Die Entwicklung des franziskanischen Armutsideals bis zur Bulle „Quo elongati“.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.2 Die Biografie des Franziskus von Assisi

2. Gesellschaftlicher Kontext des Armutsideals des Franziskus von Assisi
2.1 Die Gesellschaft von Assisi zu Zeiten von Franziskus
2.2 Religiöse Armutsbewegungen des 12. Jahrhunderts

3. Das Spannungsfeld zwischen Franziskus Armutsideal und der Kirche
3.1 Franziskus und die Herrin Armut
3.2 Die Regula non bullata im Vergleich zur Regula bullata
3.3 Bekräftigung der Armutsvorstellung: Franziskus Testament
3.4 Die Bulle „Quo elongati“ und ihre Auswirkung auf das Armutsideal des Franziskus von Assisi

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1. Einleitung

Am 13. März 2013 wurde ein neuer Papst gewählt. Für die Zeit seines Pontifikates entschied er sich für den Namen Franziskus, dieser leitet sich ab von dem Heiligen Franziskus von Assisi. Der neue Papst begründete seine Namenswahl mit den Vorstellungen, die er für seine Amtszeit habe. Unteranderem gab Jorge Mario Bergoglio an, dass er sich eine „arme Kirche für die Armen“[1] wünsche, weshalb ihm sofort der Name des Franziskus von Assisi eingefallen sei[2]. Besonders bezieht sich der Papst hierbei auf das Armutsideal von Franziskus von Assisi. Aber wie definierte Franziskus von Assisi im 12. Jahrhundert den Begriff der Armut für sich und seine Bewegung und inwieweit konnte sich diese Vorstellung durchsetzen?

Mit dieser Frage soll sich die vorliegende Hausarbeit beschäftigen. Es soll Franziskus Weg vom Kaufmannssohn bis hin zum Begründer des Ordo fratrum minorum, des Ordens der Minderen, und die damit einhergehende Entwicklung und Weiterentwicklung seines Armutsideals nachgezeichnet werden. Es soll geprüft werden, welche Einflüsse auf das Armutsideal eingewirkt haben.

Die These lautet, dass es ein Spannungsfeld zwischen Franziskus Vorstellungen und denen der Kirche gab und der Armutsbegriff des Franziskus Abschwächungen vonseiten der Kirche erfahren hat. Um dies zu prüfen, soll die Entwicklung des Armutsbegriffes von der Regula non bullata bis zur päpstlichen Bulle „Quo elongati“ herausgearbeitet werden, indem die Regula non bullata mit der Regula bullata verglichen wird. Danach soll geprüft werden, welche Stellung zum Armutsideal Franziskus von Assisi in seinem Testament bezog und welchen Einfluss die päpstliche Bulle „Quo elongati“ auf das Armutsideal hatte.

1.2 Die Biografie des Franziskus von Assisi:

Franziskus wurde 1181 oder 1182 als Giovanni Battista Bernardone in Assisi geboren. Zu der Frage, wie er zu dem Namen Franziskus gelangt ist, gibt es verschiedene Hypothesen, auf die aber an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll.

Franziskus war der älteste Sohn von Giovanna Pica und Pietro Bernardone. Sein Vater Pietro war Tuchkaufmann und gehörte der bürgerlichen Kaufmannsschicht an. Es kann angenommen werden, dass Pietro Bernardone davon ausging, dass sein Sohn ihm einmal nachfolgen würde. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, wie sich Franziskus weiteres Leben entwickeln sollte. Entsprechend seinem Stand lernte Franziskus „lesen, schreiben, rechnen und die damalige Weltsprache Latein“[3]. In seiner Jugend verbrachte Franziskus seine Zeit mit „den üblichen Vergnügungen seines Standes, mit Nichtstun, Klatsch, Liedern und Mode.“[4]

Um 1202/03 geriet er im Zuge des Bürgerkrieges mit Perugia in Kriegsgefangenschaft. Als er ein Jahr später nach Assisi zurückkehrte, wurde er „lange Zeit von Krankheit zermürbt“[5]. 1205 wollte Franziskus erneut in den Krieg in Apulien ziehen. Dazu kam es aber nicht. In Spoleto angekommen, hatte Franziskus einen visionären Traum, aufgrund dessen er seine Reise abbrach und nach Assisi zurückkehrte[6].

Die Bekehrung des Franziskus verlief, wie Jacques Le Goff ausführt, in „einem vorgezeichneten Weg“, durchlief „mehrere Stadien“ und dauerte „vier bis fünf Jahre[n]“[7], um dann in einer dramatischen Trennung von seinem Vater zu enden[8].

