Noch wenige Monate vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 wurde vom Bundeskabinett eine Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke vereinbart. Als Japan den atomaren Notstand ausrief wurde deutlich, dass nicht einmal ein Hochtechnologieland wie Japan die Risiken der Kernenergie sicher beherrschen kann.
Die Katastrophe wurde zum Auslöser von Großdemonstrationen der Atomkraftgegner und führte schließlich zur politischen Kehrtwende: Der Atomausstieg wurde beschlossen, 2022 sollen die letzten Meiler vom Netz gehen. Mit der vollständigen Abkehr von der Atomenergie wird Deutschland Vorreiter und Vorbild sein. In diesem Buch werden die Gründe aber auch die Folgen des Atomausstiegs näher beleuchtet.
Aus dem Inhalt:
Vorzüge und Probleme der Atomenergie
Einfluss und Erfolg der Anti-Atomkraftbewegung
Ablösung der Kernenergie durch erneuerbare Energien
Deutschlands neues Energieprogramm
Wirtschaftliche Folgen der Energiewende
Inhaltsverzeichnis
Julia Steblau: Der Atomausstieg als Folge der Reaktorkatastrophe in Japan (Fukushima) 2011
1. Einleitung
2. Die Atomenergiegewinnung
3. Atomenergiewirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland
4. Fazit und Ausblick
Haike Naemi Blinn: Der bedingte Einfluss der Antiatomkraftbewegung auf den geplanten Atomausstieg Deutschlands
1. Atomkraft – nein danke?!
2. Die Geschichte der deutschen Atomenergiepolitik
3. Die Korrektiv- und Initiativfunktion sozialer Bewegungen
4. Einflussfaktoren auf den Erfolg der Antiatomkraftbewegung
5. Greenpeace – Spektakuläre Aktionen als Motor der Antiatomkraftbewegung
6. Die Grünen und der politische Wandel – das Atomausstiegsgesetz
7. Fazit: Ein/Aus – So einfach ist der Atomausstieg?!
Henrik Nagel: Die Ablösung der Kernenergie durch erneuerbare Energien in Deutschland
1. Einleitung
2. Energieträger und ihre Nutzung
3. Erneuerbare Energien
4. Bisheriger Stand erneuerbarer Energien in Deutschland
5. Aktueller Energieverbrauch und Kosten
6. Trends erneuerbarer Energien in Deutschland
7. Fazit
Tobias Henze: Nuclear power in Germany – History and future prospects
1. Introduction
2. Analytical framework
3. Historical analysis
4. Germany's new energy program
5. Conclusion
Marcus Kreysch: Die wirtschaftlichen Folgen des Atomausstiegs in Deutschland
1 Einleitung
2. Die Historie und Bedeutung der Kernenergie
3. Der Atomkonsens der Bundesregierung unter Gerhard Schröder und die spätere Wiederaufhebung durch die Bundesregierung unter Angela Merkel
4. Das Reaktorunglück von Fukushima und deren Auswirkungen auf das deutsche Energiekonzept
5. Die wirtschaftlichen Folgen des Atomausstiegs durch das neue Energiekonzept zur Energiewende
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe, politischen Entscheidungsprozesse und wirtschaftlichen Konsequenzen der deutschen Energiewende. Sie analysiert, wie gesellschaftliche Proteste, mediale Einflüsse und externe Schockereignisse wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima zur Entscheidung für einen dauerhaften Atomausstieg und den Umstieg auf erneuerbare Energien führten.
- Historische Entwicklung der deutschen Atomenergiepolitik
- Einfluss sozialer Bewegungen (wie der Antiatomkraftbewegung) auf den politischen Wandel
- Anwendung analytischer Modelle (z.B. Kingdons "Multiple Streams Model") auf politische Entscheidungsprozesse
- Wirtschaftliche Kosten und Herausforderungen des Atomausstiegs und des Ausbaus erneuerbarer Energien
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Mitte der 70er Jahren wurden in Deutschland die ersten Stimmen laut, die die Atomenergie ablehnten. Dabei wurde der erste Reaktor schon 1953 errichtet, in der Nähe von München. Genutzt wurde die Atomenergie zur Energiegewinnung schon seit den 60er Jahren. Geplant waren damals 40 neue Kraftwerke bis zum Jahr 1985.
Der Begriff des Atomausstiegs flammte während der Proteste in Gorleben und bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei auf. Viele Menschen schlossen sich der Anti-Atomkraft-Bewegung an, nachdem 1986 der Reaktor in Tschernobyl (Ukraine) explodierte. Zeitgleich waren über die Jahre hinweg bei den politischen Parteien Deutschlands differenzierte Ansichten zum Thema Atomkraft vertreten.
Die gesetzliche Grundlage zur Nutzung von Kernkraftwerken zur Energiegewinnung bildet in Deutschland das Atomgesetz (AtG), das 1960 in Kraft getreten ist. Seither gab es zahlreiche Neuerungen. Die erste große Novellierung wurde im Jahr 2002 vorgenommen, die die Vereinbarung zur kontrollierten Abschaltung deutscher Kernkraftwerke, die die Bundesregierung im Jahr 2000 mit den Energieversorgungsunternehmen getroffen hat, juristisch umgesetzt. Nach der Bundestagswahl 2009 machte die schwarzgelbe Koalition die Abmachung rückgängig und beschloss eine erneute Laufzeitverlängerung (ohne Neubau von AKWs). Diese zweite große Änderung des Gesetzes wurde im Dezember 2010 trotz Androhung einer Verfassungsklage seitens der Opposition (SPD, Grüne und Die Linke) vom Bundespräsidenten ohne Zustimmung des Bundestages unterzeichnet.
