Kultur für Alle? Besucherbefragung in der Zeche Carl in Essen


Diplomarbeit, 2003

70 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Soziokultur
2.1 Der Begriff Soziokultur

3 Die Zeche Carl
3.1 Kurze Darstellung
3.2 Trägerschaft
3.3 Finanzierung
3.4 Arbeitsbereiche

4 Forschungsdesign / Untersuchungskonzept
4.1 Ziel der Untersuchung
4.2 Untersuchungsformen
4.2.1 Primäranalyse
4.2.2 Sekundäranalyse
4.3 Erhebungsinstrument
4.4 Fragebogenentwicklung
4.4.1 Operationalisierung
4.4.2 Fragebogendesign
4.4.3 Messniveaus
4.4.4 Pre-Test
4.4.5 Gütekriterien der Messung
4.4.6 Rücklaufquote
4.5 Auswahlverfahren
4.5.1 Grundgesamtheit
4.5.2 Vollerhebung oder Teilerhebung?
4.5.3 Stichprobenumfang
4.5.4 Methode der Stichprobenziehung
4.5.5 Repräsentativität

5 Auswertung
5.1 Ergebnisse der Primäranalyse
5.1.1 Besuchsverhalten
5.1.2 Bewertung der Zeche Carl durch die Besucher
5.1.3 Alter der Befragten
5.1.4 Gechlechterverteilung
5.1.5 Einzugsgebiet und Anreise
5.1.6 Bildungsniveau und Beruf
5.1.7 Familienstand und Nationalität
5.2 Auswertung Sekundäranalyse
5.2.1 Ergebnisse der Sekundäranalyse

6 Fazit

1 Einleitung

Im Rahmen einer Zusammenarbeit der Universität Duisburg mit dem Kulturamt der Stadt Essen (Bereich Controlling/Planung) bildete sich eine Gruppe von drei Studenten heraus, deren Diplomarbeiten sich mit dem Thema Soziokultur beschäftigen und untereinander ergänzen sollen. Als Untersuchungsobjekt war das soziokulturelle Zentrum „Zeche Carl“ im Essener Stadtteil Altenessen vorgesehen.

Die beiden anderen Arbeiten befassen sich mit der Programmstruktur der Zeche Carl sowie den Auswirkungen beziehungsweise dem Wirkungsgrad der Kulturarbeit.

Dieser Arbeit liegt eine realwissenschaftliche Zielsetzung zugrunde, da ausschließlich deskriptive Aussagen über die Besucher der Zeche Carl getätigt werden. Ziel dieser Arbeit ist es, im Rahmen der methodischen Grenzen eine plausible Aussage über den Stellenwert der Zeche Carl und somit im Kontext der anderen beiden Arbeiten eine Bewertung der Zweckmäßigkeit städtischer Kulturförderung zu geben.

Die in Verbindung mit Soziokultur oft gehörten Sätze „Kultur für alle“ und „Kultur von allen für alle“[1] sind unumstrittene Leitsätze und damit Arbeitsauftrag soziokultureller Einrichtungen. Es lautet somit eine Fragestellung, wie diese Leitsätze sowie die anderen Grundsätze und Ideologien der soziokulturellen Bewegung im praktischen Sinne in der Zeche Carl umgesetzt werden. Da als primäre Untersuchungsmethode eine Besucherbefragung durchgeführt wird, soll anhand der Besucherstruktur bewertet werden, in welchem Maße die Besuchervielfalt in der Zeche Carl ausgeprägt ist.

Als weitere Indikatoren für den abstrakten Begriff des Stellenwertes werden dann zum einen die Herkunft der Besucher (Einzugsgebiet der Zeche Carl), sowie die Beurteilung der Zeche durch ihre Besucher[2] in der Bewertung berücksichtigt.

Als letztes Beurteilungskriterium werden statistische Daten zur Entwicklung des Besuchervolumens in den letzten drei Jahren in der Sekundäranalyse untersucht.

