Auf ihrem V. Parteitag 1958 kündigte die SED-Spitze den Bau eines Urlaubsschiffes für Arbeiter und Bauern an. Nur ein Jahr später wurde der Siebenjahresplan beschlossen und mit ihm der Bau zweier weiterer Passagierschiffe.
Die touristische Seefahrt der DDR ist ein Thema, das bis heute vielen Westdeutschen kaum bekannt sein dürfte, obwohl sie der DDR-Bevölkerung mit großem medialen Aufwand nähergebracht wurde.
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der touristischen Seefahrt der DDR von ihren Anfängen bis zu dem Jahr 1965.
Darin soll den Fragen nachgegangen werden, mit welcher Motivation die DDR touristische Seefahrt betrieb und wie sich politische Ereignisse darauf ausgewirkt haben. Außerdem soll geklärt werden, ob diese Schiffe wirklich für die „Arbeiter und Bauern“ bestimmt waren, wie auf dem Parteitag angekündigt worden war oder wer mit diesen Schiffen reisen durfte.
Die These ist, dass die SED die touristische Seefahrt benutzte um die DDR-Bürger zu sozialistisch konformen Verhalten zu motivieren, obwohl diese zum größten Teil nicht in den Genuss einer solchen Seefahrt gekommen sind, auch bedingt durch die sich politisch verändernden Verhältnisse.
Die Hausarbeit soll daher diesem Aufbau folgen und sich in vier Teile gliedern.
Das erste Kapitel soll auf die Anfänge der touristischen Seefahrt eingehen und sich mit den Gründen zum Beschluss des Baues von Schiffen auf dem V. Parteitag der SED und der anfänglichen Umsetzung dieses Zieles befassen, dabei soll aufgezeigt werden, inwieweit der Bau der Schiffe parteipolitisch motiviert war.
Das zweite Kapitel soll thematisieren, welche Schiffe die DDR für die touristische Seefahrt nutzte. In diesem Zusammenhang soll näher auf die Schiffe MS Völkerfreundschaft und die GTMS Fritz Heckert eingegangen werden.
Das dritte Kapitel spannt dann den Bogen zwischen den Anfängen der touristischen Seefahrt und den politischen Veränderungen, die in den Jahren bis 1965 auf die touristische Seefahrt einwirkten. Hierzu soll es drei Unterkapitel geben, die sich noch einmal genauer mit den Auswirkungen des Mauerbaus, der Reisekostenregelung von 1960-62 und der Abgabe der Schiffe von dem FDGB an die DSR 1964 beschäftigen.
Das letzte Kapitel geht dann näher auf die Frage ein, welche Passagiere wirklich mit den touristischen Schiffen reisten und reisen konnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Abkürzungsverzeichnis
2. Die Anfänge der touristischen Seefahrt in der DDR
3. Die touristischen Schiffe der DDR: MS Völkerfreundschaft und die Fritz Heckert
4. Touristische Seefahrt der DDR im politischen Wandel
4.1 Änderungen durch den Mauerbau 1961
4.2 Reisekostenregelung 1960-62
4.3 Abgabe der touristischen Schiffe an die DSR 1964
5. Passagiere der touristischen Schiffe der DDR
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der touristischen Seefahrt in der DDR zwischen 1953 und 1965. Dabei wird analysiert, inwieweit das staatlich geförderte Kreuzfahrtprojekt als politisches Instrument zur Legitimation des SED-Regimes sowie als Motivationsmittel für sozialistisch konformes Verhalten diente und welche Auswirkungen politische Ereignisse, insbesondere der Mauerbau, auf die Umsetzung dieser touristischen Vision hatten.
- Politische Instrumentalisierung der Seefahrt als Gratifikation für Arbeiter.
- Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Propaganda und tatsächlicher Finanzierung.
- Auswirkungen der politischen Wende und des Mauerbaus auf die Schiffsnutzung.
- Wandel in der Zielgruppe von Arbeitern hin zu bevorzugten Gesellschaftsschichten.
- Überwachung und Kontrolle durch das MfS an Bord der Schiffe.
Auszug aus dem Buch
Die touristischen Schiffe der DDR: MS Völkerfreundschaft und die GTMS Fritz Heckert
Es gab in den ersten siebenundzwanzig Jahren, nach der Verkündung des Planes von Urlauberschiffen für die DDR, nur zwei Schiffe, die für die DDR ausschließlich als Passagierschiffe unterwegs waren.
Das erste Kreuzfahrtschiff, das unter DDR Flagge fuhr, war keines, das einer DDR Werft entstammte. Die MS Völkerfreundschaft, die vormals den Namen Stockholm getragen hatte, entstammte einer schwedischen Werft, wo ihr Baujahr auf das Jahr 1946 datiert war. Sie wurde 1959 von dem ostdeutschen Außenhandelsunternehmen Transportmaschinen der schwedischen Werft abgekauft. Das Geld wurde aus „Mittel des normalen Außenhandels der DDR“ bezahlt. Demgegenüber wurde aber von der Abteilung Agitation und Propaganda in der Öffentlichkeit verbreitet, dass das Geld aus der Steckenpferd-Bewegung stammte. Diese Bewegung war eine Massenbewegung, der sich eine Vielzahl von DDR-Betrieben angeschlossen hatten. Unter den ersten Fahrgästen auf der MS Völkerfreundschaft befand sich auch eine Reihe von Mitarbeitern, aus den der Steckenpferd-Bewegung angeschlossenen Betriebe, die sich um diese verdient gemacht hatten.
