Kontext und Ellipse. Untersuchung einer möglichen Rangfolge der Relevanzdomänen nach Barton


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis ii

1. Einleitung

2. Begründung der Textauswahl

3. Bartons Theorie pragmatischer Interpretation

4. Textanalyse

5. Analyseauswertung und Interpretation

Literatur

1. Einleitung

Bei der Analyse fragmentarischer Satzstrukturen oder nicht-satzwertiger Strukturen lag der Fokus lange Zeit auf der Betrachtung der grammatischen Ebene. Die Rückbildung der fragmentarischen Äußerung sei dem Sprecher lediglich durch das Wissen bzw. die Anwendung grammatischer Gegebenheiten möglich.

Der somit rückgebaute vollwertige Satz muss demnach auch grammatisch sein, um als korrekt anerkannt werden zu können. Diese Forderung würde angewendet etwa wie im folgenden Dialogbeispiel aussehen:

A: Was passierte 1974?
B: Ein Skandal im Weißen Haus.

Die im Beispiel durch Wegfallen oder Löschung entstandene Ellipse lässt sich durch den Antezedens wie folgt zu einem vollwertigen Satz rekonstruieren:

B: Ein Skandal im Weißen Haus (passierte 1974).

Diese Theorie weißt allerdings Lücken auf, bei denen fragmentarische Satzstrukturen, welche von Muttersprachlern ohne Probleme verstanden werden, nicht grammatisch korrekt wiederhergestellt werden können:

A: Was will Martha mit ihm tun?
B: Ihn zu Tode reden.

Klar verständlich ist die Aussage, dass Martha ihn zu Tode reden will.

Innerhalb dieser Theorie sähe eine Wiederherstellung mit dem Antezedens der fragmentarischen Struktur in B allerdings wie folgt aus:

B: *Martha will mit ihm ihn zu Tode reden.

Somit zeigt die bestehende Theorie eine Lücke auf. Diesen Missstand zu beheben ist das Anliegen von Ellen L. Barton in ihrem 1990 veröffentlichten Aufsatz „Nonsentential Constituents - A Theory of Grammatical Structure and Pragmatic Interpretation“ (Barton 1990). In dieser später näher erläuterten Theorie entwickelt sie einen anderen Ansatz, nämlich über eine semantische Analyse der fragmentarischen Strukturen.

Innerhalb des Aufsatzes gibt sie bereits als Eigenkritik an, keine Rangfolge für die von ihr zur Analyse verwendeten Domänen anzugeben und überlässt eine Festlegung dieser anderen.

Da eine gewisse Rangfolge oder Präferenz der Domänen bei einer ersten Überlegung logisch erscheint, soll im hier Folgenden überprüft werden, ob sich erste Annahmen dazu bestätigen, widerlegen oder gar ergebnislos bleiben. Dazu werden fragmentarische Satzstrukturen aus Dialogsequenzen nach Barton analysiert und ausgewertet, welche Domänen verstärkt, weniger häufig oder nur in bestimmten Situationen auftauchen.

Als Sammlung von Dialogsequenzen dienen drei zufällig ausgewählte englischsprachige Transkripte vollständiger Episoden der Fernsehserie Die Simpsons.

Am Ende der Analyse soll sich zeigen, ob sich eine Rangfolge innerhalb der Benutzungshäufigkeit der Domänen erkennen und nach Betrachtung der auftretenden Situationen erläutern lässt. Dazu wird ein Transkript im Folgenden ausführlich besprochen; die anderen beiden dienen der Überprüfung auftretender Häufigkeitstendenzen.

2. Begründung der Textauswahl

Die Auswahl dreier Episoden einer Zeichentrickserie mag auf den ersten Blick merkwürdig erscheinen, bietet bei genauerer Betrachtung allerdings auffällige Vorteile.

Zum einen sind die Texte über das Internet leicht zu bekommen, von dritten leicht nachzuvollziehen und abzurufen und ihre inhaltliche Korrektheit durch den Abgleich mit den tatsächlichen Fernsehepisoden einfach zu überprüfen.