2 Soziokultur

2.1 Der Begriff Soziokultur

Soziokultur soll den Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur erleichtern. Sie bietet Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener sozialer Schichten und Nationalitäten die Möglichkeit zur Partizipation am kulturellen Leben. In ganz Deutschland findet sich eine Vielfalt soziokultureller Projekte und Einrichtungen, die gesellschaftspolitische und alltagsrelevante Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Außerdem gibt es künstlerische und kreativitätsfördernde Angebote, selbstorganisierte Gruppenaktivitäten sowie spartenübergreifende Veranstaltungsprogramme von experimenteller Musik bis Kleinkunst, von Kindertheater bis Kino, von Lesungen und Ausstellungen bis zu Festen.

Die soziokulturellen Einrichtungen stellen Raum und Infrastruktur zur Verfügung und geben Impulse, selbst kulturell tätig zu werden. Sie fördern künstlerischen Nachwuchs vor Ort sowie kulturelle Aktivitäten, die aus den Interessen, Fähigkeiten und Lebensbedingungen der Bevölkerung entstehen.

Sinn der Soziokultur ist, die alltägliche Lebenswelt der Menschen als Kulturobjekt mit einzubeziehen und deren kreative, soziale wie auch kommunikative Bedürfnisse und Fähigkeiten zu fördern, um nicht nur ihren Kulturkonsum zu unterstützen, sondern ihnen auch die Möglichkeit zur aktiven Gestaltung zu geben. Detailliertere Ausführungen zum Thema Soziokultur liefert Susannne Jakobs in ihrer Arbeit „Untersuchung der Programmstruktur der Zeche Carl“[3] in den Kapiteln 2.1 und 2.4.

3 Die Zeche Carl

3.1 Kurze Darstellung

Die Zeche Carl ist ein soziokulturelles Zentrum im Essener Stadtteil Altenessen mit vielfältiger Programmstruktur. Es de­finiert sich einerseits als Stadtteilzentrum, welches Räume für Initiati­ven, Selbsthilfegruppen, Ateliers für Künstler oder Probemöglichkeiten für Bands zur Verfügung stellt. Zum anderen werden darüber hinaus auch über 450 Veranstaltungen im Jahr angeboten, die sämtliche Bereiche von Konzerten, Partys, Kabarett, politischen Vorträgen, einem Tanzcafé für Senioren, Kursen und Workshops bis hin zum eigenen Kinderbereich umfassen. Der Kinderbereich ist nicht als Veranstaltung zu sehen, hier werden Kinder aus dem Stadtteil nach der Schule betreut und verköstigt.

Unterschiedliche Szenen zusammenzubringen, ein vielfältiges Kulturprogramm offene Türen für Jeden zu bieten - das war von Anfang an das Ziel des Zentrums Zeche Carl. Das Konzept hat sich bewährt: Dieses selbstverwaltete Zentrum in der ehemaligen Zeche, die bis 1929 Kohle förderte, dann als Schulungszentrum für Bergleute diente und seit den 70er Jahren leer stand, wird in diesem Jahr fünfundzwanzig Jahre alt.

3.2 Trägerschaft

Träger dieser Einrichtung ist der Verein „Initiative Zentrum Zeche Carl e.V.“. Den Vorsitz dieses Fördervereins hat der Altenessener Pfarrer Willli Overbeck inne, der die Zeche Carl im Jahre 1977 mit einer Gruppe Jugendlicher vor dem Abriss schützte und zu einem soziokulturellen Zentrum umfunktionieren wollte: „Vier Jahre haben wir zäh gegen die Abrisspläne gekämpft. Damals stand die Sanierung des Stadtteils Altenessen auf der politischen Tagesordnung. Und auf dem Zechengelände sollte Gewerbe- und Wohnbebauung entstehen. Insoweit war es ein absolut störender Faktor, ein Jugend- und Kulturzentrum zu fordern, obwohl es in Altenessen damals nichts Vergleichbares gab. Wir haben aber schließlich die Bevölkerung auf unsere Seite gebracht und nachgewiesen, dass das Gebäude renovierbar ist.“[4]

In der Satzung des Fördervereins ist der Zweck der Zeche Carl definiert:

§ 2 Zweck

Zweck und Aufgabe des Vereins sind die Schaffung und Trägerschaft eines Jugend- und Kulturzentrums in Altenessen.

