Gemeinwesenarbeit in benachteiligten Wohngebieten


Studienarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Benachteiligte Wohngebiete
2.1 Definition
2.2 Potenziale
2.3. Probleme

3. Gemeinwesenarbeit
3.1 Begriffsklärung
3.2. Historischer Hintergrund
3.3 Merkmale und Aufgaben
3.4 Handlungselemente
3.5 Theoretische Ansätze
3.5.1 Wohlfahrtstaatliche Gemeinwesenarbeit
3.5.2 Integrative Gemeinwesenarbeit
3.5.3 Aggressive Gemeinwesenarbeit
3.5.4 Gemeinwesenarbeit nach Alinsky
3.5.5 Katalytisch- Aktivierende Gemeinwesenarbeit

4. Gemeinwesenarbeit in benachteiligten Wohngebieten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Regeln zur Konfliktbewältigung nach Alinsky (Vgl. Hinte; Karas, 1989, zit. n. Allinsky, 1974) S. 12

Abb. 2: Höhe und Herkunft der Finanzierung (Vgl. Protz; Schätzle, 2008) S. 15

1. Einleitung

In den letzten Jahren rückte das Thema der sozial benachteiligten Wohngebiete, die in den Medien als "soziale Brennpunkte" bezeichnet werden, immer mehr in das Zentrum politischer und wirtschaftlicher Diskussionen. Zudem hört man in den letzten Jahren immer wieder von erhöhter Kinderarmut, Obdachlosigkeit und der hohen Kriminalität in der Bundesrepublik Deutschland. Der berühmteste soziale Brennpunkt ist der Stadtteil Neukölln in Berlin. Dort gibt es eine hohe Armutsquote, viele Arbeitslose und immer mehr Gewalt zwischen Jugendlichen. Die Nachrichten zeigen dazu zahlreiche Dokumentationen und Interviews. Wenn man sich die eine oder andere Sendung anschaut, merkt man, wie schlecht die Lebensbedingungen und Chancen der Menschen sind, die dort und in ähnlichen Stadtteilen leben. (Vgl. Springer, 2010)

Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2010 hat zudem erwiesen, dass sich die Entwicklungschancen von Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft in schwierigen Stadtteilen erheblich verschlechtern. Sie wachsen generell ungesünder auf und haben weniger Möglichkeiten sich angemessen zu entwickeln und ihr Potential zu entfalten. (Vgl. Springer, 2010) An diesen Erkenntnissen und Entwicklungen wird deutlich, warum die Gemeinwesenarbeit zu einem immer größeren und wichtigeren Thema wird.

In dieser Arbeit soll es darum gehen, ob Gemeinwesenarbeit in der Lage ist, einen Teil zur Verbesserung des Lebens in sozial benachteiligten Stadtteilen beizutragen. Anfangs möchte ich eine Basis schaffen und auf die benachteiligten Wohngebiete eingehen. Dabei möchte ich mich vor allem damit beschäftigen, was sozial benachteiligte Stadtteile sind und welche Probleme sich daraus für die dort lebenden Menschen ergeben. Anschließend werde ich zu der Theorie übergehen und aufzeigen, was genau die Gemeinwesenarbeit ist, welche Handlungselemente Anwendung finden und welche Theorien zum Einsatz kommen. Den letzten Teil dieser Arbeit möchte ich abschließend der Gemeinwesenarbeit in den benachteiligten Stadtteilen widmen. Ich möchte anhand eines Projektes der Frage auf den Grund gehen, was die Gemeinwesenarbeit erreichen kann und inwiefern sie die Lebensbedingungen und das Zusammenleben der Menschen beeinflussen kann.

Bevor ich die Arbeit mit dem ersten Kapitel einleite, möchte ich betonen, dass in der Arbeit aus Vereinfachungsgründen ausschließlich die männliche Form verwendet wird.

2. Benachteiligte Wohngebiete

2.1 Definition

Benachteiligte Wohngebiete, die manchmal auch als Stadtteile mit einem besonderen Entwicklungsbedarf bezeichnet werden, meinen im eigentlichen Sinne „Soziale Brennpunkte". Solche Gebiete gibt es nicht nur in großen und mittleren Städten wie Berlin oder Köln, sondern auch in kleineren Städten und Gemeinden. Dort findet man die Benachteiligung zunehmend in Wohnblocks oder Häusern. (Vgl. Jacquemoth, o.J.)