Nachdem das AKW Fukushima (Japan) bei einem Tsunami schwer beschädigt wurde und in der Folge eine große Menge Radioaktivität austrat, gab es hier wie dort Sorgen um die Sicherheit des beschädigten Kernreaktors. Die Frage nach dem „sofortigen Atomausstieg“ flammte in der deutschen Politik und Bevölkerung erneut auf.
Zusammenfassung der Kapitel
Julia Steblau: Der Atomausstieg als Folge der Reaktorkatastrophe in Japan (Fukushima) 2011: Diese Arbeit beleuchtet die physikalischen Grundlagen der Atomkraft und deren politische Geschichte in Deutschland, mit Fokus auf die Auswirkungen des Fukushima-Unglücks.
Haike Naemi Blinn: Der bedingte Einfluss der Antiatomkraftbewegung auf den geplanten Atomausstieg Deutschlands: Hier wird analysiert, wie soziale Bewegungen und die Antiatomkraftbewegung durch ihre Korrektiv- und Initiativfunktion politischen Druck erzeugten und den Atomausstieg beeinflussten.
Henrik Nagel: Die Ablösung der Kernenergie durch erneuerbare Energien in Deutschland: Dieses Kapitel prüft die Möglichkeiten und Herausforderungen, Kernenergie durch erneuerbare Energien zu ersetzen, unter Berücksichtigung von Kosten und Energieverbrauch.
Tobias Henze: Nuclear power in Germany – History and future prospects: Der Autor nutzt das "Multiple Streams Model", um die gesellschaftliche Debatte und die politischen Entscheidungswege bezüglich der Nutzung von Atomkraft in Deutschland historisch zu analysieren.
Marcus Kreysch: Die wirtschaftlichen Folgen des Atomausstiegs in Deutschland: Dieser Teil untersucht detailliert die ökonomischen Auswirkungen des Atomausstiegs, einschließlich der Kosten für Konzerne und Staat sowie der Perspektiven für Gewinner und Verlierer der Energiewende.
Schlüsselwörter
Atomausstieg, Kernenergie, Energiewende, Fukushima, Antiatomkraftbewegung, Erneuerbare Energien, Atomgesetz, politische Entscheidungsprozesse, Lobbyismus, Tschernobyl, Nachhaltigkeit, Stromkosten, Klimaschutz, Energiepolitik, soziale Bewegungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Die Publikation analysiert die historische Entwicklung, die politische Steuerung und die wirtschaftlichen Folgen des Atomausstiegs in Deutschland im Kontext gesellschaftlicher Debatten und globaler Ereignisse.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind die Geschichte der deutschen Atompolitik, die Rolle sozialer Bewegungen, die technischen und ökonomischen Herausforderungen der Energiewende sowie die Auswirkungen von Reaktorunfällen wie Tschernobyl und Fukushima.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie gesellschaftliche Konflikte und politische Entscheidungsprozesse ineinandergreifen, um eine so weitreichende energiepolitische Kehrtwende wie den Atomausstieg herbeizuführen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird ein historischer Ansatz verfolgt, der durch politikwissenschaftliche Modelle (wie das "Multiple Streams Model" von John Kingdon) und ökonomische Analysen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung historischer Phasen der Atompolitik, die Analyse der Entscheidungsträger und Lobbygruppen sowie die detaillierte Darstellung der finanziellen Auswirkungen auf Staat, Konzerne und Verbraucher.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie "Energiewende", "Atomausstieg", "Multiple Streams", "Korrektivfunktion" und "gesellschaftlicher Konflikt" beschreiben.
Welche Rolle spielte der Reaktorunfall in Fukushima für die deutsche Politik?
Fukushima fungierte als katalysierendes Ereignis (Focusing Event), das eine bereits begonnene Laufzeitverlängerung der Regierung Merkel abrupt stoppte und eine neue politische Dynamik für einen beschleunigten Atomausstieg erzeugte.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Interessenverbänden?
Interessenverbände wie Umweltorganisationen auf der einen und Energiekonzerne auf der anderen Seite werden als zentrale Akteure dargestellt, die durch Lobbyismus, Proteste und Expertise aktiv versuchen, die energiepolitische Agenda zu beeinflussen.
Warum wird der "Atomkonsens" als historische Zäsur betrachtet?
Der Atomkonsens wird als Wendepunkt angesehen, da er erstmals versuchte, einen breiten, rechtlich bindenden Ausstiegspfad unter Einbeziehung der Energieversorger zu regeln, um langwierige juristische Konflikte zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Julia Steblau (Autor:in), Haike Blinn (Autor:in), Henrik Nagel (Autor:in), Tobias Henze (Autor:in), Marcus Kreysch (Autor:in), 2014, Atomausstieg? Ja bitte! Gründe und Folgen einer Abkehr von der Atomenergie in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268232