Die heimische Steinkohle war jahrelang Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft, sei es bei der Stahlproduktion oder zur Stromgewinnung. Durch den Verfall der Steinkohlepreise auf dem Weltmarkt hat sich dies jedoch geändert, mit schwerwiegenden Folgen für deutsche Steinkohlestandorte. Einer der Standorte ist die Kohleregion Ibbenbüren. In der Bachelorarbeit wird die Entwicklung bis zur Schließung im Jahr 2018 und darüber hinaus untersucht. Des Weiteren werden die entstehenden Herausforderungen herausgestellt sowie Maßnahmen und Planungen aufgezeigt.
Aktuelle Fachliteratur diente ebenso wie die Auswertung statistischer Daten und der Befragung von Experten zur Diskussion der Forschungsfrage. Aufgrund dieser Daten konnten die bisherige demographische und wirtschaftliche Entwicklung der vergangen zwölf Jahre aufgezeigt werden und Aussagen über die künftige Entwicklung getroffen werden. Mit dem Bezug zu ausgewählten Regionalentwicklungstheorien wurden am Ende der Arbeit Empfehlungen abgeleitet.
Die Ergebnisse lassen vermuten, dass der drohende Strukturwandel weniger stark ausfallen wird, als bisher (vor allem durch die Medien) angenommen wird. Die Region konnte sich unter demographischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten in den vergangenen Jahren sehr gut entwickeln und hat sich gut aufgestellt. Stark wachsende, kleine und mittlere, zu meist familiengeführte Unternehmen prägen das Bild der Kohleregion, während die Kohle in den vergangenen Jahren einen gegenläufigen Trend durchlief. Zudem haben die Kommunen der Region frühzeitig mit den Planungen für den Strukturwandel begonnen. Allerdings bleibt abzuwarten, welche dieser Maßnahmen in den nächsten Jahren umgesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aktualität des Themas
1.2 Problemstellung
1.3 Zielstellung und Hypothesen
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Ausgewählte Theorieansätze der Regionalentwicklung
2.1 Überblick über Regionalwirtschaftliche Entwicklungstheorien
2.2 Exportbasistheorie
2.3 Endogene Regionalentwicklung
2.4 Regulationstheoretischer Ansatz
2.5 Zwischenfazit
3. Methodik
3.1 Datenerhebung
3.1.1 Statistiken von Öffentlichen Stellen
3.1.2 Experteninterviews
3.1.3 Auswahl der Interviewpartner
3.2 Datenauswertung
4. Die Kohleregion Ibbenbüren (bis heute)
4.1 Vorstellung des Untersuchungsraums
4.2 Entwicklung von 2000 – 2012
4.2.1 Demographie
4.2.2 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Arbeitslosenquote
4.3 Branchen und Branchenumsätze
4.4 RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH
4.5 SWOT-Analyse zur Lage der Region 2013
5. Entwicklungsszenarien nach 2013
5.1 Demographische und wirtschaftliche Entwicklung
5.1.1 Demographie
5.1.2 RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH
5.1.3 Weitere Branchen in der Region
5.2 Maßnahmen der Förderregion
5.2.1 Stadtentwicklungsprogramm Ibbenbüren
5.2.2 Förderantrag Kohleregion
6. Diskussion
6.1 Überprüfung der Hypothesen
6.2 Bewertung der künftigen Entwicklung der Region mithilfe regionaler Entwicklungstheorien
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Strukturwandels in der Kohleregion Ibbenbüren vor dem Hintergrund des Ausstiegs aus der Steinkohleförderung im Jahr 2018. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Auswirkungen für die künftige Entwicklung der Region zu erwarten sind und ob der Wandel als Chance für die regionale Entwicklung genutzt werden kann.
- Analyse der bisherigen demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region (2000–2012).
- Anwendung regionalwirtschaftlicher Theorieansätze (Exportbasistheorie, endogene Regionalentwicklung, Regulationstheorie).
- Evaluation von Zukunftsszenarien und geplanten regionalen Maßnahmen wie dem Stadtentwicklungsprogramm Ibbenbüren.
- Beurteilung des Strukturwandels anhand von Experteninterviews und statistischen Daten.
Auszug aus dem Buch
1.2 Problemstellung
Die Änderung des Kohlerefinanzierungsgesetzes gilt seit 2008 als beschlossen und bedeutet den Ausstieg aus der Förderung deutscher Steinkohle. Kein Bergwerk darf nach dem Jahr 2018 durch staatliche Subventionen gestützt werden.