Die Aufgabenschwerpunkte des Vereins sollen im jugendpflegerischen und kulturellen Bereich liegen. Der Zweck des Vereins wird verwirklicht insbesondere durch die Unterhaltung und Bereitstellung von geeigneten Räumen zur aktiven Freizeitgestaltung im Bereich der Kinder-, Jugend- und Altenarbeit; weiterhin durch die Förderung von Veranstaltungen des kulturellen und sportlichen Bereichs. Darüber hinaus fördert der Verein die Jugend- und Erwachsenenbildung, die Erziehung sowie eine internationale Gesinnung und die Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens.

Der Verein hat keine parteipolitischen und auf wirtschaftlichen Gewinn orientierten Ziele.[5]

3.3 Finanzierung

Die Zeche Carl finanziert sich zu drei Vierteln selbst durch Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Kursgebühren und Gastronomie.

Das verbleibende Viertel steuert die Stadt Essen durch eine vertraglich abgesicherte institutionelle Förderungssumme von 476.000 € jährlich bei.

In diesem Vertrag verzichtet die Stadt auf sämtliche Mitspracherechte über den Verwendungszweck des Geldes. Zusammengelegt mit den Einnahmen werden diese Mittel zur Finanzierung der mittlerweile 22 vollen Stellen (Personal, Management), sowie für Nebenkosten wie Unterkunft und Catering für die auftretenden Künstler verwendet.

Haupteinnahmequelle der Zeche Carl sind ohne Zweifel die Discoveranstaltungen, für die aus diesem Grunde auch die lukrativeren Freitage und Samstage reserviert sind.

3.4 Arbeitsbereiche

Die Hauptamtlichen Arbeitsbereiche verteilen sich wie folgt:

- Geschäftsführung
- Presse / Öffentlichkeitsarbeit (Werbung etc.)
- Gastronomie (Küchenpersonal, Thekenpersonal)
- kommerzielle Vermietungen (z.B. Herz beißt Haifisch- Kontaktdisco)
- Stadtteilbüro (Kurse & Workshops, private Vermietung, Politische Vorträge, Seniorentanzcafé)
- Musik (Konzertplanung, Booking)
- Disco (Organisation der Party- und Tanzveranstaltungen)
- Kabarett / Comedy / Theater
- Finanz- / Personalbuchhaltung
- Kinderbereich
- Licht- / Tontechnik
- Haustechnik
- Reinigung

Dazu gibt es noch folgende, nebenamtliche Bereiche:

- Ordner (für Konzert- und Discoveranstaltungen)
- Plakatierung
- Veranstaltungs-Betreuung (Betreuung der Künstler, Catering usw.)
- Veranstaltungsaufbau (Bühne, Dekoration etc.)
- Vermietungsbetreuung

4 Forschungsdesign / Untersuchungskonzept

4.1 Ziel der Untersuchung

Diese Diplomarbeit hat das Ziel, den momentanen Stellenwert der Zeche Carl darzustellen und zu diskutieren. Die nachfolgende Untersuchung soll dabei behilflich sein, das Konstrukt „Stellenwert der Zeche Carl“ zu erfassen.

Da der Begriff des Stellenwertes im Bezug auf ein Kulturzentrum in meinen Augen ein abstraktes und schwer messbar zu machendes Gebilde darstellt, habe ich mich dazu entschlossen, diese Untersuchung auf zwei Säulen zu stellen.

Im folgenden Kapitel werden die beiden Untersuchungsformen vorgestellt:

4.2 Untersuchungsformen

4.2.1 Primäranalyse

Die Antwort auf die Frage, wer wohl am besten den Stellenwert eines soziokulturellen Zentrums bestimmen könnte, ist offensichtlich, denn wer sonst als die Leute, die dort als Publikum ihre Freizeit verbringen, könnte dies besser beantworten? Insofern scheint mir eine Besucherbefragung die sinnvollste Untersuchungsform zu sein, die mit dem oben genannten Argument hinreichend begründet wurde.[6]

4.2.2 Sekundäranalyse

Die Sekundäranalyse bezieht sich ebenfalls auf die Besucher, jedoch nicht direkt auf ihre Meinung, sondern indirekt auf ihre Anwesenheit. Was repräsentiert die Qualität einer Einrichtung besser als der Publikumszuspruch? Wenn ein Kulturzentrum kein Publikum anzieht, scheint die Einrichtung nicht den Anforderungen der Gäste zu entsprechen. Wenn es gut besucht ist, kann davon ausgegangen werden, dass es einen gewissen Stellenwert beim Publikum besitzt.

