Während E-Commerce für viele Unternehmen zunächst nur im Marketing- und Absatzbereich eine Rolle spielte, rücken seit Mitte der 90er Jahre zunehmend die Beschaffungsmöglichkeiten zwischen Unternehmen, die sogenannten B2B-Beziehungen, mit Hilfe der Internet-Technologie in den Blickpunkt des Interesses. Die Ursachen für die zunehmende Durchsetzung sind in erster Linie in der hohen Materialintensität von Industrieunternehmen zu sehen. Der Anteil fremdbezogener Leistungen am Umsatz liegt in vielen Branchen bereits deutlich über 50%. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass gerade in der Beschaffung eines Unternehmens enorme Kostensenkungspotentiale zu vermuten sind, die es durch die elektronische Unterstützung der Beschaffungsprozesse zu realisieren gilt. Die alte Kaufmannsregel „Im Einkauf liegt der Gewinn“ gilt also mehr denn je.
Durch die offenen Standards und der zunehmenden Diffusion des Internets werden vielfältige Möglichkeiten der elektronischen Unterstützung von Transaktionen im B2B-Bereich für eine Vielzahl von Unternehmen realisierbar. Angefangen mit der Nutzung des Internets als Informationsquelle für beschaffungsrelevante Daten, über die Optimierung des internen Beschaffungsprozesses durch den Einsatz von Intranets bis hin zur elektronischen Vernetzung mit externen Partnern wie Lieferanten und zur Nutzung elektronischer Marktplätze bietet sich ein weites Gestaltungsfeld.
Hierbei gewinnen vor allem elektronische Marktplätze an Bedeutung, weil sie sowohl zu erheblichen Ersparnissen bei den Transaktionskosten als auch zur Steigerung des Transaktionsnutzens führen können. Die Beschaffung über elektronische Marktplätze eröffnet den Unternehmen immense Potenziale. Neben einer weltweiten Markt- und Preistransparenz lassen sich die Beschaffungsprozesse beschleunigen, die Prozesskosten minimieren und insbesondere die gesamte Lieferkette optimieren. Die verbesserte Markt- und Preistransparenz führt zu verstärktem Wettbewerb zwischen den Anbietern und wirkt insgesamt transaktionskostensenkend.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel und Vorgehensweise
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Neoklassisches Marktmodell
2.1.1. Annahmen
2.1.2. Aussagekraft
2.2. Erklärungsansätze der Neuen Institutionenökonomie (NIÖ)
2.2.1. Teiltheorien der NIÖ
2.2.2. Transaktionskostentheorie
2.2.3. Grundformen der Koordination
2.2.3.1. Markt
2.2.3.2. Hierarchie
2.2.3.3. Kooperation
2.2.3.4. Vergleich der Koordinationsformen
2.2.3.5. Einfluss von IuK-Technik auf die Koordinationsformen
2.3. Wettbewerbstheorie
2.3.1. Begriffsdefinition
2.3.2. Ziele der Wettbewerbspolitik und Funktionen des Wettbewerbs
2.3.3. Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
2.3.4. Wettbewerbspolitische Eingriffsmöglichkeiten
3. Besonderheiten des Mediums Internet in der Beschaffung
3.1. Die Infrastruktur des Internet
3.2. Ziele von E-Procurement
3.3. Transaktionsphasen des elektronischen Beschaffungsprozesses
3.4. Eignung der E-Procurement-Tools klassifiziert nach Gütergruppen
3.5. Besondere Effekte der Internet-Ökonomie
3.5.1. Kommunikationseffekt
3.5.2. Integrationseffekt
3.5.3. Dis-Intermediation, Re-Intermediation und neue Intermediäre
