (und Liebe) bei „Erec“

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Eheverständnis im 12. und 13. Jahrhundert und vergleicht dieses mit der Darstellung der Ehe in Hartmanns von Aue Artusroman „Erec“, um aufzuzeigen, inwieweit literarische Konstruktionen die historische Realität widerspiegeln oder idealisieren.

  • Historische Ehezwecke und kirchliche Lehrmeinungen des Mittelalters
  • Formalismen der Eheschließung und ihre Bedeutung
  • Analyse verschiedener mittelalterlicher Eheformen wie Friedelehe und Muntehe
  • Die Darstellung von Sexualität, Liebe und ritterlicher Ehre im „Erec“
  • Das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Idealbild im Artusroman

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Sexualität (und Liebe) bei „Erec“

in ir schôz leite in

daz kint vrouwẹ Ênite

ze ruowe nâch dem strîte.

ir gebærde was vil bliuclîch,

einer megede gelîch.

si enredetẹ im niht vil mite:

wan daz ist ir aller site

daz si zem ȇrsten schamic sint

unde blûc sam diu kint.

dar nâch ergrîfent si den list

daz si wol wizzen waz in guot ist,

und daz in liep wære

daz si nû dunket swære,

unde daz sie næmen,

swâ si sîn reht bekæmen,

einen süezen kus vür einen slac

und guote naht vür übeln tac. (V.1317 – 1333)

Hier wird die erste körperliche Berührung zwischen Erec und Enite geschildert. Nachdem er den Sperberwettbewerb (vgl. S.6 f.) gegen Iders gewonnen hat, legt Enite ihn in ihren Schoß, damit er sich dort ausruhen kann. Sie verhält sich ihm gegenüber noch sehr schüchtern, spricht kaum mit ihm. Hartmann vergleicht sie mit einem Kind, das sich schamhaft und verhalten zeigt, aber schnell begreift, was ihm gut tut und davon immer mehr wollen wird. Dies kann man als eine Art Prolepse verstehen, da die beiden schon vor ihrer Hochzeit sexuelles Verlangen nach einander verspüren.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es werden die zentralen Fragestellungen zur Ehepraxis des Mittelalters sowie die Zielsetzung des Literaturvergleichs mit Hartmanns von Aue „Erec“ eingeführt.

1. Gründe für eine Eheschließung: Das Kapitel erläutert die kanonische Lehre der Ehezwecke sowie die Bedeutung der Einsetzungsworte der Ehe für das Verständnis des Mittelalters.

1.1 Die Einsetzungsworte der Ehe: Hier wird der biblische Ursprung der Ehe und deren Deutung durch Dekretisten wie Gratian und Sicard von Cremona analysiert.

1.2 Die Ehezwecke in Hartmanns „Erec: Der Abschnitt untersucht die spezifischen Hintergründe der Eheschließung zwischen Erec und Enite im Roman unter Berücksichtigung der ritterlichen Ehre.

2. Die Ehearten: Es werden verschiedene historische Eheformen wie die Friedelehe, Muntehe, Kaufehe und Raubehe definiert und voneinander abgegrenzt.

2.1 Die Ehe zwischen Erec und Enite: Das Kapitel analysiert, welcher der historischen Eheformen die Verbindung zwischen Erec und Enite im literarischen Kontext zuzuordnen ist.

3. Sexualität und Ehe: Diese Sektion beleuchtet die moralische Bewertung von Sexualität durch Theologen sowie die Bedeutung der Ehe als „remedium concupiscentiae“ und Sakrament.

3.1 Die Sexualität (und Liebe) bei „Erec“: Hier wird die körperliche Beziehung der Protagonisten, insbesondere die „verligen“-Szene, als Spannungsfeld zwischen ritterlicher Pflicht und privatem Begehren analysiert.

4. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der Artusroman ein Idealbild erschafft, das den Adel anspricht und die ritterliche Lebenswelt reflektiert.

Schlüsselwörter

Ehe, Mittelalter, Hartmann von Aue, Erec, Artusroman, Eheformen, Sexualität, Ehezwecke, Minne, Rittertum, Kanonisches Recht, Literaturanalyse, Idealisierung, Zeugung, Sakrament.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Eheverständnis des 12. und 13. Jahrhunderts im Kontrast zur literarischen Umsetzung im Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historischen Ehezwecke, verschiedene Eheformen wie die Muntehe, die moralische Bewertung von Sexualität sowie das Spannungsverhältnis zwischen historischer Realität und literarischer Idealisierung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es herauszuarbeiten, ob Hartmann von Aue in „Erec“ die historische Realität der Ehe des Mittelalters widerspiegelt oder ein konstruiertes Idealbild entwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der historische Quellen und kanonistische Schriften mit der narrativen Darstellung im Artusroman „Erec“ verglichen werden.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Eheschließung und Sexualität, verknüpft diese mit den Handlungsverläufen von Erec und Enite und bewertet die Rolle der Minne und ritterlichen Ehre.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Ehe, Artusroman, Mittelalter, Erec, Minne, Sexualität, Ehezwecke, Rittertum und die augustinische Güter-Trias.

Wie bewertet Hartmann von Aue die Ehe zwischen Erec und Enite im Vergleich zur historischen Realität?

Die Arbeit stellt fest, dass die literarische Ehe nicht eindeutig einer historischen Form zugeordnet werden kann, sondern dass der Autor durch die Darstellung von privatem Begehren und romantischen Motiven eine idealisierte Welt erschafft.

Welche Rolle spielt die sogenannte „verligen“-Szene für das Verständnis der Ehe bei Erec?

Die „verligen“-Szene verdeutlicht den negativen Aspekt der Sexualität, da Erec hier seine ritterlichen Pflichten vernachlässigt und sich einseitig dem privaten Liebesleben widmet, was zu einem Konflikt mit seinem sozialen Stand führt.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Ehe im mittelalterlichen Artusroman zwischen Fiktion und Realität
Untertitel
Analyse von Hartmann von Aues "Erec"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Hauptseminar "Sexualität im Mittelalter"
Note
1,7
Autor
Sabrina Deckinger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V268066
ISBN (eBook)
9783668122642
ISBN (Buch)
9783668122659
Sprache
Deutsch
Schlagworte
artusroman fiktion realität analyse hartmann aues erec
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sabrina Deckinger (Autor:in), 2010, Die Ehe im mittelalterlichen Artusroman zwischen Fiktion und Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268066
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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