Deswegen werden in der Sekundäranalyse Besucherstatistische Daten der letzten drei Jahre untersucht, die durch die Leitung und die Finanzbuchhaltung der Zeche Carl freundlicherweise zu Verfügung gestellt wurden. Diese Daten beziehen sich auf das Besuchervolumen der einzelnen Veranstaltungen, und sollen hier durch verschieden Grafiken den Verlauf des Besuchervolumens der letzten drei Jahre verdeutlichen.

Jedoch sollen diese Untersuchungsergebnisse zunächst zugunsten einer Dokumentation der in der Primäranalyse durchgeführten methodischen Schritte der Besucheranalyse zurückgestellt werden.

4.3 Erhebungsinstrument

Als Untersuchungstyp für die Besucherbefragung wurde hier das mündliche Einzelinterview anhand eines standardisierten Fragebogens benutzt.

Die Vorteile einer solchen Befragungsmethode liegen auf der Hand, denn sie gewährleistet einerseits die Gleichheit der Interviewsituation aller Befragten, denen so durch identische Formulierungen der Fragen verschiedene Interpretationsmöglichkeiten für ihre Antworten unmöglich gemacht werden.[7]

Zum anderen kann diese quantitative Datenerhebungstechnik dem Grundprinzip der Messung, „nämlich Informationen von Fall zu Fall vergleichbar zu machen“[8], treu bleiben.

Nicht zuletzt deswegen sieht Elke Esser „die Befragung von Einzelpersonen unter den Bedingungen einer so strukturierten Interviewsituation“ als „hauptsächliche Erhebungsform in der empirischen Sozialforschung“ an.[9]

Die Dauer der Befragung erstreckte sich über gut zwei Monate in denen 144 einzelne Interviews durchgeführt wurden. Der Grossteil der Befragungen wurde von mir durchgeführt, bei vier Großveranstaltungen (Partys, Konzerte) wurde ich von ein bis zwei freiwilligen Helfern unterstützt.

Um einen reibungslosen Ablauf der Befragung gewährleisten zu können, wurde mit den Helfern vor der jeweiligen Befragung eine kurze Interviewschulung durchgeführt.

Dabei wurde:

- das Untersuchungsvorhaben erläutert.
- der Fragebogen erklärt.
- Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit den zu befragenden Personen diskutiert.
- auf Verhaltensregeln während der Befragungssituation (Neutralität, nonverbales Verhalten etc.) hingewiesen.

Damit das Prinzip einfacher Zufallsauswahl erhalten blieb, wurde beim Punkt der Kontaktaufnahme mit den Interviewpartnern vorgegeben, dass sich die Interviewer an einem Ort mit besonders hoher Durchlauffrequenz der Besucher platzieren sollten, um dort dann jede x-te Person freundlich um ein Interview zu bitten.

Bei den kleineren Veranstaltungen wie z.B. Kursen und Workshops wurden die Interviewpartner anhand von Teilnehmerlisten durch Losverfahren ermittelt.

4.4 Fragebogenentwicklung

4.4.1 Operationalisierung

Die Operationalisierung des Begriffs „Stellenwert der Zeche Carl“ oder besser gesagt den Teil dieses Konstrukts, welcher durch die Besucherbefragung erfasst werden soll, wird in drei Dimensionen unterteilt:

1. Dimension:

Zum einen ist eine unmittelbare Bewertung der Zeche Carl durch ihr Publikum vorgesehen, welche durch zwei Variablen „Benotung Zeche Carl“ (V21) sowie „Benotung Veranstaltung“ (V22) ausgedrückt wird.[10]

Ferner wird eine Variable „Besuch von ähnlichen Veranstaltungen in anderen Kulturzentren“ (V17) dazu verwendet, auf diejenigen Befragten eine besonderes Augenmerk zu werfen, welche einen direkten Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen ziehen können. Dieses wird durch die Variable „Bewertung der Zeche Carl im Vergleich“ (V18) dokumentiert. Zusätzlich wird untersucht ob sich die Antworten zu V21 und V22 in Hinsicht auf eine Bejahung oder einer Verneinung zu V17 unterscheiden.

