Mord, Sex und Nekrophilie, Folter und Kannibalismus – das waren die literarischen Themen des adeligen Schriftstellers Marquis de Sade. Mit seinen Skandalen und obszönen Schriften, die sich irgendwo zwischen roher Aufklärungsphilosophie und Pornografie bewegen, schockierte der Marquis nicht nur seine Zeitgenossen, sondern auch die Nachwelt.
Zweifellos spielt bei den de Sadeschen Werken die Faszination am Bösen und devianter Sexualität eine besondere Rolle. Dieser Band beleuchtet Leben, Werk und Erbe des berüchtigten Marquis.
Aus dem Inhalt:
Die Tugend und das Böse in Marquis de Sades Werk
Zum Glücksbegriff
Philosophie und Sex bei de Sade
Im Fokus: Justine und Juliette, Die hundertzwanzig Tage von Sodom, Die Philosophie im Boudoir
Der Marquis und die Décadence: Einflüsse und Verbindungen
Inhaltsverzeichnis
Susanne Becker (2007):Die Faszination des Bösen bei Marquis de Sade - Zwischen Philosophie und Pornographie
Zur Begründung der Thematik
Marquis de Sades Werk als Apologie des Bösen
Marquis de Sade und die Tugend
Schlussbetrachtung
Andrea Franz (2006): Der Glücksbegriff im Sadeschen Werk
Der göttliche Dämon Marquis de Sade
DE Sade – ein Kind seiner Zeit
„Ja, durch die Polizei werden sie am meisten verbreitet.“
Der Glücksbegriff im Sadeschen Werk
„Ich schreibe nur für diejenigen, die fähig sind mich zu verstehen; sie werden mich ohne Gefahr lesen.“
Schlusswort
Vivian Gjurin (2006): Theorie der Sexualität bei Sade. Überlegungen anhand von "La Philosophie dans le boudoir"
Umgang mit Sade
Systematische Erklärung der Philosophie Sades nach George Bataille
Sex bei Sade
Frau aus der Gender-Perspektive?
Frau bei Sade
Konklusion
Bastian Bammert (2007): Von der Monopolisierung der Gewalt zum Arbeitsprozess und der rationalisierten Sexualität bei Marquis de Sade. Arbeiter und Arbeitsprozess in Analogie zu den Libertins und der de Sadeschen Orgie
Einleitung: Zum Thema und Inhalt der Arbeit
Zivilisationsprozess und Naturbeherrschung
Zivilisationsprozess, Monopolisierung der Gewalt und Kapital
Unterdrückung der Natur, Aufbäumung und Beherrschung
Adel, Bürgertum und Aufklärung
Verbot und Transgression
Aufklärung (Funktionalisierung) und Arbeitsprozess
Aufklärung, Rationalität und Herrschaft
Rationalisierung und Entfremdung durch Arbeit
(Re-)Produktion, Selbsterhaltung und Arbeitsprozess
Die Rationalisierung der Sexualität bei De Sade
Die Libertins, Normbruch und Überbieten der Natur
Rationalisierung der Sexualität am Beispiel der Orgie
Kritik, Negierung und Vollendung der Aufklärung
Schlussbetrachtung
Annika Wakup (2004): Die Ästhetisierung des Bösen: Marquis de Sade
Einleitung: D.A.F. Marquis de Sade
Fin de siècle und Décadence: Begrifflichkeiten
Karl Rosenkranz: Ästhetik des Hässlichen
Formen des Hässlichen bei Sade
Überwindung des Hässlichen durch die Komik
Sadismus oder Satanismus?
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Leben und Werk des Marquis de Sade auseinander, um eine objektivere Perspektive auf dessen Philosophie und sein Verständnis von Tugend, Freiheit und dem Bösen zu gewinnen. Sie untersucht die Verknüpfung von Pornographie und Philosophie und reflektiert, inwiefern Sades literarische Provokationen als Gesellschaftskritik an der Aufklärung zu verstehen sind.
- Die Philosophie des Bösen bei de Sade.
- Die Rolle des Glücksbegriffs in den Werken.
- Die Analyse der Sexualität und deren Rationalisierung.
- Die Analogie zwischen Arbeitsprozessen und libertiner Orgie.
- Die Ästhetisierung des Hässlichen und Bösen.
