Caesar als Ethnograph. Das Germanenbild in "De Bello Gallico“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung
1.1 Entstehung des „De Bello Gallico“
1.2 Der antike Begriff des Barbaren

2. Ethnographie bei Caesar: Definition des Germanenbegriffes
2.1 Die ethnische Grenze: Der Vergleich zwischen Galliern und Germanen

3. Caesars Begegnung mit den Barbaren
3.1 Das Hilfsgesuch der Haeduer
3.2 Begegnung mit Ariovist

4. Der Rhein als ethnische Grenze
4.1. Der Kampf gegen Ariovist und die Vertreibung der Germanen aus Gallien
4.2. Der Kampf gegen die Usipeter und Tenkterer

5. Ethnographie eines Volkes: Die Sueben

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung:

Der „De Bello Gallico“ ist ein von Gaius Iulius Caesar verfasster Bericht über den Gallischen Krieg. Bei diesem Bericht handelt es sich nicht nur um einen Kriegsbericht, sondern auch um eine geographische und ethnographische Beschreibung Galliens und seiner unmittelbar umgebenden „Nachbarn“.

Diese Hausarbeit soll sich mit dem Aspekt der Ethnographie im „De Bello Gallico“, am Beispiel des Germanenbildes bei Caesar beschäftigten.

Hierbei soll der Frage nachgegangen werden, welches Bild Caesar von den Germanen in seinem „De Bello Gallico“ festhält und welche Kriterien zu diesem Bild führen. Die These ist hierbei, dass Caesars Blick auf die Germanen ethnozentrisch geprägt ist, was dazu führt, dass Caesar die Germanen als primitive Barbaren und Feinde des Römischen Reiches darstellt.

Der Hauptteil der Hausarbeit gliedert sich dann in vier Teile.

Der erste Teil beschäftigt sich damit, wie Caesar allgemein den Begriff Germanen definiert, da vor Caesar der Germanenbegriff mit dem der Gallier verschwamm. Deswegen soll im direkt folgenden Unterkapitel der Vergleich zwischen Galliern und Germanen hinsichtlich des Bildes der Germanen bei Caesar betrachtet werden.

Der nächste Teil soll sich näher mit Caesars Begegnung mit Ariovist beschäftigen, wofür zuerst die Darstellung Ariovists durch die Haeduer und dann die eigentliche Begegnung zwischen Caesar und Ariovist betrachtet werden soll. Inwieweit bestätigt Caesar mit diesen Darstellungen das römische Germanenbild?

Im dritten Teil soll der Rhein als Grenze betrachtet werden. Es soll den Fragen nachgegangen werden, welche Bedeutung dem Rhein als Grenze zukommt? Ist sie eine ethnische oder auch eine kulturelle Grenze? Außerdem soll betrachtet werden, wie Caesar die Rheinübertretungen von Ariovist, den Usipeter und Tenkterern bewertet, als auch wie die darauffolgenden Reaktion Caesars begründet ist.

Im letzten Teil soll dann, am Beispiel der Suebenskizze, herausgearbeitet werden, wie Caesar die Ethnographie eines Volkes erstellt. Inwieweit er Unterschiede zwischen Römer und Sueben sieht, wie sein Blick für das Innen und Außen ist.

Doch zuerst soll kurz auf die Entstehung des „De Bello Gallico“ und den antiken Barbarenbegriff eingegangen werden.

1.1 Entstehung des „De Bello Gallico“:

Caesar schrieb den „De Bello Gallico“ während seines Prokonsulates in Gallien. Um die Hintergründe der Entstehung des Werkes zu verstehen, muss Caesars Stellung im Senat und sein Verhältnis zu Rom betrachtet werden.

Caesar hatte während seines Konsulates Entscheidungen ohne die Mehrheit des Senates durchgesetzt, was ihm kein besonderes Ansehen im Senat eingebracht hatte. Als er 58 vor Chr. das Prokonsulat in der Provinz Gallien antrat, war die Situation alles andere als stabil. Caesar versuchte eine Neuordnung der Verhältnisse in Gallien durch militärisches Eingreifen zu erlangen[1].

Um seine Stellung im Senat nicht noch mehr zu schwächen, musste er sein Handeln begründen. Die Kriege sollten im Senat nicht als Angriffskriege aus eigenem Interesse aufgefasst werden.

Der „De Bello Gallico“ erfüllte hierbei die Funktion, die Kriegsführung Caesars in Gallien für den Senat in Rom als begründet darzustellen und Caesars Handlungen als im Sinne des Römischen Reiches zu rechtfertigen, wobei durch die Abfassung der Berichte in der dritten Person der Eindruck von Objektivität entstehen soll.