2. Dimension

Die zweite Dimension zielt auf die Überschrift dieser Arbeit und gleichzeitigen Arbeitsauftrag der soziokulturellen Bewegung „Kultur für alle“ und dessen praktische Umsetzung in der Zeche Carl ab.

Nun stellt sich dann aber die Frage, wie dies zu überprüfen ist, und zweitens, wie weitgreifend der Terminus „für alle“ zu verstehen ist. Zweifellos kann man davon ausgehen, dass diese Formulierung nicht im wörtlichen Sinn zu verstehen ist, denn es ist schlichtweg unmöglich ein Angebot auf die Beine zu stellen, welches allen Geschmäckern entspricht.

Nein, „Kultur für alle“ ist „in Wahrheit nichts anderes als eine Angebotspalette nur für einzelne Gruppen und Teile der Bevölkerung“[11].

Die erste und einfachste Möglichkeit ist die Untersuchung des Angebots der Zeche Carl. Darauf basierend könnte man nun analysieren, ob die verschiedenen Zielgruppen der jeweiligen Veranstaltungsangebote breit genug gefächert sind um von einem Angebot für „alle“ sprechen zu können.

Ein anderer Teil kann durch die Überprüfung der Besucherstruktur beantwortet werden, wenn die Aussage „Kultur für alle“ modifiziert wird in die Frage, ob die Kultur auch wirklich alle interessiert, oder nur einen bestimmten Teil der Bevölkerung.

Wenn eine Einrichtung erfolgreich von sich behaupten will, dass sie Kultur für alle bietet, sollten ja auch „alle“ oder besser ausgedrückt ein sehr vielschichtiges Publikum dort zu Gast sein. Man würde sonst zwar ein Programm für ein breit gefächertes Publikum anbieten, wenn es jedoch nur von einem Teil des Zielpublikums angenommen würde, wäre der Leitsatz „Kultur für alle“ für diese Einrichtung hinfällig. In diesem Falle würde es ausreichen, ein Programm, welches speziell auf diesen Publikumsteil zugeschnitten ist, anzubieten.

Insofern erscheint es sinnvoll, unter dieser Prämisse zu versuchen, die Frage anhand einer Überprüfung der Besucherstruktur zu analysieren.

Dementsprechend sind demographische Variablen wie Geschlecht (V23), Alter (V26), höchster Bildungsabschluss (V30), Nationalität (V27) oder Beruf (V33) Kernstücke der Untersuchung.

3. Dimension

Die dritte Dimension zur Bestimmung des Stellenwerts ist das Einzugsgebiet der Zeche Carl.

Hat ein Kulturzentrum ein besonders großes Einzugsgebiet, so kann leichter auch von seiner überregionalen Bedeutung gesprochen werden und hier scheint weiterhin ein direkter Bezug zum Stellenwert der Einrichtung gegeben zu sein.

Zur Überprüfung dieses Sachverhaltes werden hierzu die Variablen „Postleitzahl“ (V28) bzw. nach der Auswertung die Variable „Wohnort“ V(34) zur Hilfe herangezogen.

4.4.2 Fragebogendesign

Bei der Fragebogenkonstruktion war oberste Priorität, den Fragebogen möglichst kurz zu halten.

Dies erschien insofern notwendig, als dass ein Großteil der Interviews während oder nach Kulturveranstaltungen durchgeführt werden musste. Es wäre daher den Besuchern gegenüber unzumutbar gewesen, einen Fragebogen vorzulegen, dessen Beantwortung mehr als 5 Minuten beansprucht hätte, während z.B. eine Band auf der Bühne steht, für die der Konzertbesucher Eintritt bezahlt hat. Es liegt zwar prinzipiell im jeweiligen Ermessen des Besuchers, sich dem Interview zu stellen, jedoch schien eine Interview-Dauer von 3-5 Minuten aus oben genannten Gründen wesentlich erfolgsversprechender. Daher wurde der Fragebogen mit viereinhalb Seiten relativ kurz gehalten.

Jeder Fragebogen ist betitelt mit Datum, Uhrzeit, Interviewernamen, abgelehnten Interviews, Fragebogennummer, Aktionsnummer und der niedergeschriebenen Begrüßung.