Auszug aus dem Buch
Zur Begründung der Thematik
„Soll man de Sade verbrennen?“ fragte sich die Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir in ihrem gleichnamigen Essay und scheint damit eine zentrale Frage zur Figur des Marquis de Sade aufgeworfen zu haben, dessen Manuskripte zur Hälfte tatsächlich von seinen Erben und anderen den Flammen übergeben, zensiert, gestohlen und konfisziert worden sind. Von den einen als „einer der nichtswürdigsten Menschen, die je gelebt haben“ und den anderen als genialer Prophet betrachtet, wird der französische Schriftsteller des 18. Jahrhunderts meist einem Extrem zugeordnet, das ihm nicht gerecht zu werden vermag. Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, das skandalträchtige Leben und Werk des berüchtigtsten Verfassers pornographischer Schriften eher ernst als übel zu nehmen, um somit eine objektivere Perspektive auf de Sade erlangen und vermitteln zu können.
Ohne Zweifel spielt die Faszination von dem, das im gegenwärtigen Zeitalter als das Böse schlechthin bezeichnet werden würde, bei de Sade eine zentrale Rolle und wird durch die Verknüpfung von philosophischen und pornographischen Elementen in seinem Werk sichtbar gemacht, was es zu untersuchen gilt. Ferner soll sich diese Arbeit der Frage stellen, ob dasjenige, was de Sade verschriftlichte, wirklich als böse gelten kann. Eine Frage, die gewagt scheint, wenn man bedenkt, dass de Sade Mord, Nekrophilie, Folter, Kannibalismus und undenkbares mehr zu den vorherrschenden Themen seiner literarischen Tätigkeit machte. Darüber hinaus erfolgt eine Auseinandersetzung damit, inwiefern man de Sades Werk als Apologie des Bösen bezeichnen könnte und mündet in einem Abriss über de Sades philosophisches Verständnis von der Tugend und der menschlichen Freiheit.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur Begründung der Thematik: Dieses Kapitel hinterfragt die einseitige Wahrnehmung de Sades als „nichtswürdigsten Menschen“ oder „Prophet“ und etabliert das Ziel, sein Werk ernsthaft zu analysieren.
Marquis de Sades Werk als Apologie des Bösen: Hier wird untersucht, wie de Sade das Böse nicht nur darstellt, sondern als Prinzip rechtfertigt und in einen moralphilosophischen Kontext einbettet.
Marquis de Sade und die Tugend: Dieses Kapitel beleuchtet, wie de Sade Tugendhaftigkeit durch das Scheitern seiner Protagonisten demaskiert und als nutzlos darstellt.
Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass de Sade trotz seiner pornographischen Mittel als ein Gesellschaftskritiker der Aufklärung ernst zu nehmen ist.
Schlüsselwörter
Marquis de Sade, Aufklärung, Philosophie des Bösen, Libertinage, Tugend, Arbeitsprozess, Sexualität, Gewaltmonopol, Transgression, Sadismus, Satanismus, Ästhetik des Hässlichen, Gesellschaftskritik, Moral, Vernunft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk des Marquis de Sade nicht nur als pornographische Literatur, sondern als ernstzunehmende philosophische Auseinandersetzung mit den Normen der Aufklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Faszination des Bösen, der Definition von Tugend und Freiheit, der Analogie von Sexualität und Arbeit sowie der Ästhetisierung des Hässlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Marquis de Sade von seinem Ruf als bloßer Pornograph zu befreien und ihn als ein Kind seiner Zeit zu verstehen, das gesellschaftliche Widersprüche radikal offenlegte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die philosophische Texte und Sekundärliteratur zur Aufklärung, zum Arbeitsprozess und zur Ästhetik heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der libertinen Gesellschaft, die Rolle der Frau bei de Sade, sowie die Verbindung zwischen ökonomischer Rationalität, Unterdrückung der Natur und sexueller Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Libertinage, Transgression, Aufklärung, Moral, Gewaltmonopol und der Glücksbegriff bei de Sade.
Ist Juliette in Sades Werken ein „wahrer“ Libertin?
Die Arbeit diskutiert, dass Juliette aufgrund ihres Aufstiegs aus nicht-adeligen Verhältnissen und ihrer notwendigen Abhängigkeit von „Gläubigern“ eher als Liebhaberin des Lasters denn als wahrer, aristokratischer Libertin zu bezeichnen ist.
Wie wird das Verhältnis von Sadismus und Satanismus definiert?
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass de Sades sadistische Darstellungen aufgrund ihres konsequenten Antitheismus und der bewussten moralischen Grenzüberschreitung als satanistisch im Sinne einer Negation der göttlichen Ordnung bezeichnet werden können.
- Arbeit zitieren
- Andrea Edith Franz (Autor:in), Vivian Gjurin (Autor:in), Bastian Bammert (Autor:in), Annika Wakup (Autor:in), Susanne von Pappritz (Autor:in), 2014, Marquis de Sade: Philosoph oder Sadist?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268334