Innovationsvorhaben können vielerlei gegenläufige persönliche Interessen von Stakeholdern tangieren.
Die Frage der Interessenneutralität eines externen Beraters könnte vor diesem Hintergrund ein entscheidender Faktor für den Erfolg der von ihm erbrachten Beratungsleistung sein.
In der vorliegenden Arbeit werden Aspekte der Interesseneutralität externer Beratung im Bezug darauf untersucht, welche Deutung der Begriff der Neutralität in der externen Beratung erfährt. Es sollen hierbei Probleme und Widersprüche aufgezeigt und betrachtet werden, in welcher Hinsicht deren Erkenntnis zu einem erweiterten Verständnis der Rolle des externen Beraters im Innovationsprozess beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Ein kritischer Ansatz zum Problem der Interessenneutralität
2. Der Neutralitätsanspruch in der externen Beratung
3. Probleme des Neutralitätsanspruches - Neutralität als Dilemma des externen Beraters
3.1 Macht- und Interessenkonflikte der externen Beratung
3.2 Beraterfunktionen
4. Fazit: Interessenneutralität in Abhängigkeit von Beraterfunktionen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Interessenneutralität externer Experten im Kontext von Innovationsvorhaben in der öffentlichen Verwaltung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie der Begriff der Neutralität in der externen Beratung gedeutet wird und welche Widersprüche sich daraus für die Rolle des Beraters ergeben.
- Rolle und Selbstverständnis externer Unternehmensberater
- Macht- und Interessenkonflikte in Beratungsprozessen
- Untersuchung der verschiedenen Beraterfunktionen nach Huchler
- Instrumentalisierung der Beraterneutralität
- Spannungsfeld zwischen professionellem Neutralitätsanspruch und realer Rollenwahrnehmung
Auszug aus dem Buch
3. Probleme des Neutralitätsanspruches- Neutralität als Dilemma des externen Beraters
Sofern der Berater nicht über Drittmittel finanziert oder unentgeltlich tätig ist, liegt es für ihn nahe, den Wünschen dessen, der über seine Beauftragung und Bezahlung entscheidet, zu entsprechen.
Nach Auffassung von Werner R. Müller et al. hat auch das Streben nach Sozialprestige Einfluss auf das Verhalten von externen Beratern. Es entstehe eine Nähe zur Macht, da der Berater zum Intimus der Mächtigen werden könne, indem er gleiche Interessen und Ansichten entdecke und gegenseitige Identifikationsmöglichkeiten schaffe. Je näher sich der Berater an den Mächtigen der Organisation platziere, desto größer würden seine Chancen eingeschätzt, Erfolge aufweisen zu können.
Müller et al. weisen auch darauf hin, dass das Bild der Unvoreingenommenheit und Sachkompetenz des Beraters sich zur Durchsetzung spezifischer Interessen instrumentalisieren lasse. Hieraus ergebe sich ein Dilemma des Beraters, da die persönliche Reputation eines Beraters nicht nur von seiner Fachkompetenz abhänge, sondern eben auch von seiner ihn selbst legitimierenden Unabhängigkeit und Neutralität.
Wenn, wie bei Jürgen Nagel, hervorgehoben wird, die „objektive und neutrale Haltung“ gestatte „in Loyalität zum Auftraggeber die Entwicklung unkonventioneller und unorthodoxer Problemlösungen ohne Rücksicht auf gewachsene Besitzstände […] (insbesondere bei Aufträgen, die die Machtverteilung berühren)“, so kann zumindest kontrovers diskutiert werden, in wieweit die Nichtberücksichtigung vorhandener Partikularinteressen Merkmal einer Interessenneutralität sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ein kritischer Ansatz zum Problem der Interessenneutralität: Einführung in die Problematik, dass Innovationsvorhaben persönliche Interessen berühren und die Neutralität des Beraters als Erfolgsfaktor dient.
2. Der Neutralitätsanspruch in der externen Beratung: Differenzierung verschiedener Beratungstypen und Darlegung des berufsständischen Anspruchs auf Objektivität und Unvoreingenommenheit.
3. Probleme des Neutralitätsanspruches - Neutralität als Dilemma des externen Beraters: Analyse der strukturellen und machtpolitischen Abhängigkeiten, die den neutralen Status eines Beraters gefährden.
3.1 Macht- und Interessenkonflikte der externen Beratung: Untersuchung des Verhältnisses zwischen Berater, Auftraggeber und Machtstrukturen sowie der daraus resultierenden Reputationsrisiken.
3.2 Beraterfunktionen: Anwendung eines Funktionsmodells zur systematischen Beschreibung, in welchen Bereichen die Neutralität des Beraters gewahrt oder gefährdet ist.
4. Fazit: Interessenneutralität in Abhängigkeit von Beraterfunktionen: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Bild der Neutralität maßgeblich durch die spezifische Rolle bestimmt wird, die der Berater im Prozess einnimmt.
Schlüsselwörter
Interessenneutralität, externe Beratung, Innovationsvorhaben, Verwaltung, Machtkonflikte, Beraterfunktionen, Neutralitätsanspruch, Organisationsberatung, Rollenverständnis, Change Management, Partikularinteressen, Managementberatung, Legitimationsfunktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem kritischen Aspekt der Interessenneutralität von externen Beratern, die in Innovationsvorhaben von Verwaltungen eingesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Machtstrukturen, das Selbstverständnis von Beratungsunternehmen, ethische Berufsgrundsätze sowie die verschiedenen funktionalen Rollen, die Berater im Organisationsgefüge einnehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen der Anspruch auf Neutralität in Konflikt mit den Interessen der Auftraggeber oder der eigenen Karriere des Beraters gerät.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie der Anwendung eines Funktionsmodells zur Analyse von Beratungsprozessen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen für Machtkonflikte, beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Loyalität und Objektivität und kategorisiert die Rolle des Beraters in verschiedene Funktionsgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Interessenneutralität, Beratungsfunktionen, Macht- und Interessenkonflikte und Legitimationsfunktion geprägt.
Wie beeinflusst die Legitimationsfunktion die Neutralität?
In der Legitimationsfunktion kann der Berater als Schutzschild für das Management dienen, wodurch die neutrale Rolle zur Durchsetzung spezifischer Interessen instrumentalisiert wird.
Warum ist das Streben nach Macht eine Gefahr für den Berater?
Durch die Nähe zu den „Mächtigen“ einer Organisation entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, welches die unabhängige und neutrale Haltung des Beraters untergräbt.
- Arbeit zitieren
- Florian Klaede (Autor:in), 2013, Interessenneutralität in der externen Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268511