Die Einleitungsfragen beziehen sich auf den Namen der Veranstaltung, gefolgt von zwei geschlossenen Verhaltensfragen (Mehrfachvorgabe mit Rangordnung) zur Besuchshäufigkeit in der Zeche Carl.

Darauf folgen zwei halboffene Verhaltensfragen mit ungeordneter Mehrfachvorgabe und der Möglichkeit zur Mehrfachnennung. Diese befassen sich mit den Informationsmedien, durch die der Befragte auf die Veranstaltung aufmerksam geworden ist, und mit den verschiedenen Besuchsmotiven.

Es folgt eine ebenfalls halboffene Verhaltensfrage, die sich mit dem Besuchsverhalten befasst (Ist der Befragte alleine oder in Gesellschaft bei der Veranstaltung?).

Die nächsten beiden Fragen sind als Überleitungsfragen in einen neuen Fragenkomplex mit Einstellungsfragen zur Zeche Carl anzusehen. Es wird zuerst in einer geschlossenen Verhaltensfrage mit Alternativenvorgabe nach etwaigen Besuchen in anderen Kulturzentren gefragt. Bei einer Bejahung soll der Befragte in der nächsten Frage (geschlossene Einstellungsfrage/Mehrfachvorgabe mit Rangordnung) die Zeche Carl im direkten Vergleich bewerten.

In den nächsten beiden geschlossenen Einstellungsfragen (Mehrfachvorgabe mit Rangordnung) soll die befragte Person beantworten, ob ihre Erwartungen an die Veranstaltung bis zum Befragungszeitpunkt erfüllt worden sind; und darüber hinaus versuchen, ihre zukünftige Besuchshäufigkeit einzuschätzen.

Dieser Fragenkomplex wird von zwei Fragen abgeschlossen, bei denen der Interviewpartner anhand einer Skala, die von eins bis sechs reicht, Schulnoten für die Veranstaltung sowie für die Zeche Carl im allgemeinen vergeben soll (geschlossene Einstellungsfragen / Mehrfachvorgabe mit Rangordnung).

Im letzten Fragenkomplex werden schließlich noch die wichtigsten demographischen Variablen der Besucher abgefragt (Fragen nach Befragteneigenschaften).

Dieser Komplex umfasst:

- Alter
- Alter (Kategorisiert)
- Familienstand
- Geschlecht
- Nationalität
- Wohnort (Ermittelt durch Postleitzahl)
- Anreise
- Bildungsabschluss
- Beruf bzw. Studium oder Ausbildung

[...]


[1] Hoffmann, Hilmar: Kultur für alle. Frankfurt am Main, 1979

[2] Besucher = Besucher und Nutzer

[3] Arbeitstitel

[4] Dokumentation Zeche Carl, Initiative Zentrum Zeche Carl (HRSG). Essen 1978, S.29

[5] Satzung der Initiative Zentrum Zeche Carl e. V. beschlossen am 10.01.1979, Überarbeitung vom 07.03.1990, S.1

[6] Während der Planung der Studie kam mir auch die Idee, Journalisten zu befragen, die beruflich in den Kontakt mit der Einrichtung gekommen waren. Jedoch war meiner Auffassung nach die Meinung eines einzelnen oder einigen Journalisten (die aufgrund ihres Berufes die Forschungsfrage nicht zwangsläufig besser beurteilen können) weniger repräsentativ als die Essenz aus der Meinung vieler Besucher.

[7] Vgl. Schnell, Rainer / Paul B. Hill / Elke Esser : Methoden der Empirischen Sozialforschung. München 1992, S.330

[8] Schnell / Hill / Esser 1992. S.330

[9] Schnell / Hill / Esser 1992 S. 330

[10] Genauere Informationen zu den Eigenschaften (z.B. Wertebereich) der Variablen finden Sie in Kap. 4.4.2

[11] Hoffmann, 1979. S.11

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Kultur für Alle? Besucherbefragung in der Zeche Carl in Essen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
70
Katalognummer
V26835
ISBN (eBook)
9783638290548
Dateigröße
725 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr anschauliche Erklärung der methodischen Schritte.
Schlagworte
Kultur, Alle, Besucherbefragung, Zeche, Carl, Essen
Arbeit zitieren
Hans-Christian Rasch (Autor), 2003, Kultur für Alle? Besucherbefragung in der Zeche Carl in Essen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26835

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