Im Sommer 2009 hat das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen eine Untersuchung zur menschlichen Orientierung durchgeführt. Die Teilnehmer mussten sich in einer Wüste und in einem Wald zurechtfinden. Sie sollten einen geraden Weg zu ihrem Ziel laufen. Die Sonne bzw. der Mond waren nicht durchgehend sichtbar. Der Versuch lieferte folgende Ergebnisse: Die ausgesuchten Personen liefen im Kreis und kreuzten sogar mehrmals dieselbe Stelle. Sobald der Mond bzw. die Sonne verschwunden waren, wurde ihre Orientierungslosigkeit noch deutlicher. Diejenigen, die das Wissen hatten, sich an Himmelskörpern zu orientieren, gelangten fast ohne Abweichungen an ihr Ziel. Ein Forscher erklärte sich das folgendermaßen: „Wir können den Sinneseindrücken aus Augen, Ohren und Gleichgewichtsorganen nicht bedingungslos vertrauen. Vielmehr nutzen wir zusätzliche äußere Orientierungshilfen wie Berge, Sonne oder Gebäude, mit denen unsere Wahrnehmung abgeglichen und gegebenenfalls korrigiert wird." Es ist für einen Menschen mit verbundenen Augen, also ohne Orientierungshilfen, nicht möglich mehr als 20 m geradeaus zu gehen.
Dieses Experiment soll zeigen, dass es sinnvoll ist in manchen Situationen, sich an Naturbegebenheiten orientieren zu können. Welche Möglichkeiten es gibt und wie man sie anwendet, möchte ich in meiner Seminararbeit in Kapitel 2-4 erläutern, diese beziehen sich aber nur auf die nördliche Hemisphäre. Die Methoden der Sonnen- und Mondorientierung sind nur zur vollen Stunde anwendbar, da die Ergebnisse sonst zu ungenau werden. ,
Inhaltsverzeichnis
I. Wissenschaftliche Untersuchungen zur menschlichen Orientierung
1. Allgemeines zur natürlichen Navigation
1.1 Definition
1.2 Geschlechts- und kulturspezifische Unterschiede
2. Orientierung anhand von Himmelskörpern
2.1 Orientierung an Sternen
2.1.1 Orientierung an dem Polarstern
2.1.1.1 Sternbild: Großer Wagen
2.1.1.2 Sternbild: Kassiopeia
2.1.1.3 Orientierung am Quadrat des Pegasus
2.1.2 Orientierung an den Zenitsternen
2.1.3 Orientierung am Orion
2.1.4 Orientierung am Großen Sommerdreieck
2.2 Orientierung am Mond
2.2.1 Das Zwölftelverfahren
2.2.2 Das Gegenpunktverfahren
2.2.3 Mondphasenorientierung
2.3 Orientierung an der Sonne
2.3.1 Indische Kreise
2.3.2 Methode des kürzesten Schattens
2.3.3 Schattenspitzenmethode nach Owendoff
3. Orientierung anhand der Natur
3.1 Orientierung an Pflanzen
3.1.1 Kompasspflanzen
3.1.2 Bäume
3.1.3 Die Blumenuhr
3.2 Orientierung in Ortschaften
3.3 Orientierung an Tierbehausungen
3.4 Orientierung am Wetter
4. Orientierung der Naturvölker
5. Universalität der Regeln
5.1 Standort: Südhalbkugel
5.2 Standort: Äquator
III. Entwicklung der Orientierung des Menschen in der Natur
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit untersucht die Methoden der natürlichen Orientierung ohne technische Hilfsmittel. Ziel ist es, dem Leser Möglichkeiten aufzuzeigen, sich anhand von Himmelskörpern, Pflanzen und Wettererscheinungen in der Natur zurechtzufinden, wobei der Fokus primär auf der nördlichen Hemisphäre liegt.
- Orientierung mittels astronomischer Phänomene (Sterne, Mond, Sonne).
- Nutzung natürlicher Gegebenheiten wie Pflanzen und Tierbehausungen.
- Kulturspezifische und geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Navigation.
- Vergleich der Anwendbarkeit von Methoden auf verschiedenen Halbkugeln.
- Historische Entwicklung des Orientierungsvermögens des Menschen.
