Diese Hausarbeit zum Thema „Klangräume der Kunst“ müsste im Grunde mit einem Trommelwirbel beginnen. Schon 1913 erklärte Luigi Russolo, futuristische Maler und Komponist in seinem Manifest „Lʻarte dei rumori“ die entdeckten Geräusche der Stadt zur Kunst.
Die kulturelle Auseinandersetzung mit Musik und Akustik begann bekanntlich sehr viel früher. Wie aber entwickelte sich daraus die sog. „Sound-Art“ weiter? Was unterscheidet die Klangkunstwerke denn überhaupt von Musikstücken?
Welche Rolle spielt die Klangkunst innerhalb der Bildenden und zeitgenössischen Kunst? Einen umfassende Annäherungsversuch an die Geschichte der Klangkunst und eine Einordnung innerhalb verschiedener Deutungsebenen unternimmt Peter Kiefer mit seiner 2010 erschienenen Publikation „Klangräume der Kunst“, gleichzeitig Hauptquelle der vorliegenden Hausarbeit.
Ferner setzt sich das Projekt „SEE THIS SOUND“3 (bestehend aus Ausstellung, Webarchiv und Symposium) mit Gegenwart und Geschichte der Verbindung von Bild und Ton in Kunst, Medien und Wahrnehmung auseinander. Ausgehend von der engen Verschränkung der kulturellen Bild- und Tonproduktion in der heutigen Erfahrungswelt und der Allgegenwart audiovisueller Produkte und Strukturen, stellt es unterschiedliche Werke zeitgenössischer Kunst und Kunstwissenschaft dar. Auch aus diesem Kompendium wird vergleichend zitiert werden. Insbesondere die Beiträge von Golo Föllmer (auch Essayist in Klangräume der Kunst) sollen vergleichend herangezogen werden. Denn die Klangkunst ist komplex und vielschichtig und darin vor allem nicht oder nur schwierig zu dokumentieren. Auch aufgrund dessen habe ich mich im Mittelteil der Hausarbeit dazu entschieden, einen Tonträger zu integrieren, da sich anhand von Bildmaterial die „Kunst fürs Ohr“ nicht hinreichend darstellen lässt. Warum sind dahingehend Raum/-bezug und Wahrnehmung in der Klangkunst so maßgeblich? Und welche Bedeutung bekommt dahingehend der hörende und sehende Rezipient?
Anhand der aktuellen Ausstellung des ZKM Medienmuseum, Karlsruhe „Sound Art. Klang als Medium der Kunst“ (Tonträger) soll beispielhaft aufgezeigt werden, dass die aktuellen Bezüge der Klangkunst von Popkultur bis zu Wahrnehmungstheorie und Medientechnologie reichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Klangräume - Denkräume
1.1 Einleitung
1.2 Einordnung
1.3 Entwicklung
2. Klangkunst Werke
Beispiele anhand der aktuellen Ausstellung des ZKM Medienmuseum, Karlsruhe „Sound Art. Klang als Medium der Kunst“ vom 17.03.2012 bis 06.01.2013
3. Klangraum Museum
Die Klang und Lichtinstallation Essay, John Cage, Kunsthalle Bremen
3.1 John Cage
3.2 Formaler Aufbau der Installation Essay
3.2.1 Text und Writing-through
3.2.2 Klanginstallation
3.2.3 Lichtinstallation
3.2.4 Stühle
3.3 Einordnung und Bedeutung des Werks Essay
Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die komplexe und intermediale Kunstform der Klangkunst theoretisch zu erschließen und anhand konkreter Beispiele – insbesondere der Installation Essay von John Cage – zu analysieren. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche Rolle Raumbezug und Wahrnehmung in der Klangkunst spielen und wie der Rezipient durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Werk zum integralen Bestandteil der künstlerischen Erfahrung wird.
- Historische Entwicklung und theoretische Verortung der Klangkunst
- Die Bedeutung von Raumbezug und intersensorischer Wahrnehmung
- Analyse des Werks Essay von John Cage unter formalen Gesichtspunkten
- Das Spannungsfeld zwischen Zufall, Stille und Geräusch in der Klangkomposition
- Die Rolle des Rezipienten als aktiver Mitgestalter im musealen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 John Cage
John Cage, 1912 geboren, ist ein bedeutender amerikanischer Komponist, Pianist und Künstler.
Nach Studium in den USA und in Europa lehrte er später in den USA an verschiedenen Universitäten und Colleges. 1952 dozierte er am Black Mountain College, wo er mit befreundeten Künstlern unterschiedlicher Disziplinen, wie beispielsweise Robert Rauschenberg, zum „unkoordinierten Handeln“ aufrief (häufig auch als Ur-Happening bezeichnet).
Cages revolutionäre Ansätze und Kompositionen gaben wichtige frühe Anstöße für die Fluxusbewegung, die Aktionskunst, die Concept-Art und die heutige Medienkunst. Insbesondere die Idee, den Zufall, die Stille und Geräusche in seine Kompositionen zu integrieren, lieferten wesentliche Grundlagen für die Entstehung der zeitgenössischen Populärmusik sowie der heutigen Klangkunst.