Unter den benachteiligten Wohngebieten meint man Stadtteile, in denen Merkmale von Armut und Ausgrenzung zu finden sind (vgl. Jacquemoth, o.J.). Charakteristisch für solche Wohngebiete sind eine mangelhafte Bausubstanz, eine hohe Wohndichte, viele arbeitslose Menschen und Sozialhilfebedürftigkeit (vgl. Jacquemoth, o.J.). Zudem mangelt es solchen Gebieten an einer guten Infrastruktur, unter der man die Gesamtheit aller öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise Schulen, Verkehr, Kultureinrichtungen oder Einkaufsmöglichkeiten versteht (vgl. Weiß, 1996, S. 1592). In benachteiligten Stadtgebieten kommt es außerdem oft zu Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen (vgl. Jacquemoth, o.J.). Ein großes Problem ist auch, dass den Menschen Merkmale zugeschrieben werden und sie immer mehr von dem Rest der Gesellschaft abgegrenzt werden (vgl. Jacquemoth, o.J.).

An dieser Schilderung wird bereits deutlich, wieso gerade in diesem Bereich die Gemeinwesenarbeit und die Soziale Arbeit so wichtig ist.

2.2 Potenziale

Es soll nun auf die Frage eingegangen werden, welche Auswirkungen sich für die Menschen ergeben, die in sozial benachteiligten Gebieten wohnen. Zuerst aber zu einer Begriffsklärung: Wenn man sich mit den Folgen von sozialer Benachteiligung beschäftigt, fällt häufig der Begriff Segregation. Darunter versteht man die Konzentration bestimmter sozialer Gruppen auf ein Gebiet, eine Stadt oder eine Stadtregion. Wenn man die Segregation einer Bevölkerungsgruppe feststellen will, muss man sich mit der Abweichung der Wohnstandortverteilung von einer zufälligen Verteilung einer Bevölkerungsgruppe auf ein Stadtgebiet befassen. Das funktioniert anhand mehrerer Merkmale:

- Sozialstrukturelle Merkmale: Darunter fallen Einkommen, Stellung im Beruf und der Bildungsstatus.
- Demografische Merkmale: Man meint damit das Geschlecht, Alter oder den Haushaltstyp.
- Kulturelle Merkmale: Der individuelle Lebensstil, die Religion und die Ethnizität[1] spielen eine Rolle. (Vgl. Barnick; Küttner; Richter; Rietdorf & Steinhoff, 2004, zit. n. Häußermann, 2001)

Für das Zusammenleben im Stadtteil entstehen mit der Segregation Potenziale aber auch einige Probleme. Zunächst soll auf die Potenziale eingegangen werden.

Die Menschen können in den Quartieren[2], in denen sie leben, eine eigene Identität entwickeln und haben die Möglichkeit sich stärker an ihrer sozialen, kulturellen und ethnischen Zugehörigkeit zu orientieren. Dadurch lernen sie, gleichberechtigte und selbstbewusste Dialoge mit anderen Menschen zu führen. Da sie sich zudem räumlich sehr nah sind und deshalb gleiche Interessen haben, wird ihre Organisationsfähigkeit gefördert. Das Leben in benachteiligten Wohngebieten konzentriert sich oft auf gleiche ethnische Gruppen, so dass der Aufbau einer bedürfnisgerechten Infrastruktur erleichtert wird. Besonders Migranten haben oft ein gutausgebautes Selbsthilfenetz und gute ökonomische Potenziale, von denen sie profitieren können. Sie sind es auch, die die Versorgungsstruktur im Stadtteil erhalten. Denn viele von ihnen eröffnen kleine Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe und sichern auf diesem Weg Arbeitsplätze für sich und andere ethnische Bevölkerungsgruppen. Auch die kulturelle und soziale Infrastruktur der Migrantengruppen helfen dem Alltagsleben der Menschen, da sie Orte und Anlässe für die Kommunikation zwischen den Bevölkerungsgruppen bietet (Vgl. Böhme; Schuleri-Hartje, o.J.)

