Wenn in diesen Tagen und Monaten Europas Politiker hitzige Debatten über neue, restriktive Einwanderungsbestimmungen führen, wird dabei meist die persönliche Lebensrealität vieler Zuwanderer und Flüchtlinge ausgeblendet. Und auch in der Öffentlichkeit werden Migranten häufig über negative Bilder und Schlagzeilen wahrgenommen, so zum Beispiel bei den Unruhen in französischen und schwedischen Vorstädten oder den Flüchtlingsströmen in Lampedusa und Mellila an den südlichen Außengrenzen der EU.
Dabei wird allzu oft von gescheiterten Integrationskonzepten für die zweite und dritte Generation der in Europa lebenden Migranten auf eine neue Zuwanderungspolitik geschlossen, die nach Verschärfung und selektiver Einwanderung zugunsten hoch qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland verlangt.
Doch sind die Beweggründe - vor allem junger Migranten - nach Europa zu kommen, genauso vielfältig wie ihre zukünftigen Lebensentwürfe. Und viele von ihnen beabsichtigen auch nicht, dauerhaft in den Ländern der Europäischen Union zu bleiben, wie diese migrationspolitischen Essays aufzeigen.
Angekommen in Europa? erzählt die persönlichen Geschichten dieser oft namenlosen Gesichter, die sich in den Metropolen in der Mitte Europas ein neues Leben aufbauen. Der bebilderte Reportage- und Essayband zeigt auf, ob sich die Erwartungen und Hoffnungen der Migranten vom „europäischen Traum“ erfüllt haben. Welche praktischen Erfahrungen machen sie mit den Einwanderungsgesetzen der EU-Mitgliedsstaaten, in denen sie sich aufhalten? Wie erleben sie dort Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und wie gehen sie damit um? Und welche Ansichten haben junge Migranten, die nach Europa kommen, über die gegenwärtige Einwanderungsdiskussion in den EU-Staaten? Ihre Sicht der Dinge eröffnet gleichzeitig auch einen Einblick in den Umgang der europäischen Gesellschaften mit Einwanderern aus Schwellen- und Entwicklungsländern.
Angekommen in Europa? porträtiert Menschen, die aus der Peripherie in die Zentren kommen und beleuchtet ihren Alltag sowie ihre Arbeitswelten in den europäischen Metropolen London, Berlin, Palermo, Dublin, Paris, Amsterdam, Barcelona und Södertälje bei Stockholm. Welche Meinung haben sie von der für sie anfänglich als fremd empfundenen Kultur? Fühlen sie sich als Zuwanderer in ihrer neuen Heimat gesellschaftlich akzeptiert und integriert? In welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen und „Communities“ erfahren sie sozialen Rückhalt?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Angekommen in Palermo: Othman aus dem Sudan
2. Angekommen in Paris: Khalil & Samia aus Algerien
3. Angekommen in London: Ali aus Pakistan & Rakhi aus Indien
4. Angekommen in Södertälje: Hossam aus dem Irak
5. Angekommen in Dublin: Zhang aus China
6. Angekommen in Amsterdam: Jean Paul aus der Elfenbeinküste & Asis aus Marokko
7. Angekommen in Berlin: Dennis aus Kasachstan
8. Angekommen in Barcelona: Marcelo aus Ecuador
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit beleuchtet die persönliche Lebensrealität junger Migranten in verschiedenen europäischen Metropolen. Dabei wird untersucht, ob sich die Erwartungen und Hoffnungen der Zuwanderer vom „europäischen Traum“ in der Realität erfüllt haben, wie sie mit den restriktiven Einwanderungsgesetzen der EU-Staaten umgehen und wie sie Rassismus sowie Fremdenfeindlichkeit im Alltag erleben.
- Persönliche Erfolgsgeschichten und individuelle Integrationswege in Europa
- Herausforderungen durch nationale Einwanderungsgesetze und restriktive Asylpolitik
- Erfahrungen mit Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit in europäischen Großstädten
- Die Rolle von Communities und sozialen Netzwerken bei der Ankunft in der neuen Heimat
- Sozioökonomische Faktoren, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven junger Migranten
Auszug aus dem Buch
1. Angekommen in Palermo: Othman aus dem Sudan
Erschöpft lässt sich Othman in einen der roten Plastikstühle fallen, die vor dem Straßencafé unweit des Teatro Massimos, des größten Opernhauses Italiens, stehen. Es ist ein heißer Sommernachmittag in Palermo. Scharen von Touristen steigen die Treppen des majestätischen, im Stil des Historismus gebauten Theaters aus dem 19. Jahrhundert herab, einige flanieren lärmend entlang der Piazza Verdi an dem Café vorbei, wo sich Othman gerade einen Espresso bestellt hat. Der Sudanese schenkt ihnen kaum Beachtung. Er sitzt ruhig da und lächelt müde. Die „Pasticceria del Massimo“ ist für ihn ein Ruhepol und eine Ausgangsbasis für seine abendlichen Exkursionen. Nach getaner Arbeit und wann immer sich sonst die Gelegenheit bietet, kommt er hier vorbei, um nach einer Tasse sizilianischen Espressos auf Streifzug durch das Gewirr der Altstadtgassen von Palermo zu gehen.
