„Weil Speis und Trank in dieser Welt doch Leib und Seel' zusammenhält.“, heißt es in einem Singspiel des Komponisten Johann Philipp Förtsch aus dem 17. Jahrhundert. Heute ist dieser Vers aktueller denn je. Volle, bunte Supermarktregale eröffnen uns einen Lebensmittelkonsum im Überfluss. Eine gesunde Ernährung ist dadurch genauso möglich wie die Dauerversorgung mit Convenience-Food. Betrachtet man die Zahl übergewichtiger Kinder der letzten Jahre in Deutschland, ist ein deutlicher und alarmierender Trend nach oben festzustellen. Liegt das allein an der Lebensmittel-Industrie und ihren Vermarktungsstrategien oder dem zu umfangreichen Nahrungsangebot? Nicht nur, denn das Problem ist weitaus komplexer. Im Alltag vieler Familien in unserer Gesellschaft wird dem Essen und dessen Vorbereitung z. B. aus Gründen der Berufstätigkeit nur noch wenig Zeit eingeräumt. Nicht selten fehlt es innerhalb der Familie gerade durch diesen Zeitmangel oder bröckelnde Familienstrukturen auch an emotionalen Bindungen. Essen hat in diesen Fällen weniger die Funktion der gemeinsamen Mahlzeit als soziales Moment, sondern erfüllt in erster Linie Versorgungsbedürfnisse und wird immer häufiger zur Ersatzbefriedigung für mangelnde Zuwendung und Geborgenheit. Adipositas und damit zusammenhängende Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Stoffwechselstörungen können die Folge sein. Als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“1 beschreibt die Weltgesundheitsorganisation WHO den Begriff der ‚Gesundheit’. Hier klingt an, dass Gesundheit nicht ausschließlich von der physischen Verfassung eines Menschen abhängt, sondern von den Konstituenten auf seelischer, psychischer, sozialer und emotionaler Ebene beeinflusst wird. Das Konzept der ‚Salutogenese’ (lat. Salus = Heil, griech. Genesis = Entstehung), das in den neunziger Jahren von dem Medizinsoziologen Anton Antonovsky entwickelt wurde, fragt nach den gesundheitserhaltenden Faktoren auf diesen Ebenen. Im Gegensatz zur ‚Pathogenese’ (griech. Pathos = Sucht, Krankheit, Genesis = Entstehung), die den Umgang mit Krankheit anhand krankmachender bzw. gesundheitsgefährdender Faktoren definiert und über Jahrhunderte die Perspektive auf den Gesundheitsbegriff bestimmte, wird mit Hilfe des salutogenetischen Ansatzes untersucht, wie sich Gesundheit trotz ungünstiger Bedingungen bzw. unter welchen günstigen Voraussetzungen erhält.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Projektvorstellung: Kinderküche
2.1 Projektorganisation
2.1.1 Mitarbeiter-Einsatz
2.1.2 Budgetplanung
2.1.3 Rechtlicher Rahmen
2.1.4 Öffentlichkeitsarbeit
2.1.5 Auswertung und Nachhaltigkeit
2.2 Rundum stark – Ganzheitliche Gesundheitsförderung durch Kompetenzförderung?
2.2.1 Sozialkompetenz
2.2.2 Ich-Kompetenz
2.2.3 Sachkompetenz
2.2.4 Lernmethodische Kompetenz
2.3 Elternzusammenarbeit
2.4 Kooperationspartner und Netzwerkarbeit
3. Zusammenfassung und Analyse
5. Anlagen
Anmeldung zur Kinderküche
Beschreibung der Arbeit des cafeimpuls (Selbstdarstellung)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie durch das Projekt „Kinderküche“ ganzheitliche Gesundheitsförderung bei Kindern zwischen 4 und 11 Jahren realisiert werden kann, um durch Kompetenzstärkung einen positiven Einfluss auf das Ernährungsverhalten und die familiäre Lebenswelt zu nehmen.
- Grundlagen der ganzheitlichen Gesundheitsförderung und Salutogenese
- Strukturelle Organisation eines freizeitpädagogischen Kochprojekts
- Förderung von Sozial-, Ich-, Sach- und lernmethodischer Kompetenz
- Elternzusammenarbeit als Teil der Gesundheitsprävention
- Vernetzung und Nachhaltigkeit im sozialen Raum
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Sozialkompetenz
Nahezu jeder Arbeitsschritt innerhalb der Kinderküche erfordert den Einsatz sozialer Kompetenzen. Beginnend mit dem Begrüßen bzw. dem gegenseitigen Kennenlernen sind die Kinder herausgefordert ihre Kommunikationsfähigkeit einzusetzen. Während der Erarbeitung des Rezeptes werden sie überdies darin bestärkt auf Kommunikationsregeln zu achten, um einander Respekt entgegen zu bringen und alle nötigen Informationen für das Einkaufen und Kochen zu erhalten.
Bei der Erstellung der Einkaufszettel müssen Kompromisse geschlossen werden, da jedes Kind in der Regel eine Zutat notiert und einkauft und dementsprechend die zu besorgenden Zutaten aufgeteilt werden. An dieser Stelle können bereits Kooperationen geschlossen werden, um z.B. einen Sack Kartoffeln gemeinsam zu tragen oder zusammen an der Fleischtheke zu bestellen, wenn sich das ein Kind alleine nicht zutraut. Der Weg zum Supermarkt wird bereits vor der Erstellung der Einkaufszettel besprochen. Die Kinder nennen klare Regeln zum Verhalten an der Straße (an Ausfahrten und Ampeln aufeinander warten, mit einem Partner gehen) und im Supermarkt (in Ruhe gehen und miteinander sprechen, den Mitarbeitern freundlich begegnen), damit niemand aus der Gruppe verloren geht, keine fremden Personen gestört werden und wir pünktlich zum Kochen wieder im cafeimpuls sein können.