3.5.4. Positive Feedback-Effekte
4. Elektronische B2B-Marktplätze
4.1. Begriffsdefinition
4.2. Klassifikationskriterien elektronischer B2B-Marktplätze
4.2.1. Klassifikation nach der Branchenausrichtung
4.2.1.1. horizontale Marktplätze
4.2.1.2. vertikale Marktplätze
4.2.2. Klassifikation nach dem Betreibermodell
4.2.2.1. Buy-Side-Marktplätze
4.2.2.2. Sell-Side-Marktplätze
4.2.2.3. neutrale Marktplätze
4.2.3. Klassifikation nach der Art des Zugangs
4.2.3.1. Geschlossene Marktplätze
4.2.3.2. Offene Marktplätze
4.2.4. Klassifikation nach Preisfindungsmechanismen
4.2.4.1. Schwarze Bretter
4.2.4.2. Kataloge
4.2.4.3. Auktionen
4.2.4.4. Börsen
4.3. Entwicklungsphasen und aktueller Stand elektronischer B2B-Marktplätze
5. Auswirkungen der elektronischen Beschaffung auf den Wettbewerb
5.1. Treibende Entwicklungen der elektronischen Beschaffung
5.2. Indikatoren für die wettbewerbliche Positionierung von Unternehmen
5.2.1. Branchenstrukturanalyse nach Porter
5.2.2. Einfluss der elektronischen B2B-Marktplätze auf die Wettbewerbskräfte
5.3. Optimierungspotentiale der Wettbewerbsposition von Unternehmen
5.3.1. Operative Ebene
5.3.2. Strategische Ebene
5.4. Wettbewerbsbeschränkende Faktoren
5.4.1. Marktstruktur
5.4.2. Standardisierungsgrad gehandelter Produkte
5.4.3. Technologische Reife der elektronischen Marktplätze
5.5. Kritische Analyse der Bedingungen des vollkommenen Marktes
5.5.1. Atomistische Angebots- und Nachfragestruktur
5.5.2. Fehlende Präferenzen
5.5.3. Vollständige Markttransparenz
5.5.4. Offene Märkte
5.5.5. Unendliche Anpassungsgeschwindigkeit
5.5.6. Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Schlussbetrachtung
Anhang
Anhang 1: ABC-Analyse
Anhang 2: Dis-Intermediation – Etablierte und neue Intermediäre
Anhang 3: Übersicht über verschiedene Auktionsformen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen elektronischer B2B-Marktplätze auf den Unternehmenswettbewerb. Im Zentrum steht die Untersuchung, ob elektronische Beschaffungsprozesse Märkte tendenziell an die Bedingungen des theoretischen Idealmodells eines "vollkommenen Marktes" annähern.
- Grundlagen der Neoklassik, der Neuen Institutionenökonomie und der Wettbewerbstheorie.
- Technologische und ökonomische Besonderheiten des Internets in der Beschaffung (E-Procurement).
- Struktur und Klassifikationskriterien elektronischer B2B-Marktplätze.
- Einfluss elektronischer Marktplätze auf die Wettbewerbskräfte nach Porter.
- Kritische Analyse der Marktbedingungen bei Nutzung elektronischer Handelsplattformen.
Auszug aus dem Buch
3.5.1 Kommunikationseffekt
Der Kommunikationseffekt bezieht sich im wesentlichen auf zwei Aspekte des informations- und kommunikationstechnischen Einflusses: (1) die Möglichkeit zum schnelleren, einfacheren und weiträumigeren Austausch und Verbreitung von größeren Informationsmengen sowie (2) die gleichzeitige Senkung der Kosten für diesen Austausch und Verbreitung von Informationen. Während Anbieter mit Hilfe des Internet ihre Produkte zu sehr geringen Kosten und fast ohne Zeitverlust weltweit präsentieren, anbieten und handeln können, besteht der Vorteil für die Endabnehmer in der Möglichkeit zu relativ geringen Kosten gezielt Informationen suchen, filtern und vergleichen zu können.