Zudem kennzeichnet sich die Serie durch eine hohe Authentizität was die Verwendung gesprochener Sprache angeht. Die Charaktere unterhalten sich miteinander annähernd genauso, wie es echte Menschen im Gespräch tun würden, können somit als vollwertigen Ersatz für echte Dialogtranskripte angesehen werden. Um diese Umstände besonders zu beachten wurde auch das englische Original und nicht die deutschsprachige Übersetzung verwendet. Herausragende Unterschiede liegen vielleicht darin, dass die fiktiven Charaktere selten Satzabbrüche, Neuanfänge und damit einhergehende Wiederholungen produzieren. Diese sind aber auch für die dargestellte Analyse nicht relevant Ein klarer Vorteil dieser fiktiven Gespräche gegenüber authentischen Dialogen lässt sich bei näherer Betrachtung der Domänen in Bartons Theorie erkennen. Eine Domäne analysiert fragmentarische Satzstrukturen anhand des gemeinsamen Hintergrundwissens der Gesprächsteilnehmer.

Bei wissenschaftlich vollwertigen und anerkannten Transkripten, wie sie etwa in den Korpora des Instituts für Deutsche Sprache gefunden werden können, besteht der Nachteil darin, dass das gemeinsame Hintergrundwissen der Gesprächpartner nur sehr schwer bis gar nicht abzuschätzen ist und sich nur bei Gesprächszusammenbrüchen als eben nicht vorhanden absolut sicher feststellen lässt. Bei gewisser Kenntnis der Fernsehserie Die Simpsons ist dieses gemeinsame Hintergrundwissen der Charaktere wesentlich einfacher zu erkennen, da es eine große Gruppe von festen, immer wieder auftretenden Figuren gibt und deren Beziehungskonstellationen sehr deutlich umrissen sind.

Die drei verwendeten Episoden wurden rein zufällig ausgewählt und stehen in keiner direkten Verbindung zueinander. Es handelt sich dabei um die Folgen Homer and Apu (Daniels 1994), Homer’s Enemy (Swartzwelder 1997) und Simpsons Roasting on an Open Fire (Pond 1989), wobei letztere im Folgenden exemplarisch analysiert wird, da sich an dieser Episode besonders gut auch andere Bestandteile von Bartons Theorie zeigen lassen.

3. Bartons Theorie pragmatischer Interpretation

Im Jahre 1990 veröffentlichte Barton ihren Aufsatz „Nonsententail Constituents“, in dem sie die bis dahin gängige Analyse nicht-satzwertiger Strukturen auf rein grammatikalischer Ebene ihrem Ansatz einer pragmatischen Analyse gegenüberstellte.

Als Überbau dient ihr hierbei eine Verstehenstheorie, welche wiederum in ein Kompetenz- und ein Pragmatikmodell untergliedert wird. Im Kompetenzmodell wird die grammatische Ebene einer Äußerung betrachtet. Hier kurz dargestellt anhand eines Beispiels:

Martina bekocht ihre Schwester.

„Martina“ übernimmt hier die Rolle des Agens, also des Verursachers einer Handlung, während „ihre Schwester“ die Rolle des Experiencers, also der von einer Handlung Betroffenen übernimmt. In diesem Fall liefert allein die Satzstruktur die zur Interpretation der Aussage notwendigen Informationen:

Das Verb „bekochen“ fordert aufgrund seiner Valenz jemanden, der kocht (Agens), jemanden, der bekocht wird (Experiencer) und etwas, das gekocht wird. Letzteres ist zwar in der vorliegenden Satzstruktur nicht realisiert, wird aber vom Hörer bzw. Leser des Satzes mitverstanden.

Dies bedeutet, dass ein Muttersprachler dazu in der Lage ist, aus der syntaktischen Struktur (Verbvalenz) eines Satzes alle mitgelieferten oder nicht-realisierten Informationen zu verstehen, ohne diese in einen bestimmten Kontext setzen zu müssen. Hieraus ergeben sich drei Merkmale des Kompetenzmodells:

Zunächst die Autonomie der Syntax. Die Satzfragmente können in der Satzstruktur zu einem gewissen Grad beliebig erweitert, ergänzt und vertauscht werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Kontext und Ellipse. Untersuchung einer möglichen Rangfolge der Relevanzdomänen nach Barton
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V268279
ISBN (eBook)
9783656585893
ISBN (Buch)
9783656585862
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kontext, ellipse, untersuchung, rangfolge, relevanzdomänen, barton
Arbeit zitieren
Florian Biehl (Autor), 2012, Kontext und Ellipse. Untersuchung einer möglichen Rangfolge der Relevanzdomänen nach Barton, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268279

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