2.3. Probleme

Nun soll auf die negativen Aspekte des Lebens in benachteiligten Wohngebieten eingegangen werden. Ein großes Problem in solchen Gebieten ist die Abwanderung von Familien und qualifizierten Erwerbstätigen, da es die soziale Stabilität im Stadtteil verschlechtert. Viele Stadtteilbewohner werden auf dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt, familiäre und nachbarschaftliche Bezüge geschwächt und es entsteht Apathie[3] und Isolation. In vielen Stadtteilen entwickelt sich ein Milieu[4], dass das Selbstvertrauen der Bewohner negativ beeinflusst und Konflikte fördert. Außerdem nehmen die Begegnungen und Interaktion im Stadtteil immer mehr ab und es entstehen immer mehr Vorurteile. Diese Entwicklung kann man vor allem in Stadtteilen mit einem hohen Ausländer- und Aussiedleranteil beobachten. Typisch dafür ist, dass nur noch ein Nebeneinanderleben von Migranten und Deutschen stattfindet und Treffpunkte nicht mehr gemeinsam genutzt werden. Wenn dann doch mal Kontakt entsteht, bleibt es bei einem gegenseitigen 'Hallo'. Das Zusammenleben der Nationen wird zusätzlich durch die Konkurrenz[5] um Ausbildungs- und Arbeitsplätze erschwert. Dazu kommt die soziale Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt und sozialer Neid in Bezug auf die Inanspruchnahme von Sozialleistungen durch Ausländer, Asylbewerber und Aussiedler. Bei vielen Bewohnern kommt es deshalb zu Verunsicherung und Ablehnung. Es geht sogar teilweise so weit, dass Migranten für ökonomische und soziale Krisen verantwortlich gemacht werden. (Vgl. Böhme; Schuleri-Hartje, o. J)

Diese Entwicklungen kommen daher, da die Bürger ihre eigenen Werte, Normen, Gewohnheiten und Verhaltensweisen durch das "Fremde" in Frage stellen und sich sich zunehmend unsicher fühlen. Da sie sich selbst als negativ und schlecht einstufen, entwickeln sie einen Schutzmechanismus, durch den das Fremde als nicht anerkennungswert und minderwertig qualifiziert angesehen wird. Dadurch kommt es zu einer Selbstaufwertung und man fühlt sich selbst besser. Diese entstandenen Vorbehalte können zu täglichen Konflikten führen. (Vgl. Böhme; Schuleri-Hartje, o. J)

Das Problem betrifft jedoch nicht nur die ausländischen und deutschen Bürger, sondern kommt auch zwischen den verschiedenen ausländischen Ethnien vor. Auch hier entstehen Spannungen, Ausgrenzungserfahrungen und die Bildung von gleichen ethnischen Cliquen. Jedoch kommt es zusätzlich zu abweichendem Verhalten, Kriminalität und Sucht. Probleme entstehen auch, wenn Orte des Wohnumfelds wie beispielsweise Spielplätze, Parks durch Drogen oder- Alkoholabhängige genutzt werden und sich die übrige Bevölkerung dort nicht mehr wohl fühlt und diese nicht mehr aufsucht. (Vgl. Böhme; Schuleri-Hartje, o. J)

[...]


[1] Unter Ethnizität meint man das Verhältnis zwischen zwei oder mehreren Gruppen, die der Meinung sind, dass sie sich kulturell gesehen voneinander unterscheiden (vgl. Völk, 2012, S. 1).

[2] Ein Quartier ist ein begrenzter Lebensraum innerhalb einer Stadt und kann als ein sozialer Raum gesehen werden, in dem eine große Interaktionsdichte, informelle Aktivitäten und ein Zusammengehörigkeitsgefühl existiert (vgl. Wähnke, o. J).

[3] Menschen sind apathisch, wenn sie teilnahmslos sind und nicht über Gefühle reden können oder wollen (vgl. Weiß, 1996, S. 182).

[5] Hierbei meint man vor allem Arbeitsplätze im gering qualifizierten Bereich (vgl. Böhme; Schuleri- Hartje, o. J.)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gemeinwesenarbeit in benachteiligten Wohngebieten
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Veranstaltung
Verfahren und Techniken 1
Note
1,4
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V268111
ISBN (eBook)
9783656586531
ISBN (Buch)
9783656586517
Dateigröße
965 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gemeinwesenarbeit, Benachteiligte Wohngebiete, Soziale Brennpunkte
Arbeit zitieren
Anna Henning (Autor), 2012, Gemeinwesenarbeit in benachteiligten Wohngebieten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268111

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