Zentrale Bedeutung hat im Gesamtablauf der Kinderküche die Partizipationsmöglichkeit der Kinder, die eigenständiges und verantwortliches Handeln begünstigen soll und ein damit zusammenhängendes gutes Sozialverhalten hervorbringt. Das bedeutet praktisch, dass alle Mitarbeiter offen sind für Überlegungen oder auch Kritik der Kinder zum Ablauf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und die Bedeutung einer gesunden Ernährung im Kontext der Salutogenese und Gesundheitsförderung bei Kindern.
2. Projektvorstellung: Kinderküche: Dieses Kapitel stellt das praktische Konzept des Kinderkochkurses vor, inklusive der organisatorischen Abläufe, der Budgetplanung und rechtlicher Rahmenbedingungen.
2.1 Projektorganisation: Hier werden die administrativen Grundlagen, der Personaleinsatz, die finanzielle Absicherung und die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts detailliert erläutert.
2.1.1 Mitarbeiter-Einsatz: Beschreibung der Teamstruktur, des Betreuungsschlüssels und der pädagogischen Vorbereitung der Mitarbeitenden.
2.1.2 Budgetplanung: Erläuterung der Finanzierung durch Teilnehmerbeiträge und der Kostenkalkulation für Lebensmittel und Ausrüstung.
2.1.3 Rechtlicher Rahmen: Klärung der Aufsichtspflicht und der rechtlichen Absicherung im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit.
2.1.4 Öffentlichkeitsarbeit: Strategien zur Teilnehmergewinnung und Dokumentation der Projektarbeit nach außen.
2.1.5 Auswertung und Nachhaltigkeit: Darlegung der Qualitätsentwicklung durch Reflexion und der Zielsetzung der Kompetenzübertragung in den Alltag.
2.2 Rundum stark – Ganzheitliche Gesundheitsförderung durch Kompetenzförderung?: Theoretische Fundierung des Kompetenzbegriffs und dessen Bedeutung für die Erziehung und das familiäre Miteinander.
2.2.1 Sozialkompetenz: Analyse der sozialen Lernprozesse während des Einkaufs und der gemeinsamen Essensvorbereitung.
2.2.2 Ich-Kompetenz: Untersuchung der Förderung des Selbstbildes, der Resilienz und des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.
2.2.3 Sachkompetenz: Zusammenfassung der erlernten praktischen Fähigkeiten in den Bereichen Einkauf, Hygiene und Kochen.
2.2.4 Lernmethodische Kompetenz: Erörterung der Fähigkeit der Kinder, den Gesamtablauf zu verstehen und Wissen in anderen Lebensbereichen anzuwenden.
2.3 Elternzusammenarbeit: Beschreibung der Schnittstelle zum Elternhaus und der Bedeutung des Austauschs für das familiäre Essverhalten.
2.4 Kooperationspartner und Netzwerkarbeit: Erläuterung der Einbindung des Projekts in lokale soziale Netzwerke zur Sicherung der Qualität und Finanzierung.
3. Zusammenfassung und Analyse: Resümee über die erreichten Lernerfolge und die pädagogische Bedeutung ganzheitlicher Ansätze in der Arbeit mit Kindern.
5. Anlagen: Bereitstellung von Zusatzinformationen wie der Anmeldeunterlagen und der Selbstdarstellung des Trägers.
Schlüsselwörter
Gesundheitsförderung, Kinderküche, Kompetenzförderung, Salutogenese, Ernährung, Sozialkompetenz, Ich-Kompetenz, Sachkompetenz, Lernmethodische Kompetenz, Elternzusammenarbeit, Empowerment, Alltagsgestaltung, Prävention, Pädagogik, Nachhaltigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption und Umsetzung eines pädagogischen Kochprojekts für Kinder als Methode zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Kompetenzförderung, das Erlernen gesunder Ernährungsgewohnheiten und die Stärkung des familiären Miteinanders durch gemeinsames Kochen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Kinder durch aktive Partizipation an Kochprozessen ihre gesundheitliche Selbstkompetenz steigern und wie dies nachhaltige Auswirkungen auf ihr soziales Umfeld hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturrecherche und der praxisorientierten Analyse eines bestehenden Projekts, basierend auf dem salutogenetischen Ansatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Projektorganisation sowie die Förderung von vier Kernkompetenzen: Sozial-, Ich-, Sach- und lernmethodische Kompetenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gesundheitsförderung, Kompetenzförderung, Empowerment, Ernährung, Salutogenese und Nachhaltigkeit.
Wie trägt das Projekt zur Konfliktlösung bei Kindern bei?
Konfliktsituationen beim Kochen werden vom Team als Lernchancen genutzt, in denen Kinder gemeinsam nach Lösungen suchen und dabei lernen, soziale Interaktionen konstruktiv zu gestalten.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung der Eltern?
Die Einbeziehung der Eltern dient der Vernetzung des Erlernten mit dem Familienalltag, um durch den Austausch Tipps für eine gesündere Lebensführung direkt in die Familien zu tragen.
Warum ist das Körperselbstbild für die Kinder in der Kinderküche wichtig?
Die Stärkung des inneren und äußeren Körperselbstbildes ist ein zentraler Baustein der Ich-Kompetenz, um eine wertschätzende Selbstwahrnehmung zu fördern und dem Kind Sicherheit zu geben.
- Arbeit zitieren
- Chrstiane Baltes (Autor:in), 2012, Rundum stark! Ganzheitliche Gesundheitsförderung bei Kindern im Elementar- und Primarbereich am Beispiel der Kinderküche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268235