Hinzu kommt bei Cage die Einbeziehung der zu aktivierenden Betrachter. Er überwand mit der Form der „szenischen“ Werke, die visuelle Experimente als auch theatralische Aktionen aufweisen, die traditionelle „Werk“-Kategorie. Die Komposition „silent piece 4'33"“ (1952), in dem keinerlei Töne angespielt werden, gilt als sein bedeutendstes Musikstück. Cage wollte damit einen Rahmen schaffen, in dem der Hörende eigene Entdeckungen machen konnte und seine Aufmerksamkeit auf Umgebungsgeräusche sowie auf absichtslose Töne richten sollte. Die, für Cage typische Aktivierung, in der der Hörer innerhalb des Prozesses der Wahrnehmung selbst Inhalt und Thema wird, ist auch das Leitmotiv der im folgenden vorgestellten Installation Essay.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Klangkunst ein, begründet die Wahl des Künstlers John Cage als Fallbeispiel und legt den theoretischen Rahmen anhand aktueller Ausstellungen und Publikationen fest.
1. Klangräume - Denkräume: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Klangkunst als intermediale Kunstform und beleuchtet deren geschichtliche Entwicklung von frühen steinzeitlichen Fundstücken bis hin zu modernen technischen Formaten.
2. Klangkunst Werke: Hier werden beispielhaft verschiedene Positionen zeitgenössischer Klangkunst vorgestellt, die durch die Ausstellung am ZKM Karlsruhe kontextualisiert werden.
3. Klangraum Museum: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Installation Essay von John Cage, wobei die einzelnen Komponenten Text, Klang, Licht und Interaktion untersucht werden.
3.1 John Cage: Eine biographische Skizze, die den künstlerischen Werdegang und die konzeptionellen Ansätze von Cage beleuchtet.
3.2 Formaler Aufbau der Installation Essay: Eine Beschreibung der räumlichen und technischen Beschaffenheit der im Museum permanent integrierten Installation.
3.2.1 Text und Writing-through: Erläuterung der literarischen Grundlage des Werks und der angewandten Technik zur Erzeugung neuer Textformen durch den Zufall.
3.2.2 Klanginstallation: Beschreibung der akustischen Ebene des Werks, bei der durch Zufallscomputer immer neue Klangschattierungen entstehen.
3.2.3 Lichtinstallation: Analyse der Lichtführung, die das Werk ergänzt und den Raum als Gestaltungselement einbezieht.
3.2.4 Stühle: Erläuterung der Einbindung alltäglicher Gegenstände als „objets trouvés“, die den Betrachter zur Interaktion einladen.
3.3 Einordnung und Bedeutung des Werks Essay: Kritische Reflexion der Bedeutung des Werks im kunstgeschichtlichen Kontext und der veränderten Rolle des Betrachters.
Fazit und Ausblick: Eine zusammenfassende Bewertung der Klangkunst als intermediales Feld, das den Raum zum zentralen Gestaltungsmittel erhebt und den Rezipienten aktiv einbindet.
Schlüsselwörter
Klangkunst, John Cage, Essay, Klanginstallation, Raumbezug, Wahrnehmungstheorie, Intermedialität, Zufallsprinzip, Sound Art, Audiokunst, Intersensorik, ZKM, Raumwahrnehmung, Zeitgenössische Kunst, Fluxus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Themenkomplex der Klangkunst, ihrer Entwicklung und ihrer theoretischen Einordnung im Spannungsfeld zwischen bildender Kunst, Musik und Raum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Klangkunst, die Bedeutung von Multimedialität und Raumbezug sowie die intersensorische Wahrnehmung durch den Rezipienten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Komplexität der Klangkunst anhand des Werks Essay von John Cage aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie durch Interaktion neue Erfahrungsräume entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse relevanter Fachpublikationen (insbesondere Peter Kiefer) sowie eine deskriptive Fallanalyse der Installation Essay in der Kunsthalle Bremen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Klangkunst, eine Übersicht aktueller Werke und eine tiefgehende Analyse der Installation von John Cage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Klangkunst, Raumbezug, Interaktivität, John Cage und Wahrnehmungstheorie.
Welche Bedeutung hat das „Writing-through“-Verfahren bei John Cage?
Es dient dazu, die starre Grammatik und Satzstruktur eines politischen Textes aufzubrechen und mittels Zufallsprinzipien neue, künstlerisch geformte Klangstrukturen zu generieren.
Warum spielt die Interaktion des Betrachters eine so zentrale Rolle?
Die Interaktion durchbricht das klassische, passive Betrachtermodell im Museum und macht den Hörer durch seine eigene Wahrnehmung und Bewegung zum Teil des Werks.
Wie unterscheidet sich die Klangkunst nach der Autorin von konventioneller Musik?
Klangkunst zeichnet sich durch die Aufhebung der Linearität und der zeitlichen Begrenzung sowie die Einbeziehung von Geräuschen, Raum und optischen Dimensionen aus.
- Arbeit zitieren
- Sarah Kästner (Autor:in), 2012, Klangräume der Kunst - Entwicklung, Werke, Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268420