Das Phänomen des technologischen Wandels begleitet die ökonomische Forschung
von Anfang an. Seit dem Bestehen von marktwirtschaftlichen Systemen kam es in
mehr oder weniger regelmäßigen Abständen zu technisch-ökonomischen Basisinnovationen, die die „gesellschaftliche Befindlichkeit“ (Neumann, 1990)
nachhaltig beeinflusst haben und lang anhaltende wirtschaftliche Aufschwünge nach
sich zogen. In den letzten 250 Jahren lassen sich nach Nefiodow (1996) fünf solche,
nach dem russischen Ökonomen N. D. Kondratieff benannte „Kondratieff-Zyklen“ feststellen. Der Einfluss technologischer Neuerungen ist aber auch offensichtlich, ohne weit in die Vergangenheit zu blicken. Allein die sukzessiven Verbesserungsinnovationen im IT – Bereich in den letzten 30 Jahren lassen einen die große Wirkung von Neuerungen spüren. Die Frage, wie es zu solchen Neuerungen kommt und unter welchen Bedingungen sie
entstehen, wurde erstaunlicherweise lange Zeit nicht erfolgreich untersucht. Der technologische Fortschritt wurde als empirisch nicht erklärtes Residuum behandelt. Erst J.A. Schumpeter bemühte sich ernsthaft, dies zu beleuchten, und gilt deshalb als Vater der theoretischen wie empirischen Innovationsforschung. In seinem Spätwerk beschrieb Schumpeter (1942) den „Prozess schöpferischer Zerstörung“. Hiernach zerstört der durch Innovationen vorangetriebene Wandel permanent bereits bestehende Strukturen und erschafft parallel neue Strukturen. Die Vorstellung eines solchen dynamischen strukturverändernden Wettbewerbsprozesses regt bis heute die Forschung auf diesem Gebiet an. Wegen der hohen Notwendigkeit von permanentem wirtschaftlichem Fortschritt, um die eigene Wettbewerbsposition zu erhalten, wird im Rahmen der zunehmenden Globalisierungstendenzen unserer Wirtschaft die Innovationsforschung auch in Zukunft von großer Bedeutung sein. Bei der theoretischen und empirischen Untersuchung der Ursachen und Auswirkungen von Innovationstätigkeiten ist als Fixum anzunehmen, dass technologischer Fortschritt das Ergebnis kosten- und zeitintensiver F&E-Projekte von Unternehmen ist (Stadler 1997). Es gilt also zu untersuchen, welches die Bestimmungsgründe für Innovationsaktivitäten sind, und wie diese sich auswirken. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Entwicklung der F&E-Aktivität
a Beschreibung des Modells
b Lösung des Modells
c Ökonomische Analyse
d Empirische Ergebnisse
e Kritische Würdigung
3. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Ablauf von Innovationsprojekten als einzelwirtschaftliches Kontrollproblem. Ziel ist es, den Einfluss verschiedener ökonomischer Faktoren auf den optimalen Zeitpunkt der Markteinführung einer Innovation zu analysieren, wobei sowohl Szenarien mit als auch ohne Finanzierungsrestriktionen betrachtet werden.
- Analyse des optimalen Innovationszeitpunkts unter Berücksichtigung von Finanzrestriktionen.
- Einfluss von gegenwärtigen Gewinnen und Anfangskapital auf F&E-Investitionen.
- Dynamische Optimierung mittels Hamiltonfunktion unter Annahme einer oligopolistischen Marktstruktur.
- Gegenüberstellung theoretischer Modellannahmen mit empirischen Ergebnissen aus dem deutschen Dienstleistungssektor.