Elektronische Märkte können dabei entweder als vorgelagerter Informationsmarkt oder als Ort der Tauschabwicklung fungieren. Die verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten bewirken zudem eine signifikante Erhöhung der Markttransparenz, wodurch sich der Informationsvorsprung der Anbieter verringert. Das bisherige Informationsungleichgewicht zwischen Anbietern und Nachfragern verschiebt sich deutlich zugunsten der Nachfrager, da sie auf elektronischen Märkten zu sehr geringen Transaktionskosten das jeweils günstigste Angebot zu ihrem Produktwunsch finden können. Auf Anbieterseite führt die größere Markttransparenz zudem zu einem verschärften Wettbewerb, was sich wiederum für die Nachfrager positiv auswirkt. Neben der Verbesserung der marktlichen Kommunikation bietet das Internet die Möglichkeit, sowohl unternehmensinterne Lösungen als auch Verbindungen zu externen Partnern kostengünstig zu realisieren und damit die gesamte Supply Chain entlang der Wertschöpfungskette zu optimieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung bezüglich B2B-Beziehungen und Definition der Zielsetzung der Arbeit zur Analyse wettbewerblicher Auswirkungen.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der ökonomischen Fundamente, insbesondere des neoklassischen Marktmodells, der Transaktionskostentheorie und der Wettbewerbstheorie.
3. Besonderheiten des Mediums Internet in der Beschaffung: Analyse der Internet-Infrastruktur, Ziele von E-Procurement sowie Effekte wie Dis-Intermediation und Skaleneffekte.
4. Elektronische B2B-Marktplätze: Klassifizierung der Marktplätze nach Branchen, Betreibermodellen, Zugangsbeschränkungen und Preisfindungsmechanismen.
5. Auswirkungen der elektronischen Beschaffung auf den Wettbewerb: Untersuchung der Marktveränderungen, Einfluss auf Wettbewerbskräfte nach Porter und Optimierungspotenziale.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse zur Annäherung an das Modell des vollkommenen Marktes und Ausblick auf die strategische Bedeutung.
Schlüsselwörter
B2B-Marktplätze, E-Procurement, Transaktionskosten, Markttransparenz, Wettbewerb, Neue Institutionenökonomie, Internet-Ökonomie, elektronische Beschaffung, Porter, Netzwerkeffekte, Supply Chain Management, Preisfindungsmechanismen, Marktmacht, Standardisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht, wie sich die elektronische Beschaffung über B2B-Marktplätze auf das Wettbewerbsverhalten und die Marktstrukturen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen des Marktes, die Charakteristika der Internet-Ökonomie sowie eine detaillierte Systematisierung elektronischer Marktplatztypen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass durch elektronische Vorteile eine tendenzielle Annäherung des Beschaffungsmarktes an das neoklassische Ideal des "vollkommenen Marktes" stattfindet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt transaktionskostentheoretische Ansätze und die Branchenstrukturanalyse nach Porter zur Untersuchung und Bewertung der Marktdynamiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die technologischen Besonderheiten des Internets, klassifiziert verschiedene Marktplatzmodelle und untersucht deren Auswirkungen auf Wettbewerbskräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zentrale Begriffe sind Transaktionskosten, Wettbewerbsintensität, E-Procurement, Markttransparenz, Netzwerkeffekte und die Theorie der neuen Institutionenökonomie.
Wie bewerten die Marktplätze die Bedeutung von Standards?
Standards werden als Grundvoraussetzung für eine effiziente Kompatibilität von Schnittstellen und eine Reduzierung der Transaktions- sowie Prozesskosten hervorgehoben.
Welchen Einfluss haben "Lock-In-Effekte" auf die Marktteilnehmer?
Diese Effekte binden Kunden durch Systemintegration und steigende Wechselkosten an einen Marktplatz, was zwar die Kundenbindung erhöht, aber den freien Wettbewerb einschränken kann.
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- Cem Atli (Author), 2004, Wettbewerbliche Wirkungen der Beschaffung mit Hilfe elektronischer B2B-Marktplätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26843