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Methode des kürzesten Schattens
Eine andere Methode um Norden zu bestimmen, ist die Methode des kürzesten Schattens, hierfür habe ich einen Versuch durchgeführt. Ich habe in meinem Garten in den Boden einen Stock gesteckt, ab 11 Uhr habe ich alle halbe Stunde die Schattenspitzen markiert. Nach einer Weile habe ich festgestellt, dass der Schatten immer kürzer wurde, dies hat etwas mit dem Sonnenstand zu tun. Nachdem die Schatten wieder länger wurden, habe ich mir die Markierung des kürzesten Schattens gesucht, das war am 1.August 2013 um 13:18 Uhr, da die Sonne zu diesem Zeitpunkt ihren Höchststand erreicht hat. Von dieser Markierung habe ich eine Linie zum Stock gezogen. Diese Linie (Meridian) vom Stock zur Markierung weist nach Norden. Das habe ich sowohl mit einem Kompass, als auch mit einem Bauplan unseres Hauses überprüft.
Der Schatten ist am Sonnenhöchststand deshalb am kürzesten, da der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen zu diesem Zeitpunkt am kleinsten ist. Somit haben die Sonnenstrahlen die kürzeste Strecke zur Erdoberfläche zurückgelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Wissenschaftliche Untersuchungen zur menschlichen Orientierung: Diese Einleitung zeigt auf, dass der Mensch ohne Hilfsmittel Schwierigkeiten hat, eine gerade Strecke zurückzulegen und daher auf externe Orientierungshilfen angewiesen ist.
1. Allgemeines zur natürlichen Navigation: Es werden Grundlagen der natürlichen Orientierung definiert und Unterschiede hinsichtlich Geschlecht und Kultur beleuchtet.
2. Orientierung anhand von Himmelskörpern: Dieses Kapitel erläutert diverse Techniken zur Navigation mithilfe von Sternbildern, dem Mond und der Sonne.
3. Orientierung anhand der Natur: Fokus liegt hier auf der Beobachtung von Pflanzen, Bäumen, Tieren sowie baulichen Strukturen und Wetterphänomenen als Wegweiser.
4. Orientierung der Naturvölker: Es wird beschrieben, wie indigene Völker, etwa Aborigines oder Mursi, ohne moderne Zeitmesser navigieren und sich orientieren.
5. Universalität der Regeln: Dieses Kapitel diskutiert, wie sich die vorgestellten Orientierungsmethoden bei einem Wechsel des Standortes auf die Südhalbkugel oder den Äquator verändern.
III. Entwicklung der Orientierung des Menschen in der Natur: Ein Ausblick auf den technologischen Wandel der Navigation und die damit verbundene Gefahr des Verlusts des natürlichen Orientierungssinns.
Schlüsselwörter
Natürliche Navigation, Orientierung, Himmelskörper, Polarstern, Sonnenstand, Mondphase, Kompasspflanzen, Erdrotation, Südhalbkugel, GPS, Naturvölker, Orientierungssinn, Landmarken, Zenitstern, Sonnenhöchststand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fähigkeit des Menschen, sich in der freien Natur ohne den Einsatz technischer Geräte wie GPS oder Kompass zu orientieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind astronomische Orientierungshilfen, biologische Zeiger in der Natur (Pflanzen, Tiere) sowie der Einfluss des geographischen Standortes auf die Navigation.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, dem Leser praktische Methoden an die Hand zu geben, um durch die Beobachtung der Umwelt Himmelsrichtungen zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf Literaturrecherche und eigenen praktischen Versuchsreihen, wie beispielsweise der "Methode des kürzesten Schattens" im eigenen Garten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Anleitungen zur Orientierung an Himmelskörpern, Pflanzen, in Siedlungen und durch Wetterbeobachtung, inklusive der Anpassung dieser Regeln an verschiedene Hemisphären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind natürliche Navigation, Sonnenorientierung, Sternbilder, Orientierungssinn und die Abgrenzung zur modernen GPS-gestützten Orientierung.
Warum ist die Orientierung auf der Südhalbkugel anders?
Auf der Südhalbkugel verläuft die scheinbare Bahn der Sonne anders (Kulmination im Norden), was die Anwendung der Uhrenmethode und die Interpretation von Schattenwürfen grundlegend verändert.
Welchen Einfluss hat die moderne Technik auf den Orientierungssinn?
Der Autor argumentiert, dass durch die ständige Verfügbarkeit von GPS-Daten das intuitive Verständnis für die Natur und der natürliche Orientierungssinn des Menschen zunehmend verloren gehen.
- Arbeit zitieren
- F. Sturm (Autor:in), 2013, Orientierung des Menschen in der Natur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268470