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
Das Phänomen des technologischen Wandels begleitet die ökonomische Forschung von Anfang an. Seit dem Bestehen von marktwirtschaftlichen Systemen kam es in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen zu technisch-ökonomischen Basisinnovationen, die die „gesellschaftliche Befindlichkeit“ (Neumann, 1990) nachhaltig beeinflusst haben und lang anhaltende wirtschaftliche Aufschwünge nach sich zogen. In den letzten 250 Jahren lassen sich nach Nefiodow (1996) fünf solche, nach dem russischen Ökonomen N. D. Kondratieff benannte „Kondratieff-Zyklen“ feststellen. Der Einfluss technologischer Neuerungen ist aber auch offensichtlich, ohne weit in die Vergangenheit zu blicken. Allein die sukzessiven Verbesserungsinnovationen im IT – Bereich in den letzten 30 Jahren lassen einen die große Wirkung von Neuerungen spüren.
Die Frage, wie es zu solchen Neuerungen kommt und unter welchen Bedingungen sie entstehen, wurde erstaunlicherweise lange Zeit nicht erfolgreich untersucht. Der technologische Fortschritt wurde als empirisch nicht erklärtes Residuum behandelt. Erst J.A. Schumpeter bemühte sich ernsthaft, dies zu beleuchten, und gilt deshalb als Vater der theoretischen wie empirischen Innovationsforschung. In seinem Spätwerk beschrieb Schumpeter (1942) den „Prozess schöpferischer Zerstörung“. Hiernach zerstört der durch Innovationen vorangetriebene Wandel permanent bereits bestehende Strukturen und erschafft parallel neue Strukturen. Die Vorstellung eines solchen dynamischen strukturverändernden Wettbewerbsprozesses regt bis heute die Forschung auf diesem Gebiet an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in die historische Bedeutung technologischen Wandels und die grundlegende Innovationsforschung ein, insbesondere basierend auf Schumpeters Konzept der schöpferischen Zerstörung.
2. Entwicklung der F&E-Aktivität: Dieser zentrale Teil modelliert den Innovationsprozess mathematisch und analysiert die ökonomischen Bedingungen sowie deren empirische Validität.
3. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Finanzierungsrestriktionen und verschiedenen ökonomischen Parametern auf den Innovationszeitpunkt zusammen.
Schlüsselwörter
Innovationsprozess, F&E-Aktivität, Finanzierungsrestriktion, Technologischer Wandel, Investitionsentscheidung, Innovationszeitpunkt, Hamiltonfunktion, Markteinführung, Oligopol, Wettbewerbsprozess, Kapitalwert, Wirtschaftstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Innovationsprojekte in Unternehmen unter dem Aspekt, wie verschiedene wirtschaftliche Faktoren den Zeitpunkt und den Verlauf der Entwicklung steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Innovationsökonomie, die Auswirkungen von Finanzierungsengpässen auf F&E-Vorhaben sowie die optimale Ressourcenallokation in einem Wettbewerbsumfeld.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Herleitung eines Modells, das erklärt, unter welchen Bedingungen Unternehmen Innovationen vorantreiben und wie interne Finanzmittel das Timing beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein dynamischer entscheidungstheoretischer Ansatz gewählt, der mittels Hamiltonfunktionen gelöst wird, ergänzt durch einen Vergleich mit empirischen Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der mathematischen Beschreibung des Modells, der ökonomischen Interpretation der Ergebnisse und dem Abgleich mit empirischen Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Finanzierungsrestriktionen, F&E-Aufwandspfad, Innovationszeitpunkt und schöpferische Zerstörung.
Hat das Anfangskapital einen Einfluss auf die Innovationsentscheidung?
Das Modell zeigt, dass die Entscheidung für ein Projekt grundsätzlich unabhängig vom Anfangskapital ist, dieses jedoch die Dauer der Innovationsperiode beeinflussen kann.
Wie wirkt sich Konkurrenz auf die Entwicklungszeit aus?
Ein Anstieg des Wettbewerbsdrucks kann den Innovationszeitpunkt beschleunigen, da Unternehmen motiviert sind, Konkurrenzprodukte durch eigene Innovationen zu kontern.
- Quote paper
- Fritz Baldus (Author), 2004, Der Ablauf eines Innovationsprojektes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26826