Für die betroffenen Städte, Landkreise und Regionen bundesweit, war dies eine Hiobsbotschaft, da die Steinkohle doch zumeist wichtigster Arbeitgeber in der Region und ein Garant für die lokale Wirtschaft ist. Im Hinblick auf die Schließung von Zechen und dem damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen, spricht u.a. HENKEL (2004, 346) von einer negativen Wirkungskette, die er als „regionaler Teufelskreis“ bezeichnet. So kann wirtschaftliche Stagnation, z.B. Infolge der Schließung der Zeche Ibbenbüren, weitere Steine ins Rollen bringen. Mit dem Verlust von Arbeitsplätzen sinkt die Kaufkraft; sinkende kommunale Einnahmen führen zu einer schlechteren Infrastrukturausstattung und zu einem Imageverlust der Region. Die Chancen für Unternehmensansiedlungen sinken und weitere qualifizierte Arbeitskräfte wandern ab. Schließlich gerät die Wirtschaft weiter ins Stocken und der Ablauf beginnt von neuem. Abbildung eins veranschaulicht eine solche negative Wirkungskette graphisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des Strukturwandels ein, formuliert die Forschungsfragen und Hypothesen und erläutert den Aufbau der Bachelorarbeit.
2. Ausgewählte Theorieansätze der Regionalentwicklung: Es werden grundlegende theoretische Konzepte wie die Exportbasistheorie, endogene Regionalentwicklung und der regulationstheoretische Ansatz vorgestellt, um eine wissenschaftliche Basis für die Analyse zu schaffen.
3. Methodik: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, das auf einer Kombination aus quantitativen Sekundärdaten und qualitativen Experteninterviews zur Untersuchung der Region basiert.
4. Die Kohleregion Ibbenbüren (bis heute): Dieses Kapitel analysiert die demographische und wirtschaftliche Entwicklung der Region von 2000 bis 2012, unter anderem durch eine detaillierte SWOT-Analyse.
5. Entwicklungsszenarien nach 2013: Es werden zukünftige Perspektiven nach 2013 skizziert und konkrete Maßnahmen der Kommunen, wie das Stadtentwicklungsprogramm, diskutiert.
6. Diskussion: Die anfangs aufgestellten Hypothesen werden anhand der gewonnenen Ergebnisse überprüft und im Kontext der Regionaltheorien bewertet.
7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und eine kritische Reflexion der Zielerreichung sowie ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Region.
Schlüsselwörter
Strukturwandel, Kohleregion Ibbenbüren, Steinkohleförderung, Regionalentwicklung, Exportbasistheorie, endogene Entwicklung, Regulationstheorie, RAG Anthrazit Ibbenbüren, Demographie, Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, SWOT-Analyse, Kohlekonversion, Region Steinfurt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ökonomischen und sozialen Auswirkungen des durch politische Beschlüsse festgelegten Endes der Steinkohleförderung in der Region Ibbenbüren im Jahr 2018.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die demographische Entwicklung, die wirtschaftliche Struktur der Region, die Bedeutung des Bergbaus als Arbeitgeber sowie die Strategien der lokalen Politik zur Bewältigung des Strukturwandels.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Auswirkungen die Zechenschließung für die Region hat und inwieweit die laufenden Planungen dazu beitragen können, den Wandel als Chance für eine erfolgreiche regionale Entwicklung zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Methodentriangulation angewandt, bestehend aus der statistischen Auswertung von Sekundärdaten sowie leitfragenorientierten Experteninterviews mit Vertretern der RAG, der Stadtverwaltung und der regionalen Wirtschaftsförderung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Regionaltheorien, die empirische Analyse der Ist-Situation der Region (2000-2012) und die Darstellung von Entwicklungsszenarien sowie geplanten Fördermaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Strukturwandel, Kohlekonversion, regionale Wirtschaftsförderung, endogene Potenziale und sozialverträglicher Ausstieg.
Warum wird Ibbenbüren als "Kohleregion" bezeichnet?
Ibbenbüren ist der Standort des letzten aktiven Steinkohlebergwerks in Deutschland, das Anthrazitkohle fördert, und das Gebiet ist historisch seit Jahrhunderten stark durch diese Industrie geprägt.
Welche Rolle spielt das RAG Mitarbeiter-Entwicklungs-Center (MEC)?
Das MEC unterstützt die Belegschaft bei der Umschulung und Qualifizierung für den Arbeitsmarkt, um eine sozialverträgliche Beendigung der Bergbauaktivitäten zu ermöglichen.
- Quote paper
- Jens Konermann (Author), 2013, Strukturwandel in der Kohleregion Ibbenbüren. Das Aus des Steinkohlebergbaus 2018 als Chance für die Regionalentwicklung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268247