Hiermit wurde Herbert Warnkes Idee, der Seefahrt als Gratifikation für besondere Leistungen aufgegriffen. Dieser Umstand lässt sich kurz zusammenfassen als: Wer den Bau der Schiffe unterstützt, hat selber Chancen einmal auf dem Kreuzfahrtschiff reisen zu dürfen. Ähnliches sollte bei der Entstehung des Passagierschiffes der GTMS Fritz Heckert auch noch deutlicher werden, worauf zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Kapitel eingegangen werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, die Entwicklung der touristischen Seefahrt in der DDR als politisches Instrument zu beleuchten.
1.1 Abkürzungsverzeichnis: Auflistung der verwendeten Abkürzungen wie DSR, FDGB, MfS und SED.
2. Die Anfänge der touristischen Seefahrt in der DDR: Historische Herleitung des Schiffbauprojekts, das nach den Krisen von 1953 als Mittel zur Legitimation und Motivationssteigerung durch den FDGB initiiert wurde.
3. Die touristischen Schiffe der DDR: MS Völkerfreundschaft und die Fritz Heckert: Untersuchung der Anschaffung und Finanzierung der ersten Kreuzfahrtschiffe unter DDR-Flagge.
4. Touristische Seefahrt der DDR im politischen Wandel: Analyse der massiven Einschränkungen durch den Mauerbau, die politische Krise der Seefahrt und die Suche nach neuen Verwendungszwecken im diplomatischen Dienst.
4.1 Änderungen durch den Mauerbau 1961: Darstellung der verbotenen Einlaufmöglichkeiten in westliche Häfen und der Gefahr von Staatsfluchten.
4.2 Reisekostenregelung 1960-62: Analyse der fehlgeschlagenen Finanzierungsmodelle, die zu Unmut in den Betrieben führten und die Idee der klassenlosen Seefahrt untergruben.
4.3 Abgabe der touristischen Schiffe an die DSR 1964: Übergang der Zuständigkeit vom FDGB zur Deutschen Seereederei infolge wirtschaftlicher Verluste und politischer Prioritätenänderungen.
5. Passagiere der touristischen Schiffe der DDR: Aufzeigen der sozialen Selektion bei der Passagierwahl und die Rolle des MfS bei der Überwachung der Reisenden an Bord.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die touristische Seefahrt in der DDR primär ein politisch gesteuertes Projekt zur Disziplinierung und sozialistischen Vergemeinschaftung war.
Schlüsselwörter
DDR, touristische Seefahrt, SED, FDGB, MS Völkerfreundschaft, GTMS Fritz Heckert, Kreuzfahrtschiffe, Urlaubsreisen, politische Instrumentalisierung, Gratifikation, MfS, Mauerbau, Reisekostenregelung, sozialistische Vergemeinschaftung, DSR.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der touristischen Seefahrt in der DDR im Zeitraum von 1953 bis 1965 unter besonderer Berücksichtigung ihrer politischen Instrumentalisierung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Motivation des SED-Regimes für den Bau von Urlauberschiffen, die tatsächliche Finanzierung und die soziale Auswahl der Passagiere.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Schiffe tatsächlich für die arbeitende Bevölkerung bestimmt waren oder ob sie anderen propagandistischen Zwecken dienten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Primärquellen, Regierungsbeschlüssen und Sekundärliteratur, um die Entwicklung der DDR-Seetouristik nachzuvollziehen.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte der Schiffe, den ökonomischen Herausforderungen durch instabile Finanzierungsmodelle und dem Wandel durch den Mauerbau.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind politische Propaganda, SED-Legitimation, Überwachung durch das MfS und der Widerspruch zwischen sozialistischem Anspruch und Realität.
Welche Rolle spielte der Mauerbau für die touristische Seefahrt?
Der Mauerbau führte zu erheblichen Einschränkungen bei den Reiserouten und einer notwendigen Neuausrichtung der Schiffe, da westliche Häfen nicht mehr angelaufen werden durften.
Warum wird die Völkerfreundschaft oft als „Bonzenschaukel“ bezeichnet?
Der Spitzname entstand in der Bevölkerung, weil die Diskrepanz zwischen dem Versprechen einer klassenlosen Seefahrt für Arbeiter und der Realität, in der nur Funktionäre und bevorzugte Kader reisten, offensichtlich war.
Wie sicherte das MfS die Kontrolle an Bord der Schiffe?
Durch den Einsatz von inoffiziellen Mitarbeitern (IM) unter der Crew und den Passagieren wurden die Reisenden engmaschig überwacht, um Fluchtversuche frühzeitig zu unterbinden.
- Arbeit zitieren
- Sandra Offermanns (Autor:in), 2012, Die touristische Seefahrt der DDR. Ihre Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahr 1965, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268208