2. Gesellschaftlicher Kontext des Armutsideals des Franziskus von Assisi

2.1 Die Gesellschaft von Assisi zu Zeiten von Franziskus

Die mittelalterliche Gesellschaft, und mit ihr die Assisis, befand sich im 11. und 12.Jahrhundert in einem entscheidenden Wandel. In einer vormals landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft gewann der Handel immer mehr an Bedeutung. Ein wichtiger Aspekt des entstehenden Handels war „die Entwicklung der Geldwirtschaft sowie der Wechsel- und Kreditgeschäfte“[9]. Geld in Form von Münzen wurde zum wichtigen Zahlungsmittel.

Der florierende Handel lockte aber auch immer mehr Menschen in die Städte. Die Armen kamen aus den ländlichen Gegenden in die Städte, um dort ihr Glück zu versuchen. So auch in Assisi, das bis zum Jahre 1232 auf 2.255 Feuerstellen und schätzungsweise 11.300-15.800 Einwohner angewachsen war[10]. Armut wurde zum ersten Mal zu einem sichtbaren Problem, denn „die Armut auf dem Land ist […] nicht ‚sichtbar‘“[11] gewesen.

Die Gesellschaftsordnung in der Stadt begann sich zu verändern. Es entstand die Spaltung einer „nach pauperes und potentes, nach Arm und Reich gegliederte[n] Gesellschaft“[12]. Der Adel bezeichnete sich als „maiores“ und das Bürgertum als „minores“. Für die beiden Stände galt auch die Bezeichnungen „boni homines“ und „homini populi“. Der Adel herrschte zu dieser Zeit über Assisi, die Bürger hatten kein politisches Mitspracherecht.

Durch die Entwicklung der Geldwirtschaft veränderte sich auch das Bewusstsein des Bürgertums. Dessen Angehörige organisierten sich zunehmend in Gilden und Zünften und begannen, politische Mitbestimmung von den Maiores zu fordern[13]. Diese Forderungen führten zu blutigen Kämpfen zwischen den Ständen und im Jahre 1197/98 zu einer Vertreibung der Maiores aus Assisi, die daraufhin nach Perugia flüchteten. Die Bürger stürmten die oberhalb der Stadt liegende Burganlage und zerstörten sie. Der Adel versuchte von Perugia aus seine Stellung in Assisi zurückzuerobern. 1202 kam es zu einem Gefecht westlich von Assisi bei Collestrada, in dem Perugia siegte[14]. Unter den Gefangenen dieser Schlacht, die nach Perugia gebracht wurden, befand sich auch Franziskus.

[…]


[1] Papst Franziskus will „eine arme Kirche für die Armen“, ORF: http://news.orf.at/stories/2171991/ (18.05.2013).

[2] Ebd.

[3] Nikolaus Kuster: Franz und Klara von Assisi. Eine Doppelbiographie. 2. aktualisierte Aufl., Ostfildern, Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag 2012, S. 20.

[4] Jacques Le Goff: Franz von Assisi. Stuttgart, Klett-Cotta 2006, S.49.

[5] Franziskus-Quellen. Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seinen Orden, Hg v. Dieter Berg, Leonhard Lehmann, Kevelaer, Butzon & Bercker, 2009, S. 201.

[6] Ebd. S. 580.

[7] Le Goff, Franz von Assisi (wie Anm. 4), S. 53.

[8] Franziskus-Quellen (wie Anm. 5), S. 622.

[9] Jacques Le Goff: Das Hochmittelalter. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbuch Verlag 1984 (Fischer Weltgeschichte Band 11), S. 48.

[10] Helmut Feld: Franziskus von Assisi und seine Bewegung. 2.überarbeitete Aufl. Darmstadt, WBG (wissenschaftliche Buchgesellschaft) 2007, S. 78.

[11] Otto Gerhard Oexle: Armut im Mittelalter. Die pauperes in der mittelalterlichen Gesellschaft. In: Gelobte Armut. Armutskonzepte der franziskanischen Ordensfamilie vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Hg. v. Heinz-Dieter Heimann, Angelica Hilsebein, Bernd Schmies, Christoph Stiegemann, Paderborn, Ferdinand Schöningh, 2012, S. 3-16, hier: S. 11.

[12] Ebd.

[13] Kuster: Franz und Klara von Assisi, (wie Anm. 3), S. 24.

[14] Hagen Keller: Zeit und Umwelt. Der Bürgersohn Franziskus und die Gesellschaft der italienischen Stadtkommunen. In. Franziskus-Licht aus Assisi. Hg. v. Christoph Stiegemann, Bernd Schmies, Heinz-Dieter Heimann. München, Hirmer Verlag 2011, S. 32-41, hier: S. 35.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des franziskanischen Armutsideals bis zur Bulle „Quo elongati“.
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Geschichte und Gegenwart Alteuropas)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V268206
ISBN (eBook)
9783656584728
ISBN (Buch)
9783656584674
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, armutsideals, bulle
Arbeit zitieren
Sandra Offermanns (Autor), 2013, Die Entwicklung des franziskanischen Armutsideals bis zur Bulle „Quo elongati“., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268206

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