Es ist kein gewöhnlicher Stadtbummel, denn Othman macht grundsätzlich nur vor geschichtsträchtigen, monumentalen Bauwerken der sizilianischen Hafenmetropole Halt: die Kirchen San Domenico und San Giovanni degli Eremiti, der Normannenpalast, die Cappella Palatina, die Statuen der Piazza Pretoria. Die einmalige Mischung arabischer, byzantinischer und normannischer Architekturstile fasziniere ihn, sagt er. Und zu jedem dieser antiken und barocken Monumente weiß er auch sogleich eine kunsthistorische Erklärung abzuliefern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft ausgeblendete Lebensrealität von Zuwanderern inmitten politischer Debatten über Einwanderungsbestimmungen und negative mediale Berichterstattung.
1. Angekommen in Palermo: Othman aus dem Sudan: Dieses Kapitel porträtiert den Weg eines sudanesischen Flüchtlings, der sich als Kfz-Mechaniker eine Existenz in Palermo aufbaut, während er die Hürden der italienischen Aufenthaltsgesetze bewältigt.
2. Angekommen in Paris: Khalil & Samia aus Algerien: Der Beitrag thematisiert das Leben von Künstlern und Aktivisten aus Algerien in Paris, die trotz ihres Talents mit Ausgrenzung und den Folgen der französischen Sozialpolitik kämpfen.
3. Angekommen in London: Ali aus Pakistan & Rakhi aus Indien: Hier wird der multikulturelle Alltag im Londoner Vorort Southall beschrieben, in dem sich Zuwanderer aus Südasien trotz wirtschaftlichem Druck ein neues Leben aufbauen.
4. Angekommen in Södertälje: Hossam aus dem Irak: Das Kapitel schildert die Situation irakischer Christen in Schweden, die Södertälje aufgrund der relativ großzügigen schwedischen Aufnahmepolitik als Zufluchtsort gewählt haben.
5. Angekommen in Dublin: Zhang aus China: Zhangs Geschichte in Dublin verdeutlicht die Herausforderungen für chinesische Studenten, die in Irland unter hohem finanziellem Druck und in einem schwierigen Arbeitsmarkt versuchen, sich zu qualifizieren.
6. Angekommen in Amsterdam: Jean Paul aus der Elfenbeinküste & Asis aus Marokko: Diese Reportage beleuchtet das Leben in den Niederlanden und die Spannungen zwischen der einst liberalen Einwanderungspraxis und dem aktuellen, durch Rechtspopulismus geprägten Klima.
7. Angekommen in Berlin: Dennis aus Kasachstan: Der Beitrag berichtet von der Integration russischsprachiger Spätaussiedler im Berliner Bezirk Marzahn und zeigt, wie soziale Netzwerke vor Ort zur beruflichen Selbstständigkeit verhelfen können.
8. Angekommen in Barcelona: Marcelo aus Ecuador: Dieses Kapitel thematisiert die prekäre Situation von Arbeitsmigranten aus Ecuador in Spanien, die vor allem durch die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt geprägt ist.
Schlüsselwörter
Migration, Europa, Integration, Arbeitsmarkt, Asylpolitik, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, soziale Ausgrenzung, Lebensrealität, Metropolen, Herkunftsländer, Aufenthaltsstatus, kulturelle Identität, Arbeitsmigration, Flüchtlingsschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Leben junger Migranten in verschiedenen europäischen Metropolen und hinterfragt, wie diese ihre Ankunft, ihre Integration und ihre Zukunft in der neuen Heimat erleben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Einwanderungspolitik der EU-Staaten, die Überwindung bürokratischer Hürden, Erfahrungen mit Rassismus sowie das Leben in multiethnischen Communitys.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den „europäischen Traum“ aus der Sicht der Migranten zu beleuchten und aufzuzeigen, inwieweit Erwartungen und Hoffnungen mit der harten Realität vor Ort übereinstimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Arbeit, die auf persönlichen Interviews und Reportagen basiert, um tiefe Einblicke in die individuellen Lebensgeschichten der porträtierten Personen zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Städteporträts, die jeweils die individuellen Schicksale von Migranten (z.B. Othman in Palermo, Khalil in Paris, Ali in London) und die spezifischen lokalen Rahmenbedingungen untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Migration, Integration, Europa, Asylpolitik, soziale Integration und Arbeitsmigration sind die prägenden Begriffe.
Warum spielt das Thema der sozialen Herkunft eine so große Rolle für die Protagonisten?
Wie das Beispiel von Jean-Paul in Amsterdam zeigt, bestimmt die soziale Herkunft maßgeblich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und das Gefühl der gesellschaftlichen Zugehörigkeit, oft im Kontext von Klassengesellschaften.
Wie verändert sich die politische Einstellung gegenüber Migranten in den untersuchten Ländern?
Die Arbeit stellt fest, dass in vielen Ländern ein „Rechtsruck“ spürbar ist und populistische Strömungen, wie etwa in den Niederlanden oder Spanien, das Klima für Zuwanderer durch eine restriktivere „Law-and-order“-Politik deutlich erschweren.
- Arbeit zitieren
- Arian Fariborz (Autor:in), Petra Tabeling (Autor:in), 2014, Angekommen in Europa? Gesichter und Geschichten von jungen Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268246