1.2 Der antike Begriff des Barbaren:

Der Begriff des Barbaren stammt ursprünglich von dem griechischen Wort bárbaros ab. Die Griechen bezeichneten damit Menschen, die außerhalb des antiken Griechenlands lebten und daher nicht Griechisch redeten.

Die Römer übernahmen den Begriff, woraus das Wort barbarus entstand. Bei den Römern wandelte sich die Begriffsbedeutung. Zwar bezeichnete barbarus immer noch Menschen, die außerhalb des Römischen Reiches lebten, aber der Begriff drückte nicht mehr wie bei den Griechen eine Exklusivität aus, sondern bot auch eine Möglichkeit der Inklusivität[2].

Durch die Ausbreitung des Imperium Romanums gelangten auch viele nicht römische Menschen und Stämme in das Römische Reich. Diese „Barbarus“ sollten nun inklusiert oder „gezähmt“ werden[3], wie die Römer es nannten und somit okkupiert werden. Die Bezeichnung, wer ein Barbarus war, war nicht statisch, sondern unterlag einer ständigen Bewegung.

2. Ethnographie bei Caesar: Definition des Germanenbegriffes:

Die Ethnographie der Germanen hat ihren Ursprung in Caesars „De Bello Gallico“. Weder in der griechischen, noch in der römischen Literatur lässt sich vor Caesar der Begriff der Germani genauer definieren. Die Griechen ordneten den Nordwesten Europas gallisch und den Nordosten skythisch zu[4], sodass es bei ihnen keine Erwähnung der „Germani“ gab. Selbst bei den Römern war vor Caesar der Begriff der Germanen mit dem der Gallier verschmolzen. Wie Eduard Norden feststellte rückt sich Caesar, durch die Definierung als auch Unterscheidung zwischen Germanen und Galliern, in die Position des Eroberers und Entdeckers[5].

Daher muss erst einmal die Frage gestellt werden, wo Caesar dieses „neue“ Volk lokalisiert. Schon im ersten Kapitel des „De Bello Gallico“ gibt Caesar eine geographische Angabe zum Gebiet der Germani an „qui trans Rhenum incoulunt“[6], sie befinden sich also rechts des Rheines. Diese Einteilung ist aber keine, die von den Völkern, die Caesar Germani nennt, vorgenommen worden: „qui uno nomine Germani appellantur […]“[7] An der passivischen Ausdrucksweise „appellantur“ wird deutlich, dass nicht die Germanen, sich als Germanen bezeichnen, sondern dass diese Einteilung von Seiten der Römer erfolgt. Die Römer fassen mehre Stämme, unter dem Begriff der Germanen zusammen.

Caesar benutzte den Begriff der Germani in seinen Commentarii, um eine klare Grenze zwischen Galliern und Germanen zu ziehen, die sowohl geographischer als auch kultureller Art ist. Dieser Grenze liegt nicht „ein „Wir-Gefühl“ oder eine kollektive Identität der Gallier und der Germanen“[8] zugrunde, da wie oben schon erwähnt, der Germanenbegriff keine Identität war, die sich die Völker im rechtsrheinischen Gebiet selber gegeben hätten.

[…]


[1] Helmuth Schneider: Von den Kimbern und Teutonen zu Ariovist; Die Kriege Roms gegen Germanische Stämme in der Zeit der römischen Republik; In: Feindliche Nachbarn: Rom und die Germanen; Hg. v. Helmuth Schneider; Köln, Weimar, Wien; Böhlau Verlag; 2008; S. 26 f.

[2] Allan A. Lund: Zum Germanenbild der Römer; Eine Einführung in die antike Ethnographie; Heidelberg; Carl Winter Universitätsverlag; 1990, S. 18.

[3] Ebd. S.16.

[4] Ebd. S. 89.

[5] Eduard Norden: Der Germanenexkurs in Caesars Bellum Gallicum. Die ethnographischen Abschnitte Caesars über Suebi und Germani ; In: Caesar, Wege der Forschung XLIII; Hg. v. Detlef Rasmussen; Darmstadt; Wissenschaftliche Buchgesellschaft; 1967. S. 126 f.

[6] Caes. Gall. 1,1,3.

[7] Ebd. 2,4,10.

[8] Allan A. Lund: Caesar als Ethnograph; In: Der Altsprachliche Unterricht 1996; Nr.2, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Caesar als Ethnograph. Das Germanenbild in "De Bello Gallico“
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte)
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V268207
ISBN (eBook)
9783656584711
ISBN (Buch)
9783656584650
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caesar, ethnograph, germanenbild, bello, gallico
Arbeit zitieren
Sandra Offermanns (Autor), 2013, Caesar als Ethnograph. Das Germanenbild in "De Bello Gallico“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268207

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